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Der Israelit · 1935-05-09 · Heft 19 (9.5.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 19 (9.5.1935)
Date
1935-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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^t*5Sä||s^i^^ w^^fs^m^i^^m?^. Frankfurt a- M- 9. Mai 1935 6. Ijar 5695 Nummer 19 Jerusalem, 7, Mai. Der 6. Mai war ein Festtag für ganz Palästina. Auf den reich mit Fahnen und Guirlanden geschmückten Straßen in Jerusalem und Tel Awiw fanden militärische Paraden und Konzerte statt und in allen Synagogen gingen , feierliche G'ttesdienste vor sich. Sämtliche Schulen, Aeniter und Banken waren geschlossen. Wie Jewish Agency und W a a d Leumi hat auch die "Agudas Jisroel ein Glück- W u n s c h t e 1 e g r a m m an den König gerichtet. Vielen in Palästina an führender Stelle wirkenden englischen Juden wurde die J u b i 1 ä u m s - m e d ä i 11 e verliehen. Wie verlautet,-werden die im Zusammenhang mit den Unruhen im Jahre 1929 zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilten Juden Hinkis und 0 r p h a 1 i auf Grund einer Jubiläumsamnestie in F r e i h e i t gesetzt. Arabische Organisationen -wandten sich telegraphisch an den König, . die Amnestie . auch auf die wegen Ermordung von Juden damals zu lebenslänglichem Zuchthause verurteilten Araber auszudehnen. '(Weitere Berichte über die Jubiläumsfeierlich- «keiten in London und Palästina siehe Korrespondenz enteil auf Seite 10 und Seite 14.) Ber Fortgang des Berner Prozesses lim die „Protokolle"- ....... Bern, 9. Mai. Die Verhandlungen, die sich auf die Vernehmung der Experten beschränken, ziehen sich ins Endlose. F1 ei s c h h au ei brauchte allein für die Erstattung seines Gutachtens vier volle Tage •und behielt sich vor, im Laufe der Verhandlung noch weitere Punkte zu erörtern. Die Gegenexperten, Professor B a u m g a r t e n und Schriftsteller Lp os Ii, faßten sich kürzer. Die Kampflinie ist absolut klar; Die beiden letztgenannten Sachverständigen sind davon überzeugt und weisen es nach, daß die sogenannten Protokolle ein Plagiat und eine' plumpe Fälschung sind, ursprünglich gegen Napoleon III. gerichtet, dann von russischen Spitzeln des Zaren übernommen und zu Dokumenten einer ,,Judenverschwörung" gegen Rußland und die Welt umgefälscht. Fleischhauer hält aber an der These der Echtheit der Protokolle, auch; wenn sie ursprünglich anderen Zwecken gedient haben sollten; fest. Die langwierige Unterhaltung geht aber nicht allein um eorg V die Protokolle, sondern um die Judenfrage in all ihren Ausstrahlungen, historischen Wurzeln, Folgen und Auswirkungen überhaupt. In seinem Schlußworte geht Fleischhauer noch einmal auf die Rassenfrage ein. Er. meint, Ueberheblichkeit der Juden beruhe auf einem Gebote ihres G'ttes, während sie bei Ariern nur eine gelegentliche Entgleisung sein könne. Auf religiöse Fragen wolle er nicht eingehen. In seinen neuerlichen Angriffen gegen den Talmud wendet er sich scharf gegen Professor Strack u. a. Der Präsident verliest einen Brief des Berner Bevollmächtigten der Ernsten Bibelforscher, in dem sich diese gegen die Bewertung ihres Programmes und ihrer "Ziele durch Fleischhauer ernstlich verwahren. (Weiteres über die Verhandlung in Bern siehe Korrespondenzenteil auf Seite 8.) Aus dem Inhalt: Überfälle in Jerusalem ....... Seite 2 Erste Agudakonferenz in Brüssel . . Seite 2 Kundgebung der antijüdischen Weltliga Seite 2 Cooperation zwischen Agudas Jisroel und Waad leumi........Seite 2 Drei Probleme und eine Losung . . Seite 5 Rituelle Häuser in Kurorten .... Seite 5 Not in Jemen...........Seite 6 Die Bodenspekulation in Palästina Seite 6 Der Berner Prozeß um die Protokolle Seite 1 und 8 (Palästinanaclmchten.....Seite 9 und 10 Das Thronjubiläum in England und die Juden Seite 1, 10 und 14 Kinderecke............Seite 15 Evez Jisroel-Probleme. Von Dr. Isaac Breuer. III. Das Galuth des jüdischen Volkes ist zugleich das Galuth der Thora. Am Anfang jeder geschichtlichen Selbstbesinnung des jüdischen Menschen steht die höchst primitive Frage, warum denn eigentlich sofort bei der Berufung unseres Stammvaters Abraham ihm Nation und Land und nationaler Staat verheißen wurden, und warum seine Sendung als Künder der Wahrheit nicht; schlechthin an die Menschen als solche ging. Die Antwort charakterisiert das geschichtliche Wesen des Judentums und enthüllt das geschichtliche Geheimnis unserer nationalen Selbstbehauptung in der Zerstreuung und unserer nationalen Verknüpfheit mit Erez Jisroel trotz der Zerstreuung. Die Thora ist nicht nur „Religion", sondern sie ist wesentlich das Rechtssystem G'ttes, das nur eine Nation in einem völlig der Thora unterworfenen Land, das nur der nationale Staat zur Verwirklichung bringen kann. Nationale Selbstbehauptung und nationale Landesverknüpftheit geschaht aus Thoratreue, Weil die Thora ohne Nation, Land und Staat grauenhaft verstümmelt ist, fühlten wir selbst uns verstümmelt. Weil die Thora Nation und Land nicht entbehren kann, blieben wir die Nation, der Thora und blieb uns Palästina das Land der Thora, und weil nur der Nationalstaat; das Menschentum in seiner höchsten Entfaltung der Thora zu unterstellen vermag, richteten wir unsere heißesten Wünsche auf seine Wiedererrichtung, p r; Allein wenn wir auch im Galuth die Nation der Thora blieben und nicht aufhörten, Palästina als das Land der Thora zu erachten, so konnten wir der Thora als nationales Herrschaftsgebiet im Galuth nur die Gemeinde erhalten, und auch sie nur in ihrer Beschränkung auf Lehre, religiöse Veranstaltungen und Liebestaten. Die übrigen Herrschaftsgebiete der Thora, das Recht der Art, wie man G'tt sich nähert, das Recht der Reinheit, das Recht des Bodens und seines Ertrags, aber auch weiteste Teile des Rechtes des menschlichen Nebeneinander, des Rechtes der Wirtschaft zumal, konnten wir nur lernen und zumeist nicht anwenden. Wohl blieb uns die ganze Thora geltendes und nur gehemmtes Recht, gleichwie wir selber uns als lebendige, wenn auch in wichtigen Lebensfunktionen gestörte Nation erachteten. Aber jedes Recht, auch das Recht der Thora, schreit nach immerfortiger Anwendung. Kein Recht, auch nicht das Recht der Thora,kann ohne erhebliche Gefahr der umfassenden Praxis entraten. So ist das Galuth des jüdischen Volkes zugleich das Galuth der Thora. Aber das Galuth des jüdischen Volkes ist zugleich das Galuth des Heiligen Landes. Als wir es verlassen mußten, erschloß es sich keinem fremden Volke mehr. Fast zwei Jahrtausende unsäglicher Verrottung gingen dahin, und es bot das Heilige Land den Sendlingen der Heiligen Nation, die immer wieder unsere Grüße der Sehnsucht und der ewigen Liebe hintrugen, kaum die Möglichkeit nährenden Tuns, bot fast nur die Möglichkeit gesteigerten, inbrünstigen Lernens des einst so herrlichen, des längst entschwunde- (Fortsetzung sielte Seite 3.) /

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