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Der Israelit · 1935-05-02 · Heft 18 (2.5.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 18 (2.5.1935)
Date
1935-05-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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UHUULJU ^^^^^^T^^Si^^^^^^^T^^^^^^^^^^^i^^l^^^l^^^^^^ Seite 10 Nr. 18 Der Israelit 2. Mai 1935 und Gewicht und Be2iehung zu seiner Lage, Sie waren der blaue Himmel, die grüne Au, die wunderbare Melodei, diese gestern noch so fremden Worte. Dieses Morgengebet nach dem großen Erlebnis der Nacht besiegelte seine seelische Um Wandlung. „G'tt ist mein Hirtel ..." Was alle Ueberredungskunst Baruchs, Rabbi Schmuhls und Jakob Berches' nicht vermochte, was alle Vorträge und Lektüre, alles Grübeln bisher nicht zustandebrachten, das Erlebnis der Nacht vollbrachte es. Herr Wilde war an diesem Morgen als gläubiger Jude aufgewacht. Oder war es Frucht all jener Gespräche alles stillen Denkens und Ringens, die in dieser Nacht unter dem blauen Himmel eines fernen Traumlandes zur letzten Reife kam? . . . Er kannte bald diesen und viele andere Psalme dem Sinne wie dem heiligen Worte nach auswendig, so gründlich, daß er sie in stillen düsteren Nächten auf hartem Matratzenlager fließend vor sich hersagen konnte. Mit dem Tillimbuch, und dem dreiundzwanzigsten Gesang als Psalm seines Lebens, kehrte er heim in den hellen freien Tag. Und er war des gewiß, daß diese Wunderworte,' eigens für ihn von David gedichtet, es waren, die ihm die Kraft, die Ruhe und Sicherheit gaben, mit denen er sein Schicksal trug, dem Ende entgegensah, seinen Richtern Rede und Antwort stand; diese Worte, die ihn schließlich frei und rein und in sich gefestigter denn je aus der Bedrängnis ins Leben zurückführten. Stark im Glauben verwurzelt kehrte Herr Wilde nach Hause zurück, wenn auch den Weg zur lebendigen religiösen Tat des Tages ihm noch Unkenntnis und alte liebe Gewohnheit verbaut hielten, (Fortsetzung folgt.) Ein Nachwort zur Rambamfeier, Ein Freund unseres Blattes macht uns auf die Sachkennern bekannte, aber bei den öffentlichen Erörterungen Über die Einstellung des Maimonides zur Opferlehre oft nicht beachteten charakteristischen Ausführungen des großen Meisters in den Hilchoth Meila VIII 8 (den Gesetzesbestimmungen über .die Profanierung von Heiligtümern) aufmerksam, die folgendermaßen lauten: „Es gebührt sich, daß der Mensch den Recht sordnungeii d&r heiligen Thora sein Nachdenken widme, und nach dem Maß seines geastigen Vermögens in ihren Sinn eindringe. Findet er den Grund einer Bestimmung nicht und weiß sie nicht dem Zusammenhang einzuordnen, so schätze er sie jedoch darum nicht geringer und vermesse sich nicht, zur Höhe g'ttlicher Weisheit emporzusteigen, in das Ge-~ heimnis einzubrechen und soll nicht über diese Dinge so denken, als ob es sich um Alltägliches handele» Sieh einmal an, wie schwer es die Thora mit der Meila (Profanierung von Heiligtümern) nimmt. Wenn schon Objekte von Holz und Stein, von Staub und Asche, sobald nur einmal der Name des Herrn der Welt darüber genannt ist, heiligen Charakter gewinnen und derjenige, der sie profaniert, damit das Verbrechen der Untreue gegen G'tt begeht; wenn ein solcher, obgleich sein Fehl irrtümlichen Charakter trägt, darob ernster Sühne bedarf, um wie viel mehr kommt diese Rücksicht der Mizwo zu, der Mizwo, die G'tt selber gestaltet hat — um wie viel weniger darf der Mensch ihr gegenüber die Ehrfurcht verletzen, weil er ihren Grund nicht zu erkennen vermag, tun wieviel weniger willkürliche Ideen in den G'ttesbegriff hineintragen und ihn ansehen, als ob es sich um etwas Profanes handele. Es heißt ja in der Thora: und Ihr hütet alle meine Gesetze und meine Rechtsordnungen und führt sie au s." Das deuten die Weisen dahin, daß gewissenhafte Hut und Tat sowohl den typ in* {den „Satzungen') als auch den Rechtsordnungen zugewandt werden muß. Was Tat bedeutet, ist bekannt. Es ist die Ausführung der Satzungen. Hut aber heißt, daß er es ängstlich mit ihnen genau nehme und nicht glaube, daß diese Chukkim weniger Würde besäßen als die Rechtsordnungen, weil bei diesen der Grund und das Heil, das sie der Welt bringen, offenbar sind,. bei den' Satzungen dagegen, den Mizwos, deren Grund nicht bekannt ist, haben die Weisen das Wort gesprochen: Es sind Gesetze, die' ich von U r b e g i n n a u f g e s t e 111; h ab e. Du hast kein Recht, sie zu kritisieren, auch wenn der menschliche Trieb zu solcher Kritik neigt und wenn die Völker der Welt sich gegen sie wenden. Dazu, gehören z. B. das Verbot des Schweinefleisches, der Mischung von Fleisch und Milch, die Gesetze von der nany nbw und der norm ms oder vom nVne?»n -nw. Wie sehr fühlte sich König David vom Schmerz ergriffen über die Leugner und über die Heiden, die grade jene Satzungen bekämpften. Wie verfolgten sie ihn mit ihren lügenhaften Einwendungen, die dem kurzen mesnchlichen Verstände entstammten und wie klammerte er sich mit um so größerer Innigkeit an die Thora, wie er im 119. Psalm singt: „Die Uebermüti gen haben mich mit Lügen umgeben, ich aber mit meinem ganzen Herzen wahre ich Deine Aufgaben,' „Alle Deine Mizwos wurzeln in der Emuno, mit Lügen verfolgen jene mich, schenke mir Deine Hilfe." Und die Opfer in ihrer Gesamtheit gehören zu diesem Gebiete der D'pin. Um i h r e t willen, aber, um der Opfer willen, so sagen unsere Weisen, besteht die Welt! Durch die Ausführung der in ihrem Grunde unerkennbaren Satzungen wie durch die der Rechtsordnungen wer den die Redlichen des ewigen Lebens teilhaftig, jene Satzungen, aber zu wahren, darauf hat die Thora zuerst Gewicht gelegt, indem sie sprach: und ihr hütet meine Satzungen und meine Rechtsordnungen, die der Mensch erfüllt, um durch sie Leben zu gewinnen." Vom östlichen Humor. Daß die jüdische Lage in Polen so wäre, daß sie auf die Lachmuskeln wirkte, wird keiner behaupten wollen. Man könnte aber vom östlichen Juden lernen, wie man seiner eigenen Leiden spottet und sie im Witze überwindet. Uns liegen die Pessachnummern mehrerer polnischer Blätter vor. Einige Anekdoten in den humoristischen Beilagen dieser Blätter seien hier zur Probe wiedergegeben: Der Seder im Sejm (Parlament). Plätze und Rollen sind folgendermaßen verteilt: Die Regierung sitzt angelehnt auf hohem Kissen. Die „vier Fragen" stellt die Sozialdemokratie. Die Nationaldemokraten stehlen den Afikoman, und alle Anderen, wie beim Seder üblich, schlafen. * * J ü dische Fragen. Warum werden nur vier Fragen am Seder abend gestellt? Der Verfasser der Hagadah wußte, daß, wollte man alle jüdischen Fragen aufwerfen, der Seder dann mindestens bis Schwuaus dauern müßte. Au f dem Erew Pessach-Markt. Käuferin: „Ich zahle keinen Groschen mehr, die Pute sieht ja ganz . krank aus." Verkäuferin: „Mögen Sie und ich, so gesund sein, wie die Pute gesund ist." Käuferin: „Aber sie -läßt ja ganz den Köpf hängen." Verkäuferin: „Kein Wunder, sie ist beleidigt und entsetzt über den Preis, den Sie für sie bieten." Der Zuschlag. Was will denn Rabbi Jehuda mit seinen zehn Buchstaben zu den zehn Plagen.? Das ist der zehnprozentige Zuschlag, wie er bei allen Plagen, so auch bei den städtischen Steuern, üblich ist, Nachbarschaft. Warum stellt der Verfasser der Hagadah den Chochom neben den Roscho und nicht zur Seite des Tarn? Antwort: Wer weise ist, geht dem Tarn, dem Menschen, der sich einfältig stellt und innerlich doch ein Bösewicht ist, viel weiter aus dem Wege, als dem ausgesprochenen .Roscho. Personalien. Landrabbiner Dr. de Haas *>X"T« Oldenburg, 21. April. Mit Windeseile durchflog. am Abend vor Erew Pessach unsere Gemeinde die Kunde von dem unerwarteten Hinscheiden unseres allverehrten Landrabbiniers Dr. de Häas. Schwer lastet der lähmende Schreck noch auf allen Mitgliedern unserer Gemeinde und den Mitgliedern der Landgemeinden; Allen ist es unfaßbar, daß uns der Führer durch G'ttes unerfdrschlichen Ratschluß so schnell entrissen werden konnte, ö'öW» 3K pki I3"n- Es fehlt der Lehrer, der Religion, der durch sein belehrendes Wort allsabbaltich und festtäglich die Herzen höher schlagen, ließ; es fehlt der Freund und Berater, an den sich die Vielen, welche sich in Not und Bedrängnis befinden, wenden können. In den fünfzehn Jahren seiner Amtstätigkeit in Oldenburg und den Landgemeinden und über deren Grenzen hinaus wirkte unser Rabbiner durch, seine geistvollen, für die heilige Thora erglühenden Vorträge im G'tteshaus, in Vereinen und Veranstaltungen. Schulen und Familien erfreuten sich der gleichen Fürsorge und Hingebung. Zu nos zog dieser stets hoch- und festgestimmte Lehrer in die Welt des ims ein. Das überfüllte G'tteshaus hatte den weißen Schmuck des Versöhnungstages angelegt und an der Stätte, an der das G'tteswort so oft aus des Verewigten Munde ertönte, konnte Herr Landrabbiner' Dr. B.lum aus Emden, inf Anbetracht des nahenden Passachfestes nur wenige Worte des Abschiedes Und des persönlichen Gedenkens «: dem vor ihm in der Bahre ruhenden Jugendfreund und Amtsgenossen nachrufen, wie auch Herr; Rabbiner Dr. Aber aus Bremen am Grabe nur ein kurzes Abschiedswort sprach. Dann drückte der Vorsteher, Herr C r.o n - h e i m , dem heimgegangenen ^geistigen Führer den Dank der Gemeinde aus mit dem Hinweis, daß wegen des Rüsttages zum Pessachf est eine Würdigung seines Wirkens einer späteren Gedenkfeier vorbehalten sei. Zu schnell war sein Hinüberschreiten zu G'tt, pltP *]T nais?» dem in Himmelshöheh Thronenden iT"3X3n. * '• * Zu diesem uns von Oldenburg zugegangenen Nachruf, der den spontanen Schmerz der verwaisten Gemeinde zum Ausdruck bringt, haben wir noch hinzuzufügen, daß mit dem Heimgang von Landrabbiner Dr. de Haas auch das thoratreue Judentum insgesamt und insbesondere der gesetzestreue Rabbinerstand Deutschlands einen ungemein schweren Verlust erlitten hat. Dr. de Haas vertrat seit Anbeginn seiner rabbinischen Wirksamkeit in Beuthen, wie später in Oldenburg, die Interessen der deutschen Orthodoxie, wie auch der Agudas Jisroel-Weltorganisation mit einer Liebe und Ueberzeugungstreue, die ihresgleichen suchte, Auf den Rabbinerkonferenzen gehörte Rabbiner de Haas zu den interessantesten Erscheinungen. Seine Stimme erhob sich immer und glühte vor Wärme, wenn es um die vitalen Fragen des thoratreuen Judentums ging. Noch auf der jüngsten Leipziger Tagung des Traditionellen Rabbinerverbandes betätigte er sich rednerisch und arbeitete in den Kommissionen mit. Vor wenigen Wochen konnten wir über seine erfolgreiche Vortragsreise durch das Emserland berichten, auf der er die Herzen der Jugend für die Religion und die Palästinaarbeit der Agudas Jisroel entflammte. Es ist mit sein Werk und sein Verdienst, daß die Agudas Jisroel in vielen Gemeinden Norddeutschlands relativ starke Positionen hat. Die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums verliert in Landrabbiner Dr. de Haas einen ihrer tätigsten Mitarbeiter und Förderer, Liegen doch die Wurzeln seiner gesegneten öffentlichen. Wirksamkeit für Klall Jisroel in dieser Vereinigung, deren G e - n er alsekretär für ihre ostdeutsche Abteilung er von 1909 bis 1914 war. Für Landrabbiner Dr. de Haas gab es nur einen Maßstab für die Lösung der gesamtjüdischen Fragen: die Thora, und nur eine Aufgabe für den Rabbiner, eine-r jüdischen Gemeinde: die Arbeit für die Thora, die Sicherung der Zukunft der Gemeinde durch ihre Verankerung in der Thora. Das thoratreue Judentum in Deutschland wird diesem allzufrüh heimgegangenen Führer seiner Gemeinschaft ein ehrendes ewiges Andenken bewahren. .. rraxan Nentershausen, 22. April. Am diesjährigen Erew Pessach waren es 50 Jahre, daß der seit einigen Jahren pensionierte Lehrer M. Katz in Nentershausen, Kreis Rotenburg a. Fulda die hiesige Stelle als Lehrer und Vorbeter übernahm. In der damals blühenden jüdischen Gemeinde hatte er über 40 Kinder zu unterrichten; heute, als Religionslehrer, noch fünf. % Der Jubilar ist, obwohl er das biblische Alter überschritten hat, geistig und körperlich noch sehr regsam Ufid beschäftigt sich mit Thora und den übrigen jüdischen Wissenschaften, sowie in seinem Garten, Während des Weltkrieges unterrichtete er auch in den christlichen Schulen der hiesigen Gemeinde, sowie der umliegenden Ortschaften und erfreut sich heute noch großer Beliebtheit bei seinen ehemaligen Schülern und der übrigen Bevölkerung. Möge es ihm vergönnt sein, sich noch viele Jahre eines gesegneten Lebensabends zu erfreuen. V"9V39 Briefkasten. Treuer Abonnent P- P. - 1. Unter, ifflin dürfte man einen Gedanken verstehen, der ohne unser Zutun bei uns aufkommt. naa?nn stellt schon einen Plan dar, den man bewußt hegt und ausbaut. Das Wort kommt ja von a«?n> Rechnen, Kalkulieren. 2. Man kann hier nicht von einem direkten Verbot sprechen, gefühlsmäßig unterlasse man es im Sinne des Satzes in Jesajas 58, 13. 3. Man pflegte es zu tun, weil man doch 'die Möglichkeit hat, die Betten auch am Sabbat selbst zu enutzen, 4. Es geht hier um eine reine Anstaridsfrage, die unter religiösen Gesichtspunkten nicht zu beantworten ist. 5; Man legt die Tefillin ab, weil mit dem Mussaf der Festcharakter des Tages hervorgekehrt, wird. Wochenkalender. Vom 4- — 11; Mai 1935 /. Vom 1. — 8. Ijar 5695 •W?n 1 's» aaa" Samstag 4 na. - vm »sii '2_ Sonntag 5 2 i» '3 p")D D'CHj? Montag 6 3 T» V ' - " Dienstag Mai 7 4 nn Mittwoch 8 .'*r"R - 5 üb' ■ Donnerstag 9 6 3 . . ■ ■' Freitag 10 7 '• ' 83 Samstag 11 8 ■ ' 33 a-na-pyn&'/apiB

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