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Der Israelit · 1935-05-09 · Heft 19 (9.5.1935) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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^^^^^^^^i^^^^^^^^W^^^V^^^^^^^^^^^T^^^^^r^ t#&gpa&s>!&tygi$!is»s& i$i$?£$2&ei;&*gi?a*jiiJr. >i «- -- - V»i"*-" 9. Mai 1935 Israelit Nr. 19 Seite 3 Erez Jisroel- Probleme« (Fortsetzung von Seite 1.) nen Lebens. Den Ofcersatz des Rechtes des Na- , ion und Land einenden G'ttesstaats hat uns selbst das Galuth von Nation und Land nicht zu rauben vermocht. Untersatz und Schluß, Leben und Lebensbeherrschüng: ihrer Verkümmerunggalt unsere zweitausendjährige Trauer und Hoffnung. Und nun ist Zeitenwende. Das Heilige Land . ist in neue geschichtliche Beziehung zur Heiligen Nation gebracht, schweres Leid treibt die weltzerstreuten Kinder in hellen Scharen in die Heimat, und siehe, die Heimat währt die Treue und ersteht der schaffenden Hand zu jugendfrischer Blüte. , Zeitenwende nur für Volk und Land und.nicht auch für die Thora? Nicht auch für die galuthverstümmelte Thora, der / G'ttes Waltung zum öbersatz, dem ewigen, dem unzerstörbaren, den ewig wechselnden Untersatz, den ewig neuen Schluß fügt? Entwickelt sich nicht im Heiligen Lande vor unseren staunenden Augen ein jüdisches Nebeneinander< das, von fremdem Zugriff fast ganz verschont, zum ersten Male seit zwei Jahrtausenden ein frisch pulsierendes jüdisches Wirtschaftsleben erstehen läßt und damit der Thora wiederum ein ungeheures Herrschaftsgebiet erschließt, das sie allzulang hat entbehren müssen? Sind sich die berufenen Vertreter der Thora, Israels Thoragrößen, der unermeßlichen Bedeutung dieser Zeitenwende der Thora, der unerhört schweren Aufgabe, vor die sie sie stellt, klar bewußt? In der Gola freilich steht die Gemeinde als solche völlig im Mittelpunkt des .ganzen jüdischen Gemeinschaftslebens. Aber im werdenden Erez Jisrael kommt heute schon der Wirtschaft mindestens die gleiche Bedeutung zu, wie der Gemeinde. In der Gemeindefrage beschränkte sich bisher der Agudismus in Erez' Jisrael. im wesentlichen auf die Forderung des Austritts. Was hatte er zur Wirtschaftsfrage zu sagen? Träger des Wirtschaftslebens in Erez Jisrael wird nicht die dünne Oberschicht der Besitzenden, sondern wird die Ar b e i t e r.sc.ha f t sein. Vor neun Jahren traf, ich in Erez Jisrael eine agudistische Arbeiterorganisation an, die bereits 800 Mitglieder umfaßte, darunter prächtige, zielbewußte und opferfreudige Menschen, auch ausgesprochene Führernaturen. Sie konnte sich — ein unumstößlicher Beweis für die damalige Lauheit der Weltorthodoxie — nicht halten, und ihre Mitglieder zerstoben in alle Weltteile, Anders stünden wir heute in Erez Jisrael da, wenn wir ihr zu gesunder Entwicklung verholfen hätten. Vor mehr als Jahresfrist ist es nunmehr zur Gründung einer neuen agudistischeri Arbeiterorganisation gekommen, der hoffentlich Dauer beschieden sein wird. Die s h ä n g t nicht nur v o n den materiellen Leistungen der Weltorth odoxic und ihrer Freu n d e , sondern auch von der Fähigkeit des Agudismus ah, die ureigen,« Stimm e der T h o r a im wogenden Wirts c h a f t sleben d e s H e i 1 igen Landes zu Ge h ö r zubringen. Diese Stimme ist bis heute im Heiligen Lande kaum zu vernehmen. Das soziale Problem, vermengt mit dem Nationalitätenpröblöm, beschäftigt die Gemüter in höchstem Maße und gibt im Grunde der ganzen, Geistigkeit des „Neuen Jischuw" das Gepräge. Der Kampf zwischen Histadruth und Revisionistenpartei durchwogt das Land, wir aber .haben uns bisher im wesentlichen damit begnügt — ein Analogon zu unserer Haltung gegenüber Kenesseth Jisrael — sie beide a bzulehn e n. Auch hier nur Negation. Die rabbinischen Autoritäten des Landes haben bis-: her, von gelegentlichen Einzelfällen abgesehen, zum: sozialerii Problem in seiner, Gänz^ ik e i n e p o s i t i v e S t e 1 lu ri g gen o in m en , auch der An unsere Brüder und Schwestern! Familienreinheit und Familienadel waren seit den ältesten Zeiten Israels höchster Stolz. „Um der Keuschheit ihrer Frauen willen wurden unsere . Väter aus Aegypten erlöst." In den reinen Mutterboden der Familie ist die ewige Macht unserer Religion, unserer geheiligten Lebensordnung eingesenkt. Viel Schaden hat uns der glaubenslose und allen Bindungen feindliche Zeitabschnitt gebracht, der hinter uns liegt: die Mischehe ergriff immer weitere Kreise; die jüdischen Ehegesetze, die.de'n Rhythmus des ehelichen Zusammenlebens . regeln, die eine priesterlich Weihe der Ehegattin durch das Tauchbad fordern, wurden verständnislos vernachlässigt. Die traurige Folge blieb nicht aus. Unsere Schuld rächte sich in der mangelnden Innigkeit und Herzlichkeit der Ehe, in der zunehmenden Ehrfurchtslosigkeit der Ehegatten gegeneinander und der Kinder gegen ihre Eltern. Die Zeit der Selbstbesinnung, die über uns gekommen ist, soll uns vor allen Dingen wieder zu dem reinen und schlichten, religiös geweihten Familienleben zurückführen. Die Reinheit der Familie, Täharas Hamischpocho und der Adel der Abstammung, Jichus Hamischpocho, müssen wieder der Stolz und das Hochziel jedes Juden und jeder Jüdin werden. Die Zuchtlosigkeit im vorehelichen und ehelichen Leben, die so manchen erniedrigt hat, muß überwunden und ausgerottet werden. Die Freude am Glück reichen Kindersegens soll wieder in unserer Mitte erblühen. Die Versammlung der Vereinigung traditiönell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands in Leipzig hat einstimmig den Beschluß gefaßt, — und der Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands schließt sich ihm an — durch diese Kundgebung die Gewissen und Herzen aller derer aufzurufen, die noch Sinn und Verständnis für das von der Thora geforderte und geförderte reine Menschentum im Familienkreise besitzen. „Haltet euch rein, ihr Träger der G'ttessache," so ruft der Prophet Jesäjas Israel zu. Helfet alle, Ihr. Gemeindevorstände, Ihr Lehrer, Ihr Männer und Frauen von Einfluß in Israel, Ihr Brüder und Schwestern alle, das uns überkommene herrliche Ideal der Familienreinheit wieder zu Ehren zu Bringen! DIE VORSTÄNDE des traditionell-gesetzestreuen und des orthodoxen Rabbiner Verbandes: Rabbiner Dr. Unna, Mannheim; Oberrabbiner Dr. Carlebach, Altona; Rabbiner Jos. Horowitz, Frankfurt a. M.; Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt; Rabbiner Dr. Ansbacher, Wiesbaden; Rabbiner Dr. Cahn, Fulda; Bezirksrabbiner Dr. Hanover, "Würzburg;' Rabbiner Dr. J. Horovitz, Frankfurt a. M.; Rabbiner Dr. Jakobovits, Berlin; Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg; Rabbiner Dr. Mannes, Schwabach;; Rabbiner Dr. Michalski, Karlsruhe; Bezirksräbbiner Dr. S. Münk, Burgpreppach; Bezirksrabbiner. Dr. Wohlgemuth, Kitzingen, Rabbinische Rat der Weltaguda hat noch keine Veranlassung gesehen, sein allzu langes Schweigen zu brechen. Nun kann man zwar aus Kenesseth Jisrael austreten und die Forderung zur Gründung unabhängiger Gemeinden als eine Art von Programm erachten. Aus der Wirtschaft aber kann man nicht — austreten, und ihrer natürlichen Verflechtung kann man das Streben nach — Unabhängigkeit nicht ohne weiteres entgegenstellen. Es ist offenbar viel leichter, Kenesseth Jisrael und ihre Gemeinden abzulehnen als die gesamte Wirtschaft. Jeder im Erwerbsleben stehende Jude des Heiligen Landes befindet sich, ob er will oder nicht, inmitten der Wirtschaft, und es bleibt ihm, wenn er.thoratreu ist, kein anderer Weg offen, als mutig und stark den Versuch zu machen, nicht von außen; sondern von innen Schrittmacher der Thora zu sein, die Forderungen der Thora zu vertreten und für ihre Herrschaft zu kämpfen. Dieser Kampf ist aber von vornherein zu vollendeter Aussichtslosigkeit verurteilt, wenn der thoratreue Jude im Heiligen Lande die .Forderungen der Thora gar nicht kennt oder nur von Fall zu Fall mühsam und mit größter Verspätung feststellen lassen muß, wenn -ein positives und klar umrissenes Wirtschaftsprogramm der Thora gar nicht existiert und somit ein der Thora entsprechendes wirtschaftliches Idealbild der Jugend1 des Landes überhaupt nicht vorgeführt werden kann. Histadruth -und Revisionistenpartei haben längst ein solches Programm, für das sie die. Jugend gewinnen und begeistern. Unsere Thoragrößen aber haben bis jetzt zumwirts c h a f tlichen Aufbau des Landes Grundsätze nicht entwickelt. Marx und Chauvin haben gesprochen und sprechen jeden Tag. Di e Thora schweigt. Mehr und mehr verbreitet sich in der Jugend des Landes die Vorstellung, als ob die Thora nur zu G'ttesdienst und Beth Hamidrasch, nur zu Schechita und Mikwa, zu Sabbat und Festtagen etwas zu sagen habe, a n der Fr a g e der Lebenshalt u n g unserer arbeitenden Jugend, ihrer w i r t s c h a f 11 i c h e ne»Z u k u n f t, an der Fragender Zulässigkeit ihrer Ausbeutung, der Senkung ihres Standard 5 d u r c h die arab'ische Konkurrenz, ihres Rechtes zum Streik, ihrer ganzen Einstellung zum Unternehmertum, am Unwesen der Spekulanten ein unmittelbares Interesse überhaupt nicht habe oder zum Mindesten Eigenstes nicht zu sagen vermöge. Die Wogen des Wirtschaftslebens umbranden die Handhaber der Thora, sie aber, als ob das Heilige Land sich in nichts von der Gola unterscheide, sitzen und lernen, lernen den ewigen Obersatz, bringen an ihn einen längst nicht mehr vorhandenen Untersatz heran , und ziehen Schlüsse, die selbst wiederum nur die Theo ri e mehren können, die Wirtschaft v o n h eute a her gar nicht in sich aufgenommen haben und sie darum a u c h g a r n i c h t b e t r e f f e n. Ist es ein Wunder, daß die ganz von der neuen Wirtschaft beherrschte Gasse gegen uns, gegen die Thora ist, daß sie sich lieber von den redegewandten Agitatoren des Marx und des Chauvin aktuellste — Unwahrheiten aufschwätzen läßt, statt auf die Stimme des Beth Hamidrasch zu hören, die ihr die Wahrheit nur in seltsam hilfloser — Zeitenfremde, weil zeitloser Abstraktheit, vorzutragen vermag? Die Gasse will nicht nur sitzen und lernen, sie will, sie muß auch stehen" und laufen und arbeiten, und sie will nicht nur die Obersätze der Thora, angewandt auf Untersätze vergangenster Zeiten, sie will und sie muß hören,, was die Obersätze der Thora zu den heutigen Untersätzen ' zu sagen haben, welche Schlüsse sich j e t z t und heute aus den Obersätzen der Thora, angewandt auf die Untersätze der gegenwärtigsten Gegenwart, ergeben, will wissen, warum und weshalb die Thora die Programme, des Marx und des Chauvin verwirft und welches denin ihr eigenes Pro-

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