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Der Israelit · 1935-12-05 · Heft 49 (5.12.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 49 (5.12.1935)
Date
1935-12-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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5. Dezember 1935 Der Israelit Nr. 49 Seite 9 sofort in deutschen Familien beschäftigt werden können. Es war also eine der Hauptaufgaben der Tagung, nach Möglichkeiten der materiellen und weltanschaulichen Betreuung der betroffenen Volksgenossen zu suchen. Aus den Reihen der Tagungsteilnehmer wurde folgender Weg vorgeschlagen: Es geht unter keinen Umständen an, daß 'die Mädchen, die nicht sofort unterkommen können, lunlbetreut bleiben. Bei der Reichsanstalt muß .erwirkt werden, daß eine Erweribslosehbeiihilfe zur Verfügung (gestellt wird, die als Gesamtsumme zur Einrichtung von sogen an nien Auffanglagern Verwendung finden soll. Dieser Vorschlag wurde von allen Männern und Frauen, die an der Tagung teilnahmen, als beste und notwendigste Lösung der schwebenden Frage bezeichnet. Kundgebung des Verbandes polnischer Juden in Berlin. Berlin, 20. Nov. Der vor kurzem /gegründete Verband polnischer Juden veranstaltete in Berlin eine überaus stark besuchte erste Kundgebung, um die Ziele und Aufgaben des Verbandes der breiten Oeffemtlichkeit darzulegen. Es waren auch Vertreter des polnischen Generalkonsulats, befreundeter Organisationen und des Vorstandesi der Berliner Jüdischen Gemeinde anwesend. An den polnischen Staatspräsidenten Mosc i c k i wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt. Ueber die Lage der Juden in Polen, über die wachsende Verelendung breiter jüdischer Massen hielt Dr. Traub ein eindrucksvolles Referat, Die Ziele und Aufgaben des Verbandes legte Dr. M e i 11 i s dar, der nach Schilderung der Voraussetzungen, die zur Bildung des Verbandes geführt haben, dessen Programm darlegte und über die Londoner Konferenz der im Auslande lebenden polnischen Juden, 'die vor kurzem abgehalten worden ist, berichtete. Sein Bericht wurde von Herrn Kornfeld, dem Leiter der Versammlung, ergänzt, der seine Berliner Landsleute zu Mitarbeit und Förderung des Verbandes der polnischen Juden aufforderte. Arbeitstagung der jüdischen Darlehenskassen in Deutschland. Berlin, 27. Nov. Am 24. November fand in Berlin die erste Arbeitstagung der üdischen Darlehnskassen in Deutschland unter dem Vorsitz von Otto Eskeles statt. An der Tagung, die von der Zentralstelle für jüdische Darleihnskassen E. V. in Berlin für die ihr angeschlossenen Darlehnskassen durchgeführt wurde, haben etwa 50 Vertreter der jüdischen Darlehnskassen im Reich, namentlich der Bezirksdariehnskassen teilgenommen. Die Tagung galt der grundsätzlichen Behandlung aller Fragen der jüdischen KreditMlfe und dem Austausch von Erfahrungen aus der Darlehniskassenpraxas. Nach einleitenden Bemerkungen über die Bedeutung der Kredithilfe von Einberufern erstattet der Geschäftsführer der Zentralstelle, Dr. Paul Eppstein, einen Arbeitsbericht, in dem die Gegenwartsaufgaben der jüdischen Kredithilfe in .grundsätzlichem Zusammenhang behandelt und der Stand des jüdischen Darlehnskassenwesens m Deutschland (mit 35 Orts- und 24 Beizirksdarlehnskassen und einem bilanzierten Gesamtkapital von RM. 1.121.000}' dargestellt wurde. Der Aufbau und die tatkräftige Förderung der jüdischen Darlehnskassen in Deutschland ist vorwiegend der American Joint iReconstfuetiott Foundation und dem American Joint Distribution Committee zu Verdanken. S. Adler- Rudel wies auf das Verdienst und die Erfahrungen der American Joint Reconstruction Foundation beim Aufbau .der jüdischen Darlehnskassen in Ost- und Südost-Europa hin und stellte die Arbeit der Darlehnskassen in den Zuammenihang der gesamten jüdischen Sozialarbeit hinein. In vier Sachreferaten wurden die allgemeinen Arbeitsgebiete der jüdischen Darlehnskassen und die Fragen ihrer Praxis behandelt. Der Gründer der jüdischen Darlehnskassie Berlin, Wilhelm Marcus, unterstrich .die sozialen Aufgaben der jüdischen Kreditihilfe. Dr. W e i s s e n fo e r g , Breslau, behandelte den notwendigen Zusammenhang zwischen Kreditihilfe und Wirtschaftsberatung anband der in Breslau gesammelten Erfahrungen. Oberregierungsrat i. R. Dr. We i s m a n n , Karlsruhe, entwickelte Aufgaben und Probleme der- Ortsdarlehnskassen im Zusammenhang Die Woche, Berlin. Es sind Verhandlungen im Gange, die Habima aus Palästina für Gastspiele in Deutschland im Rahmen der Jüdischen Kulturbünde zu gewinnen. — Die Verbreitung des in Tel Awiw erscheinenden „Dawar", des Organs der Histadruth, itst im deutschen 'Reichsgebiet vom preußischen Innenminister bis auf weiteres verboten worden. — Der Reichsverband der jüdischen Kulturbünde umfaßt jetzt in 82 Städten 124 Kulturbünde. Außerdem sind ihm Orchester>v^eä»igUttgen, Musikverbände sowie mehrere künstlerische Privatunternehmen angeschlossen. Hamburg. Am Sonntag, den 1. Dezember, veranstaltete der Bund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Hamburg in Gemeinschaft mit der Sportgruppe „Schild" ein Eintopf-Essen zu Gunsten der jüdischen Winterhilfe, das einen guten Erfolg erbrachte. Warschau. Im Alter yon 64 Jahren verstarb der bekannte jüdische Anwalt Salomon E 11 i n ig e r , der ein direkter U' r e) n k e 1 d e s W i 1 n a e >r Gaion war. Ettinger betätigte sich verdienstvoll in verschiedenen Verwaltungen der jüdischen Gemeinde. — In der Sitzung des Rabbinerverbandes wurde festgestellt, daß zur Zeit 79 Gemeinden in Polen ohne Rabh i n e >r sind. Die Agudas Horabonim hat beschlossen, für .die Neubesetzung, der Rabbinate besorgt zu sein und finanzielle Quellen für Gemeinden, die nicht mehr imstande sind, ihren Rabbiner zu besolden, ausfindig zu machen. — Das Schnellgericht hat drei Nationaldemokraten wegen Teilnahme an judenfeindlichen Ausschreitungen zu je drei Wochen Gefängnis, verurteilt. — Durch eine neue Verordnung wurde die Ausgabe von Auslandspässen in Polen stark eingeschränkt, jedoch sind die Palästina -Auswaniidcre r von dieser Maßnahme glücklicherweise nicht betroffen. Wilna. Im Städtchen Olszani verheerte eine Brandikatastrophe annähernd 100 jüdische Häuser und machte ihre Bewohner obdächlos. Auch in Kolno richtete eine Brandkatastrophe großen Schaden an. Bukarest, Die Volksuniversität der Union rumänischer Juden eröffnete die Reihe ihrer diesjährigen Vortragsabende mit einer Veranstaltung am 30. .November, 'bei der nach einleitenden Worten des Präsidenten der Union Dr. W. Filderman, Oberrabbiner Senator Dr. J. Niemirower und der griechisch-orthodoxe Priester und Schriftsteller Gala Galaction, über das „Lied der Lieder" gesprochen haben. Angora. Eine Gruppe persischer Juden, denen es nicht .gelungen ist, nach Palästina einzuwandern, hat sich freiwillig zum Dienste in der a b e s s i n i s c ih e n Armee anwerben lassen. Jerusalem. Im Oktober erhielten neuerdings 40 jüdische Aerzte und ein arabischer Arzt die Erlaubnis zur Ausübung ihrer Praxis. Ferner wurden acht jüdische Apotheker, sieben jüdische Zahnärzte und zwei jüdische Hebammen zur Praxis zugelassen. — Aus Kabul wird telegraphiert, daß 50 jüdische Flüohtlingsfamilien aus Buchara, die sich bisher in Afghanistan aufgehalten haben, nunmehr die Reise nach Palästina antreten konnten. — Es wird berichtet, daß die Polizei im Distrikt von Nablus eine zweite arabische Terrorbande entdeckt hat. Verhaftungen wurden bisher nicht vorgenommen. — Nach einem Bericht der ITA. sind im November rund 4 5 0 0 Juden nach Palästina, abgewandert. Tel Awiw. Die ITA. berichtet über eine Unwetterkatastrophe, die die tiefer gelegenen Teile von Tel Awiw unter Wasser setzte, aber (Menschenleben nicht gefährdete. — In einer hier abgehaltenen Beratung wurde ein Programm für den demnächst nach Tel Awiw einzuberufenden Kongreß jüdischer Aerzte ausgearbeitet. New York. Der „Ort" eröffnete eine Aktion unter dem Namen „500 000 Driwe" für seine Produktivierungszwecke. mit' der wirtschaftlichen Struktur der jüdischen Bevölkerung und die sich daraus ergebenden Folgerungen für den wirtschaftlichen Verwendungszweck der Kredite, deren Laufzeit, Sicherung und deren Rückzahlungen. Ludwig Rosenthal, Schneidemühl, gab ein instruktives Bild von den besonderen Aufgaben der Bezirksdariehnskassen, die innerhalb eines größeren Gebietes besonders die Mitglieder von Kleingemeinden wirtschaftlich zu beraten und im Wege der Kredithilfe zu unterstützen haben. Um die Zusammenarbeit der Zentralstelle mit den einzelnen Kassen noch enger zu gestalten, wurde ein Beirat de r Zentralstelle gebildet. Grund- und Sondergebäudesteuer für Synagogen. Darmstadt, 27. Nov. In Nr. 18 des hessischen Regierungblattes vom 21. November wird ein vom Reichsstatthalter in Hessen als Führer der Landesregierung mit Zustimmung des Reichsministers der Finanzen beschlossenes Gesetz veröffentlicht, das die Grundsteuer und Sondergebäudesteuer von Grundstücken, die religiösen Zwecken dienen, betrifft. Die bisherige Befreiung von der Grundsteuer und Sondergebäudesteuer bei dem öffentlichen G'ttesdienst, der öffentlichen Totenbestattung, der Armen-, Kranken- und Waisenpflege dienendem Grundstück und Gebäude wird ab 1. April 1935 rückwirkend nur bei den christlichen Religionsgesellschaften ausgesprochen. Sonach wird in Hessen vom laufenden Jahre an Grund- und Sondergebäudesteuer bei Synagogen, jüdischen Friedhöfen, jüdischen Schulen und jüdischen Krankenhäusern erhoben, Freistaat Danzig. Ein Institut zur Förderung des Jüdischen Rechts in Danzig« Danzig, 21. Nov. Der jüdische Publizist Sami Glücksmann, Danzig eröffnet, wie .uns mitgeteilt wird, in Danzig ein Institut zur Förderung des jüdischen Rechtes unter der Bezeichnung Jus Judaicum, das all die Aufgaben erfüllen soll, die sowohl für die wissenschaftliche Bearbeitung, wie für die praktische Verwendung jüdischen Rechtes zu lösen sind. Die Tätigkeit des Instituts beginnt im Januar 1936 und erstreckt sich auf folgende Gebiete*. Verlagstätigkeit, Vortragstätigkeit, Gutachten, Richtigstellung von Angaben in Büchern und Zeitschriften, Verfahren von rabbinischen Schiedsgerichten. Oesterreich. Die Behandlung der jüdischen Aerzte in Oesterreich. Wien, 29. Nov. Unter Führung des Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Staatsrat Dr. Desider Friedmann, übergab eine Abordnung der jüdischen Aerzte Wiens dem Minister für soziale Wohlfahrt Dobretsberger ein Memorandum über die Zurücksetzung jüdischer Aerzte in staatlichen und städtischen Krankenhäusern und forderte, daß den staatstreuen jüdischen Aerzten die gleiche Behandlung wie den übrigen Standesgenossen zuteil werde. Minister Dobretsberger versicherte, daß er nicht Antisemit sei und keine Unterschiede auf Grund von Bekenntnis oder Abstammung mache. Er beurteile jedermann ausschließlich nach seinen sittlichen Qualitäten und seiner Eignung. Allerdings beschränkte sich der Minister auf diese allgemeine Erklärung des guten Willens gegenüber jedermann, ohne Zusagen betreffend die Forderungen der jüdischen Aerzte zu machen. „Rettung iür die jemenitischen Juden". Wien, 14. Nov. Das österreichische Komitee für die jemenitischen Juden gäbt eine Broschüre unter dem Titel „Rettung für die jemenitischen Juden" heraus. Ihr erster Teil wurde von einem ungenannt bleibenden Rabbi aus dem Jemen, der zweite Teil von dem Delegiertem der jemenitischen Juden, Abraham Levi,

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