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Der Israelit · 1935-05-02 · Heft 18 (2.5.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 18 (2.5.1935)
Date
1935-05-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 18 Der. Israel i t 2. Mai 1935 Was hätte nunmehr zu geschehen, um den katastrophalen Verhältnissen die entscheidende Wendung zu geben? 1. Die agudistische Landesorganisation darf sich nicht auf Gemeinden aufbauen, sondern auf Menschen, die örtlich in Gruppen zusammenzufassen sind. 2. Die vollberechtigende Mitgliedschaft darf, nicht vom Austritt aus Kenesseth Jißrael abhängig gemacht -werden. 3. Als Fundamentalbestimmung der Landesorganisation ist ihre Ablehnung des Zionismus aufzunehmen. 4. Als Fundamentalbestimmüng der Landesorganisation ist ihre Ablehnung der Kenesseth Jißrael in ihrer heutigen Gestalt aufzunehmen. 5. Als wesentliche Zweckbestimmung der Landesorganisation ist die Verbreitung von Thora und G'ttesfurcht unter den Einzelnen und die Umgestaltung des Natiohalheims zu einem Nationalheim der Thora zu kennzeichnen. 6. Als wesentliche Mittel zur Erreichung dieses Zwecks ist u. a. ins Auge zu fassen: a) der Kampf für die Umgestaltung der vor.r handenen Gemeinden; in echte Thoragemeiriden, ' " f .; b) der Kampf für die Umgestaltung der heutigen Kenesseth Jißroel in ihrer völlig verfehlten parasitären Verfassung in eine Symbiose, wie ich sie an ander er Stelle näher skizziert habe, c) die Gründüng einer Tageszeitung, d) die regelmäßige Entsendung lebenzugewandter Wanderredner in alle Teile und in alle Kreise des Landes 7. Alle Kampfmittel persönlicher Art sind radikal abzustellen. 8. Ortsgruppen sind auf Grund des neuen Programms überall zu bilden. Alsdann ist eine auf Wahlen sich gründende konstituierende Landesversammlung einzuberufen. Die hier aufgeführten Punkte bedürfen keiner weiteren Begründung. Sie ergeben sich sämtlich aus der Kritik des Bestehenden. Aber es müßte schnell und mit Nachdruck gehandelt werden. Ich fordere nicht. Ich frage nur. Wochenrundschau, Unerhörte Anmaßung eines liberalen Rabbiners« Auf einer Tagung der Lib eralen Rabbiner in Berlin referierte Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach, über die Frage der Blutentziehung bei Schlachttieren nach vorheriger elektrischer Betäubung. Dr. Dienemann legte, wie die „Jüdische allgemeine (liberale) Zeitung" berichtet, „überzeugend dar, daß nach den angestellten Versuchen mit dem gegenwärtigen vervollkommneten Apparat von seiten der Religionsgesetze nichts einzuwenden ist." Es wurde beschlossen, sämtlichen Kollegen davon Kenntnis zu geben. Es erübrigt sich, in diesem Zusammenhange nocheinmal zu wiederholen, was im „Israelit" bereits mehrmals von fachmännischer und zuständiger Seite über diesen Gegenstand vorgebracht wurde. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß beide gesetzestre u e n Rabbi n e rverbä nd e in ihren Tagungen nach langen, von. heiligem Ernst und tiefem Verständnis für die Forderungen der Zeit getragenen Verhandlungen einmütig zum Schlüsse gelangt sind, daß zur Zeit ein B e t ä u b u n g s v. e r f ah r e n , das der Schechita vorangehen könnte, ohne das Tier nV^3 z u m a c h en, nicht existiert, daß somit alles Fleisch, welches von Tieren stammt, die vor dem Schächten, gleichviel auf welche Weise, betäubt wurden, als absolut trepha anzusehen ist. Dieser Beschluß wurde in so klarer ünd bestimmter Form von den berufenen und zuständigen Führern der thoratreuen Gemeinden der Oeffentlichkeit unterbreitet, daß die Diskussion über diesen Gegenstand zunächst als abgeschlossen gelten muß. Insofern muß die Tragweite der Dienemann'- schen Entscheidung im Kreise seiner liberalen Freunde nicht überschätzt werden. Wer Wert auf rituelle Lebensweise legt und den Schulchan Äruch auch für seinen „gedeckten Tisch" als bündig ansieht, wird sich darin gewiß von der anmaßenden „halachischen" Entscheidung eines liberalen Kollegiums nicht irre machen lassen. Diejenigen aber, die Herrn Dr. Dienemann und Genossen Gefolgschaft leisten.) haben vermutlich nicht .erst auf diese Entscheidung gewartet. Sie sind ja seit Anbeginn der Reform in der Anschauung geradezu erzogen worden, daß in Sachen des „religiösen Brauchtums"P (zu dem das gesamte Ritual- und ^eremoniälge-- seiz geworren wird), jeder seinen eigenen Wieg' suchen und gehen kann. Man könnte somit, talmudisch gedacht, fragen: oruphl Ö'bSfi i^STin rfÖ« Was soll jener verkündete „Ablaß" noch bezwecken, wenn er auf der rechten Seite unbeachtet bleibt und auf der linken von der Entwicklung längst überholt ist? Vielleicht sollte aber die Erklärung zur Gewissensentlastung jener Matten und Lauen dienen, die erst nach dem Schächtverbot, das kleine materielle Opfer scheuend, zur unritüellen Lebensweise unter der Tarnung „Neukoscher" übergegangen sind. Somit hätte das unsinnige Wort, das bis jetzt fast wie ein schlechter Witz anmutete, eine geistliche Sanktion erhalten für diejenigen, denen der fromme Selbstbetrüg, noch ein wenig den Appetit verdarb. Wäre aber dies die Mission des liberalen Judentums und seiner rabbinischen Behörde an der Spitze: einreißende Verstöße gegen die Religion nachträglich zu legalisieren, den Üebertretenden die beiden ersten Voraussetzungen für eine Rückkehr: Scham und Reue, zu nehmen und somit zeitgeborene und vielleicht an sich zeitbedingte Abkehr von G'tt zu stabilisieren, so hätte die Geschichte ihr Urteil über die Liberale Vereinigung; und die Art, wie sie in einer Zeit' .der politischen und geistigen Not sich bewährt hat, bereits gesprochen. Der spätere Historiker unserer Zeitwird dieses Urteil nur noch zu registrieren haben. Und nicht minder scharf wird sein Urteil lauten über die unerhörte Anmaßung eines liberalen Herrn, in einer Sache, in der er nicht zuständig ist und an der er und seine Freunde auf Grund ihrer Glaubensüberzeugungen innerlich völlig d e s i nt eressiert sind, ein entscheidendes Wort sprechen zu wollen, nachdem die wirklich Berufenen und Zuständigen bereits eindeutig und bindend für alle gesprochen haben, Friede seiner Asche!,., Von Titus, dem römischen. Judenstaatszerstörer, erzählt Talmud, daß er letztwillig anordnete, man möge seine Leiche verbrennen und die Asche über sieben Meere streuen —- damit ihn. Israels G'tt nicht finde und zur Rechenschaft ziehe. Ob dieser Wunsch und diese Hoffnung heute noch bei denen mitspielen, die ihren Lebensweg ins Krematorium einmünden lassen, wissen wir nicht. Eines' steht fest: Finden wird man seine Asche, jetzt und später noch, wenn sich ein Jude verbrennen läßt, und sie als „jü- Biblische Zitate an ihrer Quelle und in ihrem Zusammenhang. (Schluß.) 2. Das oftgebrauchte roia?» p^ti nsr ist ebenfalls in der gleichen Gegend von Mischle zü suchen/ und zwar Kap. 10, S. 7, apT a^yvt nibi na-ntf» pns "öt „Dis Andenken des Gerechten gereicht zürn Segen, die Frevler aber fallen der Verwesung anheim." Gemeint ist, daß wir uns im Andenken an den Zaddik bestreben, ihm stets nachzuahmen, so daß der Segen seines Lebens in und durch uns über sein Grab hinauf, noch'nachwirkt. Darin ist das bei titis so wichtige üuA auch als Motiv der Pessach-Haggada uns wohlvef traute tm* mar begründet. Wenn wir uns auf die Verdienste der Väter berufen, so ist es gewiß nicht so, daß diese Verdienste allein schon genügten, tiin tlns ein Guthabeflkpntö bei *"^n zu sicher«. Wir müssen in Anlehnung än die .Leistungen.der Väter, selber, arbeiten, dann steht uns «rst das „Verdienst der Väter" bei. Auch das kommt in Midrasch sehr treffend zum Ausdruck mit dem Hinweis auf den Weinberg, wo die blühende Röhe sich an das tot« Holz stützt. Ohne diese töte Stütze würde die Rebe zu Boden »Heii.und die (Frucht vef-, derben. Aber die Stütze allein gibt dem Zweig kein Leben, die Rebe muß selber blühen und Früchte zeitigen. „Was man von den. Vätern ererbt hat, erwerbe man, um es zu besitzen," Und damit versteht man auch den ersten Satz in aps 'S: „Wenn ihr hören werdet auf all diese Grundsätze, dann wird euch G'tt hüten die Liebe und den Schwur, den er euren Vätern geschworen hat." Wenn wir alles tun und halten, wozu' das Verdienst der Väter? Man solle im Andenken &h die Väter Selber seine Pflicht erfüllen, dann bestätigt sich erst das n'Siäi» p'fi iir« 3. Das uns geläufige Wort o"tm nnka rhiis inaiM vir» das man auf alleri Grabsteinen in den Initialen nw3S3n lesen kann, wird merkwürdigerweise an der Quelle; nicht in Verbindung mit dem Tode, sondern auf einen Lebenden angewandt. In Samuel I, Kap., 25, S. 29 lesen wir, wie Awigajil; die fromme Frau des •unwürdigeü Näbäl, Däwid mit reichen Geschenken entgegenzieht uöd von ihm sägt "isi nTm.rrnR vpi nn'ni „Und es sei die Seele meines Herrn, (Dawids), erhalten im Bunde des Lebens." Wir gebrauchen diese Wendung mit einer kleinen Variation; um damit zum Ausdruck zu briflgefi, daß date? abgeschiedenen Seelen, solange wir ihr Werk fortsetzen, eben in diesem Werke, im Leben mit uns verbunden bleiben. " :i ' 4. Wo kommt die am Schlüsse von Hespedim.:gebrachte Redewendung nsil> man srVa vor? In Jesajas Kap. 25, S. 8, wo wi r im Züsaminerihange lesen: W Vyzs ¥ff> ia^haSrH thas *>3 fiv&l "i SfiiK. fitib /Wart tfVa . .. viai -i <ö >i pwm ... Wir mööhten das Wort^sö> .verstehen* daß. der "Tod aufgesogen wird vom Ewigkeitsgedaäken fSi*; der Tod mündet in' die Ewigkeit;?ünd verschytöndet.. Im Zusammenhange sölf^doch wohl hier folgendes zürn Ausdruck kömmeä: Es* sind nicht die SchHnUnsten Tränen, die um den Tod geweint werden. Es gibt andere Tränen, die .viel schlimmer und tragisöher sind, die Tränen der Bedrückten,, die Tränen und Seufzer, die aus den Herzen und Häusern der Armen oder der Entrechteten zum. Himmel steigen. Darum' lautet die Verheißung anschließend; n nnai a*as Stf V?» rwa*T, G'tt wird auch alle Arten von Tränen trocknen von allen Gesichtern, G'tt wird am Tage der Erfüllung die Schmach nicht von uns, sondern von der Welt, von'der Erde abwenden *3 ty» n'TJ» Vis naim fiknu In M. III, Kap. 9, Vers 24 bietet die, Stelle KVt pfTOS Vy »an MVipynjp dem Verständnis eine gewisse Schwierigkeit, wenn' i&ii' übersetzen' „sie j.ufc eHen üöd fiele* auf ihr' Afiilit^". Die Gebärde des Nifcderfailens Scheint im Widerspruch zu stehen mit dem gleichzeitigen Ausbruch höchsten jübels. Man vergegenwärtige sich ferner das Ereignis, das die STfo uns scHild«rti-Zum efsteii Mäle' Siüd Öpißr dafgefc'racjit worden,, iuB efeten Male sind diö" Wöftg äeS Priestersegeüä ' gfkltmgefl, ]&< *n *?k 'S t» «vi; Sollte mäft hier anstatt küten Jubels nicht vielmehr ein ehrfurchtsvolles ScWeigen erwarten?':; Qanz dffeöbär - dieselbe*-Sehwierigkeit ha.t^ der twir Diann gesehen, der zur Uebersetzung von itS'i . an^aS das Wort «Wh Kin2ÖfÜgt. Öbwohl vom «iso an die vmeisten Itomment^e in : uVf den 'Ausdruck des Jud eii & ene'ii, gibt Ion E>rä afe'Ueb^efeuhg AW^Örmitgf er iUit iÜßht ftusseH&ef)ll6h Ffeliäten^ttfe vefst^ht, wi6 Irieh

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