Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 16/17 D Israelit 17. April 1935 Analyse des Moreh Nebuchim vom G'ttesbegriff aus." Von Fritz Bamberg er. Es ist eine .Spezialarbeit, die sich auf das eine Buch des. Maimonides beschränkt, und in diesem eben nur auf den G ' 11 e sb-e griff im Zentrum des Werkes. Es werden behandelt die Attributenlehre, die Kosmologie, das Zweckproblem, Vorsehung und Prophetie. Das Buch ist mit tiefer Sachkenntnis geschrieben. Sehr lesenswert sind besonders in dieser Abhandlung die Stellen, in denen all das aufgezeigt wird, was Maimonides mit Aristoteles zusammenführt und ihn wiederum vom griechischen Philosophen wegführt. Freilich kann man diese Grenze im Moreh Nebuchim selbst noch schärfer und deutlicher erkennen. Einen Sonderkatalog über Werke des Maimonides — den ersten dieser Art — bringt, das bekannte Antiquariat Louis La mm in Amsterdam zum Maimonides-Gedenktag. Der Katalog enthält eine große Anzahl — darunter viele seltene — Bücher von und über Maimonides, und ist ein Zeugnis für die Leistungsfähigkeit des Lamm'schen Antiquariats. Auch der dem Katalog beigefügte Anhang über Kabbala ist außergewöhnlich umfangreich und interessant. •wbv ^n'*n^niw'n»3n noo ' Von Rabbiner Dr. Hermann Klein. Be.rlin. Selbstverlag. ' In diesen Tagen ist der dritte Band des Werkes erschienen, das unter vorstehendem Namen sieh bereits durch seine beiden ersten Bände Eingang in die jüdischen Herzen und Häuser verschafft hat. Das Buch hält, was sein Name verspricht: es vermittelt uns Weisheit, die aus dem alten Erbe — und nur aus ihm — geschöpft wurde! Predigten wirken auf den Zuhörer in der Regel nicht nur durch das Was ihres Inhalts, sondern auch durch das Wie des Vortrags: beides zusammen stellt die Beziehung zwischen dem Redner und seinem Hö rerkreis her. Nur ganz selten vermag eine niederge schriebene Predigt das volle Interesse des Lesers zu finden. Die in diesem Buch niedergelegten Gedanken sind 50 geistvoll, die Sprache, in die sie gekleidet sind ist ein solch herzgewinnendes Hebräisch, daß man beim Lesen dieser Darbietungen vergißt, daß es sich um — „Predigten" handelt. Wer aber den Verfasser kennt, weiß, daß er auch auf der Kanzel nicht „predigt"; es ist ma« in des Wortes tiefstem Sinn, in schönster Vollendung, Homiletik, die alles Gekünstelte haßt und eine ganz neuartige und originelle Deutung als Selbstverständ lichkeit hinzustellen weiß. Und so wird dies Buch in seinem ersten Teil dem, der für r\w\H die an die Werke der klassischen Meister dieser Gattung erin nern, Verständnis und Sinn hat, einen erlesenen Ge nuß bereiten. In dem zweiten Teil — den rna^n 'cnn — sind zwei Gutachten des berühmten Kownoer Raw, Rabbi Zwi Hirsch Rabbinowitz abgedruckt, die der gefeierte Gaon vor dreißig Jahren dem jungen Kollegen erstattete, ferner eigene o'smn zu verschiedenen mnio sowie aus dem Nachlaß des vor einigen Jahren auf der Höhe des Lebens verstorbenen Bruders des Verfassers, Oberrabbiner Akiwa Klein, Eisenstadt V'st einige D'emn. zusammengefaßt unter dem Titel:!82vy miri jiNn Zwischen beiden Teilen steht eine Abhandlung des Verfassers: "ps -|-n ay min« pya» die dies Problem in Kürze, aber dennoch in gründlicher Weise behandelt und den Standpunkt des Verfassers, daß Hirschs Stellungnahme als eine mini" ns-nn anzusehen sei, begründet. Hirschs großes in unserer Zeit so bitterwahres Wort: „als Juden wollen wir sie lesen" zitiert der Verfasser nicht nur in der Einleitung; es'schwebt auch unsichtbar über allen Ausführungen des Verfassers. Auch in diesem Sinn wird das Buch seinem Titel gerecht: seine „Weisheit" dient der Vertiefung des stolzen „Familienerbes", das Samson Raphael Hirsch in verschwenderischer Fülle den Seinen — und uns allen — hinterlassen hat. W. S. J. , iso bxw psn rmni •wann p rvoin •nnayn nnson imnaa *rrp mpa .p'BBH p.»fco *in'fl»a Haifa. Selbstverlag. P. O. B. 756. Das mit dem sympathischen Bild des Verfassers geschmückte Buch, das sich selbst schon auf dem Titel als „einzig in seiner Art" bezeichnet, unternimmt in einem eleganten, leichtflüssigen Hebräisch den Versuch, den äußersten religiösen Radikalismus der Haskala mit der eifervollen Frömmigkeit des alten Jischuw praktisch zU versöhnen zum Besten gemeinsamen Wirkens für den Aufbau Erez Isroels. Der Verfasser selbst tritt, -nachdem die Parteivertreter ihre Plädoyers vorgetragen haben, als Vermittler und Schiedsrichter auf, indem er — trotz unleugbarer Vorliebe für den Konservativismus — j e d e r S e i t e ihre besonderen Sünden und Einseitigkeiten vorhält und sie zurgegenseitigen Duldung, zur Mäßigung und Annäherung der Standpunkte überredet. Das sind natürlich Traum- und Wunschbilder, deren Realisierung erst dann möglich wäre, wenn es in der Welt keine ernsthaften religiösen Ueberzeugungen und keinen Kampf um die Wahrheit — so wie sie jeder versteht — auf Leben und Tod gäbe. Der eigentliche Wert des Buches aber, dergar nicht hoch genug einzuschätzen ist, liegt in der Behandlung der Araber-Frage, die. der Verfasser auf Grund reicher Erfahrungen mit bemerkenswertem Mute und einem zur Tat drängenden Optimismus anfaßt. Wir empfehlen diesen Teil des Buches allen jüdischen Politikern — Zionisten wie Agudisten — zur aufmerksamen Lektüre; sie können daraus manche wertvolle Anregung schöpfen, die im politischen Tägesgeschrei leider sonst nie v e r n o m m e n wird. - —von Hebräisch-deutsches Wörterbuch. Von Dr. David Cassel. Breslau. 1934. Verlag von Heinrich Handel. 12. Auflage. " Preis Mk. 7.20. - Die Tatsache, daß von Cassels Wörterbuch bereits die 12. Auflage «vorliegt, spricht besser als alle kritische Betrachtung für den praktischen Wert des älteingeführten Buches. Es enthält alles, was von einem guten Schul- und Studiumlexikon zu verlangen ist, während alles nur für den Gelehrten bestimmte Material sprachwissenschaftlicher Art mit Bedacht weggelassen ist. Auf 360 Seiten Großoktav zeugt es von der gewissenhaften Gründlichkeit seines Verfassers. Das Buch ist, wie wir schon früher einmal hervorhoben, zugleich ein Stückchen Konkordanz, da für jede Bedeutung eine Reihe von Belegstellen aufgeführt werden. Nr. 15. . Botschaft. 12 Geschichten von -Ludwig Straus. . Nr. 16. Von den Juden Jemens. Eine Anthologie. Gesammelt und übersetzt und herausgegeben von S. D. F. G 6 i t e i n. Nr. 17. Die Stimme spricht, Gedichte von Karl Wolf skehl. Nr. 18. Geschichtenbuch aus dem jüdisch-deutschen Maasebuch. Ausgewählt und übertragen von Ludwig Straus, Nr. 19. Vor dem Gesetz und andere Skizzein. Von Franz Kafka. Nr. 20. Der Nächste. Vier Abhandlungen über das Verhalten von Mensch zu Mensch nach der Lehre des Judentums. Von Hermann Cohen. Nr. 21. Des Baalschem-tows Unterweisung vom Umgang mit G'tt. Von Martin Buber, Nr. 22. Die Josefslegende in aquarellierten Zeichnungen eines unbekannten russischen Juden in der Biedermeierzeit. Nr. 23. Reite Pomeranzen. Ostjüdische Schwanke und Erzählungen. Gesammelt von Emanuel Olswange r. Die Bücherei des. Schocken-Verlages, die es jetzt schon zu 23 Bändchen gebracht hat, darf jedenfalls das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, das sie es versteht, vieles und daher jedem etwas zu bringen und daß sie ihren Erscheinungen ein außerordentlich einnehmendes schmuckes, äußeres Gewand verleiht. Sonst ist natürlich, .wenn man einen strengen kritischen Maßstab anlegen will, die Konsequenz dieser Fülle, daß nicht alles auf der gleichen Höhe innerer Gediegenheit steht. Wertvoll ist die Neuherausgabe der feinen, nachdenklichen Abhandlungen Hermann Cohens über die Nächstenliebe und Martin Bubers Wiedergabe der Gedanken des Baalschemtow über den Umfang mit G'tt. Um so schmerzlicher ist es, wenn man gleich hinter einer Nummer, wie dieser, als gläubiger Jude plötzlich den Schock erleiden muß, die biblische Tradition von der Geschichte Josefs als „Legende" hingestellt zu sehen, eine ganz unnötige Provokation des orthodoxen Judentums. Auch die jüdische Kunst hätte sicherlich' nicht notgelitten, wenn gerade dieses Bändchen mit seinen fragwürdigen Aquarellzeichnungen unveröffentlicht geblieben wäre. Auf alle Fälle darf man sich freuen, daß das mutig angepackte Unternehmen guten Erfolg zu haben scheint und man darf ihm weitere reichliche Fortsetzung wünschen. Twelf Jews. Edited bei HektorBolitho. London, 193 4. Rieh and Cowan Ltd. Der Verfasser versichert in der Einleitung, daß sein Buch lange vor der politischen Umwälzung in Deutschland geschrieben ist und daher in voller Objektivität aus dem englischen Gesichtswinkel "heraus die hervorragenden Leistungen der jüdischen Rasse für die Kultürentwicklung und den Fortschritt der europäisch-amerikanischen Menschheit zur Darstellung bringt. Die bedeutendsten und auch außerhalb England bekanntesten Persönlichkeiten, denen es gewidmet ist, sind Disraeli, Paul Ehrlich, Sigmund Freud, Luzzatti, Ludwig Mond (Melchett) Walter Rathenau, Max. Reinhard, Trotzki und Chajim Weizmann, Man wird sicherlich verschiedener Meinung darüber sein können, ob eine Persönlichkeit wie Trotzki.es verdient, überhaupt als Jude angesprochen und in. seinen'. etwaigen Leistungen dem Judentum gutgeschrieben zu werden. Der Verfasser hebt denn auch hervor, daß Trotzki für den orthodoxen Juden ein .Apostat ist, der mit dem Glauben seiner Väter niemals etwas; zuv tun hatte. Auch iin nationalen Sinne will Trotzki vom Judentum nicht das Geringste wissen.;, Et -!- gehört eben so wenig in eine Galeriejüdischer '■■ Berühmt>- heiten, wie sein geistiger Nährvater Karl Ittarx. Da: wird man selbstan einem dem Judentum; ebenfalls: ganz entfremdeten Mann, wie Walter Rathenau, immerhin wenistens eher poch seelische Züge entdecken, können, die ihren jüdischen Ursprung nicht verleugnen können; Nicht der Fall ist dies , jedoch: wieder bei, Freud, wenn man nicht seine antitheistische Ein-? Stellung als eine psychologische Reaktionserscheinung auf die G'ttverb.undenheit des jüdischen Sämmes, also, im Grund als etwas Pathologisches ansehen will/,;,Unter den Berühmtheiten sind übrigens auch 'solche, auf.die diese Bezeichnung an und für sich kaum zutrifft. So z, B. Lord Bearsted (Marcus Samuel), oder Jacob Epstein. Immerhin ein interessantes Büch, dasheute nicht unzeitgemäß ist. ' . Z. Racine, poete biblique, par Dr. J e c h i e 1 L i c h t e nstein. Paris. Librairie Lipschutz, 4, place de l'odeon. Mir erzählte einst ein katholischer Universitätsprofessor für Literatur „Wissen Sie, wie es kam, daß ich eine Jüdin heiratete: es war der Chor in. Racine's- Esther, der es mir angetan. Als ich diese Stellen las, da war es für mich ausgemacht, ich müsse eine Töchr ter des Bibelvolkes zur Frau nehmen." Wie konnte der Nichtjude Racine,'der große französische Dichter ohne Kenntnis des Hebräischen den^ Sinn und den Geist der Bibel so trefflich darstellen,, daß man bei vielen Stellen schier meinen näöchte, -es habe ihm bei-jeder Zeile ein Rabbiner zur Seite gestanden? Weil er eben ein g'ttlicher Dichter war, dessen- Genie den wahren Sinn heraiiszuahnen vermochte, oder wie Lichtenstein es so schön ausdrückt „die Seele Racine's. verstandden „Geist de^s wahren Textes;_ zu erfassen, den der Dichter selbst gar nicht kannte."" Daß der Einfluß der unsterblichen Stücke eines solch großen Dichters auf seine Zeitgenossen und auf die Nachwelt sehr groß war, ist leicht verständlich. Erst durch Racine erkennt man um vieles klarer auch die große Welt, die Schönheit der biblischen Poesie, Dr. Jechiel Lichtenstein hat es in seiner These. „Racine, poete biblique", meisterhaft verstanden, uns- Raeine als den Dichter der biblischen Poesie darzustellen. Ueber hundert einschlägige jüdische und nichtjüdische Autoren mußten durchstudiert werden, um das Material zu liefern, aus t dem. Dr. Lichtenstein uns seinen Racine interpretierte. Tiefe Gedanken über jüdische und christliche Moral, über hebräische und jüdisch-französische Poesie, Geschichte der französischen und der hebräischen Literatur, der- Rhythmik, religiösen Lyrik u, a. m. werden zitiert und in meisterhafter Weise verwertet, um zumal dem. Problem der Vorsehung in der französischen Tragödie gerecht zu werden. Es ist naturgemäß, daß ein großer Teil des Lichtenstein'schen Buches sich..mit Esther und Athalie beschäftigt, den beiden Schöpfungen Racine's, die par excellence die biblische Poesie zum Ausdruck brin, gen. Es ist bekannt, daß Mme, de Maintenon Racine bat, religiöse Theaterstücke zu verfassen, die von den jungen Offizierstöchtern aufgeführt werden könnten. Darum sollte nicht mehr die Liebe Motiv des Stückes sein. So verfaßte Racine Esther und Athalie, in denen der Glaube als die Quelle des Glücks auf Erden den Sieg über den Unglauben davonträgt.-— Auch wo Racine den Judenfeind von dem „abscheulichen Volke und der verhaßten Rasse" sprechen läßt, . sind es einzig und allein religiöse und poetische Gefühle, die Racine leiten. Auf all die Vermutungen, wie wohl die Stücke geworden wären, wenn Racine: gar die hebräische Sprache verstanden hätte — ob noch textge.treuer oder bewußt noch mehr verschieden -— können wir uns in dieser Besprechung nicht einlassen. Wir wissen, er hat das Hebräische' nicht verstanden, aber den tiefen, Sinn des Textes so herrlich wiedergegeben, daß wir nur tiefste Bewunderung dafür bezeugen können, Racine hat, was Verständnis für die Poesie der Bibel anbetrifft, für-seine'Zeit und für alle Zeiten wohltätigen Einfluß ausgeübt. Es kann nur gewünscht werden, daß die geistreiche von großem Fleiß zeugende Studie; Lichtensteins recht viele Leser finde. Dieselben werden nicht nur den Wert der: Werke des Dichters noch besser begreifen, sondern auch durch die richtige Würdigung des Dichters sich an der Poesie der Bibel noch mehr begeistern als dies schon ohnehin geschah, . _ Dr. M. A. Kain und Abel in der deutschen Literatur. Inauguralr Dissertation von Jakob R o t h s c h i 1 d. W ü r z b ü r g. .19 3 3. H a n de. Isdrucker ei. 152 S. Mehr als andere stoffgeschichtliche Untersuchungen ■ vermag die Betrachtung biblischer. Gestalten und Erzählungen in ihren Wandlungen auf ihren Wegen durch die Weltliteratur Beiträge zur Geistesgeschichte zu liefern." Die Auseinandersetzung, mit dem Stofferlebnis der Bibel bedeutet zugleich eine solche mit der religiösen Weltanschauung, besonders wenn essich .um einen Stoff wie „Kain und Abel" handelt, der bedeutende: Probleme in sich birgt. Mit meisterhafter Beherrschung der" Materie macht der Verfasser, von Bibel und Midrasch ausgehend, mit den Kain- und Abeldärstellungen der^mittelalterlichen Epen und geistlichen Dramen bekannt und zeigt ihre