Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1935)
- Date
- 1935-05-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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^^^^^F^m^i^^^^Wv^^^^^^S^^^^^^^^e^y^^^^lm^ji Seite 2 Nr. 19 D 1 l t 9. Mai' 1935 Ueberfälle in Jerusalem. Jerusalem, 5. Mai. Der Instruktor der Nationalen Arbeitergewerkschaft S-ch.api.ro wurde . bei einem Abendspaziergang in Jerusalem von Arabern angegriffen und ermordet, Schapiro war in Begleitung einer 40jährigen Dame, gegen die ein Attentat versucht wurde. Bei der Verteidigung seiner Begleiterin wurde Schapiro getötet Die Täter ergriffen die Flucht. Die" Nachforschungen der Polizei führten zur Verhaftung zweier Arä b e r. Die Tat wurde um Mitternacht in dem rein jüdischen. Viertel Kerem Awraham verübt. , Rabbi Amiel als Oberrabbiner nach Tel Aviv berufen* Antwerpen, 3. Mai. Der Oberrabbiner von Antwerpen, Rabbi Amiel, einer der bedeutendsten Führer des Misrachi, der in letzter Zeit insbesondere durch seine Bemühungen um eine Verständigung mit der Agudas Jisroel hervorgetreten ist, wurde als Nachfolger des verstorbenen Rabbi Aronson als aschkenasischer Oberrabbiner nach Tel A w i w berufen. Rabbi Amiel dürfte sich bereits in nächster Zeit nach Palästina begeben, Um seinen neuen Posten Anzutreten. Der Brüsseler Rabbiner und ehemalige Oberrabbiner von Danzig, Rabbi Segalowitsch, hat einem Ruf als Oberrabbiner von Haifa Folge geleistet und ist bereits nach Palästina abgereist. (Die letztere Nachricht klingt unwahrscheinlich und bedarf der Bestätigung. Red.). Erste Aguda-Konferenz in Belgien. Antwerpen, 6. Mai. In Antwerpen wurde eine Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Belgien abgehalten. Auf der Konferenz, deren Beratungen nicht öffentlich waren, wurden Beschlüsse betreffend die Organisierung und den Ausbau der Aguda-Bewegung in Belgien gefaßt. Im Juni soll eine Beratung westeuropäischer Aguda-Führer über Fragen der Palästina-Siedlung abgehalten werden. Spenden von Juden nicht erwünscht. Gauleiter B ü r c k e 1 erläßt folgende Bekanntmachung, die wir der „Frkftr. Ztg." vom 3. Mai nach der ,,NSZ.-Rheinfront" entnehmen: „In der in der Presse veröffentlichten Einzeichnungsliste der Spenden für Beseitigung der Elendswohnungen befinden sich mehrere solcher Spenden von Juden, Ich weise alle politischen Dienststellen darauf hin, daß es unanständig ist, von Juden Geld zu nehmen, wenn man aus völkischen Gründen zur jüdischen - Rasse eine gegensätzliche Stellung einnimmt. Von. den politischen Dienststellen erwarte ich daher ein dementsprechendes Verhalten. Soweit irgendwelche Geldbeträge schon eingegangen sein sollten, sind dieselben zur ü c k z u g e b e n." _ Keine Apothekenkonzessionen für Nichtarier. Berlin, 2. Mai. Im „Ministerialrat für die Preußische innere Verwaltung" wird ein Runderlaß des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 17. April über „Grundsätze für die Verleihung von Apothekenkonzessionen" veröffentlicht. Eine Apothekenkonzession kann danach nicht verliehen erhalten, wer nichtarischer Abstammung oder mit einer nichtarischen Frau verheiratet ist. Der Bewerber um die Konzession hat seine und seiner Ehefrau arische Abstammung durch eine Bescheinigung der Reichsstelle für Sippenforschung beim Reichsinnenministerium nachzuweisen. Ausnahmen für nichtarische Frontkämpfer sind nicht vorgesehen; Nach Nr. 9 bis 15 der Grundsätze werden arische Kriegsteilnehmer und insbesondere Frontkämpfer berücksichtigt. Unter Nr. 18 der Grundsätze heißt es: ,3esteht Anlaß, von vorstehenden Grundsätzen abzuweichen, so ist meine Entscheidung einzuholen." Eine Kundgebung der äritijüdischen Weltliga. Nürnberg, 7. Mai. Wie die „Fränkische Tageszeitung" in Nürnberg meldet, wird am Donnerstag die erste Kundgebung der anti jüdischen Weltliga stattfinden. Es sprechen in drei Parallelversammlungen der französische Schriftsteller und Frontkämpfer Jean Boissel und .Gauleiter Julius Streicher. Juden ist der Zutritt, verboten. Als Einberufer zeichnet die „Antijüdische Weltliga" im Auftrage William J. Thompson und Jules C h a t e 1 e t. Grundbesitz soll nicht an nichtarische Ausländer veräußert werden. Berlin, 6. Mai. Eine Lebensversicherungsgesellschaft hatte im Jahre 1932 mit einem Juden tschechischer Staatsangehörigkeit ein Abkommen getroffen, in dem sie sich verpflichtete, ein Kapital von 150.000 RM. in Teilbeträgen als erststellige Hypotheken zur Verfügung zu stellen. Im April 1933 bat die Gesellschaft den Kläger, ihr in Zukunft nur solche Grundstücke zur Beleihung vorzuschlagen, deren Eigentümer arische Reichsdeutsche seien. Trotzdem beantragte der Kläger die Beleihuhg eines von einem galizischen Juden ersteigerten Grundstücks. Die Gesellschaft lehnte das ab und erklärte, es könne ihr nicht zugemutet werden, jüdischen Ausländern "durch die Gewährung von Darlehen zu ermöglichen, deutschen Grundbesitz im Wege der Zwangsversteigerung zu erwerben. Das Oberlandesgericht Naumburg hat die Klage gegen die Gesellschaft abgewiesen. In der Urteilsbegründung wird betont, daß nach § 242 BGB. der Schuldner verpflichtet ist, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern. Nach nationalsozialistischer Rechtsauffassung .unterliege der heimische Grund und Boden nicht mehr der . uneingeschränkten Verfügungsmacht des Eigentümers.' Er sei ein wesentlicher TeiL des deutschen Volksvermögens und dürfe den privaten Belangen eigensüchtiger Spekulanten nicht preisgegeben "seih. Indem § 242. BGB. als obersten Gründsatz das Gebot der Beobachtung von Treu und -Glauben mit Rücksicht auf die Verkehr ssitte aufstelle, biete er auch die Handhabe der nach Abschluß eines Vertrages geläuterten Rechtsanschauung und damit dem veränderten Volksempfinden zu entsprechen. Dementsprechend: müsse nach heutiger Rechtsansc'häuiung; dem Schuldner ein Leistungsverweigerungsrecht zugestanden werden, wenn die - zu bewirkende Leistung zwar" nicht in verbotswidriger oder gegen die guten Sitten verstoßender Weise, wohL aber dazu Verwendung finden soll, Teile des- Volksvermögens in die Hände eines nichtarischen. Ausländers zu bringen und damit der deutschen. Volksgemeinschaft zu entziehen. Für Kooperation zwischen Agudas Jisroel und Waad leumi- Verhandlungen aufgenommen. Jerusalem, 7. Mail Am 7. Mai wurden Verhandlungen zwischen. der Agudas Israel und dem Waad leumi betreffend eine künftige Zusammenarbeit der beiden. Körperschaften aufgenommen. Die Agudas Jisroel fordert gleichberechtigte öffentlich-rechtliche Anerkennung der orthodoxen Gemeinschaften, und ist bereit, für wirtschaftliche und politische^ Interessenvertretung ein gemeinsamesOrgan iäit dem Waad leümi zu bilden. Als Vertreter der Agudas Jisroel nehmen an den Verhandlungen: Rabbiner Jonathan Horövicz, Mosche Blau und Advokat Dr. Buxbaum teil, Erleichterungen für Kapitalisten- Einwanderer nach Palästina. Das Warschauer zentrale Palästiriä-Amt teilt mit, daß dank den Bemühungen der Etekutive der Jewish Agency den sogenannten Kapitalisten- Einwanderern mit einem Mindestvermögen von. 1000 Pfund die Erleichterung gewährt wurde, daß sie sofort die Einreiseerlaubnis nach Palästina, erhalten, Während sie bisher längere Zeit äuf eine Bestätigung ihres Einwanderungsgesuches aus- Palästiriä warten, mußten. Wie das Wiener Blatt „Die Stimme" erfährt, bekommen die englischen Paßstellen von ihrer Regierung in allernächster Zeit den Auftrag, gegen Kaution (die von 2000 auf 1600 Schilling herabgesetzt wurde), die Visa für Palästina auf 15 'Monate (statt wie bisher auf 3 Monate) zu erteilen. Ein neuer Sabbatskandal in Tel Awiw. An öffentliche Sabbat entweihungen ist man leider in den Straßen von Tel Awiw gewöhnt. Was man am Sabbat »"nw erlebte, ging; aber doch über alles bis daher; Dagewesene hinaus. Der „Hapoel" hatte für diesen Sabbat einen Ausflug veranstaltet,''und so rollten schon in aller Frühe die vollbesetzten Lastwagen durch die Straßen, in denen die Burschen und Mädels provozierend r o te B a h n e h mit der "Inschrift: wipb nawn m tot schwangen. Vor einigen Synagogen stellten sich die Beter den Wägen so in den Weg, daß sie unter großem Geschrei umkehren mußten» andere Straßen konnten sie unbehelligt passieren. Am Sonntag abend fand aber im Lokale der Agudas J i s r o e 1 eine von Zeiirim, Poalim und allen anderen gesetzestreuen Instanzen einberufene und stark besuchte P r o t e s t v e r s a m m l u n g statt. Aus der Versammlung begab sich eine gemischte Delegation in die gerade, agende Irijah, um dort Protest gegen diese unerhörte Herausforderung der Tel Awiwer Bevölkerung einzulegen. Sämtliche Mitglieder der Irijah, bis auf die radikallinken Bänkey schlössen.-sich dem Proteste an und baten die Delegation, der Oeffentlichkeit bekanntzugeben, daß das Vorgehen des „Hapoel" von der Stadtverwaltung verurteilt werde und daßsich diese die nötigen Schritte und Verhütungsmaßregeln für die Zukunft vorbehalte. : i l^gjjj^^jj