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Der Israelit · 1935-12-05 · Heft 49 (5.12.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 49 (5.12.1935)
Date
1935-12-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 49 Der Israelit 5, .Dezember 19535 Kleine Kehillah in dieser Zeit, Rieckele ist der gute Geist des Hauses. Seit zwei Generationen ein- und derselben Familie in Treue und Anhänglichkeit verbunden. Die streng-frommen Gebräuche sind ihr zur zweiten Natur geworden. Wahrlich die Hausfrau kann sich auf sie verlassen. Eine Selbstverständlichkeit, daß die Trennung von Fleischding und Milchding gewissenhaft eingehalten wird. Das ist das Mindeste. Sie würde auch kein Ei verwenden, ohne vorher mit jüdischer Assistenz nach Blutstropfen gefahndet zu haben. Kein Feuer zur Speisebereitung anzünden, ohne daß ein Bewohner des Hauses einen Span mit dazu beigesteuert hätte. Manche junge Frau könnte vom Riekele lernen, wie ein Haushalt streng rituell geführt werden muß. Und nun ist die Stunde der Trennung gekommen. Nicht wegen der neuen Bestimmungen. O nein, Riekele, die hohe Fünfzigerin, erzählt jedem, was für ein Glück sie habe: Gerade eben sei sie 45 geworden. Aber die Familie zieht hinauf nach Erez Isroel. Riekele wäre ums Leben gern mit. Aber sie hat noch eine hochbetagte Mutter, die sie nicht im Stich lassen darf. Den Scheidenden ist es Ehrensache, die .treue Seele vorher noch gut untergebracht zu wissen. Und sie finden für sie ein ruhiges Plätzchen. Ein kleiner Haushalt mit zwei .anspruchslosen Personen. Leider — das Kaschruth ist nicht ganz in Ordnung, Die Küche ist auf neu-koscher und noch mehr umgestellt. Und was tut Riekele, die 'ihr ganzes Leben in einer orthodoxen Familie verbracht hat? Sie schlägt die Stelle aus. „Ich kann doch dort nichts essen.'" «Jetzt führt sie einem älteren christlichen H«rrn den Haushalt. Der Jugendg'ttesdienst am Schabbos-Nachmittag ist für die Kleinen ein ständiger Quell reiner Freude und heller Begeisterung. Das liegt so recht ihrem vordrängenden Temperament, selbst mit tätig und nicht die ganze Zeit nur Publikum zu sein. Denn sagen wir es offen. Die Gesellschaft der Erwachsenen ist eine Qual. Die Großen sind doch ijetzt so überreizt. Sie können so gar nichts mehr ertragen. Und am meisten — so scheint es — fällt ihnen die ahnungslose Fröhlichkeit der Kleinen auf die Nerven, Nichts wie angefahren werden sie, sind sie wirklich einmal laut. Im Jugendg'ttesdienst aber sind sie unter sich. Da können sie den Ton angeben. Und der Lehrer ist klug genug, fast unsichtbar das Ganze zu leiten. Dieser Jugendg'ttesdienst hat bestimmt seine Besonderheiten. In manchem allerdings färbt das Vorbild der Großen ab. So zum Beispiel der brennende Ehrgeiz, der entbrennt, wenn 'die Mizwohs vergeben werden. Um die genau wie bei den Großen oft erbitterte Kämpfe sich abspielen. Bei aller Abgeschlossenheit, auch die Kleinen leben nicht in einem luftleeren Raum und die Zeit, die schlimme Zeit, drängt axtch in ihr« Vorstellungswelt hinein. Es wird ausgehoben von einem Achtjährigen, dessen Mutter unzweifelhaft Jüdin ist. Da drängt sich ein Gleichaltriger vor: Ich möchte die Thora herumtragen, Immerhin bin ich hundertprozentiger 'Nichtarier und du bist bloß ein halber Nichtarier." Seit geraumer Zeit weilt ein illustrer Gast in der Gemeinde. Bekannt und heimisch mehr allerdings in den Bezirken der schönen Künste und der weltlichen Wissenschaften. Dafür bis dato weniger zu Hause in der jüdische^ Geisteswelt. Und doch, kein eigentlicher „Märzgefallener". Immer schon liefen, wenn auch nur dünne, Fäden zur Ueberlieferung. Der Umsturz aber gab den endgültigen Anstoß, nun ernsthaft den Weg in die alte Heimat anzutreten. Die Atmosphäre des Dorfes hat es Ahm angetan. Hier auf der klassischen Stätte alter 'Tradition beginnt er langsam sich zurückzufinden. „Aber, glauben Sie ja nicht, daß das so leicht sei. Die Gespenster der Vergangenheit sind nicht so leicht abzuschütteln." Und er erzählt halb scherzend, halb bekümmert, wie es ihm unlängst ergangen. Freitag Abend ging er im strömenden Regen zur Schul. Mit aufgespanntem Schirm, versteht sich. Im G'tteshatis wird ihm sofort das Unpassende peinlich bewußt. Ef hat Taktgefühl genug, sich vor den anderen Betern irgendwie zu genieren. Und als der G'ttesdienst zu Ende, läßt er den Schirm in seiner Bank zurück und beginnt tapfer — es regnet immer noch--den ungeschützten Heimweg. Aber, er hat nicht damit gerechnet, daß et* eben doch noch nicht als voll angesehen wird. Atemlos rennt ihm der bestellte Lichterlöscher der* Synagoge n/ach. „Herr Professor, Sie haben ihren Schirm, vergessen!" „Was wollte ich machen" schloß der Gast »eine tragikomische Erzählung, „wohl oder übel mußte ich für diesmal trotz Schabbos und fehlendem Eruw den Schirm noch einmal tragen. Aber es war bestimmt das letzte Mal!" Dr. H. in G. Personalien, Ramburg, 1. Dez. Mit dem am vergangenen Freitag, den 19. Cheschwan, erfolgten plötzlichen Hinscheiden von Frau Henny W o 1 f f geb. Ettlinger- Halpern, hat unsere Gemeinde einen herben Verlust erlitten. Hervorgegangen aus einer 'dem Altonaer Gaon U3'i>öt39 apsr '-i nahe verwandten Karlsruher Patrizierfamilie, hatte die teure Verblichene das. große Glück, die Jahre der sorglosen Kindheit in einem harmonisch ausgeglichenen, frommen Elternhiause zu verbringen, in dem echt'jüdisches Pflichtenleben in peinlichster Gewissenhaftigkeit praktisch geführt wurde. Als ihre Eltern später den Wohnsitz nach Frankfurt a. M. verlegten, erwarb sie auf dem Lyzeum der dortigen Samson Raphael Hirsch-Schule auch das geistige Rüstzeug zu einer Lebensauffassung, die sie in der nimmer wankenden Treue zum Väterglauben und zu D»»3n rblöR nur noch mehr bestärkte. So mit den geistigen und seelischen Vorzügen echter Jüdischikeit ausgestattet, heiratete sie Albert Wolff, der als würdiger Sohn unseres unvergeßlichen Louis Wolff b"T ganz in die Fußtapfen dieses wackeren 'TW getreten war. Hier hatten sich zwei edle Menschen in überaus glücklicher Ehe zusammengefunden und ein wahrhaft jüdisches Haus erbaut, wo der aan vwn als Geistesfürst geschätzt und ebenso unbedingt verehrt wurde wie in den beiderseitigen Väterhäusern. Dort kannte man kein höheres Ideal als |33T Tpi» zu sein, als nach dem Beispiel von "DJ?»' j^laTi durch weitgreifende Unterstützung der nai1"? nun Anteil zu haben an deren geistigen Verdiensten. Aber auch in der opferfreudigen Hingabe des eigenen Selbst, wo es dem Wohlergehen von Mann, Kindern und Geschwistern galt, kannte Frau Henny Wolff keine Grenzen. Den., vorzeitigen Heimgang des über alles geliebten Lebensgefährten! hat sie nur schwer verwinden können. Das Ehrendenkmal, das die Hinterbliebenen ihren beiden, nunmehr in Edens seligen Gefilden wiedervereinten Eltern errichten, wird um so herrlicher erstrahlen, je ernster sie sich um die Erhaltung und Fortsetzung der von ihnen überkommenen, altbewährten, frommen Traditionen bemühen werden. .!7»3!Ufl Würzburg, 25. Nov. Am 1. Dezember vollendete Oberlehrer i. R., S. Freudenberger in körperlicher und geistiger Frische sein 7 0. Lebensjahr. Der Jubilar betreute während einer 45jährigen überaus •segensreichen Tätigkeit an öffentlichen Volksschulen die unterfränkischen Landgemeinden Burgsinn, Memelsdorf, Reckendorf, Maßbach und Thüngen. Durch sein bescheidenes, schlichtes Wesen, seine stete Hilfsbereitschaft gegen jedermainn, durch rastloses Streben in Schule und Gemeinde erfreute er sich allgemein hoher Wertschätzung. Nach seiner im Jahre 1930 erfolgten Versetzung in den Ruhestand siedelte er nach Würzburg über, wo er seiner tiefen Herzensfrömmigkeit folgend, in überaus eifriger Weise am religiösen Leben dieser altehrwürdigen n^np teilnimmt. Möge ihm und seiner gleichgesinnten Gattin 'im Kreise seiner Kinder und Enkel ein ruhiger Lebensabend vnny beschieden sein. Geroda (Ufr.j), 24. Nov. Im Alter von 71 Jahren ging Frau Sara Heß von uns. Sie war Vorbild der ganzen Gemeinde in ihrer Schlichtheit, tiefen Frömmigkeit und echt jüdischen Häuslichkeit, Anspruchslos und genügsam, war sie Anderen gegenüber stets opferbereit und überaus wohltätig. Viele und schwere Prüfungen waren ihr auferlegt, aber alle hatte sie, wie unsere Stammutter Sara, mit Heldenmut und Standihaftigkeit ertragen; nie kam ein lautsr Kl&f^&ton über ihre Lippen. Der Heimgang dieser überaus geachteten und liebevollen Frau bedeutet einen schweren Verlust für die Familie und für die Gemeinde, Möge ihr rvoT ihren 8 Kindern und uns allen beistehen. Breslau, 6. Nov. Die Breslauer religiöse Judenheit hat einen herben Verlust durch das Ableben von Frau Ruja Cohn geb. Itzkowski, der Witwe des unvergessenen Rabbiners Dr. John Cohn erlitten. Als Tochter des um die jüdisch-rabbinische Literatur hochverdienten Verlagsbuchdruckers H. Itzkowski b~2i in Berlin geboren, war sie im trauten, echt jüdischen Kreise der Begründer der Adaß Jisroel aufgewachsen. Sie hatte, früh der Mutter beraubt, dem väterlichen Hause und auch dem väterlichen Geschäfte schon in jungen Jahren opfervolle Dienste leisten müssen und war daher in ihren besten Jahren auch die geeignete, liebevoll sich opfernde Mutter der Kinder ihres Mannes. Mit ihm zusammen führte sie in Rawicz und später in Breslau ein Familienhaus, das dem Schülerkreise des Gatten eine zweite Heimat bedeutete und hatte wohilverdienten Anteil - an der Verehrung, die ihrem Gatten stetig wachsend und über den Tod hinaus zuteil würde. Noch deutlicher bekundete die große Beteiligung an ihrem letzten Wege 'die so allgemeine Beliebtheit und Hochachtung, d^ran sie sieh erfreute, und dies mag auch der erste Trost für die nun völlig verwaisten nahen und fernen Kinder und Schüler Dr. John Cohns gewesen sein, sowie für die jetzt allein verbliebene Tochter des Itzkowski'sohen Hauses. Ihnen allen stehe in diesen schweren Zeiten das maT der Dahingegangenen bei. -rraxan Die Frankfurter Wobhe. Anmeldungen, in der Samson Raphael Hirsch-Schule. Hierdurch wird mitgeteilt, daß die Anmeldung für die Samson Raphael Hirsoh-Söhule in der Zeit vom 9. bis 14. Dezember 1935 zwischen 11—12 Uhr im Sekretariat entgegengekommen wird. .Geburtsschein und Impfschein sind mitzubringen. . Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. .-''_ Am Freitag Abend, den-6, Dezember, 20.15 Uhr, sprechen im Hörsaal, Friedbengeranlage 5, Herr Redakteur S. S c h a c h n o w i t z : 1 „Ein Jude auf Wanderschaft" und Herr Albert Brinkmann: „Liebe zum Lande". — Veranstalter ist der Mekor Chajiim. Delegiertentaguing der Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland., Die Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland wird am' 29. und 30. Dezember in Frank» furt a. M. ihren Delegiertentag abhalten. Im Vordergrund sowohl der Referate, wie auch der Besprechungen werden Palästina- und Auswanderungsfragen stehen. Die führenden Persönlichkeiten, u. a. die Herren Dr, Isaac Breuer und Dr, S. Ehrmann werden über dieses Gebiet referieren. Der Noar Agudati wird durch einen seiner prominenten Vertreter über diejenigen chaluzischen Probleme sprechen, 'die im engsten Zusammenhang mit der Palästinäauswanderung stehen. Es wird fernerhin ein eingehender Bericht über den Keren Hajischuw und den Keren Hata,uro gegeben werden und der Vorsitzende der deutschen Landesorganisation, der Frankfurter Raw, wird über die spieaiell von ihm geschaffene Bewegung des Tora und Mussar sprechen. Einen weiteren erheblichen Raum innerhalb der Beratung wird die Frage der eigentlichen Organisationsarbeit einnehmen., wozu zunächst ein Mitglied ,des Vorörtsvorstandes ein Referat über den Sinn und das Gebiet der agudistischen Ortsgruppenarbeit halten wird. Die Berichte der einzelnen Delegierten der Ortsgruppen werden'dann reichen Beitrag zur anregenden Aussprache bieten. Der Abschluß der Tagung wird eine öffentliche Kundgebung der gesamten Orthodoxie bilden. Es ist zu hoffen, daß die Wochen bis zur Tagung in den Ortsgruppen benutzt werden, um sie intensiv mit all diesen Fragen zu beschäftigen, und daß die Tagung selbst dazu führt, daß eine Reaktivierung der Gruppen einsetzt und die in der Agudas Jisroel vereinigte Orthodoxie, so geschlossen sie in sich ist, bei allen noch fem Stehenden auf Verständnis nicht nur für ihre Belange stößt, sondern weit darüber hinausgehend erkennen läßt, daß Agudas Jisroel zu allen Fragen Stellung nimmt und . bereit ist, tätig an der Lösung dieser Fragen mitzuarbeiten. Es erscheint daher wünschenswert, daß der Delegiertentag, außer von den Delegierte«, .auch von vielen Gästen besucht wird. Die Rosenheim-Siedlung. Wie bereit® bekanntgegeben, soll jetzt der auf der Tagung der Westeuropäischen Landesorganisationen der Agudas Jisroel in Antwerpen, beschlossene Plan zur Errichtung einer Jacob Rosenheim- Siedlung in Erez Israel zur Ausführung gelangen. Die L ahd es o r g a nis a t i o n der Agudas Jisroel in Deutschland, die Palästina-Zentrale, der Noar Agudati, wie die Agüda<s Jisroel- Ju g e nd o rg ani s a ti o n Esra -Pirche Agudas Jisroel haben nun gemeinsam die Arbeit in ' Angriff genommen und versenden einen Aufruf, in dem es jedem Agudisten zur Ehrenpflicht ^gemacht wird, sich anläßlich der Verlegung des Wohnsitzes von Jacob Rosenheim über England nach Erez Israel seiner Verehrung für diese große Führerp ersönlichkeit durch eine Beteiligung an dem Siedlungswerk Ausdruck zu geben. Aus dem zustandekomm/enden Fonds soll ein für einen K & bb u z geeigneter Bodenkomplex in Erez Israel erworben und ausgebaut werden, der den Namen Jacob Rosenheims tragen wird. Für die Ansiedlung kommen zunächst junge Chaluzim in Betracht, die hier im Geiste der Thora für die Bodenarbeit ausgebildet wurden. Es darf erwartet werden, daß die Beteiligung und der Erfolg der Sammlung die Verwirklichung des Planes schon in absehbarer Zeit ermöglichen. Zuwendungen werden mit dem Vermerk „Jacob Rosenheim-Siedlung des Keren Hajischuw" auf das Postscheckkonto 53900 der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel Frankfurt a. M. erbeten. - Der Sijum-Hagodaul am Chanukah. Der diesjährige Sijum-Hagodaul findet «Gw.,- statt: nsun '3 .aw'V'p nac? >xxi». Samstag, den 21. Dezember, in der Aula der Samson Raphael-Hirisch-Sehtde, Am Tiergarten.' 8. Beginn des Sijums präzise 7 Uhr abends. Für den Hadron ist Herr Rabbinatsassessor Dr. M. Schlesinger gewonnen. Ji Einlaßkarten bei B. Raöhelsohn,, Sandweg 6 c erhältlich, v Die Intensivwoche der A. J.-Jugendgruppe. Man hatte der. fünften Abend in der Religiösen Intensivwoche reserviert für-die Besprechung, der die Jugend besonders• ikiteresstterendien Tagesfragen und erreichte auch, daß der Saal überfüllt war von jungen Menschen, die dien beiden Rednern aufmerk-

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