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Der Israelit · 1935-05-09 · Heft 19 (9.5.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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9r Mai 1935 D I s r a e 1 i -t Nr. 19 Seite 7 hung zu dem umliegenden Bauland stand und in Handel und Industrie ihren Erwerbsberuf finden mußte. Allein indem dieser Charakter nur auf solche! Städte beschränkt war, deren" Ter- * rain schon vor dem Häuserbau und der Niederlassung seiner Bewohner durch Mauern vom Lande ausgeschieden war, ^iDaVv^pn wo aber ursprunglich der Ort den Charakter einer' offenen Stadt trug, dieser Charakter auch nicht verloren ging, wenn sie später zum Schütz mit-' Mauern umgeben wurde, t\p\r\ TlOafrl und auch jene nur darin als noiri "HS? TD vom mur Jltins geschieden waren, wenn sie bereits von Josuas Zeit her diesen Charakter hatten; so war "überhaupt ein sich vom Landbau loslösendes und ungelöstes Stadtleben nur au f, e in*e durchaus fixierte Anzahl Punkte im Lande beschränkt, deren Zahl in keiner Weise eine Vermehrung zu ließ. Ein Staat aber, - dessen Bevölkerung sich vorzugsweise in mäßig großen Landstädten gruppiert1 und erhält, ist ebenso sehr vor großstädtischem Luxus tind Proletariat als vor ländlicher Rticks'tändigkeit und Verdummung geschützt. ' Die hebräische Sprache und Von Pinchas Wollmann in Frankfurt a. M, . .. (Fortsetzung.) Es'genügt aber nicht das Studium der Litei-atür. Um die Sprache genau zu kennen, sich ihrer in Wort und Schrift zu bedienen, die Schönheit unserer Literatur zu erschauen, die Tiefe der darin ruhenden sittlichen Gedanken ja nur in dem einfachen Wortsinn zu erfassen, müssen wir auch den A ü f b a u der hebräischen Sprache, ihre Grammatik kennenlernen. Oft ist es unmöglich, auch nur den einfachen Sinn zu erfassen ohne Kenntnis der Wurzeln, der Binjanim usw. und besonders ist es schwer, die Feinheiten und die,verschiedenen Nuancen der Sprache ohne die synonimen Worte zu erfassen. Manchmal hat ein und dasselbe, Wort verschiedene Bedeutungen und so gibt es noch zahlreiche andere Feinheiten, Obgleich wir heute noch kein einwandfreies und vollkommen grammatisches Werk besitzen, genügen doch für diesen Zweck die im Handel befindliche . Grammatiken und jeder kann sich leicht die erforderliche grammatische Kenntnis durch Selbststudium oder mit Hilfe eines Lehrers an- . eignen, r Es ist ein Naturgesetz, daß jeder Mensch im Laufe der Zeit ein Produkt seiner Umwelt wird, in der er lebt und die ihn beeinflußt. Leider sind wir nun mehr oder minder an die Völker assimiliert, unter denen wir wohnen. Im Laufe der Golushacht, insbesondere in Westeuropa, haben wir bewußt und unbewußt fremde Eigenschaften angenommen, die nicht dem alten jüdischen Geiste entsprechen und die wir ablehnen müssen. Insbesondere die trockenen Gebeine des Westjuderitums können nur durch eine Welle mächtiger Begeisterung, durch eine ^vvahre Entflammtheit für unsere Thöra und für die Sprache unserer Väter wieder belebt und aus den Klammern der Assimilation, öder bei den Orthodoxen wenigstens von einer Teilassimilation befreit und zum wahren vollendeten Judentum zurückgeführt werden, G'tt hat viele Boten und viele Wege führen zur Erkenntnis der Wahrheit und der Thora, Vielleicht, <ja sicher ist auch die Wiederbelebung der hebräischen Sprache ein Mittel 'zu diesem Zweck' und man muß, sich ihrer bedienen,, um die halbentfremdeten Teile unseres Volkes aus der Flut der Assimilation, in der' sie zu! versinken drohen, zü retten und sie zur Thöra zurückzuführen. Das kann nur der so recht verstehen, der Gelegenheit hatte, assimilierte intelligente Kreise zu unterrichten, z. B. Rechtsanwälte usw., die in ihrem ganzen Leben noch keinen hebräischen1 Buchstaben gesehen hatten und der dann wahrnimmt, wie das Gefühl auflebt, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben anfangen, Tnach in ■> . \ < ■ : "J > ■ der hebräischen, Sprache zu lesen. Aus dem Erlernen der Sprache ihrer Väter, entwickelt sich eine ganze innere Selbstbesinnung und eine. Würdigung des Wertes des Judentums, Seelische Fäden, die schon von ihren Eltern zerrissen worden sind, beginnen -plötzlich wieder m ihrem Innern sich anzuspinnen und Klänge in ihrem Herzen erwachen, die seit Hunderten von Jahren er- . storben wanen, Spuren von Empfindungen, die sie selber nie geahnt, sprossen in ihrem Innern auf und die Funken jüdischer. Heiligkeit beginnen sich zu entflammen. Eine wahrhafte seelische Offenbarung. Hier haben wir nun eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe zu lösen. Hier bedürfen wir religiöser Lehrer, die diese hebräische Bewegung beeinflussen und das langsame Erwachen jener entfremdeten Seelen hineinlenken können in das Zelt der Thora und der Wahrheit. Wer auch nur eine jüdische Seele rettet, ist ja als ob er eine ganze Welt gerettet hätte. Umgekehrt aber, wenn wir diese Bewegung nicht, beeinflussen und den suchenden Seelöh in ihrem; Zurückstrebeü nach dem verborgenen Lichte nicht zur Seite stehen, wer weiß, ob wir dafür dereinst nicht Rechenschaft abzulegen-haben, weil wir über das g'ttliche Gebot hinweggeschntten sind: „Du sollst nicht stillstehen beim Blute Deines Nächsten." Wenn wir sie nicht auf den rechten Weg führen, wird ihnen „Befreiung und. Rettung ' von anderer Seite" werden. Sie werden dann ihr geistiges Genüge finden in einem extremen und areligiösen Nationalismus. Wir sehen ja die Propaganda der Zionisten, die sie mit allen modernen technischen Mitteln für sich zu gewinnen suchen, , deutlich vor uns. Worauf warten wir noch? Hier liegt für uns eine heilige Pflicht und «ine ungeheure Verantwortung vor, auf diesem Gebiete für die Heiligung des G'ttesnamens zu arbeiten. Schließlich dürfen wir unser oberstes Ziel, das an der Sprache hängt, nicht vergessen. Wenn es unsere Aufgabe ist, das heilige Land für unsere Thora zu erobern, diese Thora zur Beherrscherin zu machen auf allen Gebieten des Lebens, dann müssen wir die W ai f e n u n s e r e r Gegner e r g reifen und m i t ihnen uns rüsten. Die Hauptwaffe aber ist {He hebräische Sprach e, In ihr müssen wir uns vervollkommnen, sie durchforschen und beherrschen, damit wir sie benutzen können in unserem Kampfe gegen die nationale Assimilation und ihre Oberflächlichkeit. Wir müssen wissen, daß ein schwerer Kampf unserer in Erez Jisroel in 'Zukunft wartet, ein Kampf für G'tt und seine Thora, für die überlieferte Religion gegen ihre- Gegner, gegen die Bestrebungen der Leugner, die Thora vollkommen zu vernichten und aus dem Boden Erez Jisroels zu entwurzeln und an ihrer Stelle die Thoraleugnung auf den Thron zu erheben. An dem Siege in diesem Kämpfd: hängt tmsöre Zukunft und die Zukunft des Judentums1 im heiligen Lande. Daß | wiri aber in diesem Kampfe nicht siegen'können* ohne das Rüstzeug' einer vollkommenen Beherr-: schung der hebräischen Sprache, ist klar. Das: junge Geschlechtf'kennt nur die Sprache unserer Väljer, und unser Ziel ist,; a 11 e Teile des Volkes dem j. Lichte der Thqpa anzunähern und sie; zur Beherrscherin d$s i Lebens i ■ zu:; machen.:: So müssen..wir den Geist des .Volkes"; beeinflussen, durch die hebräische Sprache; ohne sie sind wir ohnmächtig. Auf die Frage, wie man nun die Entwicklung der Spräche im Geiste der Thora beeinflussen kann, kommen wir im dritten Teil zu. sprechen. / . (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich. Gründung eines handwerklichen Ausbildungszentrums für deutsche Juden in Palästina. Berlin, 29. April. •Vom Z. A. für Hilfe und Aufbau wird uns geschrieben: ..--f. Zur Förderung der handwerklichen Berufsausbildung der jüdischen Jugend Deutschlands soll in aller Kürze in Palästina eine handwerkliche Lehrstätte gegründet werden. Diese Lehrwerkstätte wird es sich zur Aufgabe machen, besonders qualifizierte Handwerker, heranzubilden und zwar ist vorerst in Aussicht genommen die Errichtung einer Lehrwerkstätte für Schlosserei, Tischlerei und die Nebenberufe des Bauhandwerks. : Die Vorbereitungen sind bereits soweit getroffen, daß in Kürze mit der Einrichtung des handwerklichen Lehrzentrums in der Nähe von Haifa begonnen wird. Für die Verwaltung des handwerklichen Lehrzentrums hat sich ein Kuratorium gebildet, das in Deutschland vorerst unter Leitung von Herrn Rabbiner Dr. Leo Baeck steht; in Palästina sich aus einigen Presönlichkeiten zusammensetzt, die der Zentralstelle für die Ansiedlung deutscher Juden nahestehen. Das handwerkliche Lehrausbildungszentrum wird gegründet in Erinnerung an Dr. Ludwig Tietz, dem ersten Generalsekretär des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau. Entscheidender Einfluß der Zionisten auf das jüdische Leben Deutschlands gefordert. B e r 1 i n , 6. Mai. Am Sonntag, den 5. Mai, fand in Berlin die zentrale Arbeitstagung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt, zu der die verantwortlichen Leiter und Träger der zionistischen Arbeit im deutschen Judentum in außerordentlich großer Zahl erschienen waren. Den Gegenstand der Beratungen bildeten die angesichts des bevorstehenden 19.. Zionistenkongresses aktuellen Fragen der zionistischen Bewegung, sowie das Problem der zionistischen Stellungnahme zu den Gegenwarts- und Zulcunftsfragen des deutschen Judentums. Es -würde folgende Resolution gefaßt; 1. Die zionistische Bewegung in Deutschland erhebt den Anspruch, das gesamte jüdische Leben in Deutschland entscheidend zu*' beeinflussen. Die sachliche Führung gebührt dem Zionismus auf allen Lebensgebieten, auf denen die zionistische Initiative den deutschen Juden neue Wege zu konstruktivem Aufbau und systematischer Hilfsarbeit gewiesen hat: in der Frage der jüdischen Schulen, der Berufs- und Wirtschaftspolitik, der Förderung des Palästina-Aufbaus und der Auswanderung. •'Der Zionismus kann sich jedoch bei der gegenwärtigen Gesamtlage der Juden in Deutschland nicht darauf beschränken, einzelne Sachgebiete zu betreuen, sondern muß verlangen, daß die zionistischen Erkenntnisse als Grundlage einer Neugestaltung des gesamten jüdischen*- Lebens dienen;'' 2. Die Arbeitstagung der-Z. V f. D. beschließt: Die deutschen Zionisten fordern eine personelle und organisatorische Umgestaltung der zentralen und ortlichen Instanzen der deutschen Judenheit, die den Zionisten den' ihnen zustehenden Einfluß auf die Gestaltung der jüdischen Arbeit in Deutschland verschafft und sichert. Der geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, die zur Realisierung dieser Forderungen notwendigen Aktionen einzuleiten und für ihre■■'< Durchführung Sorge zu trägen. ■

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