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Der Israelit · 1935-05-09 · Heft 19 (9.5.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9. «Mai 1935, D,e r , 1 8 r a e i » » Nr. 19 Seite 5 .. Agddas Jisroel muß unverzüglich7 zunächst einmal etwa; fünf, anerkannte Thoragrößen in verhältnismäßig, jüngerem Alter dazu ausersehen, tite, kommenden 'Wirtschaftsführer der Weltortho-, doxiein Erez .: Jisroel .zu sein.: Diese Persönlichkeiten müssen unverzüglich daran gehent die Wirtschaftswissenschaft -unter entsprechender Anleitung genau zu studieren. Kenntnis des modernen Rechts-in seinen internationalen Grundr. lagen ist unbedingt erforderlich. Alsdann begeben sich diese Persönlichkeiten nach Erez Jisroel und studieren die dortigen Verhältnisse einge- Wochenrundschau. Drei Probleme und eine Lösung* Jm .•' Mittelpunkte ' unseres Sorgenlebens Standen ■./seit altersher und stehen heute mehr denn je die Sorge um die T h o ra, um E r e z J ä sro el a n d u m d a s j ü d i s c h e K i n d. Wenn man will, sind es keine drei Probleme, sondern nur eines: Wie versorge '„ich mein Kind in Erez I s r a el, daß es dort zu seinem Teile _ dazu beiträgt, Erez Israel zum N a t d o n a 1 h e i m <3;er Thora zu gestalten? Fließen aber diese drei Fragen zu einer einzigen zusammen, sor müßte danach getrachtet werden, mit einer Lösung an den Fragenkomplex heranzugehen. Und es liegt nach unserer Ueberzeugung der Grund für das Scheitern aller bisherigen Lösungsversuche darin, daß sie die drei Fragen nicht als Einheit betrachteten, daß man Erziehungsfragen ohne den natürlichen Drang unserer Jugend nach Erez Jisroel zu berücksichtigen, sodann aber Erez Jisroel- und Erziehungsprobleme ohne Thora zu lösen suchte. In Angliederung an die Frankfurter T h ora- Lehr a n s t al t Jeschiwa, die ihr Sommersemester mit einer bisher nie erreichten Schülerzahl und einer wesentlichen Erweiterung; ihres Dozentenkollegiums begonnen hat, wird ■>. diese Woche ein K e r e>n H a t h o r a - H e im, •ein Internat für Vierzehn- und Fünfzehnjährige.; eröffnet; eine E r z i e hun g s s t ä 11 e f ür; T h o r a und E r e z Isra e 1, die wenigstens einer Anzahl von Eltern auf die Frage, was sie; mit ihren schulentlassenen Jungen machen sol- Die kurzen Striche der hier veröffentlichten Aufsätze zeigen das Judentum als Erziehungswerk, und die drei Musterbeispiele wollen einem wichtigen Problem der jüdischen Gegenwart, nämlich dem Erziehungsproblem, Hinweis geben. , Es steht doch folgende Tatsache fest: Solange die Judenheil ein mit der Luft der Ethik des Judentums gefülltes Milieu war, pulsierte Lebenskraft in ihr.. Damals beherrschte das Judentum nicht nur wie in der Neuzeit, die Feierstunden des Tages/ der Woche und des Jahres und auch das nur dort, wo es überhaupt noch Herrschaft ausübt —, sondern auch den Alltag mit allem Alltäglichen. Es wurde als eine Selbstverständlichkeit ganz unproblematisch gelebt. Damals brauchte man wahrlich nicht nach Systemen, und Methoden, um das Judentum in die Seelen der Jugend einzupflanzen auszublicken. Die normale Erscheinung ließ noch' das Judentum des Sohnes dem des Vaters und den jüdichen Pflichtenkreis der Tochter dem der Mutter gleichen. Heute aber ist infolge der Assimilation an die "Völker längst ein gewaltiger Zusammenbruch das traurige Durchschnittsbild der Judenheiten in den Galuth-. ländern, und das jüdische Erez Israel, das sich aus den Galuthländern rekrutiert, hat noch nicht die Assimilation, an die Denkweisen der Umgebung, aber noch die der Galuthländer, aus .der die Eingewanderten gekommen sind. Ein neuer Aufbau unter Berücksichtigung der heute gänzlich "ander* gearteten Lebensbedingungen muß erfolgen, will die Thora^Juid«n- "heit sich; ihre Jugend erhalten und weitere Jugend gewinnen. ^Nach dieser Richtung wollen die vorherge- Irenden Aufsätzer ein Hinweis sein» Freilich: sind auch folgende wesentlichen Yerändexüttgen ins Auge zu .-fassen: . r '. ■"•■■•■■;. Wie schön betont, ~ ist . dab Judentum aus tl e m hend. Nunmehr: werden sie Obersatz wie Untersatz der Lebens- und Wirtschaftsbedingungen in Erez Jisroel durchaus beherrschen und in der Lage , sein, das Sozialprogramm der Thora für Erez Jisroel zu entwerfen "und alle vorkommenden Einzelfragen zutreffend-zu beantworten. Anerkannte Thoragrößen, richtig ausgewählt, vermögen bei ihrer Begabung längstens innerhalb eines einzigen Jahres die Vorbedingungen, wie sie hier skizziert sind, zu erfüllen. Die Kosten wären wohl selbst für die Weltorthodoxie tragbar. Auf ans Werki ehe es zu spät ist! len, die idealste Antwort gibt: Etwa vierzig Jungen werden zunächst in diesem Heime für Thora und Awodah in bestem Sinne erzogen, werden in der Atmosphäre der Jeschiwa und im Sinne des Noar Agudati für Erez Israel vorbereitet. Es ist ein Versuch nur, aber ein Versuch, die drei Hauptprobleme unserer Gegenwart auf einem Wege zu lösen: Jüdische Söhne im Sinne der Thora für Erez 'Israel zu erziehen. Als Niederschlag der Hoffnungen und Wünsche Tausender kann das Heim mit G'ttes Hilfe und nach menschlicher Berechnung einer gedeihlichen Zukunft entgegenblicken.; Die Thoralehranstält Jeschiwa ist sich, indem sie glaubte, sich der dringenden Forderung der Stunde nicht verschließen zu können, der schweren Aufgabe bewüßt, die sie mit dieser Heimgründung zu den alten Lasten neu auf sich genommen hat. Der K er eh Ha thora der Agudas Jisroel, der das Heim unter sein Patronät nimmt, weiß, daß damit eine geistige Rettungsaktion für die jüdische Jugend Deutschlands eingeleitet ist. Es gilt aber, alle Welt erkennen zu lassen, daß es sich hier nicht um ein Unternehmen der Frankfurter Jeschiwa, des Keren Hathora, öder der Agudas Jisroel handelt, daß es vielmehr um eine Angelegenheit der gesamten deutschen Judenheit geht. Was Deutschlands Juden hier an Opfern aufbringen, wird ihnen das Heim hundertfach an ihren Kindern zurückzahlen. Rituelle Häuser in Kurorten. Die „Rheinische Landeszeitung Volksparole" , in Düsseldorf schreibt: , „Es hat sich allmählich herumgesprochen, daß sich , Nichtarier in Deutschland mindestens ebenso wohl _ fühlen können, wie in anderen Kulturländern —; wahrscheinlich sogar noch sicherer, seitdem Deutschland das. Land des inneren Friedens, .das Land ohne Tumulte, ohne Aufruhr und ohne Klassenkampf geworden ist. Man weiß auch, daß viele ausgewanderte Faktor des Lebens ein Faktor i m Leben geworden, — und das Leben geht selbst bei den der Thora des Judentums Treuen zum größten Teil außerhalb des Judentums. Das beginnt schon im Elternhaus, wo Umwelt und Zeitgeist viel von Wort und Tat beeinflussen, und setzt sich dann in der Schule fort. Hier i gibt es Judentumsfächer und Nicht-Judentumsfächer, — und den letzteren gehört in der Regel der doppelte Umfang. Ist es dann ein Wunder, wenn Umwelt und Zeitgeist später die größere Wirkung haben und häufig die jüdische Atmosphäre sich ganz assimilieren? Darum haben die Rabbiner nicht die Aufgabe, homiletische Predigten zu halten, sondern in sehlichten, aber eindringlichen und klaren Worten immer auf diese Disharmonie und ihre Folgen die Gemeinde hinzulenken. In der Schule darf es aber kein Fach geben — und sei es Rechnen und Mathematik —, in dem nicht das Judentum herangezogen wird. Außerdem wird häufig Religion ohne Religiosität gelehrt. Religiosität mit ihrer Wärme, Hingabe, Begeisterung muß von dem Lehrenden ausstrahlen. Denn Religion wurzelt im Gefühl und führt erst bei richtiger Verwurzelung — das bedeutet die ^Ehrfurcht der Tradition des 5. der 10 Gebote — zur Erkenntnis. Wärme, Hingabe, Begeisterung bilden aber einen starken Antrieb zu allem Positiven und einen Schutz gegen ungünstige Einwirkungen. Kleinas Feuilleton, Wasser in ,der Wüstein der Londoner „Times" vom 23. April berichtet der Bagdader Korrespondent des Blattes über eine Juden lieber heute als morgen zurückkehren würden, wenn nicht ihr großes Sündenregister und eine ansehnliche Fluchtsteuerschuld ihnen im Wege ständen. Mit der grundsätzlichen Einstellung der staatstragengen Bewegung gegenüber dem Judentum hat das alles gar nichts zu tun, und wirklich unterrichtete Ausländer haben selbst in den Monaten■ der schlimmsten Emigrantenhetze loyal zugegeben, wie korrekt gerade im neuen Deutschland die Behörden die Bevölkerung und damit auch die jüdische Minderheit behandelten. Takt im Umgang mit Menschen ist jedoch eine auf Gegenseitigkeit beruhende Angelegenheit und leider mehren sich. die 'Zeichen, die es erforderlich erscheinen lassen, daß an diese Gegenseitigkeit erinnert wird. So sollte man meinen, daß die Zeiten endlich vorüber sind, da in den Werbeschriften der deutschen Kurorte für die „rituellen Häuser" aufdringliche Reklame gemacht wird. Niemand wendet sich gegen die rituelle Lebensweise eines Angehörigen der jüdischen Rasse. Wenn aber ein Bad den Schriftleitungen der deutschen Zeitungen zur Saison von 1935 Listen sendet, in denen sogar mehrere Häuser ausdrücklieh als „rituell" bezeichnet sind, so darf man eine solche Werbung doch wohl als instinktlos zurückweisen. Wenn man in Bad Orb im Spessart noch nichts davon wahrgenommen hat, daß für die Anpreisungen „ritueller Häuser" in den allgeminen Werbeschriften eines deutschen Kurortes kein Verständnis mehr vorhanden ist, so ist das mehr als ein persönliches Pech eines sehr rückständigen Werbechefs. Ganz besonders dann, wenn dieser Werbechef es zuläßt, daß beispielsweise ^das Hotel Adler in Bad Orb sein rituelles Aushängeschild auch noch mit einem vielsagenden Ausrufungszeichen schmückt." r Wir können die Angaben des Blattes* über die absolute Sicherheit und störungslose Kurmöglichkeit auch für Nichtarier in deutschen Bädern und Erholungsorteiii sofern diese nicht durch Schilder und andere Bekanntmachungen ausdrücklich die Anwesenheit von Juden als unerwünscht erklärten, nur bestätigen. Im übrigen erscheint es nicht recht verständlich, was die Zeitung an der N >e n n u n g der rituell geführten jüdischen Häuser in denjenigen Kurorten, denen der Besuch jüdischer Badegäste erwünscht ist, auszusetzen hat, Unerwünscht ist doch auf alle Fälle — vom Standpunkte der „Volksparole" aus wie von dem ünsrigen, -— daß die jüdischen Besucher solcher Orte hichtj ü d i s c h e H o t e 1 s^ aufsuchen, wenn ein jüdisches am Platze ist, in dem die Juden unter sich sein können. Also Hegt die Aufführung dieser rituellen Hotels im allseitigen Interesse. . Auf alle Fälle dürfte es heute keinen Juden mehr geben, der würdelos genug ist, in nichtjüdischen Restaurants zu.speisen, auch wenn es ihm seih religiöses Gewissen nicht verbieten sollte. Das Verzeichnis des Hamburger Speiseverein bietet dafür einen untrüglichen Wegweiser für jedermann. Nebenerscheinung "des (hier schon geschilderten) kolossalen technischen Werkes der Oelröhrenleitung durch die Wüste von Mossül nach Haifa (bezw. Tripoli). . Anläßlich des Baues dieser Leitung war eine •der schwersten Sorgen die Wasserbeschaffung, da es nicht nur für eine Arbeitsarmee von 15 000 Menschen Wasser für Trink-, Koch- Und Waschzwecke zu beschaffen galt, sondern auch Wasser für die vielen Motorfahrzeuge und Lastautos, sowie für Betonbereitung notwendig war. Man hat also in der Wüste große Bohrstationen angelegt und tatsächlich überall in einer Tiefe von 600 Fuß (rund 200 m.) Wasser gefunden, an mehreren Stellen in der Tiefe von 800 Fuß. Diese Brunnen haben reichlich Waser gespendet. Nachdem jetzt die Arbeit, so heißt es weiter, beendet ist und das Wasser daher für die oben erwähnten Zwecke nicht mehr erforderlich ist, haben die längs der Leitung errichteten Posten das WasSer zu Bewässerungszwecken benützt und Gärten angelegt, die Gemüse und Obst in Fülle liefern. Es ist unmöglich, alles Wasser zu verbrauchen — so viel ist es. Es hat sich ■die Ueberzeugung gebildet, daß in der genannten Tiefe überall unterhalb der Wüste Wasser vorhanden ist. Aus dieser Entdeckung ergeben sich gewaltige Perspektiven, die für den ganzen Vorderen Orient und auch für Palästina von umstürzendster Bedeutung sein können. Es sei nur darauf hingewiesen, daß noch heute, trotS: der -Zunähme der Bevölkerung . in Palästina, der eigentliche Südteil nur ganz dünn bevölkert ist, weil bisher dort kein Wässer vorhanden war. Vor allem würde auch für die Araber, durch die Erschließung von Teilen des - Wüstenlahdes Und deren Verwandlung itt Oasen ein netter Lebensbaum entstehen. Gewiß wären, die Kosten einer solchen Erschließungsarbeit sehr groß, aber es scheint doch von Wichtigkeit, ..auf diese Perspektiven hinzuweisen.

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