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Der Israelit · 1935-05-16 · Heft 20 (16.5.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 20 (16.5.1935)
Date
1935-05-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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gg^^^^^^^g^ijE^^P^^^i^^ll^^^^^^^^^^^^^p?^^ 16/Mai 1935 D e Israelit Die hebräische Sprache und Von Pinchas Wollmann in Frankfurt a. M. (Fortsetzung.) III. Die Aufgaben der Schriftstelle i', der F o r s che r qnd d er rel ig i Ösen In - t e 11 e k t uellcn a u;f d e m G e b i ete der Sprache, 1. Erweiterung der Sprache. (Um sie zu einer modernen und lebendigen zu machen). j 2. Religiöser Einfluß auf die Erweiterung der Sprache und ihre Entwicklung. Zwei Tatsachen haben wir ins Auge zu fassend Erstens: eine moderne Verkehrssprache be darf mindestens einer Summe . von ungefähr 50.000 Wörtern (die deutsche und die englische Sprache haben mehr als 100.000 Woher); wir aber besitzen nur 2050 Wörtwurzein; 'die im ganzen-ungefähr 15.000 Wörter :'efzeugen. 5 Zweitens: die hebräische Sprache, die einmal eine lebendige Verkehrssprache : war,, is£ seit 1700 Jahren nicht"mehr gesprochen worden, und war seitdemnur eine .Gelehrtenspraehe, die Sprache des Tnach, des Gebetes und des Lernens. Inzwischen hat sich die Sprache natürlich nicht so entwickelt, wie eine Verkehrssprache und es sind ihr auch viele Eigenheiten und" Gesetze., einer solchen Verkehrssprache i verloren gegangen und zwar im Bereiche der Morphologie, der Phonetik, der Akzentlehre, der Vokalisation usw., ohne die wir uns .eine lebende Verkehrssprache nicht vorstellen können. 1. E r w e i t et;uü g der Sprache, Um den Mangel zu beheben und die Lücke auszufüllen' unr eine Brücke zu bauen, die" die beiden - > ' . ) Perioden miteinander verbindet, müssen wir die Sprache auf natürliche und auf wissenschaftliche Weise bereichern, bis wir alle Verschiedenheiten der Zeiten und der Tätigkeitsformen in aller Feinheit wiederzugeben vermögen. Zu diesem Zwecke muß man heute unsere alte Literatur durchforschen, um die .verloren gegangenen Sprachgesetze wieder aufzufinden und neue Wörter zu finden: zum Gebrauch im Leben. Zur Erweiterung der Sprache bedürfen wir: a) des Sprachstoffes (neue technische Wörter, wissenschaftliche Wörter usw.) b) der Sprachform (Neuschöpfüngen grammatischer Formen), i A. S p r a c h s t o f f : Mittel und Methoden der Stoff erweiterung. 1. Durch den G e dank e n , d. h. durch. das Eingießen erhabener Gedanken in die Sprache können wir den Schatz ihrer Worte erweitern und bereichern. Wenn wir die Geschichte der hebräischen, Sprache beträchten,"so sehen wir, daß das gedankliche Bedürfnis der Hauptfaktor, zur Entwicklung der. Sprache und der Literatur war. Die Entfaltung der Begriffe suchte sich ein neues Kleid in der Literatur und die geistige und literarische Arbeit bereicherte die Sprache im Interesse des Denkens. . . . „Alle* Sprachen entstehen in Armut und erweitern sich nachher Hand in Hand mit dem Denken inmitten des Volkes. Die Erweiterung der Sprache vollzieht sich nicht durch besondere Spezialisten, durch Grammatiker und Sprachforscher, sondern^ durchs große gedankenreiche Schriftsteller, die-der Gegenstand, mit dem sie sich beschäftigen, dazu führt, neue Worte,ä Begriffe und Ausdrucksformen zu finden, um ihren Gedanken» gutda^üstelleh. Und wenn dann ihre Bücher vermöge ihres Inhaltes " das Herz des Volkes eroberten Und man in ihnen las und forschte, bis sie in aller Mund; geläufig wären, wurden ihr© neuen Errungenschaften von selbst Äligemeinbesitz; (Achad Haam.)*) 2. Das Sprechen. Es ist bekannt, daß eine lebende Sprache sich durch das Sprechen weiter entwickelt. Das Volk, das seine Mutter spräche oder die ihm gewohnte Sprach« spricht, findet ständig neue Ausdrücke, um seinen Willen und seine Gedanken in kurzer Form zum Ausdruck zu bringen oder in einer Form, die, ihm zusagt und den Lebensbedingungen entspricht, unter denen es lebt. Schon jetzt sind derartige Erscheinungen in Erez Jisroel wahrnehmbar, besonders bei den Arbeitern und den Kindern, die nur Hebräisch sprechen. Deshalb muß man eine .Propaganda führen unter allen .Schichten des Volkes in der Gola und;in Erez Jisroel, besonders unter den Einwanderern und Touristen, daß sie die hebräische Sprache erlernen. Gleichzeitig muß man aber eine Bewegung dafür schaffen, daß das Wort auch den Sprachgesetzen ent- | spricht, wie es noch erläutert werden wird. ) . „Das- Vorhandensein .eines Sprachschatzes allein, auch wenn er noch so reich wäre, genügt noch nicht, sondern dieser Sprachschatz bedarf einer unaufhörlichen bewegten Anwendung, einer Verflechtung mit dem lebendigen Leben, wodurch allein der treueste Schützengel der. Sprache geschaffen wird: die Geläufigkeit. Auch die reichste -Sprache, wenn ihr Schatz nicht jeden Augenblick durch Schrift und Sprache umgesetzt, fortwährend praktisch angewendet, geformt, vertieft und ergänzt wird, leidet inihrer: Lebenskraft und Frische und wird immer schwächer und ärmlicher. Groß ist die Kraft des lebendigen Wortes und es gibt nichts Absurdes —-. absurd vom grammatischen oder sogar vom logischen Standpunkt aus — was der Magen einer lebendigen Sprache nicht verdauen und in Milch und Blut zur Kräftigung ihres Körpers verwenden könnte." (Ch. N. Bialik.) 3. Die U eb ers etzungeri. Außer durch die hebräischen Werke muß man die Sprache auch mit Hilfe von Uebersetzungen aus fremden Sprachen bereichern, um auch auf diese Weise. Gedanken in die Sprache hineinzubringen und neue 'dem Leben unentbehrliche Worte zu schaffen. Auch dies wird weiter erläutert werden. Viel ist über diese Dinge schön geschrieben und schon gesprochen worden. Aber man kann in diesem^ Zusammenhang nicht über die Aufsätze von Chajim Nachman Balik, „Die Leiden der Sprache", „Offenes und Verdecktes in der Sprache" und „Das Hebräische Buch" hinweggehen, worin er sich mit der Frage der Erweiterung der Sprache, der Uebersetzung-tisw. befaßt. Insbesondere wer sich Klarheit darüber schaffen will, welche Riesenarbeit unserer auf dem Gebiete der Uebersetzungen, der Bearbeitung und Ordnung, des jüdischen Schrifttums, der Erweiterung der hebräischen Sprache harrt, der lese diese Aufsätze. -Ein Werk für Generationen ist die Einbeziehung derjenigen jüdischen Schöpfungen in unsere hebräisc Ire Literatur, die in. *) Ebenso sehen wir, daß Rabbi Schlomo ibn Tibbon, als er den More Newuchim aus 'dem Arabischen, ins Hebräische übersetzte, :es: für nötig fand, eine Erklärung fremder Worte hinzuzufügen, so z. B. der Begriffe Quantität,,.Qualität,, Wesen und Attribut, Ursache und Wirkung, natürlich und künstlich und ähnliches1 hinzuzufügen, die bis dahin in der hebräischen Sprache nicht vorhanden waren und die erst durch;idie Bedürfnisse 'des Denkens geschaffen wur-" den.; Diese ,^orte haben sich dann _ im. Volke und in der Literatur ausgebreitet und , wurden zum Allgemeinbesitz. Die Schaffung dieser neuen Worte ermöglichte; dann' in weitem Umfange den späteren Schriftstellern^ wie dem Ramban, Rabbi Isaak Albo,!- Rabbi/ Jizcholfi Abarbanel,.; alle, philosophischen- Ger' danken in einem reinen Hebräjsch zum Ausdruck zu bringen. ' ' ' ' "' '•";'' ' ' ' 1 ■ - ' •- Nr. 20 Seite 7 den verschiedenen Zeitaltern bis zum heutigen Tage nicht in hebräischer, sondern in fremden Sprachen geschrieben worden sind, Zehntausende von Büchern, die Frucht jüdischen Geistes und jüdischer Schöpferkraft auf allen Gebieten der Thora, der Wissenschaft, der Philosophie in allen Sprachen der Welt, so z. B. aus der alexandrinischen, griechischen, römischen, spanischen, italienischen, holländischen, deutschen,- russischen Epoche und der Jargon-Literatur. Sie alle gehen allmählich verloren und, harren der Erlösung durch . Uebersetzung ins Hebräische und die Einbeziehung in die hebräische Literatur. Zur Lösung dieser Aufgabe bedürfte es einer Einigung der Kräfte und Fähigkeiten unseres Volkes, einer Zusammenarbeit des hebräischen Könnens unserer Brüder im Osten mit den organisatorischen Fähigkeiten der Westjuden. Nur so könnte das Werk gelingen. Aber es ist hier nicht meine Aufgabe, diese Fragen zu behandeln, sondern die Aufmerksamkeit der Orthodoxie, auf Gebiete zu lenken, die von ihr bisher fast noch gar nicht beachtet worden sind. 4. Technische W orte. Eine Verkehrssprache kann nicht öhiie die technischen Ausdrücke auskommen, die der aktuelle Stand der Technik, der3 Wissenschaft, der Philosophie, des Gewerbes,' der Kunst usw. verlangt.. laViel ist auf diesem Gebiete schon durch den „Waad Halaschon" geleistet worden. Man hat heute schon in Erez Israel Fachzeitschriften für Elektrizität, "Architektur, Landwirtschaft, Mode und andere Wissenschaften und Künste. In allen Schulen, von der Volksschule angefangen bis zu den Mittel- und Hochschulen und der Universität und dem Technikum, in den Theatern, den Aemtern und Banken lehrt und spricht man Hebräisch. Hier ist noch ein weites. Feld für die Arbeit und hier sind viele Fragen zu lösen, wie man zu Werke gehen soll bei der Schöpfung neuer Worte. a) Soll man sich ausschließlch; auf die Ausdrücke des Tnäch und des Talmud stützen? b) s.oll man Fremdworte einführen? Wenn ja, 1 aus welchen ^Sprachen und zwar etwa nur aus a) semitischen Sprachen wie Arabisch, Aramäisch, Syrisch, Aegyptisch und Aethiopisch, oder auch aus b) europäischen Sprachen, wie Griechisch, Römisch, von denen wir ja schon Täusende haben, oder Englisch, Deutsch, Französisch, Polnisch, Jiddisch usw.? c) Was soll in der Sprache Bürgerrecht gewinnen und was nicht? Wie stellt man fest, obdie Worte dem Geiste der Sprache und ihren Gesetzen entsprechen, und so noch viele Probleme, die der Lösung harren. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. 1 Deutsches Reich. Die Liquidation der deutschen Judenfrage, B e r 1 i n , 12. Mai. Der „Völkische Beobachter" veröffentlichte eine Artikelserie zur „Liquidation der deutschen Judenfrage". Im ersten Artikel wird unter der Ueberschrift „Die jüdischen Kapitalverschiebungen" auf die Größe der! Auswanderung, deutscher. Juden, hingewiesen, die mit rund 90.000 angegeben wird,, von denen 10.000 Personen zurückgekehrt seien. ■ Exakte Erfassung der jüdischen Aüswanderungszifferh sei unmöglich, weil sich; die.^große Masse der jüdischen Emigranten nicht abgemeldet hätte, um die .Steuerquote ihres Vermögens dem Zugriff der Finanzämter zu entziehen. Da die rleimkehr dieser draußen enttäuschten Auswanderer in ^letzterer Zeit im Zunehmen begriffen sei, habe man, sich für.,ihre einstweilige Uw

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