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Der Israelit · 1935-05-09 · Heft 19 (9.5.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 19 Vollständige Entfernung der Juden aus der deutschen Justiz geiprdert. Berlin, 6. Mai. Wie der „Angriff" meldet, hielt Reichsministe f Dr. Hans Frank auf einer Kundgebung in Hannover anläßlich der Gautagung des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen eine Ansprache, in der er u, a. erklärte: „Es ist unerträglich, sehen zu müssen, daß auch heute noch viele Tausende Juden in der deutschen Justiz tätig sind. Es wird unsere große Aufgabe sein, für die endliche Befreiung des deutschen Volkes von diesen Fremdkörpern zu sorgen und eine wahre deutsche Justiz zu schaffen." 15 Jahre Verband bayerischer israelitischer Gemeinden. München, 26. April.. Der Verband bayerischer israelitischer .Gemeinden besteht nunmehr 15 Jahre. Aus diesem Anlaß veröffentlicht sein Vorsitzender, Oberstlandesgerichtsrat a. D. Dr. Alfred Neumeyer, in der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung", dem Organ des Verbandes, einen Aufsatz, in dem er Werden und Arbeit des Verbandes schildert. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Steuergewalt umfasse der Verband die Gemeinden des rechtsrheinischen Bayerns und der Pfalz mit rund 40.000 Seelen. (1920 waren es 50.000). Der Verband sehe einen großen Teil seiner Aufgaben darin, die Landgemeinden mit kleiner Seelenzahl zu erhalten. Er habe den Rabbinern und Lehrern und ihren Angehörigen auskömmliche Gehälter, Ruhegehalts- und Hinterbliebenenbezüge geschaffen. Die Ausgaben für Wohlfahrtspflege und andere kulturelle Leistungen betrugen i. J. 1934 65.000 RM. Weiter habe der Verband ein Landessiechenheim in Würzburg errichtet; der Bestand der dortigen Lehrerbildungsanstalt beruhe im wesentlichen auf seinen Zuwendungen. Der Verband habe die Geschichte des Landes in ihren Beziehungen zu den jüdischen Niederlassungen erforscht und die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland mit ins Leben gerufen. Er habe G'tteshäuser und andere Kulturdenkmäler erhalten und wiederhergestellt. Eröffnung der Jüdischen Volksschule in Düsseldorf. Düsseldorf, 3. Mai. Die private jüdische Volksschule der Synagogengemeinde Düsseldorf wurde mit einem feierlichen Akt in der Hauptsynagoge eröffnet. Vor einer großen Versammlung von Gemeindemitgliedern und Schülern sprachen, der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Erich F e 1 s e n t h a I, der Schulleiter Dr, Kurt Herz und Rabbiner Dr. Klein. Die Schule zählt 240 Schüler und umfaßt alle 8 Jahrgänge einer voll ausgebauten Volksschule. Bemerkenswert ist, daß nicht nur die unteren, sondern auch die obersten Jahrgänge stark besetzt sind. Der Lehrplan ist im Anschluß an die Richtlinien der Reichsvertretung der deutschen Juden eingerichtet. Verlegung des Moses Mendelssohn-Denkmals in Dessau. Dessau, 30. April. In einer kürzlich stattgefundenen Sitzung der Repräsentantenversammlung der Gemeinde Dessau wurde bekanntgegeben, daß der Magistrat der Stadt Dessau der Gemeinde mitgeteilt habe, daß die Verlegung des auf dem Bahnhofsvorplatz stehenden Moses Mendelssohn-Denkmals erforderlich sei, weil an dieser Stelle das Kriegerdenkmal errichtet werden solle, Der Magistrat ersuchte um die Zustimmung der Gemeinde zur Aufstellung des Denkmals von Moses Mendelssohn im Vorgarten des Israelitischen Friedhofs. Es wurde bechlossen, dem Antrage der Stadt zuzustimmen mit der Maßgabe, daß die Kosten der Verlegung des Denkmals von dr Stadt Dessau getragen werden. Die Stadt Dessau hat hierzu ihr Einverständnis erklärt. Oberschlesischer Rabbinerverband. Hindenburg, 6. Mai. Am 5. Mai .fand in Hindenburg eine Sitzung des Verbandes der Rabbiner Ober; Schlesiens statt. Der Vorsitzende begrüßte zunächst als neues Verbandsmitglied den Rabbiner Dr; Keller, der seit kurzem anstelle des nach Kopen? . hageji übersiedelten Dr. Melchior das Amt des zweiten Rabbiners 'in Beuthen bekleidet. Dann er-.', tattete er nach Erledigung interner geschäftlicher Angelegenheiten einen ausführlichen Bericht über die ani 7. und 8. April in Berlin stattgehabte Tagung - des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbande«. Daran schloß sich eine längere Aussprache, in .der besonders die Inhalte der Referate teilszustimmend teils .kritisch zur Kenntnis genommen wurden. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Keller einen halächir schien Vortrag über das talmudische Thema. Sima; n i m. In einstündiger Ausführung entwickelte er ah der Hand der talmudischen Quellen sowie der Kodifikatoren und Dezisoren den weitschichtigen Stoff und wußte dem vielbahandelten Problem durch Beibringung originaler Gesichtspunkte manche neue Seite abzugewinnen, so daß .die lichtvollen Darlegungen Anregung zu einer lebhaften Diskussion boten. Dan nächsten Punkt der Tagesordnung bildete; die Frage der Ausgestaltung des Oneg Schabbat, wobei, die Erfahrungen"ausgetauscht wurden, welche in den * verschiedenen Gemeinden darüber gewonnen wurden. Am „Schlüsse wurden die Wahlen vollzogen. Als Vorsitzender wurde G o 1 i n s k i, Beuthen wiedergewählt. Das Amt des . Schriftführers, das seit dem Heimgang von Victor, Hindenburg unbesetzt geblieben war, übernahm Rabbiner Dr. Keller. Als Ort der nächsten Tagung wurde Gleiwitz bestimmt. * Oesterreich. Scharte Protestbewegung gegen die „Bodenständigkeitsklausel" in der Wiener Rechtsanwaltschaft. .....Wien, 22. April. .; Das Programm des „Frontbundes der Rechtsanwälte", das die Einführung des Bodenständigkeitsbe-: griffs für.die Rechtsanwälte vorsieht und auf die Diskriminierung, der aus dem Osten der ehemaligen Monarchie stammenden jüdischen Rechtsanwälte hinausläuft, sowie das Wahlrecht in die Standesvertretung nur der „Frontgeneration" vorbehalten will, hat unter der Wiener Rechtsanwaltschaft eine starke Protest- ' bewegung ausgelöst. Im „Morgen" äußert sich ein arischer Rechtsanwalt, Dr. Alfred Ritter von Wurr zian, scharf gegen die vom „Frontrinig" angestrebte Diskriminierung eines Teiles der Anwälte und gegen die sogenannten Bodenständigkeitsforderungen. - Ein Rcehtsanwaltsanwärter nimmt in demselben Blatt Stellung gegen den Plan, das Wahlrecht nur den - „Frontisten" vorzubehalten, weil auf diese Weise die jüngere A.niwaltsgeneration, die keine Möglichkeit gehabt hat, am Weltkrieg teilzunehmen, um ihr Wahl-" recht kommen würde. Schweiz. Der Berner Prozeß um die „Protokolle". Bern, 6. Mai. , Die Gutachtenerstattung durch Oberstleutnant a. D. Fleischhauer nahm ganze vier Tage in Anspruch, Der Gerichtsvorsitzende erklärte auf eine Anfrage der änderen Prozeßibeteiligten, wie lange die Verhandlung noch dauernsollte, man habe nach dem in der Schweiz geheiligten Grundsatz der freien Meinungsäußerung dem Experten unbegrenzte Redezeit gelassen, er bitte ihn aber, da sein Gutachten schriftlich vorliege, sich selbst eine gewisse Beschränkung aufzuerlegen, um so mehr, als das Gutachten Baumgartens nur drei Stunden erforderte. Fleischhauer erwiderte darauf, sein Gutachten gehe tiefer auf die Dinge ein, als die der anderen und so müsse er sich unbeschränkt Zeit lassen. . Der Vorsitzende verwahrt sich energisch gegen einen Aufsatz in der Zeitung „Alemanen", in dem;-er als „Judensöldling" bezeichnet wird. Es werden auch andere Proteste und Gegenproteste von Prozeßbeteiligten verlesen. : In seinen weiteren Ausführungen geht Fleischhauer auf die Herzl' sehen Schriften ein, besonders auf den Roman „Altneuland", aus dem er Andeutungen auf die ^Protokolle" herausliest.. Das Judentum wollp nicht verraten, wo sich sein geheimes Staatsarchiv befinde und wer heute der „oberste offizielle Weise-"- sei. Bekannte Renegaten, die er bei. Namen .nennt, hätten die EJchtheit der -„Protokolle" zugegeben^ Der. Experte besteht darauf, daß 1897 neben dem offiziellen Zionistenkongreß noch eine G e h.e i m v e r - Sammlung des Orden „Bne Brith" , stattgefunden hätte, in der die Protokolle veriaßt worden seien. Sämtliche Zionisten seien Mitglieder, der Bns Brith- Lo.ge. Die Echtheit., der. Protokolle sei durch dan Charakter der Juden innerlich bestätigt. Zum. Schluß bringt der Experte die „Ernsten Bibelforscher'!, (eine, bekannte christliche Sekte) mit Juden in' Verbindung. Diese förderten die religiös politische Weltherrschaft der Juden genau wie die .Zionisten deren staatspoiitische Wltherrschait. Nach dem Programm der Ernsten Bibelforscher, die sich nach seiner Auffassung nur äußerlichals christliche Gesellschaft tarnen, im Innern aber jüdischien Zielendienen, „werde Jerusalem die künftige Welthauptstadt sein und Abraham werde vom Berge Zion aus die Geschick der ganzen Welt mittels vollkommener Rundfunkstationen lenken; alle Nichtjuden würden durch. Beschneidung zu Juden gemacht werden." Die Protokolle seien aus der gleichen Gedankenwelt geboren wie das Programm der „Bibelforscher" und der Freimaurer, die auch für den Mord des. österreichischen Thronfolgers .1914 verantwortlich seien. Die Frage, ob das Buch über die Protokolle unter den Bfegriff Schundlite ratur. falle, beantwortet Fleischhauer mit einem Angriff auf . den Talmud und die jüdische Religion. So lange der Talmud freigegeben sei, könne die Schrift über die zionistischen Protokolle nicht als Schundliteratur bezeichnet werden. Am Montag äußerte sich Professor Baumgarte n zu einigen Punkten des Fleischhauer'schen Gutachtens. Es stehe für ihn außer Zweifel, daß es eine jüdische Geheimregierung nicht gibt. Es gehe nicht an, die Weltgeschichte einzig unter dem Gesichtspunkte der Judenfrage zu sehen. Judenverfolgungen hätten niemals den Völkern aus ihrer Not hinweggeholfen.. Fleischhauer kenne nur die Juden' auf die er sich berufe, die Renegaten! ein Volk, das aber die Propheten, den Stifter und die Apostel hervorgebracht hat, dürfe nicht so bewertet werden. Er wendet sich auch gegen die Bewertung ..der jüdischen Ae r z t e durch Fleischhäuer. Er, Bäumgarten, sei kein unbedingter Judenfreund, wenn er sich aber die Juden vergegenwärtige; denen er im Leben begegnete, so müsse er bekennen, welche wundervolle Menschen er da angetroffen und wie viele herrliche Beispiele von Selbstlosigkeit ei* da erlebt J hat. Wollte man sich immer nach Zitaten richten, dann könnte man jedes Volk moralisch in Grund und Boden verurteilen, denn über alle Völker sei schon Schlechte® gesagt worden. Man dürfe nicht, wie es die Talmudbeurteiler tun, yon Dingen sprechen, von denen man nichts verstehe. Auf die „Protokolle" zurückkehrend, weist der Sachverständige nochmals nach, daß diese von Anfang bis zum Ende eine Satyre auf die Diktaturpläne Napoleons III. ■ darstellen und später von der russischen Geheimpolizei in eine jüdische Weltverschwörung umgefälscht, wurr' den. Es sei absurd, den edlen, stillen Aehad Haam mit dieser Fälschung in Verbindung zu bringen. Den Tagebüchern Herzls stehe auch er, Baumgarten, in manchem kritisch gegenüber. Tagebücher seien aber keine historischen Dokumente und man könnte , aus Tagebüchern anderer bekannter Persönlichkeiten noch weit Schlimmeres herauslesen.-Daß die Juden sich als auserwähltes Volk bezeichnen, komme, aus ihrem religiös stark fundierten nationalen Stolze, der aber auch anderen Völkern nicht fremd isjt. Nach Baumgärtn kommt der gerichtlich bestellte Obergutachter, Schriftsteller C, A. Loesli, zu Wort. Als Tielnehmer an dem ersten Kongresse verneint er kategorisch, daß die zionistischen Führer, wie überhaupt der Zionismus, je etwas Anderes erstr eb t hätten als eine rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Er schließt sich im Ganzen dem Gutachten Baumgartens an, dessen einzelne Punkte er mit den wahren Protokollen der Kongreßverhandlungen belegt. Auf Grund von Urkunden "stehtfest, daß die Sammlung von Grundlagen für die -Fälschung der „Protokolle" seitens der russischen Ochrana (politische Geheimpolizei) bereits im Jahre 1834 begann, A l s erwiesen ist zu betrachten, daßdie „P-roto-

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