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Der Israelit · 1935-05-16 · Heft 20 (16.5.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 20 (16.5.1935)
Date
1935-05-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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1*6. Mai 1935 Der Israelit Nr. 20 Seite 9 und damit Anlaß zu unangebrachtem Meckern finden kann. Als wenn es überhaupt „nationaldeutsche Juden" gäbe! Um das zu begreifen^braucht man sich nur einmal vorzustellen, Deutsche; die das Unglück hätten, in- Palästina zu sitzen, kämen auf den verbogenen-Gedanken, einen Klub — „nationaljüdischer Deutscher" zu gründen . . . Auch für Zwitter ist kein: Raum im neuen Reich." (ITA.) Semestereröffnung am Rabbiner seminar, B e r lin , 15. Mai. "Am Montag, den 6. Mai, eröffnete der Rektor des Rabbinerseminars, Herr Dr. J. Weinberg, das Sommersemester. In seiner Rede gab er einen Rück blick über das vergangene Jahr und betonte, daß wir noch in der Trauerzeit um den „Vater des Seminars" Meier Hildesheimer stehen, zu dessen Erinnerung alle Anwesenden sich von ihren Plätzen erhoben. Den Vorsitz im Kuratorium führe nun Herr- Handelsgerichtsrat Felix Struck mit aufopfernder Energie. Auch habe das Seminar durch die Uebersiedlung Dr. M.-Auerbachs nach" dem heiligen Lande einen schweren Verlust erlitten, doch sei es gelungen, diese Lücke mit den besten Kräften auszufüllen. Er begrüßte in diesem .Zusammenhange Herrn Rabbiner Dr. J. F r e im a n-n als den wahrhaft jüdischen Gelehrten und dankte ihm dafür, daß er sein reiches Wissen so bereitwillig zur Verfügung gestellt habe. Auch verlieh; er seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Sohn Meier Hildesheimers, Herr Dr. Esriel Hildesheimer, als Träger dieses großen Namens wiederum seihe Vorlesungen am Seminar aufgenommen habe. Ebenso freue er sich, Herrn Rabb. Abraham Wo 1 f innerhalb des Lehrbetriebes wirken zu sehen und rief-ihm ein herzliches Chasäk weemaz zu. Wir stehen, so fuhr der Redner fort, im Zeichen des Rambam-Jahres. Auch das Seminar leite besonders den Anfang des Semesters durch Rambam-Vorträge aller Dozenten ein. Wenn auch der Orthodoxie der Rambam keine bloße historische Erinnerung, sondern lebendige Wirklichkeit bedeute, so dürfe sie doch jetzt nicht beiseite stehen. Im Gegenteil, gerade sie müsse dem ganzen jüdischen Volke zeigen,, wie man zu einem echten Verständnis Rambams kommen und ihm gerecht werden könne. Man setze dabei echte Seminartradition fort. Wenn der Gründer des Institutes, Esriel Hildesheimer, Ndie Einbeziehung der Wissenschaft dn dem Gesamtbereich des Thorastudiums gefordert habe, so habe ihm darin Rambam" vorgeschwebt,. dem auch Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze gewesen seien. In diesem Geiste werde das Seminar seine Arbeit fortsetzen. Anschließend hielt Herr Rabbiner Dr. J. Freimann seinen^ Eröffnungsvortrag über „Rambam als Gesetzeslehrer und Gutachter". Er wies in eingehenden Quellenzitaten nach, wie wenig die Angriffe gegen den Rambam berechtigt seien und wie oft man ahn falsch verstanden habe und immer noch falsch verstehe, . Jüdische Gemeindearbeit in Breslau. Breslau, 3. Mai. Die Etatsberatungen in der Breslauer Jüdischen Gemeinde sind zum Abschluß gekommen. Die Steuerabgaben wurden in der .gleichen Höhe wie im vergangenen Jahre festgesetzt. Sie betragen 25 Proz. Zuschlag zur Reichseinkommensteuer, 45 Proz. Zuschlag zur Reichsvermögenssteuer, die jedoch nur zu zahlen sind, wenn sich dabei" im Einzelfalle ein höherer Betrag als bei einer Berechnung nach der Einkommensteuer ergibt; außerdem ist ein Gemeindegeld zu zählen, das zwischen Mk. 6.— und Mk. 60.— gestaffelt ist. Aus dem Bericht über die Entwicklung des Schulwesens in der Gemeinde ist zu entnehmen, daß im Jahre 1934/35 die Volksschule des alten Schulvereins 470 Schüler, sein Reformrealgymnasium 297 Schüler zusammen 767 Schüler hatte. Die Schule des neuen Schulvereins, der sich im wesentlichen auf die liberalen Kreise der Gemeinde stützt, besuchten- 330 Schüler. Im Schuljahr 1935/36 umfassen die Schulen des alten Schul Vereins insgesamt 890 Schüler (530 und 360), die Schule, des neuen Sehulvereins 400 Schüler. Ueber die "soziale Zusammensetzung der Schüler an beiden Schulen gibt der bemerkenswerte Hinweis Aufschluß, daß an den Schulen des alten Schulver eins 353 Freischüler sich befinden (303 und 50ji, an der Schule des neuen Schulvereins 120. Die Tätigkeit des jüdischen Wohlfahrtsamtes i hat in ungewöhnlicher Weise zugenommen. Nicht weni ger als 45 Proz. aller Gemeindeangehörigen werden in irgendeiner Form vom Wohlfahrtsamt betreut. Die Woche. Berlin. Der Reichsausschuß, der jüdischen Jugendverbände teilt mit: Der Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsol d a t e n ist dem Reichsausschuß beigetreten. Der Zusammenschluß der jüdischen Jugend ist somit vollendet. Leipzig. Der Oberbürgermeister der Stadt Leipzig hat verfügt, daß Straßen der Stadt, die nach Juden und Judenstämmlingen benannt sind, umbenannt werden. Es sind dies -die Abraham-, und die Eitingen-Straße, sowie die _Judassohn-, Mendelssohn-, Moscheles-, Plaut- und Simsonstraße und die Simsonbrücke. Amsterdam. Im Alter von 75 Jahren ist der Präsident der Exekutive der Amsterdamer Aschkenasim - Gemeinde, S. Loopuit, gestorben. Er war über seine Gemeinde hinaus ein im sozialen Leben der holländischen Judenheit sehr verdienter Mann und im Besitze vieler hoher Orden. Bukarest. Sämtliche Bethar- Gruppen wurden von der Behörde aufgelöst. Athen. Der Oberrabbiner von Saloniki und Griechenland, Dr. K o r e t z , wurde in Athen, das er zum ersten Mal seit seinem Amtsantritte besuchte, mit militärischen Ehren empfangen und von der Regierung offiziell begrüßt. Brüssel. Dieser Tage traf in Belgien eine Gruppe von 50 aus Deutschland stammenden Juden aus Brasilien ein, die sich dort keine Existenz gründen konnten. Die belgische Regierung gestattete ihnen aber nicht, auf belgischem Boden zu landen, da sie die Ueberfahrt nicht von einem belgischen Hafen unternahmen. Rom, In dem historischen Palazzo Dorie wird demnächst eine Austeilung von Handzeichnungen und Radierungen Max Liebermanns eröffnet. London. In der Unterhaussitzung vom 8. Mai fragte der Abgeordnete W e d g e w-o o d den Minister für . die Kolonien, ob es ihm bekannt sei, daß der 18jährige. Wächter des Jüdischen Nationalfonds, .Salomon Jacob, zu 7% Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er einen Araber, der unbefugt das .bewachte Grundstück betrat und aus dem dort befindlichen Steinbruch Steine entwendete, erschoß. In schriftlicher Beantwortung der Anfrage teilte der Minister mit, daß er vom High Commissioner für Palästina einen Bericht über diesen Fall eingefordert habe, Moskau. Aus zuverlässiger Quelle wird gemeldet, daß die Regierung 4500 Juden aus Polen und Rumänien die Einwanderungs¬ und Ansiedlungserlaubnis für B i r o B i d - s c.h a n erteilt hat, Jerusalem, Nach der ' offiziellen Statistik sind im 'Monat März d. J. 6800 Juden in Palästina eingewandert. — Wie die ITA. erfährt, sind dm April rund 4200 Juden nach äPalästina eingewandert. Im vergangenen Monat war mit ca. 7000 Einwanderern 'die höchste Monatseinwanderung seit dem Inkrafttreten des Palästinamandats erreicht worden. — Nach offiziellen ärztlichen Berichten ist die Kindersterblichkeit in Palästina von 4,8 Proz. in früheren Jahren im Jahre 1934 auf 2,9 Proz. gesunken, Rio de Janeiro. Nach amtlichem Bericht sind im Jahre 1934 rund 1819 Juden in Brasilien eingewandert. Die Bevölkerungsbewegung unter den Juden Dresdens im Jahre 1934. Dresden, 3. Mai. Von der Israelitischen Religionsgemeinde in Dresden werden Zahlen bekannt gegeben, die ein ergänzendes Bild über die bisher veröffentlichten Ziffern der jüdischen - Bevölkerungsbewegung i. J, 1934 geben. Die Gemeinde Dresden zählte als Bezirksgemeinde i. J. 1933 4675 jüdische Seelen. Die Zahl der Geburten für das Jahr 1934 betrug 19, genau wie im Jahre 1933. Gibt diese geringe Zahl der Geburten bei einer nach Tausenden zählenden jüdischen Bevölkerung einen Begriff von der Bevölkerungssituation der Juden besonders in den größeren Gemeinden, so wird diese Lage noch deutlicher, wenn man der Anzahl der Geburten die Sterbefälle gegenüberstellt. Im Jahre 1934 starben in Dresden 64 Juden (1933: 66j. Im Jahre 1934 wurden 12 Trauungen vorgenommen (1933: 16). Auffällig ist die hohe Zahl der Austritte, die i. J. 1934 22 betrug (1933: 51). Nach dem Verwaltungsbericht der Gemeinde handelt es sich hierbei fast ausschließlich um Menschen, die bisher um ihre formelle Zugehörigkeit zum Judentum, z. B. bei Abstammung aus Mischehen, selbst nicht gewußt hatten, und durch die Erklärung ihres Austritts nur eine Formalität nachholen; weiterhin fallen darunter früher zum Judentum übergetretene Witwen jüdischer Ehemänner, die nunmehr zu ihrem alten Glauben zurückgekehrt sind. Austrittsfälle der früher üblichen Art sind in den Jahren 1933 und 1934 so gut wie ganz verschwunden. Die Zahl der Wiedereintritte in das Judentum betrug 13 (1933: 1). Zum Judentum übergetreten sind i. J. 1934 7 Personen (1933: 8). Am 23. April wurde in Dresden eine jüdische Volksschule eröffnet. Zuerst werden die vier untersten Klassen der Schule eingerichtet wer- ' den, im Laufe der Jahre aber ein Ausbau zur Volksschule mit 8 oder 9 Klassen erfolgen. Mit Genehmigung des sächsischen Volksbildungsministeriums wird die Schule nach dem. i. J. 1929 herausgegebenen „Lehrplan für die Volksschulen der Stadt Dresden" und in dessen Ergänzung nach den „Richtlinien zur Ausgestaltung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen", die von der Reichsvertretung der deutschen Juden herausgegeben worden sind, unterrichten. Demgemäß wird ein besonderes Gewicht auf Religionslehre, jüdische Geschichte und jüdische Literatur gelegt werden. Oesterreich. „250 jüdische Jungärzte liegen au! der Straße". Wien, 10. Mai. Die „Vereinigung der jüdischen Aerzte in Oesterreich" veröffentlicht nachstehenden Aufruf: „250 junge Kollegen haben ihr Diplom 'errungen — und liegen auf der Straße. Denn von den bezahlten Stellen und Stipendien in den Spitälern des Staates und der Gemeinde Wien sind sie als Juden ausgeschlossen und als unbesoldete Hospitanten können sie nicht arbeiten, weil sie zum allergrößten Teil völlig mittellos sind, weil ihnen das Notwendige für Wohnung, Kleidung und Ernährung fehlt. Um diesem schrecklichen Zustande abzuhelfen, haben wir beschlossen, einen „Ausbildungsfonds für Jungärzte" zu schaffen und aus diesem Fonds monatliche Stipendien zu verleihen, um die drückendsten Sorgen zu beheben. Wie viele solcher Stipendien wir schaffen werden, hängt von den Mitteln ab, die ihr, Kollegen und Kolleginnen, uns zur Verfügung stellen werdet. Der Appell an euch fällt uns nicht leicht. Es ist uns nur zu gut bekannt, wie schwer jeder einzelne um seine Existenz ringt und die Sorge um die Zukunft auf ihm lastet. Aber im Gedenken an eure eigene Jugend und an euren eigenen, wahrscheinlich auch nicht leichten Kampf um das Studium und die Ausbildung werdet ihr Verständnis aufbringen . für diejenigen, welche noch härter betroffen sind, weil sie für ihre Zugehörigkeit zum Judetnum leiden müssen. Helft uns, Hilfe zu bringen! Wir und die jüdischen Jungärzte hoffen auf euch!" Ungarn. Vom ungarischen Parlamente. Budapest, 7. Mai. Dem Alterspräsidenten des ungarischen Parlaments, dem jüdischen Abgeordneten Paul Sandor, bereiteten die Mitglieder des Abgeordnetenhauses mit dem Ministerpräsidenten Gömbös an der Spitze große Ovationen, als er sein Amt dem gewählten Vorsitzenden übergab. Aus der Eröffnungsrede des Reichsverwesers H o r t h y , den die jüdische Oeffentlichkeit mit großer Befriedigung registriert, sind folgende Stellen hervorzuheben: „Unser Vaterland und unsere Nation wieder glücklich, kann nur eine Vereinigung aller Söhne des Vaterlandes gestalten,

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