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Der Israelit · 1935-05-09 · Heft 19 (9.5.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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ftggß 9. Mai 1935 Der 1 s"r a ~e 1 l 1 Nr. 19 Seite 9 kolle" in ihrer annähernd endgültigen französischen Fassung unter der Anleitung Ratschkowskys, Leiters •der russischen politischen Geheimpolizei im Ausland, im Jahre 1905 in Paris angefertigt und später noch ergänzt wurden. Die Fälschung diente ■ internen russischen Motiven und sollte dem Zaren beweisen, daß die Juden es seien, welche sich gegen die damalige russische Staatsverfassung verschworen und die jüdische Weltherrschaft anstrebten. Damit sollte dem Zaren weisgemacht werden, daß die russische Bevölkerung mit seinen Regierungsmethoden zufrieden sei. Die an der Aufrechterhaltung des Absolutismus-in- I teressierten Kreise wollten verhindern, daß der Zar auf den Gedanken, komme, Reformen einzuführen, die ihre Macht hindern konnten. Di e Fr ag e, ob B eweise vorliegen, d*a ß1 die „Protokolle" aus p o Ii t is c h e n M o t i ve ri g e fälscht w o rden sind, muß bedingungslos bejaht werden. Der Sachverständige stellte in Uebereinstimmüng mit einer im Jahre 1921 von der großen englischen Zeitung ' „Times" durchgeführten Untersuchung fest, daß die .-.Protokolle" Juderifeindlicheri und anderen politischen Zwecken dienten. Sie boten den Anlaß zu Judenpogromen und haben überall, wo sie sich auswirkten, furchtbare Folgen gehabt. Auch nicht eine einzige Behauptung de r Befürwo r t er d er E chth e it der „P r otokolle" hält einer unbefangenen, e r n s t h a f t en-Prüfu ri g _s t ah d. U eberall, wo der Wahrheitsbeweis versucht wird, verwickeln sich die" Beweisführer in Widersprüche. Der Sachverständige kommt zum Schluß, daß das Buch über die „Protokolle" in literarischer Hinsicht unbedingt unter den Begriff der „Schundliteratur" falle. Internationales Komitee der Studenten- Organisationen gegen' Numerus clausus, . G e nf, 22. April. Das Internationale Komitee dr Studentenorganisationen, das mit dem Völkerbundsinstitut für geistige Zusammenarbeit in Verbindung steht, und in dein auch der Weltverband der jüdischen Studenten vertreten ist, hat in Genf eine Tagung abgehalten, bei der auch die kritische Lage der Hochschüler infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise und der die Intellektuellen besonders bedrängenden Arbeitslosigkeit erörtert wurden. - "' Das Komitee hat eine Reihe von Resolutionen angenommen, in denen bestimmte Forderungen im Zusammenhang mit einer international organisierten Bekämpfung des Notstandes der Hochschulstudenten zum Ausdruck kommen. Für die jüdische Studentenschaft ist eine Resolution von besonderem Interesse, in der der .„Numewis clausus" gegen gewisse Kategorien von Lernbegierigen aus Gründen ihrer Rasse oder ihrer Weltanschauung scharf a b gel e h n t wird. Holland. Ueber die Bedeutung der jüdischen Bevölkerung. Amsterdam, 3. Mai. Zur Feier des 50jährigen Bestehens des „Centraal Blad vor Israelieten m Nederlahd" fand im Amstel; Hotel in Asmterdam eine Feier, statt, an der. Vertreter der jüdischen Verbände und zählreiche führende Persönlichkeiten des jüdischen und nichtjüdischen" öffentlichen Lebens teilnahmen. Der holländische Ministerpräsident Dr. Colijn hatte ein Begrüßungsschreiben gesandt, in dem er erklärt, er freue - sich, f eststellen zu können, daß die jüdische Bevölkerung Hollands in den vergangenen 50 Jahren die besten Traditionen jüdischen Familienlebens bewahrt hat, an ihrem Glauben festhielt und ihre Anhänglichkeit an* Geburtsland und Königshaus^ bewies. ': /" , Der Bürgermeister von Amsterdam. Dr. W. de Vlugt, schrieb, man könne die Bedeutung der jüdischen Bevölkerung für Amsterdam nicht hoch genug einschätzen. Denjenigen Juden, die aus anderen Ländern .-kamen und sich hier-niederließen, habe man in Amsterdam, dem „Jerusalem - des Nordens",, das Gefühl des Zuhause-Seins gegeben. Die. Juden , ihrerseits hätten .mitgeholfen, die: Stadtzu wirtschaflticher. Blüte zu -bringen, und hätten ■ echten Bürgersinn be-r; wiesen... (-,•--;• •■ ... . ....... Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw, Die 1933 gegründete Herrenkleiderfabrik Haliva Ltd. hat im ersten Jahre ihres Bestehens sechs Verkaufsfilialen eröffnet. Die Fabrik stellt im übrigen Herrenwäsche und Krawatten für den Bedarf ihrer eigenen Filialen her. Das Kapital beläuft sich auf Lst. 30.000. Der Geschäftsgang des ersten Jahres, war sehr befriedigend. Auch der Export nach Syrien wurde seit einigen Monaten, aufgenommen und soll weiter auf Aegypten, Südafrika und die Schweiz ausgedehnt werden. Trotz der hohen Schneiderlöhrie — die weit höher als beispielsweise die Berliner gestiegen sind, ergibt sich die Konkurrenzfähigkeit aus dem Pfundsiand und den' günstigen steuerlichen Verhältnissen. Die Fabrik beschäftigt 110 Arbeiter und Angestellte. Jerusalem. Der palästinen- . sische Geldumlauf ist in den letzten fünf Jahren von 2 Million auf über 5 Million PLst. gestiegen. Der Mangel an kleinen No-. ten und Münzen führt zu dauernden Schwierigkeiten im Verkehr, Haifa. Die vor einigen Monaten: registrierte. Palestine Electric Wire Co.. Ltd. mit einem Kapital von Lst. 25.000 wird demnächst ihr Fabrikgebäude in der Haifa-Bay errichten. Es ist die Produktion von elektrischen Leitungen aller Art vorgesehen. In Verbindung mit der. Fabrik soll auch die Gummiwarenproduktion aufgenommen werden. T e 1 A w i w. Im März ist eine neue Bausparkasse „Chewrat Piriäti Ltd," registriert worden. Sie hat bereits mehr als 60 Bausparverträge abgeschlossen. Die Zahler beabsichtigen besonders den Bau von Eigenhäusern und Aufstockungen. Je rusalem. Das Kapital der Palestine Land Development Cy soll von. 100.000 auf 250.000 Lst ehröht werden. Jerusalem. Die offizielle Palästinazeitung vom 16. April macht eine Reihe wichtiger Zollähderurigen bekannt. Irisbesondere sind betroffen Motorräder und Automobile, Zigarren, Reißverschlüsse, Spielwaren, eingemachte . Oliven usw. Interessant ist die Einführung eines 20prozentigen Wertzolles für handgeschriebene Messusoth, Tefillin und Thorarö'llen. Jerusa 1 e m. Nach Berichten des Äckerbaudirektors sind die Vegetationsyerhältnisse in den Orangenplantagen außerordentlich günstig; Im Tiberias- und Jericho- Distrikt sind neue Bananenpflanzungen angelegt. Das: Angebot an den Märkten ist reichlich und erzielt gute Preise. Tel Awiw. Die Orangensaison ist abgeschlossen. Es sind 7.300.000 Kistn, also nahezu ein Drittel mehr als im vorigen Jahre exportiert worden. Der Hauptexportmonat war der März. Natürlich war ein starker Preisdruck die Folge der gesteigerten Produktionsmengen, England hat 73 Proz. der Verschaffungen aufgenommen, Deutschland 7 Proz., eine ganze Anzahl anderer Länder je 5 Proz. bis 2 Proz. Die ganze Lage des Orangen-- expörtes erfordert den Abschluß von Orangenkontinegnten mit denjenigen Ländern, die nach Palästina exportieren. Tel Awiw. Die Gesellschaft Hadar, gegründet 1924, stellt Schachteln und Becher aller Art . her. Sie beschäftigt 120 Personen, arbeitet hauptsächlich für den palästinensischen Bedarf, exportiert aber auch nach Syrien, Aegypten und Südafrika. Die steigenden Löhne bringen die Industrie in eine ungünstige Lage. Im Verlauf der letzten Monate wurde ein Verband der Schachtelfabriken ins Leben gerufen. Tel Awiw. Der Schuhimport, insbesondere derjenige von; Lederschuhen, hat im Jahre 1934 eine starke Steigerung erfahren. Er kommt vor allem aus Syrien und der Slovakei. Tel Awiw. Der palästinensische Export von Kleidungsstücken der konfektionierten Fabrikate hat sich 1934 . auf Lst. 31.000 erhöht. Er wird hauptsächlich von Syrien und Aegypten aufgenommen. Tel A-wiw. Eine weitere neue Bausparkasse' ist anfangs April unter dem Namen Hosbonia hier, gegründet worden., Tel A w-Äw; Zu-den auch von uns wiedergegebenen Ausführungen über die Kontingentschwierigkeiten seitens der Schweiz' ergreift der schweizerische Konsul, in Tel Awiw das Wort. Er. stellt die .Import-, und Expor.tziffern bis zu einem, gewissen Grade richtig und erklärt, daß die Schweiz grundsätzlich Kontingentierungsverhändiurigeri nicht abgeneigt sei. . j - - -. .- Polen. Jüdische Bauern aus Wolhynien übersiedeln nach Palästina. Warschau, 1. Mai. Ein Delegierter der Histadruth Haikarim hat vor einiger Zeit in Polen jüdische Bauern, unter ihnen 30 Kolonisten der „Ort'VKolonien in Wolhynien, für die Ansiedlung in Palästina ausgesucht. Nunmehr hat „Ort" neuen Kolonisten Kredite zur Uebernahme der frei werdenden Bauernstellen' in Wolhynien erteilt, um die Uebersiedlung der ausgesuchten Bauern nach Palästina zu erleichtern. Wieder Exzesse im Lodzer Stadtrat, Warschau, 29. April, In der letzten Sitzung des Lodzer Stadtrates, die nach längerer Unterbrechung wieder stattfand, kam es abermals zu Exzessen der antisemitischen nationaldemokratischen Stadtverordneten. Ein nationalde nokratischer Antrag, als Vertreter des Stadtrats in die Staatliche Rekrutierungskommission nur Nichtjuden zu entsenden, wurde nach einer erregten Debatte abgelehnt. Unter den vier Delegierten des Stadtrats für die Kommission befindet sich nunmehr auch ein jüdischer Stadtverordneter. Zu wüsten Tumulten kam es sodann anläßlich der Verlesung einer Protesterklärung der jüdischen Stadtverordneten gegen das Verhalten der Nationaldemokraten. Hierbei wurden die jüdischen Mitglieder des Stadtrates von einzelnen antisemitischen Stadtverordneten mit dem Revolver bedroht. Die Mitglieder der Jüdischen Fraktion haben beschlossen, die Anzeige wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten. Gegen die Anlagen der Schwimmabteilung des Warschauer Sportklubs Makkabi am Weichselufer wurde-zum zweiten Male innerhalb kurzer Zeit ein Anschlag verübt. Personen, die unerkannt entkommen konnten; haben Revolverschüsse gegen das Klubhaus abgegeben. Verletzt wurde niemand. In der Warschauer Vorstadt W a w e r, einer Hochburg der illegalen antisemitischen Nationalradikalen Partei, explodierte vor einem jüdischen Haus ein Sprengkörper. Schaden wurde nicht angerichtet. Plenarsitzung der Zentralleitung der polnischen Zeürei Agudas Jisroel. Warschau, 21. April. Am Sonntag vor Pessach fand die Plenarsitzung des A.-C. der Z. A. J.- in Warschau unter starker Beteiligung statt. Herr M. Schwarzmänn eröffnete die Sitzung und betonte die zentrale Bedeutung der . Erez Jisroel-Probleme auf dieser Tagung. Nach Wahl des Präsidiums erstattet der Generalsekretär Kröng r a d den Tätigkeitsbericht seit der letzten Tagung. Im Mittelpunkt der geistigen Arbeit stand die Errichtung von Jeschiwoth ktanoth in verschiedenen Städten Polens, an der die Thoraautoritäten und Jeschiwaleiter im polnischen Litauen kräftig mitgearbeitet hatten. Auch wurde viel zur Ausgestaltung der Chederschulen getan. Kreditanstalten und Leihkassen wurden gegründet nnd auch viele organisatorische Arbeit geleistet. Bei allen Arbeiten hatte man schwer gegen die finanzielle Not anzukämpfen. Es galt auch, Streitigkeiten innerhalb der Organisation zu schlichten und auch Mißverständnisse, die sich trennend zwischen Zeiirim und Poalim stellten, zu klären. Die Einberufung der Landeskonferenz ist für Sommeranfang in die Wege geleitet. Auf dem Gebiete der Presse sei die Verwandlung des Parteiorganes „Die orthodoxen Jugendblätter" in ein Zweiwochenblatt zu nennen. Das weitere Bestehen des Blattes ist. freilich von den weiteren finanziellen Opfern der Mitglieder abhängig. Infolge der Verbindung mit allen Schwesterorganisationen im Ausland sei der Gedanke der Schaffung eines W e ltverbandes der Z,< A. J: näher gerückt. In Sachen der Hachscharah, ebenso , der Alijah und der Zertifikatverteilung, sei der Einfluß der Z. A. J. noch nicht genügend im Vergleich zu dem der Poalim. Vielversprechend sei die Entwicklung in Palästina und besonders in Tel Awiw, wo die Organisation der P. A. J. immer festere Gestalt bekommt. Auch dort gelte es, die Kompetenzgrenze zwischen Zeiirim und'Poalim genau t

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