Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1935)
- Date
- 1935-12-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 49 D efr , I s r a e,l i t 5. Dezember 1935 "ina IlSSn riXI uns den tinversiegten und un versiegbaren Fluß der jüdischen Lehre, die un unterbrochene oind umuntedbreohbare Kette der jüdischen Tradition in Bildern, mit Worten, mit einer begnadeten Beredsamkeit aufzeigte, daß wir gebannt und gespannt lauschten,' wie wohl Vielen einzelne typische Ausdrüdke fremd waren. Da stand ein Mann, dem das, was er vortrug, aus tiefstem Innern zufloß. Er, der ^Litauer", der den Chassidismus, ja sogar Miussar als System und Methode ablehnte, war im Kern seiner Seele ein Chasside, ein Meister des Mussar, der allerdings weniger in 'aufwühlenden Worten, als Vielmehr in herrlich leuchtenden Gedanlcenperlen sich auf uns ergoß. Wir erinnern uns gerne einer späten Abendstunde in Kissingen, da etwa sieben Rabbinen, unter ihnen bekannte Größen des Ostens, im Hotel Ehrenreiclh, wo 'Rabbi Arjeh Leib viele Jahre Ehrengast und 'Hausfreund war, saßen und tiefe Thoragespräche führten.. Einer war dabei, der mit seinem Temperament die ganze Diskussion beherrschte und kauttn .elinen anderen zu Wort kommen ließ. Der „Wilkomirer" saß ganz zusammengekauert in seiner Ecke, nahm von Zeit zu Zeit eine Prise und schüttelte nur mit dem Kopf: Und als er sien zühi Schluß doch das Wort verschafft^, sprach; er nur einige Worte, führte j irgehdeinfe ganz entlegene Jeruschalmi- Steile an, die kuineni bekannt war, und damit war der ganzen langwierigen Auseinandersetzung einfach :aller Boden entzogen. „Warum habt Ihr es nicht gleich gesagt?" machte ihm der temperamentvolle Wortführer den Vorwurf. „Hot ihr mir gelost reden?" war' seine lakonische Antwort. "fS''' So war Rabbi Leib in seinem souveränen Böherrschen aller Teile des rabbiriischen Schrifttums, von den ältesten Werken bis zu den letzten, _ j, Und nicht zuletzt, lebt in unserer frischen Erinnerung jene Episode auf dem Kissinger jüdischen Friedhof auf, als. er vor der Bahre der Frau stand, in deren Haus er in all den Jahren schoh zu Lebzeiten ihres Mannes seine kurze Sommerresidenz hatte, und den damals .noch, jungen Kindern, die nun vater-.. und mutterlos dastanden, Worte desi, Trostes zusprachen sollte. Es schien damals vielen in der Gemeinde sehr gewagt, den russischen Rabbi in seiner Art und . in seiner Sprache vor einem Auditorium sprechen zu lassen, in dem., sich auch viele Nichtjuiden befanden. Und was erlehte mant Wie er da die wuchtigen Worte der Trauer und des . Trostes m-der.;in Litauen üblichen Melodie hinausweinte und hinaussang, wie er den Blick der Kinder und der ganzen Gemeinde suggestiv nach oben, zwang, wo t,doch ein Vater der Vater- und Mutterlosen thront", dla sah man einerg<oße. Gemeinde einfach, in. Jränen aufgelöst, es wein-, ten auch 'diejenigen,.Juden, -die kein Wort von diesem Dialekte verstanden, es weinten beinahe noch mehr auch Äe.fi)fichtjuden, die von einem Strome, der sibn^aus einer tiefen unbekannten Quelle losriß, sich e^aßt, aufgewühlt und erschüttelt fühlten. Bei der, Gelegenheit lernten wir den litauischen- Gaon auch als g'ttbegniadeten, herz-' bezwingenden M a g g,i d (kennen. In Kisisngen war er der intime Freund des heimgegangenen Raibibiner Dr.;Seckel B amb erger, b"ST' und er war, wie er Schreiber dieses einmal sagte, amigenehm überrascht, im Westen, im Herzen Deutschlands, einen Raw anzutreffen, der so mit vollem Herfen der HXTI mm ergeben war. Im Verhältnis .dieser /beiden M'änner zueinander, die sich „iim Leben liebten und. (nunmehr auch im Tode .vereint sind!', »ei^te; sich wieder einanal, daß es auf der großen .'Linie des Thoralebens widjdep Thorastudit^ms eigentliche Grenzen zwischen Ost und West gar nicht gibt- Man rühmte die warme, einfache Menschlichkeit dieses Rabbi, seime iBeseheddenhedt, seine stete Hilfsbereitschaft, seine schlichte- und doöh 1 .....- i hinreißende H nKT« Wenn wir? dn der Gebetversammlung nach ihm hinschauten, ihn beten Kör-' ten, so hatten wir die verkörpertetinJ'O vor. uns; schon der Anblick wirkte erzieherisch.' Er hatte eine einfache, bescheidene, schlichte Art, dieser Rabbi, die manchem zu einfach, au bescheiden schien. War man nicht der TtM rhinn* fragte man sich, etwas mehr schuldig? Er stand in der hintersten Ecke Am G'ttes- und LehrhauiS, er sprach mit den 'Menschen aus dem Volke ihre Sprache und suchte oft durah;. ein mildes Witzwort statt.; 'durah strenge Verwahrung, auf sie einzuwirken. Nicht alle verstanden diese bis zur. Serbstauf gäbe gehende Demut. Wer aber das Glück hatte, tiefer in seine Segle zu schauen, wußte, daß 'diese Demut nicht Schwäche und ZerknirsohjUnig war,, sondern produktiv und aufbauend wirkte. Rabbi Joohanan, Söhn Sakkats, der. große Thorafürst, läßt, da sein KÜnd örkrankt, einen weltentrückten Frommen für sein Kind beten, Cuänin'a ben Dosa. Auf die Vorhaltung seiner Frau, ob er wohl . jenem sollen- Rabbi mehr vertraue, als sich selbst,« antwortete Raibibi Joohanan: „Ich stehe wie/ein Fürst vor;; G!ft, er aiber ist der D iener G'ttes, und der täglich beim König verkehrende Diener findet eher sein Ohr als der Fürst." Der ,-,Wilkomirier" fühlte sich in der Rolle eines DTpan 'JB^ THT'War alleizeit G'ttes bescheidener und treder,Diener und häitte keinen anderen Wunsch -als von denen , er 'keine einzige verloren gab,■ ih den Bann des G'ttdienens zu ziehien. Es giibt'rauch, andereitWege, dies zn erreichen, er aber wählte seiner; ganzen Natur nach den W e g.i n s V o 1 k. Er ging mit dem. Volke' und. sprach fseine Sprache und erreichte .damit, manofees,,. was Andere auf anderem Wege erreichten. Hatte, sich Abraham Jbis zur Erde und Asche .erniedrigt; "»DJKl "isy, so zahlte es G'tt seinen Kindern mit der Erde der;S at a und der. Asche der P ar a Ad uinxa :(MidraschJ.. /Aus der Bjescheddenheit und; .-tiefen •Demut, upserjes.. .Arjeh: Leib er- Sprossen uod erispriießen R ei n heilt, H e i 1 i gk e i t und Frieden — für 'die 'die Institution von Sota und Para Symbol sind, — für Generationen. •ä'iin.<mk„iwaw-iian-wito \v inwt Ist der Keren Hajisclww eine ■:r JU- Im- Interesse der; gescMdhlMcihen Währjheit hatten wir festgestellt, daß seit dem Jahre 1907 die „Freie . Vereinigung für* 'die InterJessen. des orthodoxem. Judentums" als Vorläuferin der A|gudas Jisroel sich; mit der religiösen Aufbauiarfoeit in Erez: Jisroel beschäftigte. Im Jaihre 1921 wurde von > *der; Aguidas^. Jiisroiel der * Keren" Hajisohuw gegründet',.-daran /.das Schulwerki> wesentlich err weiteri1 imd-jschließlidh eineHagudistische Aphei? tcrorgandsation gescihaffen. Ul i. : kk D,as bisher Gesaigte genügt,- 'um den Wahrheitsgehalt der von Herra Raibbineir Dr. (tioffmann aufgestellten These ..zu beleuchten', >i,daß die separatistisch, orientierte Orthodoxie erst in der letzten0Zejit:,.'>jP.alästinia entdeckt habe.;" Herr Dr.^^ Hoffmann / hat daitur weäteirhätni; auf den M i ssr a c.'h i hinigewieseri', i idesseji»^religiöse Schulen, wie die übrigen. Schulen Palästinas^ vom Kerem;; Hartessöd", gefördert werdeii «ndL-Vs. aller :;jüidischeejiKiinder iRalästimias. umfassehl:iEs vjfce< uns mffiglicherweise 'die 0;bjektivitätr:; usmnifesttänzohen" auch in der iurigariischeri ' G'eschibht« gab'. Er zitiert als Beweis idde'ieitgenössisbhie BefiGh^hiing äienr Hochzeit vom <i»briel -Bethleai"-mit :-Katäialin von Brandenburg, des Fürsten von Siebenbürgen. Mio Jahre 1626. Nach dem Bräutigam ^anizie der Gesandte des römischen Kaisers mit der Braut, und zwar, da er ein geistMciheir Herr war, aiuf foteeaude Weis«: Die Spitze eines sohönen Sacktuches hielt der igeistKche Herr in der Hand, die andere die Braut und io tanzten sie. ... Bücherbesprechungen. Die Geheimnisse der Schöpfung, Ein Kapitel aus dem Sohar. Von G. Sc'hoi.em. Bücherei, des Schocken Verlages. Nr. 40. Der wärt liehen Uebeffisetzjuiig und Amalinse des Schöpfungskapitels aus dem Sohar läßt G. Soholem in dieser Neuerscheinung einige .Untersuchungen über geschiohtliohe Stellung, literarischen Charakter, sowie über Entstehung und Autorschaft des Sohar vorausgehen. Er setzt damit, die Reibe isein^r Forschungen über den Sohar fort und 'korrigiert seine früheren Ergebnisse insofern, als er gegenüber seinen Ausführungen über „Kabbaia" in der Encyclüpaedia Jiudaioa (IX, 654) nunmehir die Autorschaft des Mosche de Leofl glaubt als möglich oder waihrschoinlich annehmen zu können. Es ist nicht nur die aus der hisitorisch-philologi-" sehen Bibelkritik uns bekannte Fragwürdigkeit sol-> eher Hypothesen, die. uns den Wert derartiger Untersuchungen recht problematisch erscheinen läßt,' vielmehr drängt sich uns 'die Ueberaeuigung. auf, ,4aß' die . gesamte Methode der Behandlung, die an dem Muster der Bibelkritik orientiert äst, dem Gegenstand in keiner Weise igerecht zu werden yennag. Wir halten es z. B. füir a'u^^eihloisi&en., iöjal3 sieh irgend jemand aus dein Kapitel' „Die zehn SeEiroth imd ihre Symbolik" auch hur entfernt eine Vorstellung von Wesen und Bedeutung der Sefirotlh au bilden in der Lage ist. Es sagt den Sohar-Kennjern «ben so weinig wie den Unkmiidigen,,'die hi'er in eine total unverständlich magische Welt eingeführt werden,. so daß sie sich fragen müssen, wie es idiönn: möglich ist, daß ein so : unverstänidliches 1 oder lächerlich kindisches Buch innerhalb eines so ^nüchterndenkenden Volkes jwie das jüdische eine solch .un^tipießlißh« .^whani erzielen konnte. "Gerade 'diesie Wirkung $bt 'dem Sor ,har <im gleichen Sinne wie der Bibel iseine einzige; Beglaubigung,.und.sie weriden wie in der Yerganigen-| heit so auch in der Zukunft in. unerreachbaiieirj .Er-! haibenheit über 'alle Kritiksucht,1 über-' j^h'-Ws^üi 'sShäftllchen Zweifel unid -Beidenkeii ihsbi Winkiunig^ vollbringen als höhere Faktoren von unschätzbarem gemednschaftbildendem Werte. Was uns nottut, ist nicht die kritische Forschung über den Sohar, sondern das Begreifen und Verstehendernien seines Inhalts.! - , . , ,;• - < m .{Mt> Arbeit und''Handwerk im Talmüdr' Vöii' feeligmann ciMey eff. ' Mit einem .Gele&wo-'ri?aföniiOberrab-, jjbinjer Dr.- ^a r 1 e ib%;ia cih , Altona und-, Wilhelm i . Marou«^,. dem Vprsaitzeniden..des' Zenitralver-' bändes jüdischer 'Handwerker, Berlin. Hä mb u r g; i 9 3 5. ,;L a u h hü 11 e " - V e r l ä g s-,;j . GmbH., 46 Seiten.' :lc2. Auflaige:. ' -J^' In einer iZeit; wo 'dier" Judeä•'-«tärßiip' deäk■ kh.;'den, letzten' Jahrzehnten s^ch,{/vvieder^^mänue^llett^JBer^ zuwenden, wird :.auch das InteresSef; stäfrker für :,d;e| friihere, handwerkliche -Betätigung jc|er».Juid.en. .Es,, jtatf darum, der V.Laübihütte"^Verlags" GmbH. (äu dankSh,5 daß sie die . vor 57 Jahren zum er^jten Maie erschienene Arbeit ihres Bi©grjmd«.rs. heute neu herausgeig'eben hat. An Hand des Talmuds wird gezeigt, welcher; Wertschätzung sich <die: manuelle Arbeit im'' Judeinturn erfreute, 'das sie sogar über kaufmännische Betätigung stellte. Das reiche tmd. gründliche Wiis&eni des Verfaiaaers nicht nur de« T-alm^ds, ««nd^irti ^uch der für .diesen benötigten Vergleichsliteratur läßt das ' Büchleih zar' einier Fuindgrubie'* für jeden "werden, der siehinib er i'die Stellung und Bewetritiuing von Arbeit und .Haöjdwerk - im italmudischesn: Judentum:. tmiernebten will. Man wird auf^dieses^ jBudh. noch,oft und-gern zurückgreifen. '' Dr.'A, ff!?r Diie Jüdische WinterliUfe braucht Dich! Wochenkalender. Von. 7, - 14, Dezember 1935 / Vom 11. - 18, Kislew 5696 - ..*-•'; i Samstag 7 11 $1*;^na sab nn->- . -RS"»!- Sonntag 8 12 . Montag 9 13 mp-. '}" ' - Dienstag.. . 10 14 -•' . . - :■ ■ ■ Mittwoch Dez. 11 ^D?, 15 nuf; Donnerstag!2 i; : 16 M?p. > ^iV: ■;; •.; Freitag » 13 1? i'.*' .';,i'M;; Sanistag, , : V 14 ■;«■. i'ö <! RJ?,n j . nVw'i }> - ■•■ üi"? r ■ 'Ü 't'. r)t. J.