Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1935)
- Date
- 1935-05-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Ej5^s^^5»ä~^^^^^^^^5^«*^^^^^/5^^5r^^^p^^^^^^^^^j^^^^^^^g^^^^^^^ra; Seite 6 Nr. 19 Der Israelit 9. Mai 1935 Notschrei der jemenitischen Juden. Die palästinensische Presse veröffentlicht einen erschütternden Hilferuf von in Palästina lebenden jemenitischen Juden zugunsten ihrer Brüder in Jemen. Darin wird geschildert, wie die jüdische Bevölkerung Südarabiens dem Imam Jachja auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ist. Versucht es ein Jude, der jemenitischen Hölle zu entfliehen und nach Palastina auszuwandern, so wird er, wenn er gefaßt wird, als Schwierverbrecher umgebracht, während die jüdischen Führer seiner Stadt in den Kerker geworfen werden. Gelingt es einem Juden dennoch, über die Grenze zu kommen, so werden aus de.r Mitte der jüdischen Bevölkerung seiner Stadt Geiseln-ausgehoben und in den Kerker geworfen, ihr Vermögen wird konfisziert. Die Unterzeichner des Schreibens fragen, warum sich keine jüdische Instanz findet, die sich für die verfolgte jüdische Gememschaff'hr' Jemen einsetzt; warum nicht j Eng land versuche, einen' Druck auf -den Im am Jachja, der ja Herrscher von Englands Gnaden ist, auszuüben? Sind denn, so heißt es' in ' ' . , ■ ■ * '.i dem Brief zum Schluß, '.die Juden des Jemen nicht Kinder des Volkes' Israel? Auch wir fragen, warum? Warum s rührt in einer Zeit, da für die Juden änderer «Länder sich führende Männer in Europa oft mit einem Eifer einsetzen, der alle Anerkennung verdient, keiner einenfFinger für die jemenitischen Juden? Warum setzen jene maßgebenden Stellen nicht ihren; ganzen Einfluß für diese Unglücklichen ein? Wer den Beitrag der jemenitischen Juden zum Aufbau Palästinas kennt, weiß, wie viel wertvolle Substanz an Menschen und Kraft durch die Behinderung der Palästinaauswanderung aus Jemen Erez Jisrael verloren geht. Abgesehen von der blutigen Tragödie, in\ Jemen überhaupt, der wir nicht stille zuschauen dürfen.^y-) D,7!!?ir b Die Bodenspekulation in Palästina und das Thoragesetz. In einer der letzten Nummern der Londoner zionistischen Wochenschrift „New Judaea" veröffentlicht Josef L. Cohen einen zeitgemäßen Aufsatz über den Kampf gegen die Bodenspekulation in Palästina. , Der Verfasser führt einleitend aus, daß sich mit moralischen Ermahnungen gegen diese Spekulation nichts ausrichten läßt und daß auch der Kampf gegen den Krebsschaden der gewissenlosen Grundstücksagenten unmittelbar nur in sehr begrenztem Maße Erfolg verspricht. Nicht einmal ein von oben herab erfolgender gewaltsamer Eingriff in die Gestaltung der Mietrenten hat sich nach den bisherigen Erfahrungen volkswirtschaftlich als tragbar erwiesen. Helfen kann auf die Dauer nur eine weitausschauende Bodenpolitik, als deren Grundlage Cohen 5 Programmpunkte hervorhebt: 1. Es sollte eine Stadtbauplanung oder wenigstens eine Reihe 'von solchen Planungen geschaffen werden mit dem Ziele, die städtische Bevölkerung soweit wie möglich* auf ein großes Terrain zu verteilen. 2. Die jüdischnationalen und halbnationalen Institutionen sollten eine Politik verfolgen nach Art derjenigen in dem Areal der Haifa-Bay, d. h. Land, im voraus zu kaufen für die städtische Entwicklung. 3. Ein zentrales jüdisches Landankauf-Institut sollte anerkannt und ihm der volle Vorteil nationaler Unterstützung gewährt werden, ■4, Es sollte eine Politik verfolgt werden, welche darauf berechnet ist, den Zins für langfristige Darlehen zu reduzieren. 5. Die lokalen Behörden sollten das Recht erhalten, WertzuwachsrSteuern für lokale Zwecke zu erheben, deren Ertrag zum Besten der Stadt verwendet wird. . Die Entwicklung des Landes ist der Konzentration und der Entwicklung des Ackerbaus und der Industrie zu danken. In den früheren Landstrecken beginnen große Dörfer und Städte emporzuwachsen. Aber es muß bemerkt werden, daß die Juden ihre größte Aufmerksamkeit nur zwei von den fünf geographischen Bezirken zugewandt haben, in die das Land eingeteilt werden kann. Der meiste jüdische Besitz befindet sich in der Küstenebene und ein geringerer im Jordantal, Mehr sollte in der letzteren Region versucht werden. Im übrigen, ist die Entwicklung in den hügligen Regionen und im Süden.r noch im Embryo. Wenn man.vorerst ypn Transjordanien absieht, sollte die jüdische Anstrengung, geführt von den nationalen Fonds, hauptsächlich auf diejenigen Teile des Landes gerichtet werden, in denen die Bodenpreise noch am wenigsten berührt sind. Die Abdämmung des Zuflusses nationalen Kapitals in die Gegenden der stärksten Entwicklung ist die erste Voraussetzung für ein Programm zur Bekämpfung des Steigens der Bodenpreise. Eng verwandt damit ist eine Anstrengung der jüdischen zentralen Körperschaften, einen Plan städtischer Entwicklung zu entwerfen. Eine Reihe von sagen wir 10 neuen Städten sollte geplant werden in den Gegenden, die jetzt d em pr.o.dukti vi er end en.Einf luß d es jüdischen Kapitals" u n d d e r j ü d i - sehen Arbeit noch nicht unte r w o r-r fen sind. Diese 10 neuen Städte für das jüdische Palästina sollten dort angelegt werden, wo günstige Bedingungen; für das Verkehrswesen und für die Bereitstellung mechanischer Kraft existiert, so daß die Industrie dezentralisiert werden kann. Gesunde sanitäre Bedingungen und Wasserversorgung würden natürlcih unentbehrlich sein. Wir sollten keineswegs annehmen, daß unter, modernen Bedingungen irgend welche entscheidende Gründe vorhanden sind, warum Städte an einem- Platz eher ' entstehen könnten, als an einem anderen. Rußland hat die Entwicklung gewisser industriebezirke geplant und in Großbritannien haben bedeutende Persönlichkeiten das Projekt der Anlage hundert neuer Städte gebilligt. In einer neuen Periode der Städteplanung und Landplanung . würde es u n s i n n i g. sein, sich der Unvermeidlichkeit eines Wachstums von Jaffa—Tel Awiw und Haifa zu Großstädten mit einer Bevölkerung von je einer halben Million Menschen zu überlassen. Sowohl in der landwirtschaftlichen, wie in der industriellen Entwicklung des Landes sollte sich die Jewish Agency bemühen, die Mitwirkung anderer jüdischer öffentlicher und halböffentlicher Körperschaften zu erlangen und auch so zahlreicher privater Körperschaften und , Einzelpersonen, wie sie bereit sind, diese Aufgabe eines planmäßigen nationalen Aufbaus zu erfüllen, statt eines krampfhaften, zufallsweisen, unsystematischen; und ungeregelten Wachstums. Mit dem ständigen Zufluß neuen Kapitals und neuer Einwanderung sollte die Aufgabe verhältnismäßig leicht sein. Die neuen Ankömmlinge werden eine Führung begrüßen. Es könnte sogar Begeisterung geschaffen werden: itfür Städte mit einer Bevölkerung von 10—50.000 Menschen, welche die Vorteile großer städtis c her W o hnp 1 ä t z e mit de n e n des Lebens a u f dem L a n de v e r e i n i g ein. Natürlich führt dies die Notwendigkeit mit. sich, die Fabriken Und W;'e r k s-t ä t t e h über das Land zti verteilen. Dies1 * kann' von der : Regierung ermutigt werden durch den Bau von ■ sekundären L a n d s t r'a ß;e n und durch ihre j S Pe u e r.p o 1 i t i k. ,: " "'• ' . Die hohen Mieten, die m, Städten wie *Haifa und Tel Awiw.. bezahlt werden müssen, werden von' selbst den Wunsch nach industriej.len Niederlassungen in Gegenden mit > billigeren Mietpreisen erzeugen. Ueberdies, sobald die Arbeiter niedrige Mieten für. ihre Häuser zu;; zahlen haben, kann dieser Punkt auch bei der Festsetzung' der Löhne mit in Betracht gezogen werden, Die nationalen Fonds könnten ihre Hilfsquellen verwenden, um beim Hausbau und der Wasserinstallation, wenn möglich, zu helfen. Daneben müßte natürlich die Aufmerksamkeit zugewandt werden der Erschließung n euer Bezirke i n n e r h a 1 b d e r e x is t i er e n d e n Städte.; Es-ist außerordentlich interessant, mit diesen ganz aus der rationalen Betrachtung . der im modernen Palästina sich entwickelnden Siedlungsbedingungen herausgewachsenen Vorschlägen die wenig bekannten G es etzesbestimmungen'zu vergleichen, die das .Thoragesetz im III. B. M. für d i e j ü d i sc he Sie d 1 u n g spolitik im heiligen. Lande, vorschreibt. Dort wird, nach der Interpretation der1 mündlichen Lehre, in Kapital 25, v Vers 34 bestimmt, daß jede Stadt in ihrer unmittel-, baren Umgebung einen für Vieh, bewegliche Habe und sonstige dem Lebensbedarf der Städter nötwendige Hantierungen bestimmten Flurraum sich erhalten muß und daß jenseits dieses freien Raumes weitere Flächen für Feld Und Weinberge bestimmt sind. Es wird nun vorgeschrieben, daß weder Feldraum in Flurraum, noch umgekehrt, noch auch Flurmuni zur städtischen Bebauung zugelassen, oder städtischer Boden in Feldraum umgewandelt, werden darf. Keine Gegenwart ist," wie S. R. Hirseft kommentiert, alleiniger Disponent über die Verteilung dieser Räume, alle Folgezeiten haben gleiche Ansprüche daran und wie sie es von der Vergangenheit erhalten haben, so haben sie es für die Folgezeit zu hinterlassen. Dann macht Rabbiner Hirsch darauf aufmerksam, welche Konsequenzen diese Bestimmungen auf die Entwicklung der ganzen Siedlungspolitik im jüdischen Lande ausüben, insbesondere auf das Verhältnis von Stadt und Land. Offenbar wird nämlichdurch diese Bestimmungen die möglichste Erhaltung einer „mit Landbau sich beschäftigenden städtischen Bevölkerung" als überwiegender Grundtypus der Nation in den Vordergrund gestellt und dem Anwachsen der Städte zu vom Lande abgelösten Großstädten Hindernis in den Weg gelegt. Es können sich die vorhandenen Städte nicht über deren Flurraum hinaus auf Kosten des Baulandes, ja nicht einmal auf Kosten ihres (ganzen?) Flurraumes erweitern, und es kann überhaupt kein Bauland in Stadtgebiet umgewandelt werden. Bei einerU e b e r f ü 1 l.u n g müssen n eue Städte da a n g e1e gl werden, wo bis jetzt kein Bauland war, wie z. B. Josua Kap. 17, .15 bis 18 den Söhnen Josephs die Lichtung von Gebirgswaldungen zur Anlegung neuer Städte empfahlt. Dadurch ferner, daß die Häuser der mit Land verbundenen Städte, ö'1sniV>fl.l'wie das Land s*elbst, von bleibender Entäußerung geschützt, im Jobel an den ursprünglichen Eigentümer oder dessen Erben zurückfielen, war dafür gesorgt, daß im großen Ganzen Stadt und Land zusammengehörig verbundene Familieneigentümer blieben, so daß in der Regel jeder Acker und jeder. Weinberg seinen Besitzer" in einem Hauseigentümer der nächstliegenden Stadt haben' müßte. Städtische* ' Intelligenz in Verbindung mit ländlicher Sitteneinfachheit ist es somit, was /dieses große tiefeinschneidende Statut ■ vorrittejtkqÄ . bei seinen. S£aats££nbssen zu pflegen, geeignet war.' Nur um- - inäüör'te: Städte waren vom Lände äbgelöstt -und iüdem! dort das Ha^seigentum bleibend in aridere Hände übergehen könnte, tonnte sich, dort eine Bevölkerung heranbilden, .die *in keiner Bezie-