Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1935)
- Date
- 1935-05-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I^^^^l^^^^^p^^^p^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^s^^^ ^^5?^^^5^^^S5^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ 2. Mai 1935 e r I 8 Ii t Nr. 18 Seite 7 Aexten und Schaufeln, wie die Holzfäller einbrechen und über alle diese Schönheitrücksichtslos hinwegstürmen. Da stehe ich staunend still und begreife nicht, daß im Herzen dieser Menschen gar keine Ehr furcht mehr lebt vor der Hoheit und Heiligkeit der Geschichte.' Wo ist ihr sittliches Gefühl? Ja, wo ist. ihr Schönheitsgefühl,- jenes ästhetische Empfin den, ohne das kein Schriftsteller und literarischer Arbeiter bestehen kann?" Uns liegt? es nun ob, die Schmach der Ttiora, die Schmach unserer heiligen Spräche, die entweiht ist und darniederliegt, geltend zu machen und nicht, zu ruhen und zu rasten, bis wir die Krone in. ihrem alten Glänze wieder hergestellt haben. Fürwahr, die Sprache selbst dürfen wir nicht zum obersten Selbstzweck machen, nicht zu einem nationalen Götzen, sondern zu einem Mittel für einen höheren Zweck, ein Mittel zum Verständnis unserer Literatur, unserer geistigen Existenz, zur V e r v o 11 k o m m<n u mg unser er j üd i s c h-e n Person lic h.k e it. Durch das Studium der Sprache haben wir uns die sprachliche Kenntnis zu erwerben, die nötig ist zur Kenntnis unserer großen Literatur« U n d d u r c h das hebr äis c h e Wort werden wir uns daran gewöhnen, jüdisch zu d e-n ken. Dies , wird uns befähigen, unsere Persönlichkeit so zu vervollkommnen, daß sie in der Tat das ursprüngliche, ideale orthodoxe Judentum verkörpert. Die einzige Art und Weise zum Erwerb, fundamentaler sprachlicher Kenntnisse und zum vollständigen Erfassen der Sprache ist, abgesehen von der Lektüre der Zeitungen, der Literatur, das stetige Forschen in den heiligen Büchern, in unserer alten und mittelalterlichen Literatur, insbesondere das Forschen in Mischna, Gemara,' Midrasch usw. „Von ihnen zu lernen nicht nur den Sinn der Verse, nicht bloß die Bedeutung der Worte,- son-< dern vor allein die Art und Weise, die E i g e n - ar.t :des hebräischen Wortes zu erlernen" (S. D. Luzatto). Hierdurch werden wir uns * originale hebräische, Begriffe aneignen, die in alter Zeit im Munde unserer Väter-lebten» Ohne diese Voraussetzung ist es nicht möglich, die Sprache von Grund auf zu kennen. Ohne dies bleibt sie oberflächlich und. auf der Stufe bloßen Schwätzens, so wie es unmöglich ist, die deutsche Sprache gründlich zu erlernen in allen ihren Feinheiten ohne Kenntnis der klassischen Literatur, ohne Goethe und Schiller .usw., oder Polnisch ohne V Mickiewicz, Kraschewski, Slowatzki usw. Ist es nicht eine Schande für uns, daß der größte Teil der Jüdischen Jugend im Westen die westeuropäische Literatur ^gut beherrscht, von . der klassischen angefangen, bis zur modernen, daß ihnen die fremde Literatur zum" geistigen Bedürfnis geworden ist, daß ihre Dichtungen, ihre Wortprägungen ihnen geläufig sind, daß ihnen Zitate daraus in reicher Fülle von selbst in den Mund kommen und sie mit Begeisterung erfüllen, daß sie dabei aber nicht das Geringste wissen von der hebräischen Literatur! Wer. von ihnen hat aus dem Schatze unserer mittelalterlichen Schriften aus Spanien die Schöpfungen unserer/berühmtesten Männer, wie Rabbi Jehudo fialevi, Mosche Ibn Esra, Abraham Ibn Esra, Salomon ben Gabriol usw. gelesen, wer hat auch nur im allgemeinen die Namen der Schriftsteller und Dichter der spanischen Periode gehört, wie Rabbi Jose ben Jose, Schefatia, Ibn Ganach, Dunasch ibn Labrat, Rabbi Schmuel hahagid, Rabbi Bachja ibn Pakuda, Rabbi Jehudo AI Charisi, Rabbi Jedaja Hapnini, Rabbi Immanuel Haromi, mi-Raumo usw. ,; V.¬ Wissen sie, daß in jener Zeitdie" hebräische Kultur und; Literatur auf überaus hoher Stufe stand, daß,.jdie\spanischen Juden .die Genauigkeit und Reinheit des Wortes und der Schrift überaus schätzten, daß sie; die hebräische Dichtung fast alle beherrschten, so daß jemand, der nicht imstande war,. JGecÜchte zu. verfassen, alseine unfruchtbare Seele galt. Und heute''sind es sogar unter den Räbbclhim^nur wettige, "die 'Grammatik un^. Korrektheii 'des' 'SjilesV\.;uiid";'die hebräische. Syntax beherrschen. Viele von den Gelehrten Die Woche. Berlin. Wie die „Nationalsozialistische Korrespondenz" mitteilt, legt die „Zentralstelle für internationales Recht" Gau „Ausland" des Nationalsozialistischen Juristenbundes gegenwartig eine Weltkartei aller arischen'- Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte und Wirtschaftsrechtler, an, um in der ganzen Welt im nationalsozialistischen Sinne geeignete Rechtswahrer benennen zu können. — Nach einer neuesten Veröffentlichung sind wiederum 110 Einbürgerungen widerrufen worden. Es handelt sich um Familien, die nach dem 9. November 1918 ihre Embürgerung erworben hatten. Bonn, Der „Generalanzeiger für Bonn und Umgegend" meldet aus Euskirchen, daß in der .letzten Sitzung der Ratsherren der Beschluß gefaßt wurSe, in Zukunft Juden oder jüdisch Versippten den Zuzug nach Euskirchen h i c h t mehr zu erlauben. Durch die neue Verordnung würde vermieden, daß die neu hinzugezogenen Juden der Wohlfahrt zur Last fielen. Köln. Ein jüdischer Geflügelhändler wurde wegen betäubungslosen Schächtens von Hühnern zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und "vier M o n a t e n verurteilt. Nach dem „Westdeutschen Beobachter" soll auch gegen seine Abnehmer vorgegangen werden. Wien. Bei einer Maimon i d e s f e" i e r in der großen Wiener Synagoge waren;säuch Vertreter der Regierung und der Vaterländischen Front anwesend. Die staatliche Akademie der Wissenschaft richtete aus diesem Anlaß ein herzliches Begrüßungsschreiben an den Präsidenten der Kultusgemeinde. Kattowitz, Der Redakteur ,der inzwischen verbotenen Kättowitzer antisemitischen Zeitung, E. Chowanski, wurde wegen Schmähung der jüdischen' Religion durch Fälschung von ' Talmudzitäten" in. zweiter Instanz zu neun . Monaten Gefängnis verurteilt. Privatklägerin war die Kattowitzer Jüdische Gemeinde. Warschau. In ilem Städtchen Baranow bei Lublin sind 88 von Juden bewohnte Häuser einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. . Viele hunderte Einwohner sind obdachlos geworden. Der Schaden wird auf 70.000 Zloty geschätzt. Lemberg, Hier ist ■: Dr. Karl B ub e r , ein Sohn des berühmten •Midrasch-Forschers und langjährigen Vor- . sitzenden der Lemberger Jüdischen Gemeinde, Salomon Buber, und Vater Professor Martin Bubers, gestorben. Dr. K. Buber betätigte sich als Philantrop und - sozialer Führer. Budapest. Bei der feierlichen Eröffnung beider Häuser des i ungarischen Reichstages durch Reichsverweser von Horthy am 30. April führten als Alterspräsidenten ' im " A b g e ö r d n e t e n - haus der 76jährige jüdische Abgeordnete Paul S a n d.6 r , im Oberhaus der 75jährige Szegediner Oberrabbiner Dr. Immanuel Low den Vorsitz! Bukarest. Der hier tagende Part ei k o n.g reß der national e n-, B a u e r n p a r t e ilehnte den wirtschaftlichen Numerus clausus für die Minderheiten, insbesondere für die Juden ab. Moskau. ' Peter S chmi do - w rt s c h , der Leiter der jüdischen Kolonisation in. Sowjetrußland und ein bekannter Vorkämpfer von Biröbidsch'än, ist im Älter von 61 Jahren plötzlich^; g e s t o r b e n. London. Das B.ritish. Museum hat eine Ausstellung, von Ha nd sehr? f t e n und Frü hdrucke'n der Maimon.ideswerke eröffnet.- — In den :Wettbe- '■ werb um einen . Entwurf (für . die Jubi.ns 1 ä u m s m a, r k e n. anläßlich . des 25jährigen Regierüngsjubiläüms König Georgs erhielt der jüdische Künstler Bärnet Freedman den ersten Preis. KonstantinopeL Der Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde von Adrianopel, Nissim Papo, eine bekannte GelehrtenpersönUchk'eit im ^Orient, ist, nach längerer Krankheit " gestorben. Oslo. ' Eine jüdische ' \ Familie. in Stavanger, die elf Frauen * von dem verunglückten deutschen Dämpfer „Dresden",'' aufgenommen,^ verpflegt und bekleidet1 hatte, empfing vom deutschen Gesandten in .Norwege^ ein herzliches Dankschreiben. tDie Familie antwortete: „Wir sind Juden, und'Menschenliebe ist' höchste Pflicht '"des Judentums." Tel ÄwrW.i Die Irijah hat" beschlössen, 'Bialiics ,TWohnnaus in ein 'E t h n 6 g r äp h i 's. c,h e s!M'Üsteum umzUwaJn?deln. 1 Ui' der anderen Völker haben ihre Zeit dem Studium der hebräischen Sprcahe gewidmet wegen ihrer Schönheit und ihrer Würde. Sie haben darüber wertvolle Bücher verfaßt, R e u c h 1 i n schon schrieb ein ganzes Buch über den Wert der hebräischen Sprache. Er hat eine Grammatik geschrieben, sowie ein Buch über die Tonzeichen und die Vokalisation der hebräischen Sprache. Johann Buxtorf f hat seine.-berühmte Konkordanz verfaßt und Bücher über Grammatik und Wortwurzel. Viele von den Weisen der Völker, Könige, Fürsten, Geistliche haben das Hebräische und seine Grammatik durchforscht und es als großen Schatz geliebt. Und Rabbi Jacob Emden sagt in seinem Buche D^öE? „Die hebräische Sprache ist geschätzt und geehrt auch in den Augen aller Völker, die. ihre Bedeutung kennen und in ihr forschen. Wären nur unsere Brüder so bewandert im Bibelwort wie sie." All das bezieht sich auf unsere Orthodoxie. Daraus läßt sich, schon entnehmen, wie es bei den Nichtorthodoxen aussieht. Vor allen Dingen bedarf es einer Aenderung und Besserung im orthodoxen Kreise. Auch die ebenerwähnte Literatur und Wissenschaft ist uns nötig, nicht nur um die Sprache genauer zu kennen, sondern gerade als orthodoxe Juden haben wir die Pflicht, auch diese hebräische religiöse Aufklärungsliteratur zu kennen und sie nicht den Nationalen und Liberalen zu überlassen. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen. Deutsches Reich. Neue Gemeindevertretung in München. , München, 25. April. Die Wahlperiode der Gemeindevertretung der Israelitischen Kultusgemeinde in München war am 31. März abgelaufen. Vom Gemeindevorstand sind daraufhin Neuwahlen ausgeschrieben worden. Es wurde jedoch eine Einheitsliste eingereicht, so daß eine eigentliche Wahl vermieden wurde. Die 24 Sitze der Gemeindevertretung verteilen sich unter die Kandidaten der Einheitsliste, die nunmehr als gewählt zu betrachten sind, folgendermaßen: Liberale Fraktion 13 Sitze (bisher 16), Zionistische Fraktion 8 Sitze (bisher 5), Orthodoxe Fraktion wie bisher 3 Sitze. Anschluß der braunschweigischen Gemeinden an den Preußischen Landesverband. Braunschweig, 26. April. Nach dem Vorbild der Verträge, idie die thüringischen, oldenburgischen und saarländischen Gemeinden zum Zweck ihrer Eingliederung in deri; Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden 'geschlossen haben, haben nunmehr die jüdischen Gemeinden des Landes Braunschweig auf einer in Braunschweig unter dem Vorsitz des dortigen Gemeindevorsitzenden Dr. Walter Heinemann abgehaltenen Tagung . einstimmig den Beschluß ,.gefaßt, sich dem Preußenverband anzuschließen. Die Bezeichnung „Germania" hei nichtarischen Firmennamen. Wuppertal, 26. April, i In einem soeben beendeten Verfahren, wurde, nach.. einem^ Beriqhte der „Bergisch-Märkischen Zeitung'\ Wuppertal, vom Kammergericht die Frage geprüft, ob für das Wort „Germania", dieselben Voraussetzungen wie für die Bezeichnung „deutsch" gelten jsollen. Das Kammergericht hat im Gegensatz zu einer unteren Instanz die Ansicht ausgesprochen, daß auch jnichtarische . Firmen sich des Zusatzes „Germania" (bedienen können, da hieraus nicht auf die rassische Zugehörigkeit des Inhabers zu schließen ist.: