Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1935)
- Date
- 1935-12-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2446951-2450858-2450905--81737-2539101- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i5. Dezember 1935 D I 1 i t Nr. 49 Seite 7 stellen zu können, 'inwiiewedti' dier MiisräChi, der sich Jähre lang bemühte, als Fraktion innerhalb: der zionistischen Organisation für den religiösen Aufbau einzutreten, hierin .Erfolg' hatte oder .:nicht. Wir möchten' daher n u r' m i s <t a -\ c h i's ti scbe Au t or i t ä"te:ns e iib s t sprechen lassen. Namens aller misrachistischen Frajktionen gab Herr Rabbiner Brodt auf der dritten Sitzung des:i ü i epü e!r Z i o n i s t e n - k o n g r e s s e s 1 935 1 folgend© Erklärung ab: "„•Mit Sorge betrachten: Wir den anarchischen religiösen» Zustand in- Erez Israel. Die iHeiligtüiiier des Volkes werden zerstört und entweiht in Stadt und Land, sowohl ini privaten Wirtschaften als auch auf nationalem Boden, Der Sabbat, das heiligste der Heiligtümer des jüdischen Volkes, wird in ersohrek kender Weise entweiht. Man läßtarbeiten an Sabbat; und F^ertagen>,'-äflj$ d^-*Baittxitoh&:beim Pflanzen, Ackern und Säen, in r-Hia5^ei'';'Uiid Industrie. Das Essen von trefenen Speisen' an öffentlichen Orten' wikd imimer.^ehrzu einer alltäglichen Erscheinung. >Die Zudhtlosigfceit in Erez Israel^ nimmt eräöhredkeind'e Föhaea an, dä er große Gefahr der -Zerstorumig der Religion, der- Entweihung der Thora. Israels droht unserem-Volke in'Erez J^raelj•■unserer Zukunft und Hoffnung. Früh undspat,zni ,all'en/Z&tejn fordern: wir vonder Zionis'tischen Orgähäsätiori, unter derenAjuifsikäht das religiöse Gebiet steht, emergisdhie Maßiniaiiimen, um daef religiöse Zügellosaglkeat^einEMizäimem. Leide*'haben unsere (berechtigten. Fordertunigen nicht den entsprechenden Wilderhall gefunden. Die religiösen Forderungen, >die dem. 18. Kongreß unterbreitet wurden^ wurden, nicht beachtet. Die Beschlüsse, die auf der Sitzung des A. Q. in Jerusalem im Jalhre 1934^ abgenommen und " iääe"'leierMcfi.«d' ^iärMS^i^^^ '• 'die" an' dieser Sitzung für Verbesserung der religiösen Verlhältnisse gegeben wurden, (blieben zu unserem Leidwesen lauf .dem Papier und wurden nicht verwiÄ dde Mjsm$hi- Fraktir^j'-daßr f$&sl i-splaM^ej ihi^en Foriderungeli; auf religiösen GöbietW nicht entsprechend Genüge getan wird, sich nicht vam Konigreß- .Präsidium foeteiligeaij ikeme' Delegierten in die Kongreßkommissionjen entsenden,- sich nicht an der .Komgreßdeibatte beteiligien wird." In der 15. iSitzumg ides Königresses wurde dann die- Bereitschaft des Misrachi, sich an den Verhandlungen -zu beteiligen, durch odie ■; Annahme folgender. Resolution^ erreicht: .1- ' : v ~; ..• irD>eari li9M-' -T^imtesü&aagrhß zHbestätigt; -die B esthlüsse•. des Zionistischen iAktionskomitees in seiner-; Sitzunig. in Jerusalem:);ini vorigen Jahreithinsiehtiiohrrider'!VerpiBehtun^ aanv'Sab»- bat und an-den jüdischen Feiertagen von jeder Arbeit im Bau und jeder' Betätigung im'Feld und Weingarten zu ruhen und sich jeder Arbeit in der Industrie und. dem Handel zu enthalten. Der Kongreß ■beauftragt 'die Zionistische •Exekutive, über die Verwirklichung dieser Beschlüsse mit ihren, gesejbzlichen Mitteln, innerhalb des Statute der Zionistischen . Organisation . und im Rahmen der: Beschlüsse- Ihrer Instanz en iiu^^aöheai."; ■ ^';. , .;; Herr Rabbiner Dr. Hoffmianin war dann der4 'jenige, der namens des Misraühr -sreffner"Freude und, Befriedigungv*<^r^ber^Au^ 'diese •V.er^iabamnig 'ziista'rBde feami'^ht'TOan'sröh' die Sache genauer an, so ergibt sich eigentlich nur folgendes: . . - Gegenüber der von Rabbiner Brodt namens des Misnachi .geübten, Kritik, die sich auf alle; St, J?- i :.-iiMif: --.SlMHl1'1:• ';'V ' -15* ixmuii*u:i*>i-;i<K$*. Gebiete des religiösen Lebens erstreckt und die' betont, daß die ^Beschlüsse und feierlichen Ver-i siaherungen, die früher;aiwf diesem Gebiete abgegeben wurderi, niemals in Kraft getreten' sind, wurde jetzt auf eih/em Gebiete, nämMdh dem der- Salbibatentweihiunigr eine erneute Versicherung gegebeai'. Imzwisoh^i hat sich herausgestellt, daß; leider ca. 2 Monate spater, naöhldeni 'di^äiJ'!Bie-^ Schluß gefaßt worden war, wieder ndt'Mit^elA''äes! Keren Haijessod auft Boden des Kcren Kä)jenieith| in Chedera öffentlich am1 Jörn Kippur Bauaribei- ''ten vorgeniommen wurdein, ohne daß irgendwie : ein offizieller Schrittn 'dagegen unternommen worden wäre. Wenn der: Misraohi, um nicht in den. Ruf zu kommen, separatistisch zu sein, sich 'schließlich mit' papiernen 'Versicherungen! begnügt und deren Inn/eihältiiii^ la'bwartet, so ist das begreiflich, denn sonst müßte er ja aus der Zionistischen Organisation^ welcher er seit 32 Jahren angehört, aü s t r et eh'. Wenn er alber verlangt, daß andere jüdische Menschen, die bis her weder der zionistischein Organisation noch dem Keren Hajessod anigöhörteni, mit derselben Vertrauensseligkeit in diese Organisation eint r e t e n , so ist dies schon weniger verständ lieh. Vorläufig hat sich ja an alldem, was Rabbiner Brodt namens des Misrachi in der dritten Sitzung des Zionisten-Konigfesses «dhilderte, ri i c h t s; aber a U c % g a r nichts geändert und es müßte Herr Dr. Hoffmiann wie der übrige- Misracshi sich ja iaußerördentlich freuen, wenn seine 'Forderungen iniierhalfe der zionistisdhen Orgäüisation und itinierhalb des Keren Hajessod gerade "dadurch * einen ganz besonderen Eindruck miacheil würden, wenn er darauf" hinweisen löannV-daß es nöchjeine gianz große achtunggebietende Gruppe jüdischer Menschen gibt, •'die darum dem K e r'e n H a j e s s o d ferne -bLe i b;e n>, ■Vt-teil. eJIS'e n d i e s e r e li g i ö -?s' ett Forde r ü n g e n bis z u' r S t u n d e u nberü'c k :s i b h t a g t Uli eh e n. Herr Df; Hoffmann feeruft sich aber auf das m i s r a c h is t i s c h e S c hi u 1 w e r k. Gewiß werden „nur" -h aller Kinder in Erez Jisroel areligiös oder antireligiös erzogen, alber auch die misrachistisdhen Schulen wenden von einer '^ewiiß dazu berufenen Autorität, nämlich Herrn Oberrabbiner Amiel in Antwerpen, der jetzt zum^- Ob r^aibb in er von Tel Ä wi w gewählt wurde, in §emem im Druck erschienenen r;; :, „Alst ich;, lu EreiziiJisr^el war, gaben, die (Leiter " def>f Jesphiwoth ihrier Verwunderuing darüber Ausdruck, daß ikeine Schüler der misraohistischen Schulen später in die Jeschiwoth eintrBten. loh halbe nooh leinei .viel schwerere Frage, denn es ist ja eine Tatsache, d a ß d i e;S öhu 1 en d e:s Misrachi üb e>r - h au p t k eine iMi«ra c h i s tie n e r z i e - h e Ii, daß.-; viielmeihr die aus den MisrachiiSohulen entlassenen jungen Menschen in alle mögKfchen Parteien hineingehen^ nurj jiicht in , dem .Misnachi. Daßisie in diel Aguida hineini gehen,, ist;gewiß. rdchtJ anizun^^ Auch hier liegt ein Zahlenmaterial vor?. Fast?;/s der Kin-!"der empfangen?'eine misrachföi^^e'tEr^elhiun'g, '' aber,r wieviele ' haben lbei: den ^Wählen zum Zionistenkongreß ndsrachistisch 'gewählt? Vijelleiöht sind die wirklichen Misrachisten gerade diejenigen, die keine misrachistischefn Schulen besucht halben. Die nusrachistisChe Schule iführt zu allen möglichen Ström-uuigen, nur nicht zu iderjenigen des Misraohi. Wir stehe« däihfer vor der bittren Frage: Wohin gehen wir, "' nachdem nunmehr 32 Jahre''nach der Grün-; Idiihg .des' Misraohi vergangen ^sind." (Seite :17 der?hebr. Ausgaibe;J' . -l\ 4;'Ek_\^üSrd;e in';'dd.eseiii(> Zus-afltfmCTftä:nig zu Wfeit nf|ihr^n, "(| i e-.XJ r ü n d e d a r z u s t e 11 .e, h., d i e -H e rr O b er ra ib b d n e r A m t e 1 angibt, warum logischerweise die misraohistischen Schulen ihre Z ö g1 im g e nicht für die ursprüngliche Idee des Misrachi gewinnen können, weil durchjdie, ziordstiSidhe Ideologie,,;a^mählich trotz des > 'religiösen Lehrstoffes der'ireligiöse. .SäkularisierunifspröKeß eintritt, Herr- Oberraibbiner Amiel ist ganz ariderer/ Ansicht Wie .Herr Dr. Hoffmann in Bezug auf die Einstellung ^es Misraohi zur Agiuda. Er bedauert es, „daß-es den- Ansöhein;^ halbe}.,.als ob es der HaMptzw'eök des MtsFaichi wäre,, die Aguda zu /bekämpfen'\ und■ meint (Seite1 32)v ' daß, ^wenn fes^-keine^^Agödai gäbe, der Masfachi1 eit^e solche "hatte sbhafifen müssen, damit er in seinem Kampfe gegen die Antireligiösen einen stärkeren Rückhalt habe. (Seite 42.) Wir ehalten es für überflüssig, diesen Zitaten aus dem Mund und der Fe der misrachi s t i s c,h er F ü h r e r noch ein .Wort hinzuzufügen, tun den Angriff des Herrn Rabbiner Dr. Hoff mann gegen den Keren Hajischuw näher zu charakterisieren. , IV, Herr Dr. Höffmann wendet sich aber vor allem geigen die verstärkte Werbearbeit der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in liberalen Kreisen mit Unterstützung des R. J. F., weil der Keren Hajischuw nur ein Aufbauinstrument der separatistisch orientierten orthodoxen 'Kreise sei. Herr Dr. Höffmann nimmt es wahrscheinlich dem Keren Hajischuw übel, daß die Monopolstellung die bisher der Misrachi hatte, mit liberalen Kreisen gemeinsam im Keren Hajessod zu arbeiten, nunmehr durch 'dieJ/ Aguida gefährdet sei. Wir wollen Herrn Dr. Hoffmann beruhigen. Nach wie vor bleibt die Monopolstellung, des Misrachi unberührt, denn es besteht izwfiischen seiner Zusammenarbeit mit liberalen Kreisen und derjenigen des Keren Ha$scbuw ein außerordentlich großer Unterschied. Das Budget des Keren Haijessofol umfaßt zur Zeit drei .Schuhwerke, ein antireligiöses., ein .areligiöses und ein religiöses, näimlich . das >der oben skizzierten Misrachischulen. Der Keren Hajessod gewährt den 45.000 Arbeitern der Histadnuth Unterstützung bis zur Stunde auch nocb:. für iSabbat-Entweihunig und ebenso auch den misraohistischen Arbeitern für ihre religiösen Siedlungen. Der Misrachi hat zwar für seinein Antrag, daß man den Sabbat nicht aus öffentlichen Mitteln des jüdischen Volkes entweihe, eine papierne Resolution erreicht, die hoffentlich mehr Wirklichkeit wird, als ihre Vorgänger. Er hat aber., — wofür uns das Verständnis fehlt — nichts .dagegen einzuwenden, daß 5,der größte Teil des Erziehungswerkes und der kulturellen Bestrebungen, die vom Keren Hajessod subventioniert werden, antireligiös ' sand, w e n n h u r auch für seine Schulen gesorgt isjt. Seine Zusammenarbeit;mit dem reih völkisch ohne religiösen 'Einschlag eingestellten Partner beruht, daher nicht einmal auf einem fifty fifty-Prinzip, sondern auf einem Prozentsatz, der noch viel kleiner ist. Der Keren 'Hajischuw hingegen verlangt, daß Alle 5.7 was aus seinen Mitteln bestritten wird, nicht im Gegensatz zu ijener Thora stehe, die ja audh für den Misrachisten veribindlich ist;: Ohne in die Gewissensfreiheit des Einzelnen ein z u g r ei f e h . erhebt der Keren Hajischuw "diese: Forderung f ü r d i e"Ö"e f f e n t l i c h k e i t ,ji.n:.d f ü rs äLg ö t£,eijr^.tli che n Mi 11 e 1. Ohne in religiösennDingen -mit der antireligiösen Histadruth züsaihmenzuarlbeiten, erklart sich der Keren HajisöhuUr bereit,; irit-religiös-neutralen Dingen, wie es e;twia die Angelegenheit des Legislative Council ist, eine gerifervsame jüdische Front zu bilden/ Man wird einen solchen Standpunkt wohl schwerlich mit dem diffamierenden Worte, separatistisch kennzeichnen können, man wird ihn höchstens u n ä b häng i j& nennen. Der Misraohi. ist im Keren .Hajessod a b h ä.n g i g von den Gegnern seiher Weltanschauung. Der Keren Hajischuw ist unabhängig und kann in aller Entschlußfreiheit abwägen, wo in allgemein jüdischem Interesse eine Zusammenarbeit am Platze ist. Man sollte glauben, daß eigentlich der Keren Hajischuw das Ideal auch eines jeden Misrachisten wäre und daßf wenn es ihm nicht gelungen ist, bisher dieses Ideal auch für den Keren Hajessod durchzusetzen, er sich immerhin freuen, müßte, wenn ein ernster Viersuch gewacht wird,'• möglichst viele Juden in Deutschland für den Keren Hajischuw zu gewinnen, denn s c h l'i e ß 1 i c'h. k'a nn e,s doch a u c h ha c h m i & ri c h i s t i s G<h.e r Ä.u f f a s s u n g k'e i n e Schädigung ides :, P a 1 ä s t i na,- Au f - baues bedeuten, wenn dieser auss; c h l i e ß 1 i C h sich' auf' r e l i g i ö s e r Gr und 1 ag e vollzieht. Daß es unter den