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Der Israelit · 1935-05-29 · Heft 22 (29.5.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 22 (29.5.1935)
Date
1935-05-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 11 Der Israelit 29. Mai 1935 Literaten in Tel Awiw gabauf Grund eines klaren Thoragebotes für solche Fälle ein weitgehendes Ventil geschaffen mit dem Grundsatz Ti2XJ nnVT tfSJl mpD (Lebensgefahr hebt die Rücksicht auf den Sabbat auf). Wie weit der Begriff „Lebensgefahr" ausgedehnt ist, darüber könnte sich Herr P. bei Maimonides und den anderen Dezisoren leicht orientieren. . Den Sabbat unter dem Gesichtspunkte der Awodah Iwrith zu werten, hieße vollends, den Sinn der Sabbatruhe in sein Gegenteil umbiegen. Darüber mit den Weisen des „Dawar" zu diskutieren, fehlt uns jede Plattform. Wer so denkt, ist durch eine Kluft von uns getrennt* über die hinaus unsere Stimme ihn nicht erreichen kann. Darum begnügen wir uns mit der Feststellung, daß solche Diskussion in einem öffentlichen jüdischen Organ schon an sich den Sabbat nicht minder verletzt, als die roten Fahnen, die die jungen Herren gelegentlich am Sabbat Vormittag vor den Synagogen zu Tel Awiw schwingen. Das Ende einer jüdischen Siedlung. Die im Jahre 1931 vom „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" in hoffnungsvoller Voraussohau ins Leben gerufene jüdische Siedlung in Groß-Gaglow bei Kottbus wurde nun aufgelöst. Mit diesem Unternehmen sollte erstens der Nachweis der Möglichkeit einer ländlichen Seßhaftmachung von Juden auch in Deutschland erbracht werden und es sollte darüber hinaus der damals schon sich als Notwendigkeit erwiesenen beruflichen Umstellung der Juden dienen. So wurde denn der Wert von Groß-Gaglow von allen Kreisen der Judenheit erkannt, und auch wir im „Israelit" hatten wiederholt Gelegenheit, unter Betonung des jüdischen Charakters der Siedlung als Voraussetzung, den Versuch aufs Wärmste zu empfehlen, 24 jüdische Familien hatten auf dem Gute ohne eigene Mittel ein Heim gefunden, etwa 300.000 Mark sind in den vier Jahren, von der jüdischen Oeffentlichkeit aufgebracht und in der Siedlung investiert worden, um sie entsprechend auszubauen. An Fleiß und gutem Willen der Siedler hat es gewiß nicht gefehlt. Die Schließung liegt im Zuge der Aktionen, die eine Verwurzelung des deutschen Juden in der deutschen Scholle als nicht erwünscht erscheinen lassen. Bis zum 1-. Juni muß auf behördliche Verordnung die Räumung vollendet sein, so setzte die Liquidation schon Anfang Mai mit der Versteigerung des toten und lebenden Inventars ein. Bei diesem jähen Ende, das ein scheinbar zukunftsverheißendes Unternehmen gefunden hat, könnte es den Initiatoren zum Tröste gereichen, daß der Qoppelzweck des Unternehmens im Ganzen erreicht wurde. Der Nachweis für den Willen und die Befähigung der jüdischen Bevölkerung zur Landwirtschaft ist erbracht. Viele Hunderte wären zu den 24 Siedlern gekommen, wenn die Umstände es erlaubt hätten und sich die Zukunft der Siedlung so gestaltet hätte, wie vorausgesehen war. Die berufliche Umschichtung der kleinen Zahl jüdischer Menschen, die freilich in keinem Verhältnis zu den aufgewandten Mühen und Mitteln steht, ist aber ebenfalls erreicht. Wir wollen hoffen, daß diese ersten Pioniere» die sich in den vier Jahren als tüchtige Landwirte bewährt haben, recht bald den Weg nach Palästina finden, wo sie ihre Kenntnisse und Erfahrungen mustergültig verwerten können. Die hebräische Sprache und das geietzestreue Judentum Von Pinchas Wollmann in Frankfurt a. M. (Fortsetzung.) 4. Orthodoxe Schulen. Eine große Bedeutung haben die orthodoxen Schulen, in denen man die Jugend im religiösen Geiste heranbildet und die heilige Sprache sprechen lehren wird. Die Grundlagen des hebräischen Sprechens gemäß den grammatischen Gesetzen müssen der Jugend in der Schule schon von der Anfangsklasse an in unserem Geiste beigebracht werden, Dort werden die Schüler eine systematische Durchbildung in grammatischer Hinsicht, sowie auf dem Gebiete der Rechtschreibung und des Stils von erfahrenen und orthodoxen Lehrern erhalten, die selber Hebräisch sprechen. Selbstverständlich muß die Unterweisung nach der natürlichen Methode, d. h. Iwrith b'Iwrith, erfolgen ohne Uebersetzungen, um dadurch die Schüler an das hebräische Denken und Sprechen zu gewöhnen. Damit die Sprache auch bei Ihnen nichts Oberflächliches wird, muß man sie Tnacb ebenfalls Iwrit b'Iwrit. und in sfardischer Aussprache lehren, ebenso auch unsere alte Wissenschaft, die Literatur des Mittelalters und die neue Literatur; auch schriftliche Arbeiten und Aufsätze sind in dieser Weise anzufertigen. Wenn sie dann außerdem jeden Tag einige Stunden Mischna, Gemara lernen, werden sie ein festes Fundament für ihre sprachliche Ausbildung besitzen. Aber um einen solchen Plan zu verwirklichen, kann man sich natürlich nicht mit einer oder zwei Stunden in der Woche begnügen, sondern man muß mindestens eine Stunde jeden Tag zur Verfügung haben. Außer; dem muß man die Kinder veranlassen, unter sich in der Schule und zu Hause Hebräisch zu sprechen. Nur auf diese Weise kann man ihnen allmählich alle Gebiete vertraut machen, die für eine gründliche Kenntnis der hebräischen. Sprache notwendig sind. Was die sfardische Aussprache betrifft, so sollte man diese Frage wie folgt regeln: Heilige Dinge, wie das Gebet, das Lernen des Chumisch, Mischnajoth, Gemara und Dinim lernt man in aschkenasis ch e r Aussprache, aber yit alte und neue Literatur und Sprachunterricht wird in sfardischer Aussprache erteilt. Unser Erziehungsziel ist ja heute nicht bloß die Gola, sondern in entscheidendem Maße Erez Jisroel und wenn wir unsere Jugend auf das heilige Land vorbereiten wollen, dann müssen wir sie schon hier an die sfardische Aussprache gewöhnen, deren man sich in Erez Jisroel bedient, nicht aber einen Zwiespalt in die Seele der Jugend hineintragen durch zwei verschiedene Aussprachen auf demselben Gebiete. Wenn man z. B. der Jugend Unterricht in den Propheten erteilen will, derart, daß jeder Abschnitt erläutert und wiedergegeben wird in "hebräischer Sprache, dann ist es doch unmöglich, von ihnen zu verlangen, diese Inhaltswiedergabe in sfardischer Aussprache zu vollziehen und den Text selbst in aschkenasischer Aussprache zu lesen. Da muß nun alles in sfardischer Aussprache erfolgen. Auf diese Jugend, die in den orthodoxen Schulen erzogen wird, kann man einwirken, daß sie der Heiligkeit der Sprache sich bewußt bleibt. Man muß darauf achten, daß sie nur mit bedecktem Haupte Hebräisch spricht, muß das Gefühl der Ehrfurcht vor der Heiligkeit unserer heiligen Sprache in ihren Herzen verwurzeln. Diese Schulkinder sind ja unsere Zukunft. Ihnen wird es, wenn sie ausgerüstet mit der hebräischen Sprache ins Leben treten, obliegen, das Banner der Thora und der Himmel, Erde und Zion. Aus einer Sehwuaiispredigt des Landrabbiners Dr. de Haas b*xr in Oldenburg. nnx jtx5> imbi px no^i o'»p ywib ,,Den Himmel zu pflanzen, die Erde zu gründen" — denn das, m. a. Z., ist der ganze Inhalt, Sinn und Zweck der Offenbarung, der Gesetzgebung, der Thora. „Eines hat G'tt gesprochen, ein Doppeltes habe ich gehört". Das einheitliche Zehnwort, wie es ungeteilt aus G'ttes Munde erging, sondert sich für uns Menschen auf zwei Bundestafeln zu je fünf Geboten. Die erste Tafel, die Tafel der Religion, soll den Himmel pflanzen, die zweite Tafel, die Tafel der Sittlichkeit, die Erde gründen. Mit dem gewaltigen Onaucfn Haschern elaukecho nicht der Ewige, hin Dein G'tt.'" redet G'tt von der ersten Tafel jeden von uns als G'ttesgeschöpf, G'ttesdiener und G'tteskind an, nimmt ihn an jedem Tage aufs Neue in Pflicht und Gehorsam, untersagt mit dem zweiten Worte jede Abgötterei, jedes Heidentum, ja, jede bildliche Darstellung des einzigen, ewigen, überweltlichen G'ttes, dem niemals ein Geschöpf zum Abbild werden kann, denn niemals wird G'tt zum Geschöpf und das Geschöpf zu G'tt, Drum ist G'ttes Name das Höchste und Heiligste, was der Mensch kennen, den er nur mit tiefstem Erschauern nennen kann, den Niemand je zum Unnützen ungestraft ausspricht öder gar im Eide anruft zu Lug und Trug. Damit aber der Himmel gepflanzt und fest im Erdreich Wurzel schlage, muß einer von den sieben Tagen ganz G'tt, nicht Dir, Deinem Beruf, Deinem Geschäft und Vergnügen gehören, und willst Du mehr noch von G'tt wissen, von dem Du Dir doch kein Bild machen darfst, nun, so lerne Vater und Mutter ehren, dann denke Dir G'tt als den liebenden und schenkenden, aber auch gerechten und strafenden Vater, auf daß Du Ihm gehorchest wie Vater und Mutter, und Du lange lebest und es Dir wohlergehe auf Erden. Die zweite Tafel aber gründet die Erde, das Zusammenleben der Menschen hienieden. Keine Familie, kein Verein, kein Staat kann bestehen ohne die Gebote: Du sollst nicht morden, nicht ehebrechen, nicht stehlen, Du sollst kein falsches Zeugnis reden, kein sündiges Begehren tragen nach dem Besitz des Nächsten. Jede menschliche Gesellschaft wird zerstört, wo Leben und Ehe, wo Hab und Gut und des Nächsten guter Name nicht so heilig und unverletzlich sind, daß nicht einmal frevelndes Verlangen sie anzutasten wagt. Keiner möchte in einer solchen Gesellschaft leben, sie müßte zusammenstürzen, ganz wie der MiArasch sagt.' G'tt habe mit dem Schöpfungswerke ausgemacht: wenn Israel die Thora annimmt, so ist es gut, so mag das Weltall bestehen bleiben, wo nicht, so stürz« ich die Welt wieder in die uranfängliche Wüste und Leere. So pflanzt die erste Tafel den Himmel, so gründet die zweite die Erde. Aber was uns als ein zwiefaches erscheint, das ist von G'tt aus gesehen nur eines; die. beiden Tafeln kannst Du nicht auseinanderreißen. Es gibt keine Religion, keine Frömmigkeit und G'ttesverehrung, die sich nicht ernstlich auszuwirken, und zu bewähren hätte in Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe, und es gibt hinwiederum auch keine Sittlichkeit, keine Moral und Ethik, die. nicht beruhte auf Religion und G'ttesfurcht. Denn Sittlichkeit ohne Religion entbehrt zuletzt jeglicher Begründung und schwebt bodenlos und haltlos in der Luft, Und darum schon glauben wir auch heute noch allen Enttäuschungen einer trüben Gegenwart zum Trotz zuversichtlich an das Kommen des G'ttesreiches auf Erden, an den endlichen Sieg der Gerechtigkeit, weil hinter der zweiten Tafel die erste steht, hinter den Geboten der Gerechtigkeit der allmächtige G'tt, der uns für ihre endliche Erfüllung bürgt. „Ich habe meine Worte Dir in den Mund gelegt und mit dem Schatten meiner Hand Dich bedeckt, den Himmel zu pflanzen, die Erde zu gründen und zu Zion zu« sprechen: Mein Volk bist Du." „Und zu Zion zu sprechen: Mein Volk bist Du!" Ja, wir bleiben auf ewig G'ttes Volk! Das mag vielleicht stolz und anmaßHch klingen, stimmt aber in Wahrheit nur nachdenklich, ernst und bescheiden. Freilich ist es oft' genug mißdeutet und übel gedeutet worden, und auch wir dürfen es nicht falsch verstehen. G'ttes zu sein ist gewiß ein "Vorzug, aber vor Allem doch schwerste Aufgabe und ernsteste Verpflichtung. Denn daß G'tt uns erwählt hat, heißt doch gerade nichts Anderes, als daß. Er uns Seine Thora gegeben hat, das verpflichtet uns zu völligem Gehorsam, zur Bewährung unseres Vorzuges durch Leben und Wandel. G'ttes Erwählter "zu sein ist das Schwerste, Ernsteste und Verantwortlichste, was es gibt. Denn also spricht der Prophet: „Nur Euch habe ich auserwählt aus allen Völkern, darum ahnde, ich . an Euch .alle Eure ' Sünden." In solchem Licht müssen wir die erschütternden Heim-

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