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Der Israelit · 1935-05-23 · Heft 21 (23.5.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 21 (23.5.1935)
Date
1935-05-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^■■■■^■Il Seite 8 Nr. 21 Der Israelit 23; Mai 1935 end der Trauerzeit in allen Synagogen und Bethäuern Trauer- und Gedenkgebete gesprochen. Am Freitag, dem Tage der Ueberführung, blieben »amtliche jüdischen Geschäfte und Werkstätten geschlossen. In sämtlichen Synagogen brannten während les ganzen Tages Kerzen zum Gedächtnis des verstorbenen Marschalls. Der Vorsitzende der Warschauer Jüdischen Gemeinde, M a z u r , hat eine Konferenz einberufen, die ein aus den Vertretern aller Schichten und Lager der polnischen Judenheit bestehendes Komitee zwecks iinleihing einer Aktion zur Schaffung einer das Andenken an Pilsudski verewigenden Einrichtung wähen soll. In einer Trauersitzung des Rates der Warschauer Jüdischen Gemeinde hielt Präsident M a z u r eine Ansprache, in der er u. a. erklärte; „Wir Juden, Bürger Polens, teilen mit dem gesamten polnischen Volk -die tiefe Trauer über den Tod unseres großen Führers, des Befreiers der polnischen Nation. Die polnischen Juden, deren Leben seit 800 Jahren mit dem Leben der gesamten polnischen Nation innigst verknüpft ist, haben stets Gefühle tiefster Verehrung dem Manne entgegengebracht, der Polen aus der Sklaverei befreite, die Unabhängigkeit der polnischen Nation wiederherstellte und gemeinsam mit dem polnischen Staat die traditionelle polnische Toleranz gegenüber allen ohne Unterschied der Nationalität und des Bekenntnissses neu aufleben ließ. Wir Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde sind als Vertreter der jüdischen Bevölkerung der Hauptstadt Warschau zusammengekommen, um dem Andenken an den ersten Marschall des erneuerten Polens zu huldigen und unserer Trauer über seinen Tod Ausdruck zu geben." ' Einen besonders eindrucksvollen Trauerg'ttesdienst hielt in der Großen Warschauer Synagoge der V e rband jüdischer Teilnehmer an den polnischen Freiheitskämpfen gemeinsam mit der Jüdischen Invalidenvereinigung ab. Der G'ttesdienst wurde von dem Feldoberrabbiner Major Steinberg geleitet. Jüdische Trauer in Krakau. K r a k a u , 19. Mai. Anläßlich der Beisetzungsfeierlichkeiten in Krakau fand in der Krakauer historischen Altschul ein feierlicher Gedächtnisg'ttesdienst statt. An diesem und an den Trauerg'ttesdiensten in' den übrigen Krakauer Synagogen nahmen über hundert jüdische Abordnungen teil. Im Trauerzuge bildete unter allen Abordnungen der Minderheiten die jüdische die stärkste. Rabbiner und Gemeindevorsitzende aus ganz Polen nahmen an dem Leichenbegängnis teil und legten Kränze an der Ruhestätte nieder. Die Schleifen trugen Widmungen in polnischer Sprache, in denen die tiefe Verbundenheit der polnischen Juden mit dem verstorbenen Heerführer und Staatsmann zum Ausdruck kam. In sämtlichen Synagogen Polens fanden Trauerg'ttesdienste statt. Auf sämtlichen Stationen der Strecke Warschau—Krakau waren jüdische Abordnungen erschienen, um bei , der Durchfahrt des Leichentransportes dem toten Marschall die letzte Ehre zu erweisen. Die Zentrale der Agudas Jisroel hatte ihren Londoner politischen Sekretär, H. A. Goodman, Mitglied des Board of Deputies und des Joint Foreign Committee, zur Trauerfeier delegiert. Lettland. Energisches Einschreiten gegen Ritualmordpropaganda in Letland. Riga, 7. Mai. In letzter Zeit haben dunkle Elemente in Dünaburg das Gerücht verbreitet, Juden hätten eine Christin zu rituellen Zwecken ermordet. Diese Hetze rief begreiflicherweise unter der jüdischen Bevölkerung, die den Ausbruch von Unruhen befürchtete, starke Erregung hervor. Der sofort eingeleiteten behördlichen Untersuchung gelang es, die Namen der Schuldigen zu ermitteln. Ihnen wurde bedeutet, daß rücksichtslos gegen sie vorgegangen werden würdei falls das sinnlose Gerücht weiterverbreitet werden sollte. Dank dem energischen Einschreiten der Behörden ist die Ritualmordhetze verstummt. (ITA.) England, Das europäische Flüchtlingsproblem. L o n d o n , 17. Mai. Das Problem der vielen tausende Flüchtlinge aus ,. verschiedenen Ländern, die auf internationale Unterstützung angewiesen sind, wurde vor dem englischen Außenminister Sir John Simon von einer Abordnung zur Sprache gebracht, die die Völkerbundsliga, den Kinderrettungsfonds, den vom Londoner Bürgermeister geschaffenen Armenierhilfsfonds und den akademischen Hilfsrat repräsentierte. Der Abordnung, in der auch die Erzbischöfe von Ganterbury und Westminster und die Gesellschaft der Freunde vertreten Waren, gehörten neben der Gattin des Außenministers, Lady Simon, Lord Hugh Cecil, Lord Noel Buxton, u. a. auch der Oberrabbiner ■des britischen Reiches, Dr. J, H. Hertz und die Gattin des Präsidenten des Board of Deputies, Neville La.ski, an. Außenminister Sir John Simon erklärte, er freue sich, daß eine so große und repräsentative Abordnung sich mit diesem wichtigen Gegenstand befaßt habe, dessen tragischen Charakter niemand verkennen könne. Er habe zur Kenntnis genommen, daß der Hauptvorschlag dahin geht, in Genf eine zentrale Organisation des Völkerbundes oder eine unter seiner Leitung stehende Organisation zu schaffen, der sämtliche noch übrig gebliebenen Arbeiten der bestehenden Hilfsorganisationen übertragen werden sollen. Die neue Organisation solle einen Umfang haben, der es ihr ermöglicht, sich auch in Zukunft mit gleichartigen Problemen zu befassen. Was die finanzielle Seite anbetrifft, so habe er das Anliegen so verstanden, daß die Abordnung nicht verlangt, die Regierungen mögen die Kosten der Erhaltung und Seßhaftmachung der Flüchtlinge tragen, wohl aber zu den Verwaltungskosten der vorgeschlagenen Organisation beisteuern. Maßgebend für die gegenwärtige Lage seien Beschlüsse der Völkerbundsversammlung, die die schrittweise Liquidierung des Nansenamtes von 1938 an vorsehen, woraus zu entnehmen ist, daß die Völkerbundsversammlung das Flüchtlingsproblem nicht als ständige Angelegenheit des Völkerbundes betrachtet. Doch habe das Argument viel für sich, daß die geänderten wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Welt ein anfänglich als vorübergehend angesehenes Problem zu einem solchen von längerer Dauer als man früher hoffen . durfte, gemacht haben. Andererseits müßten die Freunde des Völkerbundes mit der Tatsache rechnen, daß der Völkerbund, wenn er die Behandlung dieses Problems als ständige Aufgabe übernehmen wollte, einen grundsätzlichen Beschluß fassen müßte. Die Abordnung habe durch Vorstellungen bei der Regierung und Aufklärung der öffentlichen Meinung den Weg zu einer möglichen Behandlung dieser Frage gebahnt. Die englische Regierung werde sicherlich nichts tun, um ihre Behandlung zu verhindern. Sollten mehrere Staaten die Dringlichkeit des Problems empfinden, so sei es wahrscheinlich, daß es in der nächsten Völkerbundsversammlung zur Sprache kommen werde. Eine Erklärung, welche Haltung die Regierung Seiner Majestät in dieser Frage einnehmen werde, könne er nicht abgeben. Er möchte jedoch sagen, daß jeder begründete Vorschlag, der sich als verständig und nützlich erweisen werde, sicherlich von der Regierung wohlwollend erwogen werden wird. Palästina. Jerusalemer Brief. Jerusalem, 18, Mai. Die von der Regierung nach Entgegennahme beiderseitiger Wünsche angeordneten Verhandlungen zwischen den Vertretern des Waad Leumi (Knesses Jisrael) und Agudas Jisroel nahmen am Dienstag, den 4. Ijar, ihren Anfang. Für die Regierung leitet die Verhandlung M. Nurok. Im Auftrage der Agudas Jisroel erschienen Rabbi Mosche Blau, Rabbi Jonathan Horowicz und Rabbi Raphael Katzenellenbogen. Die Sache des Waad Leumi vertreten die Herren Ben Zwi, Rabb. M. Ostrowski und Abraham A 1 m a 1) a. Herr Nurok verlas ein Schreiben des High Commissioners, in dem er den Verhandlungen Erfolg wünscht und die Hoffnung ausspricht, daß die gerechten Forderungen der Orthodoxie erfüllt werden. Er selber hätte ihnen gerne beigewhont, müßte er nicht in dringenden Amtsgeschäften nach Syrien fahren. Andere Begrüßungsschreiben von hohen Persönlichkeiten wurden verlesen. In zweistündiger Sitzung wurde über die allgemeine Plattform der Verhandlung beraten und dann die Verhandlung auf den 10. Ijar vertagt. Die Sitzungen finden in den Räumen der Regierung statt. Die Delegierten der Aguda begaben sich gleich nach der ersten Sitzung zu Oberrabb. Duschinski, um ihm Bericht über den Stand der Dinge zu erstatten. Die gesamte jüdische Oeffentlichkeit zeigt das lebhafteste Interesse an den Verhandlungen. In gesetzestreuen Kreisen sieht man dem Ausgang hoffnungsvoll entgegen, wenn es auch ängstliche Gemüter gibt, die aus ihrem Mißbehagen kein Hehl machen, mit den zionistischen Kreisen, — und sei es auch nur in politischen und sozialen Dingen, die mit Religion nichts zu tun haben —, einen Pakt zu schließen. Man kann es aber begrüßen, daß die Dinge einem Abschluß zueilen und daß selbst der Hochkommissar die Hoffnung ausspricht, daß die gerechten Forderungen •der Aguda und der orthodoxen Gemeinde voll erfüllt werden. ~ Inzwischen macht sich die orthodoxe Einwanderung im jüdischen Leben Jerusalems sehr stark und vorteilhaft bemerkbar, und man darf hoffen, daß nach Vorbild des Waad Hair Hoaschkenasi in Jerusalem auch die orthodoxen Gemeinden im Lande auf gesunde Grundlage gestellt werden. In das Sonderkomitee zur Förderung der orthodoxen Gemeinde, das vor kurzem gewählt wurde, wurden Persönlichkeiten aus allen Kreisen und Schichten der polnischen, deutschen, litauischen und slovakischen Landsmannschaft gewählt, Dr. Ahron Me i e r ist Vorsitzender, die Herren Saly Geis und S, Alexander Vizepräsidenten des Komitees. Ein Kaschruskomitee arbeitet in Permanenz, und seine Arbeit wird allgemein auch über den engen Kreis der Orthodoxie hinaus anerkannt. Die erste Liste der unter Aufsicht des Komitees (des Oberrabbiner Duschinski) stehenden Pensionen und Hotels ist erschienen und von Unzähligen, die im heiligen Lande ohne Bedenken rituell leben wollen, mit Freude begrüßt worden. Die Niederlassung n*»»» p*l5T' die Rabbi Jakob H a 1 p e r n auf den Namen des Lubliner Raw VXT errichtet hat, entwickelt sich in erfreulicher Weise. Die neu errichtete Synagoge wurde am Sonntag eröffnet und eingeweiht. Zur Einweihungsfeier kamen Gäste aus Jerusalem, Petach Tikwah und Bne Brak und aus fast allen orthodoxen Kibbuzim. An der Spitze der Gäste saßen Oberrabb. Duschinski, Rabbi Mosche Blau und Rabbi M, Glückmann-Porusch. . Der vom Oberrabbiner geführten Delegationen der Agudas Jisroel wurden auf dem Wege nach der Niederlassung herzliche Ovationen dargebracht. Rabbi Jakob Halpern eröffnete die Feier, indem er den Raum seinem heiligen Zwecke übergab. Darauf hielt Oberrabbiner Auschinski eine zündende Ansprache, in der er das Andenken des Lubliner Raw feierte und Rabbi Jakob Halpern, dem Manne, der jenem Gaon ein solches Denkmal errichtet hat, den Dank aussprach. Nach weiteren Reden von Rabbi Samuel Halpern, Rabbi Mosche Blau und Rabbi Hillel W i d k i n d, dem Leiter der Jeschiwa. ^0T> rPIi in Tel Awiw, blieb man bei guter Bewirtung, Gesängen und froher Gemütlichkeit mehrere Stunden beisammen. Die Feierlichkeiten in Palästina infolge des Thronjubiläums des Königs Georg (über die wir bereits ausführlich berichtet haben) nahmen einen herrlichen Verlauf. Oberrabbiner Duschinski hatte bekanntgegeben, daß am Jubiläumstag, Montag, den 6. Mai, nach der Verlesung der Thora, in allen orthodoxen Synagogen eigene Gebete für den König und die Regierung eingeschaltet werden. Daß die Zentrale der Aguda und der orthodoxen Kehilla Huldigungstelegramme nach London geschickt haben, wurde bereits berichtet. Zu Ehren von Herrn S. Friedmann, Warschau, dem Delegierten der Aguda-Weltorganisation,' der Palästina dieser Tage verließ, fand ein Abschiedsbankett statt. Rabbi Friedmann hatte in Wort und Tat während seines Aufenthaltes in Palästina den Agudabelangen gedient und vieles erreicht, dafür wurde ihm der Dank des alten Jischuw zuteil. M. G. P.

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