Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1935)
- Date
- 1935-05-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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16. Mai 1935 O er i s t a e 1 1 t Nr. 20 Seite 5 Man tat es leichten Herzens vor knapp" hundert - Jahren, um "historische Präzedenzfälle für. «ine Erneuerung, ohne Traditionsgebundenheit zu konstruieren. Man tat es, indem man künstliche Trennungsmauern zwischen Thora, Propheten und Rabbinismus aufstellte. Heute, nachdem wir genugsam gesehen haben, wohin jene „Erneuerung" geführt hatj sollte man auf das Spiel mit Worten verzichten und zur historischen Wahrhaftigkeit zurückkehren. Es löhnt wirklich nicht, alte Bastillen mit Gewalt abzureißen, die uns heute noch allein " Schutz bieten, nachdem der hundertjährige Neubau in die Brüche gegangen ist. Erneuerung? Ja, aber nur auf -dem Boden der nie abgebrochenen Tradition. 71 iWtPn 'ljy Laß uns zu G'tt zurii ck finden, dann unn MW' dann haben wir die Er n e u e r u n g , die uns nottut. Die Spaltung im Zionismus. Ueber den Austritt der Revisionisten aus der zionistischen Organisation haben wir bereits berichtet. Das gespannte Verhältnis führte auf der Tagung des zionistischen A.-C. in Jerusalem zu einem völligen Bruch. Mit dem Exodus der Revisionisten aus der Sitzung des A.-C. und dem Pariser Beschlüsse der^ Revisionistischen Union ist die Trennüng vollzogen. Mit einem Plebiszit wollen die Revisionisten eine eigene Organisation mit eigenem Kongreß in die Wege leiten. Auch der „Staatszionistische Organisation" sich nennende d e u t sehe Flügel der Revisionisten erklärt sich in einem dieser Tage erlassenen Aufrufe mit dem Beschlüsse der revisionistischen Zentrale einverstanden und fordert seine Mitglieder auf, den Parteischekel nicht mehr ZU entrichten, da „die alte zionistische Organisation nicht mehr existiere." Weitere Zustimmungen zu dem Schritte der revisionistischen Zentrale kommen aus W_i ein," während in. Prag der bisherige Vorsitzende der tschechoslovakischen Revisionisten samt anderen führenden Männern aus der revisionistischen Union austraten und sich der „Judenstaatspartei" anschlössen, die den Austritt nicht mitmacht. Auch in Ungarn .gaben die Revisionisten den Willen kund, sich den Beschlüssen nicht zü" fügen und nach wievor mit den Zionisten in einem Verbände zu bleiben. In Oesterreich möge die Tatsache mitspielen, daß dort infolge des allgemeinen Versammlungsverbotes die zionistische Propagandatätigkeit ohnehin sehr erschwert ist, so daß man sie durch eine neue Zersplitterung nicht noch mehr belasten möchte, In Ungarn, wo die Revisionisten auf eine kleine Gruppe des „Brith erstrecht nicht aus der Hand lassen im Lande selbst, bei seiner Einordnung in den , Wirtschaftsprozeß. ~Klar und übersichtlich sind auch die Reiserouten nach und in Palästina angegeben, wobei die- Umgebung von Jerusalem und Tel Awiw eine besonder« Beachtung findet. .'Transjordanien ist nicht vergessen. Karten, Skizzen und Bilder unterstützen die Angaben und verlebendigen das Gesamtbild des neuen Palästina. Auch wissenschaftliche, (historische^ geologische und archäologische) Angaben fehlen nicht für denjenigen, der den Boden seines Nationalheimes ganz kennenlernen will. Das Buch ist in handlichem und schönem Einband zum Preise von Mk. 7.-^ beim Verlag und in -allen Buchhandlungen (auch im Hermon-Verlag) zu beziehen. - Der gleiche Verlag überreicht uns, getrennt vom großen Werke, eine vortreffliche Erez -Israel- Karte, in der alle jüdischen Ansiedlungspunkte, auch die allerletzten, eingezeichnet sind. Die Karte unter dem Titel „Map of Palestine" ist zum Preise von Müs 50.— beim Verlage zu beziehen. Zwei gute Verzeichnisse der Hotels sowie der Bahn-,. Post- und Autobusverbindungen in Palästina sind " erschienen und beim „Omonuth-Verlag", Haifa, zum Preise von 30 und 20 Müs zu haben. „Der Weg zur K La g e m a u e r " betitelt sich ein Büchlein von C. Z; Klötze 1 - (Selbstverlag, Jerusalem, POB. 307). Klötzel rechtfertigt seinen Ruf als gewandter Publizist und 'Feuilletonist auch in. diesem fließend geschriebenen Büchlein, das aber dennoch kein Feuilleton, sondern ein "liebenswürdiger, beredsamer und anregender : F ü h r er zu r Klägern a u e r ist. Trumpeldor" beschränkt sind, scheut man sich vor einer Desavouierung der dort nicht gerade sehr starken zionistischen Organisation in der Oeffentlichkeit. In-einem Schreiben der Pariser Exekutive der Union der Zionisten-Revisionisten an die zionistische Exekutive in London wird dieser, nachdem die größte zionistische Strömung in der zionistischen Organisation nicht mehr in ihr wertreten ist, das moralische und gesetzliche Recht abgesprochen, vor dem ijüdischen Volk und vor der Außenwelt als die Repräsentanz der gesamten zionistischen Bewegung zu erscheinen; sie könne nur noch als Vertreterin eines Teiles dieser Bewegung angesehen werden. Man kann sich auf schwere und wenig erfreuliche Kmäpfe , A us d e m Gutachten d es Professor CA. L o o s 1 i. In seinen weiteren Ausführungen sagte Prof. L o o s 1 i : „Zwei Fragen sind es, über die ich jeden, der noch unbefangenen gesunden Sinnes ist, nur je dreißig Sekunden nachzudenken bitte: 1. Wem haben die ■„Zionistischen- Protokolle" bis heute ausschließlich genützt, wen haben sie gefördert; wen haben sie dagegen geschädigt, entrechtet, beeinträchtigt und erwürgt? 2. Wer sind^ die Juden,, die uns als zu jedem Verbrechen bereit, entschlossen und eingeschworen geschildert werden, die uns angeblich unterjochen, schließlich vernichten wollen? Es sind die Bernheim, Brunschvig, die Boneff, die Bloch, die Loeb, die Hirschel, die Piquart, die Levy oder wie sie alle heißen mögen, mit deren Vätern wir die Schulbank gedrückt, mit. denen wir unseren Militärdienst geleistet, mit denen wir gelebt, gegessen und getrunken, geeifert und gehandelt haben und* noch handeln. Sie, samt ihren Glaubens- und Volksgenossen, mit denen wir Freude und Leid, Lust und Schmerz seit jeher redlich geteilt haben, die uns, wie wir' ihnen, oft hilfreich beigestanden oder mit denen wir uns gezankt haben, sie sind unsere Verräter, unsere Mörder, unsere. Erzfeinde und unsere " künftigen Vernichter. Sie sind, die grauenhaftesten Verbrecher, die sich nur je eine überreizte Phantasie in ihren wildesten Fieberträumen vorzustellen vermochte. Sie sind unsere Vernichter schlechthin. Ausnahmen gibt es nicht! Wir haben es neuerdings in den letzten Tagen gehört: Ausnahmen gibt es nicht! Jeder Jude ist — weil Jude — ein gewissen- und ruchloser-Verbrecher, günstigsten Falls in noch latentem Zustande, und dies nur aus Weltklugheits¬ oder Vorsichtserwägungen aus. Verbrecher sind sie auch an ihren angeblich engsten Freunden und von ihnen verführten Mitverschworenen, den Freimaurern, die sie nach Gebrauch beseitigen werden. Aber gerade diesen Freimaurern werden von den verschlagenen Gaunern, den überklugen Verbrechern, die „Zionistischen, Protokolle", \ die dieses Vorhaben samt Der alte Wilnaer Judenfriedhof gefährdet. Die Wilnaer Stadtverwaltung beabsichtigt, den historischen Judenfriedhof, auf dem sich die Gräber zahlreicher Thoragrößen und Gaonim befinden, u. a. die Gräber des Wilnaer Gaons und des „Ger Zedek" (Dieser zum Judentum übergetretene Graf Valentin Potocki, der 1749 den Märtyrervod auf - dem Scheiterhaufen erlitt, steht im Mittelpunkte des Schachnowitz'schen Romanes „Abraham Sohn Abrahams", Hermon-Verlag, Frankfurt a. M,), zwecks Erbauung eines großen Stadions aufzulassen. Dieser Plan hat die jüdische Bevölkerung Wilnas in starke Erregung versetzt. ■ Die jüdische Gemeinde hat Schritte unternommen, um die Erhaltung des alten Judenfriedhofs zu sichern. Eine Beratung von Vertretern der Jüdischen Gemeinde und der Stadtgemeinde wurde anberaumt. Bne Israel in Indien sind Juden. Das Obergericht von R a n g o o n hat einen zweijährigen Rechtsstreit zwischen den -„schwarzen Juden" Indiens, den Bne Israel, und der Musm e a Joschua Synagoge-, an Rangoon betreffend die Anerkennung der Zugehörigkeit der Bne Israel zum - Judentum zugunsten der Bne Israel entschieden. Der Prozeß der Bne Israel gegen -die Leitung der Synagogengemeinde, die ihnen die Mitgliedrechte verweigerte, hat in den jüdischen Kreisen Indiens und von Burma, wo über 20.000 Bne Israel verstreut leben, lebhaftes Interesse hervorgerufen. in der nächsten Zeit gefaßt machen, wenn zur gleichen Zeit, da die Wahlpropaganda für den Kongreß einsetzt, Jabotinsky in die Lande hinausfährt, um mit der ganzen Wucht der ihm eigenen Redegewandtheit gegen Scbekel, Kongreß und zionistische Organisation zu agitieren. Dem Außenstehenden, insbesondere im orthodoxen Judentum, der gewiß nicht -als der lachende Dritte diesem Bruderkampfe zuschaut, wird bei alldem deutlich: Ob die zionistische Organisation noch das moralische Recht hat, für den gesamten Zionismus zu sprechen oder nicht, wissen wir nicht, im Namen der gesamten Judenheit und des Judentums zu sprechen, war sie nie legitimiert und ist es heute bei der inneren Zersplitterung weniger denn je. allen seinen unerhörten Scheußlichkeiten für jeden Juden verbindlich festlegen, anvertraut. So lehrt der Antisemitismus, so behauptet es seine Wissenschaft vermittels unzähliger Bücher, Zeitungen, Zeitschriften." Prof. Loosli tritt energisch der Behauptung eines Zusammenwirkens zwischen Judentum und Freimaurerei entgegen.. Die Ritualmordbehauptung stelle sich für jeden Kenner der jüdischen Bibel als eine ungeheuerliche Lüge dar, denn diese verbietet den Juden sogar Tierblut. Taschkowsky, der Chef der zaristischen Geheimpolizei im Auslände und Hauptfälscher der Protokolle war ein gewissenloser Streber, der an seine Angaben selber nicht glaubte, er wollte nur Karriere machen. Ein anderer Russe, Lj utostansky, der R. Hilfsdienste leistete und Bücher über den Ritualmord schrieb, machte sich erbötig, gegen gute Bezahlung alles wieder öffentlich zurückzunehmen, ein Anerbieten, das von den Juden mit Entrüstung zurückgewiesen wurde. Von dieser Art waren auch alle anderen Verbreiter der Protokolle in Rußland. Was die Freimaurer betrifft, so gab es in Deutschland Freimaurerlogen, die sogar antisemitisch eingestellt waren. Der Bne Brith-Orden sei unpolitisch und habe mit den Freimaurern keinerlei Verbindung. Die Freimaurerei entstand im 17. Jahrhundert in England, da noch kein einziger Jude auf englischem Boden lebte. Geradezu lächerlich mute die Behauptung an, die Juden hätten die französische Revolution 1789 angezettelt. Es wohnten damals knapp 40.000 Juden in Frankreich, alle nur in Bordeaux und im Elsaß. In der Schweiz seien in zwei von den drei Freimaurerlogen die Juden nur mit eins bis zwei Den Ueberlieferungen der Bne Israel zufolge sind ihre Vorfahren vor alter Zeit aus- Palästina nach Indien eingewandert, wo sie sich insbesondere als Krieger hervorgetan haben. In dem Prozeß wurden Gutachten von einer Reihe bekannter Rabbiner und Gelehrter Englands, Palästina und des Irak, unter ihnen Chiefrabbi Dr, J. H, Hertz und Chaehäm Dr. Moses Gast er, eingeholt. (ITA.) Ein bisher unbekannter jüdischer Hirtenstamm entdeckt. Unweit der oft im Talmud erwähnten Stadt Neziwin, an der syrisch-türkischen Grenze, wurde vor kurzem — wie die hebräische Presse mitteilt — eine bisher unbekannte Siedlung von etwa 500 jüdischen Familien entdeckt, deren Mitglieder hauptsächlich von Viehzucht leben. Das Dorf, in dem sie wohnen, heißt Kmischleh. Die Einwohner sind wie Beduinen gekleidet und sprechen türkisch und arabisch. Vom hebräischen Schrifttum sind ihnen lediglich einige Gebete überliefert. Auf Anregung eines französischen Juden, der sich in dieses .Dorf verirrte, wandten sich die jüdischen Beduinen an den Leiter der Alliance-Schule in Beirut mit der Bitte, etwas für "die Befriedigung ihrer religiösen und sozialen Bedürfnisse zu tun. Die Pariser AlHance-Leltung hat eine Geldsumme zur Errichtung einer Schule für die Kinder dieser jüdischen Hirten bewilligt. Ein sephardischer Jude übernahm bei ihnen die Funktion eines Rabbiners und Lehrers. Juden des Irak sandten ihnen, eine Thorarolle.