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Der Israelit · 1935-05-02 · Heft 18 (2.5.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 18 (2.5.1935)
Date
1935-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 18 Polen. Kontinentale Beratung der Judenstaatspartei in Warschau. Warschau, 26. April. Die Judenstaatspartei hat im Jüdischen Akademikerhaus zu Warschau eine dreitägige kontinentale Beratung abgehalten, an der Vertreter von acht Landeszentralen teilnahmen. Die Konferenz billigte in einer Resolution die Haltung der Judenstaatler im Zionistischen Aktionskomitee in der Frage der Disziplin. Die Judenstaatspartei unterwirft sich der Disziplin der zionistischen Leitung und behält sich freies Handeln nur für den Fall vor, daß das höchste zionistische Gewissen es erfordert. Die Schlußansprache hielt der Vorsitzende der Weltleitung der Judenstaatspartei Medr Groß.man. An diese kontinentale Beratung schloß sich die erste Allpolnische Konferenz der Judenstaatspartei an, zu der etwa 300 Delegierte erschienen waren. Robert Stricker hielt ein Referat über „Die Lage der Juden in der Welt," in dem er einerseits Kritik an der Politik der Histadruth übte, sich andererseits scharf gegen diejenigen wandte, die bestrebt seien, die jüdische Jugend in einem kriegerischen Geist zu erziehen. Er schloß mit dem Appell, die Gegenwerts arbeit nicht zu vernachlässigen und die Positionen in den Galuthländern nicht aufzugeben. Meir G r o ß m a n berichtete über die Lage in Palästina. Er erklärte, die 50.000 Einwanderer des letzten Jahres hätten die Zyniker, die den Zionismus verspotteten, zum Schweigen gebracht. Leider sei der politische Einfluß des Jischuw nicht in demselben Maße gewachsen, wie sein materieller Aufbau. Entgegen dem Bericht der Exekutive auf der letzten A, C.-Sitzung, in dem die Ergebnisse als zufriedenstellend bezeichnet wurden, müsse festgestellt werden, daß die gute Konjunktur nicht ausgenutzt wurde. Der Exekutive sei es nicht gelungen, eine Bodenreserve zu schaffen und so die Bodenspekulation wirksam zu bekämpfen. Die Beschäftigung von Arabern in jüdischen Betrieben steigt, die Idee von Tozeret Haarez wird vernachlässigt. Bei der Bestimmung der Höhe der Schedüle ist die Exekutive von der Gnade des Einwanderungsdepartments der Regierung abhängig. Die Exekutive identifiziere" die Interessen des Zionismus mit den Interessen der Arbeiterpartei, der größte Teil des Siedlungsbudgets werde für Histadruth-Siedlungen verwendet, Mitglieder der nationalen Gewerkschaft erhielten keine Arbeit. Zum Schluß gab Großman die Gründung einer neuen Arbeiterpartei „Irgun owdim medinatim" bekannt und erklärte, die Judenstaatler würden den Kongreßwahlkampf selbständig, ohne Bindung an andere Parteien, führen. (Siehe auch Korrespondenz aus Paris über den Austritt der Revisionisten aus der zionistischen Organisation.) Herrschaft der Nationajdemokraten im Lodzer Stadtrat gebrochen. L o d z, 23. April. Innerhalb der Na t i on ä 1 de m o k ratis ch en Fraktion des Stadtrates von Lodz sind Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen, die zum Austritt von fünf Mitgliedern aus der Fraktion führten. E 5 n Stadtverordneter ist zu den Sozialisten, zwei sind zu den christlichen Demokraten übergegangen, die bei- ' den übrigen bilden eine unabhängige Fraktion. Damit ist die nationaldemokratische Herrschaft im Lodzer Stadtrat, die von der Partei zu rücksichtslosen antisemitischen. Maßnahmen ausgenutzt wurde, gebrochen. Litauen« Ritualmordhetze in Litauen* K p n i g s b e r g , 2f>. April. Wie alljährlich um die Pegsachzeit durfte auch! dieses Jahr in Ländern mit primitiver Bevölkerung:;dig Ritualmordlüge nicht fehlen, um die*-Massen geggn die Juden aufzuhetzen. In, der Gegend von Tauroggen unweit 4er pstRreußiscbgfi 'Qtffäßt -"WHeinmal Napoleon große Schlachten geschlagen hat, ging es eine Zeitlang unter dem Druck einer solchen erdichteten Legende hoch'her, bis die Polizei tapfer eingriff und der blutigen „Volksbelustigung" auf Kosten der Juden ein Ende machte. Leider bemächtigte . sich auch die „Tilsiter Zeitung" der Materie und behauptete in einem längeren Bericht, in dem das Blatt den ,,Rituaimord", nach den litauischen antisemitischen Angaben, in allen Einzelheiten schilderte, die Polizei von. Tauroggen habe durph ihr scharfes Eingreifen die Juden einseitig geschützt und den berechtigten Volkszorn niedergehalten. Andere Zeitungen bringen die Vorgänge mit dem in Kpwno am 26. März' dieses Jahres gefällten Urteil im Memeler Prozeß, das mit Recht überall größte Empörung auslöste. Was diese Dinge mit dem Memeler Prozeß, in dem kein einziger Jude als Richter,- Angeklagter, Verteidiger oder nur Zeuge beteiligt war, ZU tun haben, ist_ nicht ersichtlich. Wenn schon «ine Parallele, so kann höchstens darauf fcmgewiesen werden, daß;- während man in Kpwno Sphrepkensurteile gegen Deutsche auf Grund falscher Gerüchte fällt, in Tauroggen, ebenfalls auf Grund falscher Gerüchte, Judenbetzen inszeniert. Was den Tatbestand in Litauen betrifft, so sei hier nach dem Communique des litauischen Innenministeriums, das auf Grund der eingehenden Untersuchung" in Tauroggen vor etwa drei Wochen erschienen ist, folgendes berichtet: . Dunkle Elemente verbreiteten Gerüchte, wonach ein Jude aus Tauroggen zu rituellen Zwecken ein christliches Kind ermordet hätte. Die Gerüchte stam- «men von ortsfremden Elementen, die den Umstand ausnutzten, daß am gleichen Tage im städtischen Spir tal ein neugeborenes Kind seziert wurde, um festzur stellen, ob das Kind, tot geboren oder nachher von seiner Mutter getötet wurde. Gegen Abend rottete sich eine Menschenmenge vor dem Spitalgebäude zur sammen, die von Provokateuren angestachelt wurde, der Polizei Widerstand zu leisten und mit Gewalt' in das Spital einzudringen. Als die Ansammlung vor dem Spital zerstreut wurde, fanden sich die Demonstranten wieder vor dem Hause eines Juden zusammen, den die Hetzer als den - angeblichen Kindesmörder bezeichneten. Im Hause dieses Juden wurden die Fensterscheiben eingeschlagen und in mehreren Straßen wurden Juden angefallen und mißhandelt. Die Polizei schritt energisch ein und verhaftete 30 Aufr wiegler, die auf administrativem Wege gleich bestraft wurden. Das ist der Sachverhalt. Tschechoslovakei. Aus der slovakischen Agudas Jisroe). Bratislava, 22. April. In einem von der Leitung der slovakischen Lan^ desorganisatioh der Agudas Jisroel an die Ortsgrupr pen und an sämtliche Sonderverbände versandten Runcsdhreiben zum Pessachfeste wird kurz über die Tätigkeit der Erez Jisroel-Delegatipn berichtet und mitgeteilt, daß von den zur Errichtung eines würdigen Schulgebäudes für die Beth Jacob-Schule an Jerusalem durch die Organisation gesammelten Baurgeldern zwei Drittel in Höhe von Lst. 1000.—- bereit stehen. Das letzte Drittel soll im Wege der Durchführung der diesjährigen psj nsD -Sammlungen in allen Gemeinden des Landes aufgebracht werden. Eine weitere Sammlung; veranstaltet die Organisation in allen Orts-- und Jugendgruppen während der Cholr hamoed-Tage zu Gunsten der Gründung von agudislischen E i n w a n d ererheimen in Erez Jsroel. Frankreich, - ' ■ r> •■ •. t ( . Austritt der Revisionisten aus der zionistischen . Organisation vollzogen. - Paris, 23s April. Unter dem Vorsitze J ab ot ins k.ys trat das . Exekutiv-Komiteeder Union zu einer Sitzung zusam? men und f&ß^e definitive Beschlüsse über die Peziehungen der revisionistisphen, Union zur Zionistischen - Organisation im Hinblick auf die neugeschaffene Laje.; Die Beschlüsse lauten: ■»«.■] " -? - «• Gemäß der Resolutio%.4er.,jSechsten Weltkonfe=; renz, die das Exekutivkomitee bevollmächtigt hat,1 das Verhältnis der IJnion der Zionisten-Reyisionisten zu den zionistischen Kongreß.wählen, zum Kongreß selbst und zum Schekel zu bestimmen, ordnet die Exekutive an: 1. Kein Mitglied der Union oder ejner ihr anggr schlossenen Körperschaften darf sich an den Wahlen zum nächsten ZionistenrKongreß, sei es' als Wähler oder als Kandidat, beteiligen. - : < 2. Nachdem die Zionistische■: Organisation den Herzl'schen Schekel abgeschafft und an seine Stelle eine Legitimation parteiischen Charakters eingeführt hat, darf kein Mitglied der Union oder einer ihr angeschlossenen Körperschaft den neuen Schekel entgegennehmen; damit treten alle Revisionisten aus der Zionistischen Organisation aus. 3. Wer gegen diese ,Verordnungen verstößt, wird automatisch-aus der revisionistischen .Union und den. ihr angeschlossenen Körperschaften ausgeschlossen. 4. Die revisipnistischen Mitglieder des Zionistischen Aktions-Komitees treten aus diesem Organ aus. 5. Das ExekutivTKomitee stellt' fest, daß die Zionistische Organisation einer Vertretung der zweitgrößten aller zionstischen Richtungen ermangelt, wodurch die Zionistische Organisation das Recht verloren hat, als eine Vertretung der gesamten zionistischen Bewegung zu fungieren. Ein Plebiszit über die Gründung einer eigenen unabhängigen Zionistischen Organisation wird in .allen Orten und unter allen Teilen der Bewegung am Sonntag, den 19. Mai 1935, stattfinden. Palästina, Kleine Nachrichten aus Erez Israel. Jerusalem, 24. April. Der Waad hair Aschkenasi veranstaltete vorige Woche eine Mitgliedervrsammlung, in der aus Anlaß der bevorstehenden Verhandlungen zwischen •Agudas Israel und Kneses Israel wegen einer Neuge^ staltung des Gemeindegesetzes von Seiten der Herren Rabbiner Jonathan Hordvicz und Rabbi Mosche Blau über die Voraussetzungen dieser Verhandlungen Bericht erstattet wurde. Im Anschluß an die Referate fand eine lebhafte Auseinandersetzung statt, in der die verschiedenen. Auflassungen insbesondere in Bezug auf die Möglichkeit einer Zusammenarbeit.; mit den „freien" Zionisten auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete zum Ausdruck gelangte. Grundsätzlich stellte sich die große Mehrheit auf den Standpunkt, daß man in Verhandlungen auf dßr vorgeschlagenen Basis: paritätische öffentlich-rechtliche Anerkennung beider Gemeinschaften und Bildung eines gemeinsamen Organs zur Vertretung politischer und wirtschaftlicher Interessen naph außen eintreten solle. Alle Tahnud-Thora-Schulen haben sich in - diesem Jahre zusammengeschlossen, um die Abführung einer Maz'zosgebühr zu Gunsten der Kassen der sphwer um ihre Existenz ringenden Anstalten in die Wege zu leiten. Oberrabbiner Duschinski hat siph an die Maz^- zosbäckereien "mit der Bitte gewendet, das Unternehmen der Talmud Thora-Sehulen energisch zu fördern. Daneben haben die Zeire Agudas Jisroel eine Sammlung für Pessachbedürfnisse zu Gunsten der Bne Jeschiwo in Jerusalem unter dem Patronate vbn Oberrabbiner Duschinski veranstaltet. In Petach Tikwah fanden die Wahlen der Poale Agudas Jisroel-Gruppe unter starker Beteiligung statt. Die neue Leitung besteht aus 11 Mitgliedern unter ..Vorsitz dr Herren Dr. med. Segall und. Elias Münk, Als Sekretär und Leiter des Arbeitsbüros fungieren die Herren Salmann Moses und Jecheskel Rothenberg. Keine Notleidenden zu Pessach in Tel Awiw. ,...... Tel A,w i w , 23. April. Von den in Tel Awiw lebenden Warschauer Juden war eine Sammelaktion durchgeführt worden, uin anläß^ch der Pessachfeiertage 'hilfsbedtMtige Juden unterstützen zu gönnen. L)ie .Sammlung hatte ein Ergebnis von 3Qfl Pfund. Es stellte _ sich jedgeh; her? aus, daß es in diesem Jahre in Tel Awiw ke;n<e, Hilfsr ^dürftigen gibt. ö^'fepufg? ^qUpM \4&k&{ das ge^anjme^ Qgjd' an den Y?r^» iVBsffr Lffsfe?»*'* in W&mHV öVerweisen.^ #"' . . } *

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