Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1935)
- Date
- 1935-05-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9. Mai 1935 D e r Israelit Nr. 19 Seite 11 -und M äd c h en g r u p p e n der A. J. Die Pro a 1 e A g u d a s- J i s r o e 1 hielten außerdem eine große Propagandaversammlung ab- Am vierten Chol Hämo edtage fand eine Massenversammlung des Vereins flä» 'i»ntJS :in der Jeschiwa von Oberrabbiner Dusehinski statt,: in der der Oberrabbiner einen flammenden Appell zur Verteidigung des Sabbatan Alle richtete. Auch Rabbi Mosche Blau.hielt eine ergreifende Rede über die Not des Sabbat im heiligen Lande und unsere heilige Pflicht, Palästina für den SabbatN zu gewinnen. Am letzten Chol Hamoedtage trafen sich schließlich die Mitglieder des nN"n min eines Organe.s der Zeiirei Agudas Jisroel, in Jerusalem, um über Jeschiwa und-Erziehungsfragen zu beraten. Bei all diesen Zusammenkünften würden wichtige Beschlüsse gefaßt und edle Geselligkeit gepflegt. Hoch gingen die Wellen der Festesfreude durch die heilige Stadt, aus der neue Impulse, für die Arbeit gewonnen werden, In den Büros der Agudas Jisroel gingen wahrend der Festtage wichtige Berätungen vor sich, in denen die gemeinsamen Interessen der Aguda und der Jeru salemerorthodoxen Gemeinde besprochen wurden. Tn einer gemeinsamen Sitzung von Führern der Aguda und Vertretern der J ewish A g en c y wurden der Aguda 420 Zertifikate aus der neuen Schedüle und 120 aus' früheren Ausständen überwiesen. Die Zentrale der Agudas Jisroel in Jerusalem überreichte dem Hochkommissar ein ausführliches Memorandum mit Vorschlägen zur Erleichterung der Rabbinereinwanderung. P. Amerika. Amerikanische Rabbiner zur Geburtenregelung« ~ New York, 21. April. Die. ITA. veröffentlichte vor einigen Wochen die Entschließung eines .amerikanischen Rabbiner Verbandes zu dem Thema der Geburtenregelung, die in schärfstem Widerspruch stand zu den Anschauungen und Grundsätzen des jüdischen Religionsgesetzes. Die Telegraphen-Agentur brachte diese Entschließung im Namen eines „orthodoxen Rabbinerverbandes". Wie wir durch Erkundigung authentisch festgestellt haben, liegt hier ein Irrtum vor. Keiner der beiden orthodoxen Rabbinerverbände Amerikas hat, wie selbstverständlich, eine derartige Entschließung gefaßt. Die Resolution geht vielmehr aus von der sogenannten ,,Rabbinical Assembly", aus einer Körperschaft, die alle möglichen Spielarten und Nuancen eines zwischen Konservativismus und Liberalismus schillernden Judentums umfaßt und zu.den. orthodoxen Rab- "binerverbänden in keinerlei Beziehung steht. Hiernach ist die religionswidrige Tendenz der Entschließung nicht weiter auffallend. Lehrer . David Kaufmann V'^T« Dieburg, 6. Mai. Einen schweren Verlust erlitt die Gemeinde Dieburg durch den Heimgang ihres Lehrers, der über fünfzig Jahre ihr geistiger Führer war. Lehrer David Kaufmann verließ seine Gemeinde zu Pessach, am 7. Nissan, da ihr infolge .des Festmonatsauch der Trost der Träne versagt blieb. So kam die ganze Liebe, Verehrung und Dankbarkeitder Gemeinde in der Gedenkfeier, die am Sonntag, den 5. Mai, in der hiesigen. Synagoge stattfand, zum spontanen .und' ergreifenden Ausdruck. . - Schon vor der festgesetzten Zeit wardie feierlich beleuchtete Synagoge oben, und unten voll gefüllt von den Gemeindemitgliedern und. vielen auswärtigen Gästen'. Nach dem feierlichen Minchphgebet ergriff der erste Vorsitzende, Herr L e h m a n n , das "Wort, um die Hauptphasen, der zweiundfünfzigjährigen Wirksamkeit des ehrwürdigen Lehrers und Vorbeters von den ersten Kämpfen und Erfolgen bis zum 'stummem Gruße* mit dem ihn die Gemeinde'am 9. Nissan zur letzten Ruhe hinausgeleitete, in prägnanten Worten zu zeichnen. Nachdem Herr Lehrer Zucker das -i»rg vorgetragen hatte, bestieg Herr Rabb. Dr. Merz- Dach, Darmstadt, die Kanzel, um in einer geistvollen Gedenkrede den Menschen, den Jehudi und den •treuen Beamten' David Kaufmann zu schildern. . Ein wahrer "inns p'nx» * entfaltete er seine" ganze Kraft, um Schutz und Schatten und Früchte den Anderen, seinen kleinen und großen Jüngern in der Gemeinde^ zu spenden, ohne für sich etwas zu beanspruchen. Er "war - ein" M2M3. pnjHn» dem alles im" religiösen Pflichtenleben gleich wichtig,- und heilig war. Er schritt mit seiner Frömmigkeit, seiner Thoraliebe und seiner Gastfreundschaft seiner Gemeinde beispielgebend ,voran und -die von ihm ausgestreuten Saaten werden reiche : Früchte für die Gemeinde tragen. Herr Lehrer Z u c k e r dankte in bewegten Worten, für alle Belehrung und-Unterweisung und kollegiale Freundschaft, die er beim heimgegangenen Vorgänger genossen hat. Darauf überbrachte Herr Lehrer Kahn, Höchst, letzte Grüße des Bundes jüdischer Lehrer in Hessen und des Lehrerbundes 7I3WK pun. Herr Hermann Seckbach entbot die warmen Grüße der Insassen des Gumpertz'schen Siech e n h a u s e s in Frankfurt a. M., deren warmer Freund der Heimgegangene^ war. Darauf ergriff Herr Studienrat Josef K a u f m a n n , Frankfurt a. M„ das Wort, um als Neffe im Namen der gesamten Familie dem Verewigten Dank für alle Liebe und Treue, die er für jedes Mitglied der Familie hatte, zu danken. Er werde in der Familie als Verkörperung und Vorbild des "bv> ifii« weiterleben, Zunt Schluß dankte noch Herr Heinz dem ehemaligen Lehrer im Namen auch der früheren Schüler für alle seine liebevolle Arbeit, die junge Generation in der- Thora zu verwurzeln. Erst vor" vierzehn Tagen habe sich hier eine Agu.da-Jugeridgruppe gebildet, die im Sinne des heimgegangenen Lehrers zu wirken und ihm so das sinnigste Denkmal zu errichten gedenke. Es war eine ergreifende Feierstunde, in der eine Gemeinde ihren verdienten Führer gefeiert und neue Anregungen für das Gemeindeleben in der .Zukunft erhalten hat. «n-asan Raphael Plato V'ST« Basel, 3. Mai. Ein Mann eigener Prägung, voller G'ttesfurcht und tiefer, ernster Frömmigkeit ist mit Raphael Plato am nps bv ]nm dahingegangen, ein würdiger Sohn des bekannten Kölner Rabbiners und Begründers des dortigen Lehrerseminars, Dr-. Hirsch Plato ^"JtT/. ein treuer: Enkel des großen Frankfurter Rabbiners Samson Raphael Hirsch *-ST- Er wurde 1859 in Frankfurt geboren, wo damals' sein Vater an der Hirsch'- schen Realschule tätig war. Die ernste, sittlich gefestigte Atmosphäre seines Vaterhauses und das Beispiel der Eltern seiner Mutter, des Frankfurter Rabbiners Hirsch, haben die seelische Haltung seines Lebens bestimmt. Schon frühzeitig hat der junge Knabev den Emst des Lebens kennen gelernt. Die Eltern wechselten häufig den Wohnsitz. Bis Dr. P. schließlich in Köln die seinen großen pädagogischen Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit durch Gründung seines Lehrerseminars gefunden hatte, die ihm auch gestattete, mit dem Beruf des Direktors des Seminars das Rabbineramt zu verbinden. Der Heimgegangene verließ frühzeitig nach kurzer geschäftlicher Tätigkeit in Deutschland die Heimat und hat in schwerem Ringen und ehrlicher Arbeit in London sich ein Geschäft aufgebaut, welches er mit eisernem Fleiß und großer Schaffensfreude zu Blüte und Ansehen gebracht hat. Weit über seine berufliche Tätigkeit hinaus, ist es ihm dort gelungen, zusammen mit einem gesinnungsgenössischen Kreis aus dem Kontinent in die englische Großstadt gezogener Kaufleute, (erwähnt seien Michel Levy ^*ST der . Schwiegersohn von S. R. Hirsch :Vx.r und Familie Lünzer), eine jüdische Gemeinde . zu begründen, die ganz das Gepräge des Hirsch!schen Judentums aufweist und danach strebt,' Forderungen des modernen, auf die Zeit eingestellten Menschen mit den alten, ewigen und unvergänglichen jüdischen Pflichten harmonisch zu vereinigen. Mit der einzigen gleichstrebenden Schwester des Basler Rabbiners Dr* Arthur Cohn s. A. in . glücklicher Ehe verbunden, war es ihm in London vergönnt, ein schönes jüdisches Haus zu führen, das Groß und Klein, namentlich aber jungen, den Gefahren der Großstadt ausgesetzten Menschen, gastlich und liebevoll geöffnet war, ein Haus, in dem die Armen und Hilfsbedürftigen nicht nur gelegentlich geladene Gäste, sondern sich wie die Söhiae und Kinder - des Hauses fühlen durften. Dort half er mit, im Londoner Norden den kleinen Kreis des ursprünglichen Beshämidrasch der orthodoxen Gemeinde zu erweitern, unter Führung des leider allzufrüh verstorbenen Rabbiners Schönfeld s. A., dessen Freund und Stütze er gewesen ist. War ihm auch eigener Kindersegen versagt,, so hat er doch durch seine vorbildliche ideale .Lebensführung etwas' Bleibendes und Wertvolles geschaffen. Die Umstellungen der Nachkriegszeit haben in ihm den Entschluß reifen lassen, die geschäftliche Tätigkeit aufzugeben, um mit seiner Frau, der treuen Gefährtin seines Lebens, nach BaseFzu ziehen, und dort in der Nähe seines Schwagers von geschäftlicher Tätigkeit zurückgezogen, nur der Erfüllung von Tauroh und Mizwaus sich hinzugeben. Auch hier, wo er. einen schönen Lebensabend, verbringen durfte, hat er sich durch seine große Herzensgüte und seinen edlen Charakter; seine Aufgeschlossenheit für alles Gute und Schöne, empfänglieh :fur alles Jüdische, der Liebe und Wertschätzung der, weitesten - Kreise erfreut. Wie Manchem hat er mit seinem klugen Rät, und seinem tiefen Verständnis für die Seele dlss Mitmenschen geholfen und beigestanden. Ganz selbstverständlich war es für ihn, daß er, sich mit großem Eifer, der Ch ewra Käd.isoha anschloß. Bei keinem Beten im ö'jfcfesbaüs; morgens und atfetidä und" bei keinem Schiur im Beshämidrasch fehlte er, bis ihn die Krankheit daran hinderte. Noch kurz vor dem Pessachfest, schon an das Krankenbett gefesselt im Jüdischen Spital, hat er einen Sijum auf den Talmud-Traktat Sanhedrin gefeiert. Am Ausgangstage unseres Pessach- Fesies, als wir in einem sehr großen Gefolge den entlegenen Friedhof aufsuchten, um ihm das letzte Geleite zu geben, drang bei dem wortlosen Trauergefolge und dem stummen, aber dafür eindrucksvollen Abschied, durch die Festesfreude die Wehmut durch, daß dieser herzensgute, g'ttesfürchtige, Liebe und Güte spendende Jehudi uns allzufrüh verlassen hat. Möge auch hier nicht nur die in Schmerz gebeugte Gattin, sondern die um ihn trauernde Familie und der große Kreis der Verehrer in London und in Basel und der Freunde den Segen des Talmudwortes empfinden ta"n D'tnpa Drin'sa i^sk B'p'nx gute und edle Menschen bleiben unvergessen und wirken Gutes über das Grab hinaus. Im Trauerhause würdigten durch min nxr der Basler Rabbiner Dr. A. W e i 1 und der Neffe Rabbiner Dr. Heinrich Cohn die Persönlichkeit des Heimgegangenen. •»T'aMn S, Rabbiner Dr. Joseph Zivi V'2t» Wintzenheim (Haut-Rhin), 5. Mai. Im Alter von 70 Jahren ist Rabbiner Dr. Joseph Z i v i von dannen gegangen. Ein Leben der Arbeit für Thora und Awoda hat sein Ende gefunden. Festigkeit der eigenen Ueberzeugung wußte er mit Liebe und Zuvorkommenheit zu paaren und sich so in weiten Kreisen Sympathien-und Einfluß zu sichern. Seinen Gemeinden war er ein treuer Führer, seinen Freunden und Kollegen ein nie versagender Weggenosse, seiner Familie ein fürsorglicher Vater und Berater. Seinen ersten 'höheren Unterricht hat er an der Hir.sch'sc he n R e alschule in Frankfurt a. M. genossen. Zeit seines Lebens hat sich dieser religiöse Einfluß, der später durch seinen Lehrer Is- ' rael Hildesheimer noch vertieft wurde, im Großen wie im Kleinen geltend gemacht: Ein ganzer Mensch und ganzer Jehudi, bei dem das gesprochene Wort im Einklang blieb mit seinem innigsten Denken. Am Donnerstag, den 29. Nissan, haben wir ihn unter einer Beteiligung, wie sie diese Gemeinde noch nie erlebt hatte, zur letzten Ruhe geleitet. Fast sämtliche Rabbiner aus Elsaß und Lothringen waren erschienen; sie trugen die Bahre nach und aus der Synagoge. , Es hielten Nachrufe: Rabb. Dr. Joseph Bloch aus Barr, Schwager des Verstorbenen, namens der Familie; Oberrabb. Dr. E. W e i 11, Rabb. Dr. Armand Bloch (Saverne), ein Jugendfreund des Verstorbenen, namens der ,,Association des Rabbins d'Alsace et de Lorraine" und namens der „Asifa", die sich monatlich zum „Lernen" in Straßburg versammelt; H. Paul Wurms er, Präsident des Israelitischen Konsistoriums vom Haut-Rhin und Prof. M. Bloch aus Straßburg im Namen der ehemaligen Schüler. y~>r J. Bl. Regensburg, 30. April. Zu einem erhebenden Feste, getragen von seltener Herzlichkeit und Freude, gestaltete sich am.Schabbos Cholhamoed (20. April) die Feier' des 80. Geburtstages unseres Oberlehrers Max B e h r. In einer wohldurchdachten Predigt würdigte Herr Bez.-Rabb. Dr. Weinberg die Verdienste, die sich der Jubilar während seines 50jährigen Wirkens in Schule und Gemeinde erworben hat. Mit besonderem Nachdruck betonte er, daß Herr Oberlehrer Max Behr seine hervorragende musikalische Befähigung in den Dienst der Gemeinde stellte, in dem er seit 25 Jahren mit größtem Eifer und anerkennenswertem Erfolg einen vierstimmigen Synagogenchor leitet, der in erhebender Weise im Vereine mit unserem Kantor, Herrn Jakob Lewkowitz, zur Verherrlichung des G'ttesdienstes beitrug. Einen würdigen Abschluß der Feier bildete ein Psalmgesang des Synagogenchors. Mögen dem Jubilar in seiner gegenwärtigen körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische noch viele ungezählte glückliche Jahre beschieden sein, ■VV'my M. Ltz. Alzenau (Ufr.), 1. Mai. Am vierten Tag nrtan bin verschied im 70, Lebensjahre Frau Lehrer Lehmann im Spessartdörfchen Eschau. In Alzenau geboren, war es ihr Wunsch, auf dem dortigen Friedhof bestattet zu werden. Herr Bezirksrabbiner Dr. Bloch, Aschaffenburg, widmete der Verstorbenen am- Sterbehause Worte ehrenden Gedenkens. Der einzige Sohn, Lehrer in Wisloch, brachte die Gefühle der Dankbarkeit und kindlichen Verehrung zum Ausdrucke. Ein stattlicher Trauerzug, in welchem auch viele Nichtjuden waren, gab Frau Lehmann das letzte Geleite. Nach ihrer Ueberführüng zum Friedhof Alzenaus zeichnete Herr Lehrer Wechsler in kurzen Strichen die hervorragenden Eigenschaften der Entschlafenen, worauf der Gatte in rührenden Worten Abschied von der geliebten Lebensgefährtin, nahm. n-awn Köln, 6. Mai. Herr Charles " C o o p m a n , Köln, Boisereestr. 13r beging am 1. Mai sein 25jähriges Ämtsjubiläum als Auf Sichtsbeamter (Schömer) bei der Sy* nagogengemeinde A d a ß J e s c h u'r u n , Köln.