Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1935)
- Date
- 1935-05-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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29. Mai; 1935 Der Israelit Nr. 22 Seite 5 G'ttesfurcht im heiligen Lande zu entfaltendes hineinzutragen mitten ins praktische Leben und sie werden mit G'ttes Hilfe und mit Hilfe der hebräischen Sprache es fertig bringen, äuch den Teil der palästinensischen Jugend in religiösem Geiste zu beeinflussen, der nicht im Thorageist erzogen wurde. 5. Durch eine hebräisch-orthod o x e Tag es pre s s e. Um die vorgetragenen Zjele zu verwirklichen, brauchen wir als Propagandamittel eine ' orthodox-hebräische Presse. Die Aufgabe einer solchen Tagespresse in Erez Jisroel und in der Gola ist nicht nur, alles hier Vorgetragene zu verwirklichen, sondern das ganze kulturelle, geistige und gesellschaftliche Leben mit dem Geiste der Thora und der Ueberlieferung zu durchdringen und dem Volke eine religiöse Lebensauffassung zu schaffen. Den Nutzen und die Notwendigkeit einer orthodoxen Tageszeitung sehen wir 'in Polen am Warschauer Togblatt, das in hohem Maße dazu beigetragen hat, die. Position der Orthodoxen in ihrem politischen Kampfe nach außen zu stärken und sie im Innern durch Steigerung des religiösen Einflusses^ auf den Gang des Gesamtheitslebens zu kräftigen. Das Bedürfnis nach einer orthodoxen Tageszeitung in Erez jisroel ist in hohem Maße fühlbar nicht nur aus den oben erwähnten Gründen, sondern auch zur Sammlung sämtlicher orthodoxer Kreise im heiligen Lande, angefangen von der Jugend, den Poale Agudas Jisroel, Zeire Agudas Jisroel bis zum Mittelstand und*den misrachistischen Kreisen. Hierdurch werden wir unsere politische Position nach außen stärken und noch mehr unsere innere Lage und werden unseren Genossen geistige Stärke verleihen. So auch können wir unser Ziel verwirklichen, die Sprache zu bereichern und sie im Geiste der Thora zu beeinflussen. Zu diesem Zwecke müßte man alle Persönlichkeiten, die in Betracht kommen, sammeln und . wenn wir unsere besten schriftstellerischen und geistigen Kräfte für diesen Zweck einsetzen und wir der Zeitung ein hohes geistiges, kulturelles und religiöses Niveau verleihen, so werden wir auch das Leben derjenigen beeinflussen können, die noch nicht in unseren Reihen stehen. Eine solche Zeitung, in der auch Uebersetzungen erscheinen können und in denen unsere Anschauungen auf allen Lebensgebieten klar ausgesprochen werden, sollten wir in weitestem Umfange auch in den freien Kreisen in Erez Jisroel unter der Jugend, den Arbeitern im neuen und alten Jischuw umsonst verbreiten und so suchungen sehen, die uns getroffen haben. G'tt prüft und läutert die Seinen, G'tt läßt sich die Seinen nicht entgleiten, G'tt läßt uns >sich nicht verloren gehen, und Seine Stimme, der- Nachhall der furchtbaren G'ttesstimme vom Sinai, ruft uns zu aus allen Zeitereignissen:" Ihr seid mein! Kommet zurück zu mir, zürn Sinai, zu meiner Thora, dia Ihr verließet) knüpfet neu den alten Bund mit mir, den Euer Leichtsinn zerriß! Was Ihr da draußen vernehmet, ist G'ttes alte Stimme vom Sinai! Wie könnte es anders sein? Meinet Ihr, G'tt hätte Seine Pläne geändert oder Seine Thora zurückgenommen? Oder wollet. Ihr Euch etwa mit Stolz Juden nennen, Söhne der allergrößten Vergangenheit, Erben der allerherrlichsten Geschichte und dennoch keinerlei Verpflichtung daraus für Euch entnehmen? Heldensöhne zu sein Euch rühmen und dennoch in Euch, nicht den innersten. Drang und Zwang zu eigenem Heldentum fühlen? Der Thora Feste und Synagogen weihen, aber sie nicht auch lernen und üben? Nein, wir müssen wieder zum Sinai pilgern ,dort mit den Vätern der Offenbarung lauschen und mit den Alten geloben: „Alles, was G'tt geredet, wollen wir tun und hören!" Drum wollen wir, , wie so oft schon in der Vorzeit, die jüdische Sendung und das jüdische Schicksal mit all dem Schmerzlichen und Bitteren, aber auch mit all ihrem Frohen und Herrlichen in Demut' und Gehorsam, aber. aucV in-seligem Hochgefühl wieder auf uns nehmen, es uns zum, Glück und zur Wohne gestalten, daran wieder zu erleben die Wahrheit des Prophetenwortes i ,;I6h habe Dir meine Worte in den Mund gelegt und mit dem Schatten meiner Hand Dich bedeckt, den Himmel zu pfianzeni die Erde zu gründen und zu Zion zu sprechen; Mein Völle-. bist Du." für unsere Thora und unsere Ueberlieferung werben. Respekt können wir uns in diesen Kreisen nur durch aktive Arbeit und durch Taten erwerben. Ihre Vorurteile, die von altersher bestehen, körinen wir auf diese Weise zerstreuen und in Hochachtung für unsere Anschauungen verwändein. 6. Durch Beteiligung an der religiösen Aufbauarbeit auf allen Gebieten, Es genügt nicht das bloße Reden, wie bereits oben erwähnt. Der religiöse Einfluß auf die Entwicklung der Sprache erfordert und kann verwirklicht werden nur durch Beteiligung an der Arbeit auf allen wissenschaftlichen, philosophischen und literarischen Gebieten und in allen Zweigen des kulturellen, ökonomischen und gesellschaftlichen Lebens. Ueberallhin haben wir die Heiligkeit des religiösen Gedankens zu tragen. Deshalb sollten wir uns an den wissenschaftlichen und Forschungsarbeiten des Waad Halaschon beteiligen, die Ergebnisse seiner Forschungen kritisch würdigen und prüfen, inwieweit sie dem Geiste der Thora entsprechen, um sie anzunehmen oder abzulehnen. Wir müssen die Initiative ergreifen überall da, wo es gilt, neue Worte zu finden oder Fremdworte dem Hebräischen anzupassen, damit diese Anpassung im Geiste der Thora und der Ueberlieferung erfolgt. Als Prüfstein für die Frage der Einbürgerung neuer Worte darf nicht allein gelten, ob für diese Worte Vorbilder in unserer Literatur vorhanden sind, oder ob sie einen natürlichen Charakter tragen, sondern auch die Frage, ob sie dem Geiste der Thora und der Ueberlieferung entsprechen. Wir müssen darauf achten, daß Bezeichnungen, die man auf heilige Begriffe anwendet, nicht gleichzeitig für profane, ja unreine Dinge verwendet werden. Das aber kann man nur durch gemeinschaftliche Arbeit mit den Sprachschöpfern erreichen. Auf keinen Fall darf man ihre Arbeiten geringschätzen und über sie hinweggehen, denn sie sind zum Teil schon praktisch in die Sprache übergegangen. Hier sehen wir auch, daß der Aufbau der Sprache mit dem Aufbau Erez Jisroels verknüpft ist. Es ist unmöglich, auf die Entwicklung der Sprache auf den Gebieten der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Kultur Einfluß zu nehmen, ohne sich auch praktisch an dem Aufbau auf diesen Gebieten zu beteiligen. Wenn wir unsere Bestrebungen nicht im praktischen Leben verwirklichen,- bleiben sie nur Theorien und Phantasien. Hier bedarf es reiflichen, ernsten Nachdenkens Für Heimstunden agudistischer Bünde. Bamidbar: Das Buch Schemoth zeigt den Weg vom Galuth zum Leben mit Haschern. Das Buch Wajikra gibt die Lehre über das Leben mit Haschem, das Buch Bamidbar berichtet über den Beginn des Lebens mit Haschern. Ueber den Sinn der Volkszählung, der mit dem der Vielgestaltigkeit zusammenhängt, die. durch die Volkseinteilung zum Ausdruck kommt, S, Hirsch zu den Segnungen in Wajechi und hier Kap. 2, Vers 34. S. auch in den Agudistischen Schriften von J, Rosenheim. Zu den letzten Versen der Sidrah vergleiche man Schemuel I, Kap. 6. Einen der Gedanken zur Begründung des Verbotes, sich unaufgefordert dem Heiligtum zu nähern, bespricht Hirscfi in Wajikra (Kap. 10), bei der Deutung des Schicksals von Nadaw und Awihu, Die Thora spricht von dieser Zurückhaltung bereits bei der Sinaioffenbarung, dann beim Tode der Söhne von Äron, am Ende unserer Sidrah, dann Bam. Kap. 17, 27. — Für die Durchnahme der Zählung eignet sich ein Vergleich der Ziffern des Kap. 2 mit denen des Kap. 26.. Welche Stämme haben sich vermehrt, welche verringert, was sind die Gründö? Daß LeVv hier der "kleinste Stamm ist, rührt daher, daß er in Aegypten nicht zur Frönarbeit gezwungen war und daher nicht den übernatürlichen Segen erhielt (Schemoth Kap. 1, 12) (Nach Ramban). Unter den genannten Gesichtspunkten eignen sich für Jüngerenarbeit besonders die, zu denen die angeführten Teüächberichte herangezogen werden können; Eine äktüelld Anwendung der Gesichtspunkte liegt in den meisten Fällen nahe. A. W. und Prüfens, wie wir unser Ziel, der religiösen Beeinflussung des Lebens und der Sprache verwirklichen können, ohne auf unseren prinzipiellen Standpunkt zu verzichten. (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich. Von der Berliner Repräsentantenversammlung. Berlin, 24, Mai. Die Repräsentantenversammlung vom 13. Mai befaßt sich zunächst mit einem Antrag des Jüdischen Volksbundes, die Oeffentlichk e i t der Repräsentantensitzungen wieder herzustellen. Viele wünschen sie, andere, u. i. auch der Vorsitzende Rechtsanwalt Stern, halten es nichtfür opportun, gerade in der Jetztzeit die Tribüne zu öffnen, die der Sachlichkeit der Verhandlung nie •diente. Es genüge wohl die Berichterstattung im Gemeindeblatt. Vom Vorstände wird mitgeteilt, daß grundsätzlich beschlossen sei, zehn neue Lehrkräfte an den Gemeindeschulen anzustellen. Außerdem wird vom Gemeindevorstande der Versammlung eine Vorlage unterbreitet, mit einer Fleischerfirma ein Abkommen zu treffen, die befeit sei, das Koscherfleisch um RM. —.30 pro Pfund billiger zu verkaufen, wovon RM. —.20 zu Lasten der Gemeinde fallen. Die Firma soll dafür die alleinige Lieferung für die Gemeindeanstalten erhalten. Der Dezernent für das Kaschruthwesen, Herr Adolf S c h o y e r , teilt in dem Zusammenhange mit, daß noch immer kein Weg gefunden sei, die elektrische Betäubung in Vereinbarung mit den Kaschruthvorschriften zu bringen. Die Vorlage wird genehmigt. Eine lebhafte. Diskussion löst wieder einmal die Frage des Vertrages mit der Reformgemeinde, aus Anlaß der Reorganisierung der Volksschule in der Joachimsthalerstraße, aus. Der Jüdische Volksbund kritisiert scharf die religiösen Formen der Reformgemeinde, die aus der Zeit wenig gelernt hätte. Rechtsanwalt Stern erinnert daran, daß die Liberalen auch zionistische Schulen subventionierten und verlangt Toleranz. Kareski weist auf die sehr geringe Zahl der Mitglieder der Reformgemeinde hin, worauf ihm Heinrich Stahl erwidert, daß bei Gründung des ,,Schulvereins" die Mitgliederzahl der zionistischen Partei auch nicht größer ge- (Pilsudski sollte Führer einer jüdischen Legion , sein.) In der Zeitung „Nasz Preglad" veröffentlicht der bekannte jüdische Historiker Prof. Dr. M. B.a - lab an Erinnerungen aus der Zeit des Weltkrieges und erzählt, daß im Jahre 1914 von jüdischer Und polnischer Seite Vorbereitungen getroffen worden waren, um in Galizien eine jüdische L e~g i o n zu bilden, die der Führung Joseph Pilsudskis hätte un-- terstellt sein sollen. Im Sitzungssaal der Lemberger Jüdischen Gemeinde wurde ein aus dem Gemeindepräsidenten Dr. Diamant, Prof. Mandel, Dr. Silberstein, dem jetzigen polnischen Konsul in Tel Awiw, Dr. Bernhard Hausner u. v. a. beistehendes Komitee konstituiert, das eine Legion der nationalen jüdischen Jugend für den Kampf in der Front der polnischen Legionen zusammenstellen sollte. Dr. Hausner übernahm die Aufgabe, mit der österreichischen Heeresleitung und mit den Führern der polnischen Legionen zu verhandeln. Pilsudski und die übrigen Legionsführer begrüßten den Plan mit großer Wärme, dagegen verhielt sich die österreichische Heeresleitung zögernd. SchÜeßlich erklärte auch sie sich mit dem Plan einverstanden und stellte den jüdischen Soldaten, die sich in sehr großer Zahl für die Legion meldeten, Mohtur und Waffen zur Verfügung. Durch die überraschende Okkupierung Ostgaliziens mit der Häuptstadt Lemberg durch. die russischen Truppen wurde der Pan vereitelt. Die Juden, die sich für den Dienst in der Legion meldeten, eilten nach dein Westen, uni in die österreichische Armee einzutreten»