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Der Israelit · 1935-05-16 · Heft 20 (16.5.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 20 (16.5.1935)
Date
1935-05-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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PPHlifi!^ pips^^pf^pppiij^l^ Seite 2 Nr. 20 D Israelit 16'. Mai 1935 Jüdische Trauer um PilsudskL Sämtliche jüdische Zeitungen haben anläßlich des Todes Marschall Pilsudskis Trauer- und Gedenknummern veröffentlicht. Im „Jiddischen Togblatt" werden dem Marschall herzliche Nachrufe gewidmet, in dem die besten Traditionen polnischer Toleranz verkörpert gewesen seien. Der Jüdische Klub wie die Orthodoxe Fraktion im Sejm haben Beileidstelegramme an den Ministerpräsidenten Slawik gerichtet. Die polnische Landesorganisation der Agudas Jisroel, der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Warschau, der Verband der jüdischen K a„ü'f 1 eute und andere jüdische Organisationen haben dem Staatspräsidenten, dem Ministerpräsidenten und der Witwe in Telegrammen ihr Beileid ausgedrückt. Wie aus P ä last i n a berichtet wird, herrscht auch dort Trauer. In vielen Synagogen fanden Gedenkfeiern statt und ein Beileidstelegramm wurde u. a. auch von der Jewish A g e n c y nach Warschau geschickt. (Siehe auch Seite 10.) Der Ariernachweis bei den Richtern der Erbhofgerichte. Berlin, 14. Mai. In der „Deutschen Justiz" wirdeine Allgemeine Verfügung des Reichsjustizministers vom 27. April veröffentlicht, in der Bestimmungen über die Anerbengerichtsbarkeit getroffen werden. Unter II Ziffer 3 der Verfügung heißt es: „Wird ein Richter für die Ernennung zum Vorsitzenden oder stellvertretenden Vorsitzenden des Anerbengerichts oder zum Miglied des Erbhofgerichts vorgeschlagen, so ist dem Vorschlag eine Erklärung des Richters beizufügen, in der er versichert, daß ihm trotz sorgfältiger Prüfung keine Umstände bekannt sind, die die Annahme rechtfertigen könnten, daß einer seiner oder seiner Ehefrau Vorfahren väterlicher- oder mütterlicherseits bis zurück zum l. Januar 18Ö0 jüdischen oder farbigen Blutes war oder zu irgendeiner Zeit der jüdischen Religion angehört hat." Das Berufsbeamtengesetz verlangt bekanntlich nur den Nachweis der arischen Abstammung bis zurück zu den Großeltern, Im R e i c h s e r bh-ofgesetz wird.die Fähigkeit, Bauer zu sein und einen Erbhof zu bewirtschaften davon abhängig gemacht, daß eine arische Abstammung bis zum Jahre 1800 vorliegt. Die Anerbengerichte und Erbhofgerichte werden auf Grund des Reichserbhofgesetzes tätig. Holland lehnt Vorstoß gegen die Schechita ab. Amsterdam, 14. Mai. Wie der Amsterdamer ITA-Vertreter erfährt, hat der holländische Außenminister de G r a e f f soeben eine ihm vor einiger Zeit von dem bekannten Vorkämpfer der Tierschutzbewegung H. W. Knoest und anderen Persönlichkeiten überreichte Petition, in der verlangt wurde, Holland solle im Völkerbund eine internationale Regelung der Tierschlachtmethoden unter Ausschluß der jüdisch-rituellen Schächtmethode beantragen, in ablehnendem Sinne beant wo r t e t. Der Außenminister hat Herrn Knoest und den übrigen Unterzeichnern der Petition mitgeteilt, daß die holländische Regierung es aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus für notwendig halte, die Zahl der internationalen Vereinbarungen einzuschränken. Ein schon früher von Knoest an Königin Wilhelmine gerichtetes Gesuch, die von ihm gewünschte Regelung wenigstens für das Gebiet Hollands zu treffen, ist ebenfalls abgelehnt worden. Zertifikate für Ledige in der neuen Palästina-Schedule. Jerusalem, 13. Mai. Von den der Jewish Agency übergebenen Zertifikaten der neuen Einwanderungs-Schedule sind 1865 Männer- und 2165 Frauen-Zertifikate ausschließlich für Einzelpersonen, die übrigen Zertifikate für Familienväter bestimmt. Es ist das erste Mal, daß in einer Schedule Zertifikate ausdrücklich für unverheiratete Männer reserviert sind, während Zertifikate für alleinstehende Frauen und Mädchen schon in den früheren. Schedulen ausgegeben wurden. Der Verband der jüdischen Landwirte Palästinas und der Zionisten-Kongreß. Jerusalem, 13. Mai, Der Vorsitzende des Verbandes jüdischer Landwirte Palästinas, Mosche Smilansky, hat an die Verbandsmitglieder ein Rundschreiben gerichtet, in dem er sie auffordert, an den Wahlen zum kommenden Zionisteakongreß nicht teilzunehmen und den Schekel nicht zu erwerben. Diese Aufforderung begründet er mit dem Beschluß des Aktionskomitees, die Unternehmer, die jüdische Arbeit boykottieren, vom passiven Wahlrecht auszuschließen. Im Zusammenhang mit diesem Schritt Smilanskys veröffentlicht die Tageszeitung „Haarez" einen Artikel, in dem sie die Haltung der von dem Beschluß des Aktionskomitee betroffenen Landwirte zu rechtfertigen sucht. Die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt seien als höhere Gewalt aufzufassen. Die Notwendigkeit, nichtjüdische Arbeiter einzustellen, habe sich auch infolge der Abwanderung jüdischer Arbeiter in die Städte ergeben. „Haarez" legt der zionistischen Exekutive dringend nahe, schnell zu einer Verständigung mit den Landwirten zu gelangen, da deren Loslösung von der Organisation ernstere Folgen haben würde als das Ausscheiden der Revisionisten. Landeskonferenz der belgischen Agudas Jisroel. Antwerpen, 10. Mai. Am Sonntag, den 28. April fand hier die erste Landeskonferenz der Belgischen Agudas Jisroel - Landesorganisation statt. Sämtliche Agudagruppen von Groß- Antwerpen sowie die Gruppen Brüssel, Gent und Ostende waren vertreten. Herr Oberrabbiner Rottenberg, Präsident des Zentral-Comitee, begrüßte die Delegierten, worauf Herr Fr, ikatzersdorf er den Tätigkeitsbericht erstattete. Herr Hirsch R.o t - tenberg, Kassierer des C. K., erstattete den Finanzbericht. Es folgten dann eine ganze Reihe Einzelberichte, sowie eine eingehende Debatte -über -die Zukunftsarbeit. Herr J. Fr i e d m äna referierte über das neue Statut, das nach einigen Aertderungen einstimmig angenommen würde. Die Konferenz wählte ein neues Zentralkomitee, das sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Oberrabb. M. Rottenberg, Fr. Ratzersdorf er, S. Richter, J. Rotschild, H. .Rottenberg, A; Schreiber, S. Ostersetzer, J. Friedmann; J/M. Auerbach, S, Klagsbald, E. Grillak, S. Friedmann, Ä. Ratzersdorfer, M. Czehoval, Antwerpen, Sam Rosenhßim, Brüssel, Goldfein, Gent. Abends fand eine große öffentliche Versammlung statt. Vor vollbesetztem Saal referierten die Herren Oberrabb'iner Kot tenberg über „Die Jüdische Weltlage und Agudas Jisroel"; J. Fried mann über „Chinuchprobleme", H. L a n d a u über „Finanz- und Organisationsfragen, S. Ostersetzer über „Erez Jisroel-Probleme" und S. Klagsbald über „Presse und Literatur". Sämtliche Referate wurden mit Begeisterung aufgenommen. Nachwirkungen der Maimonides- Feiern in Spanien. Den „Basler Nachrichten" vom 15. Mai wird u. a. geschrieben: „Die Ende April in Gordova veranstaltete Maimonides-Woche, die eigentlich nur dem Andenken des-großen, jüdischen Gelehrten und Philosophen Maimonides gewidmet sein sollte, hat der spanischen R e p u b Ii k Anlaß gegeben, auch zur Judenfrage im allgemeinen Stellung zu nehmen. Die Reden aller offizieller Vertreter der spanischen Regierung waren eine klare Absage an die leidige Verg an-, g e nh e i t und eine offene herzliche Aufforderung an die Juden heit der ganzen Welt, die freundschaftlichen Beziehungen zu Spanien wieder aufzunehmen. Insbesondere wendet sich Spanien an die sephardischen Juden mit der Aufforderung, nach Spanien zurückzukehren, Der Rede des Z i v i 1 g o u v e r n e u r s von Cordova, Jose de G a r d o g n i, beim Abschied, von den Delegierten, die erst jetzt im Wortlauteveröffentlicht wird, seien folgende, zukunftverheißende Schlußworte wiedergegeben: „Laut Protokoll hätte ich nun diese Maimonides-Festwoche abzuschließen, ich erlaube mir aber, anderer Ansicht zu sein.' Wohl schließen, wir heute die Maimonides-Woche, aber wir öffnen heute, durch gemeinsame Liebe alle Wege, die uns geis.tig und freundschaftlich näher bringe rt k ö nn e n. Wir wollen Ihnen alle Wege öffnen zu einer Rückkehr zu uns. Der Franzose sägt: „Jeder Abschied ist sozusagen ein Absterben". Vergessen Sie nicht: Jede: Rückkehr ist ein Wiederaufleben! So kommen Sie denn zurück nach Spanien, meine lieben Brüder! Für heute aber gehen Sie! Gehen Sie, aber nehmen Sie unsere freundschaftlichsten Gedanken mit auf Ihren Weg. Sagen Sie der, Welt, daß Spanien Sie aufs liebevollste aufgenommen hatt Sagen Sie allen, daß Spanien den letzten Ueberrestder dunklen Vergangenheit ausgemerzt hat. Sagen Sie, daß das- Spanien von heute Sie umarmt hat, wie man einen Sohn umarmt, der von einer langen Reise zurückgekehrt ist. Erzählen Sie von unserem neuen Spanien, von unseren Zielen und Absichten, und dies möge eint Balsam sein für Israels Leiden. Reden Sie von uns, Ihren Frauen, Ihren Kindern, Ihren Bekannten und Ihren Freunden, und sagen Sie Allen, daß Spanien seinen jüdischen Brüdern seine Arme geöffnet hat."

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