Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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Jüdische Jugend des Von Abraham Wolf in Berlin. .. Die Menschen des jüdischen Jugendbundes 1,Werkleute" stammen aus den Kreisen des ganz und gar assimilierten Bürgertums. Das Europa, an das sich diese Kreise assimiliert hatten, war in seiner Ueberkultur um eine feste Weltanschauung, um eine eigene „Lebensmitte" gekommen. Die Jugend erhoffte nun von ihrem Judentum Antwort auf die Frage nach der Lefoensmitte. Sie rjesann sich auf ihr Volkstum und lehnte einen unnatiönalen Utiivefsalismus init Entschiedenheit ab; Sie suchte „Anschluß an die jüdische 'Geschichte". Eine Synthese von Rationalismus und Irrationalismus, wie man sie durch Buber angebahnt, sieht, soll erstrebt, erkämpft werden. Der Weg zum Gehält der jüdischen Geschichte führt über das „Lernen", vor allem das Lernen der Bibel, dann weiterhin auch der späteren jüdischen Geschichte. Man öffnet die Bibel mit der Ueberzeugung, daß sie'Verbindliches, Unmittelbares jedem Einzelnen sagt— wenn man sich nur ihrem Ruf aufschließt. Im Mittelpunkt der Bibel steht stets das Geistige, sie -fordert dauernde Bereitschaft, ist voll ewiger Jugendlichkeit, sie verweist den Menschen auf seine Kreatürlichkeit und vernichtet jeden stolzen Individualismus. Braucht man für sein Menschentum das Volk, besäßen das Menschliche und Jüdische im Tiefsten das Gleiche, so ist Palästina der Ort . der Zukunft der . Judenheit und Chaluziuth der Weg der Verwirklichung der eigenen Idee. . Mit, diesen Sätzen soll der Gedanke des Büchleins „Werkleute"*) angedeutet sein. Dies Büchlein ist der .Niederschlag „einer Rückkehr ver^. sprerigter Söhne zü ihrem Volk." Dieses Büchlein, ist edelstes Produkt eines geistigen Weges im 20. Jahrhundert. Hier spricht ein Jugendkreis, dein esüin das Geistige ganz und gar ernst ist, ✓■der Einsatz^ das Geistige, besitzt. Hier spricht ein Jugendführer; der in seiner. Persönlichkeit die hohe Geschichte eines Jugendbuödes, äärstellt. Iiier Spricht ein — Alfred Roden.. Wäre Herrn. Gersbn Seelenfreünd raid Bernheim begegnet, vielleicht'.hätte er den Weg zur Thor^a gefunden — Gerson,begegnete aber Martin Bnb er, und über ihn: %m, er nicht hinaus. Die P'lnkweiäe des 20. JShrhündeirts erkennt äjäch ,Ue|)ejcraiionäIes, ^ol^af^4s;<(Jie''' erhält aber den. Üngläüijen, die Kriti^:ies,i9. JährhünA dirts aüffecKt; Sö Süchte scfiöh-Franz Ro&enä|ÄÄ ■&r,^üätf:mM$ä unä - Bibel ttl & JafifKün: ^*i^ierm. Gersoii, W liri i935. , h .. 20. Jahrhunderts. dert denkt historisch, die Bibel aber überhistorisch, ja prinzipiell. Wer die Mitte der Bibel nicht findet, kann aus ihr auch nicht eine „Lebensmitte" gewinnen. Der Revisionismus mag nur die Außenseite der Schäle des Judentums erkennen, aber auch die „Werkleute" finden nur deren Innenseite, aber nicht die Frucht. In der Mitte der Bibel steht nicht das „Religiöse", nicht das „G'ttliche", sondern Haschern. So bleiben die Versuche, zwischen der Bibel und ihrer Kritik Frieden zu stiften, in tragischem Irrtum stecken. Auch die Wissenschaft, die Mutter der Kritik, braucht von ihrem eigenen Standpunkte aus den Bibelglauben — zumindest als Korrektiv. Die große wissenschaftliche Erkenntnis der deutschen Orthodoxie blieb den Werkleuten — im Unterschiede zu Rosenzweig — unbekannt. Hoffmann hat die Erkenntnis gewonnen und ver-~ wirklicht, daß die Bibelkritik nicht glaubensfreier ist als die Orthodoxie. Die Bibelkritik bestreitet nicht bloß die Wirklichkeit des Geschehens am Sinai, sondern auch dessen Möglichkeit. Das ist aber unwissenschaftlich. Von Hirsch, von Hoffmann, von Breuer, von Rosenheims Rosenzweig-Kritik, die Rosenzweig selbst als wertvoll bezeichnet hat, hat aber Gerson_ keine Kenntnis genommen, Sonst würde er' nicht längst widerlegte Einwände gegen die Orthodoxie bringen. Der tiefste Punkt des Gegensatzes von Werkleuten und Orthodoxie ist jedoch m. - W. noch nirgends behandelt worden: Die historische Relativierung aller Weltanschauung in der Gegenwart steht dem absoluten Wahrheitsanspruch; der Thora geegnüber. Die Entwicklung der „Werkleute'' war eine durchaus organische, von ihrer Situation ausgehend. Wenn es aber eine absolute Wahrheit gibt, so gibt es keine Gäräntie/daß sie je erreicht wirch „Unser Leben ist uns nur einmal gegeben." Aus diesem richtigen Ansätzpunkt ergibt sich aber die^ Notwendigkeit der^Süiaioffenbaruhg. Denn sonst kann dieses .emmäUge Leben umsonst, sinnlos gelebt werden. Die Aüsgängserkenntnis müßte also zum Sinai führen. :Mv&ie „ darum wirklich. . das Organische, . Wahrhafte, der Entwicklung hingeopfert;W^rden? Nein! Nur die ^Richtung würäe geändirij man' mjüßte vom Ziel| zurti Anfangj, zur Situationyzurvuck^iäden'. .JD^e-^SltöStion wäre ..dann nicht mehr iVtaß derR V^elt^^c^auütt^„ lind d.as Judentum; bloß . mitbestimmend,;; v sondern Mk; Thora lelBlt wurde tfie i^ittg*' liefern? tffe Mittel HeJ;TgSa\ würfe di« ^eti,^nd Situation; würäg, .d&kuä^4^P^^^aii^..im Hirschis'chen Wortsihn. Darin wäre .das , „Lernen" llein j enttienleneif Mhl3hpe&nt verwendeter Terminus mehr, dann wäre nicht mehr bloß die Schale der Bibel, sondern die Frucht selbst Lerninhalt und die Jeschiwah der Lernort. Der ethische Gehalt des Büchleins „Werkleute" ist das Wertvollste daran, das Gedankliche ist fast gänzlich an Buber und der Kulturkritik orientiert. Die Werkleute haben ihren Weg gradlinig fortgesetzt — der Esra dagegen hat gar zu viele seiner erfahrenen Führer ins Ausland wandern sehen und besitzt keinen Herrn. Gerson. Die Erkenntnis des Bildungsproblems ist vielleicht im Esra reifer, das Problem der körperlichen Arbeit befindet sich interessanter Weise in beiden Kreisen im gleichen Stadium. Der Esra hat letztlich vielleicht — dank den Jeschiwoth — doch eine ebenso tiefe Erneuerung seiner Weltanschauung erreicht: Weltanschauung im strengen Wortsinn genommen. Es ist Aufgabe der agudistischen Jugend, ihren Besitz zu erkämpfen und vorzuweisen, es ist Aufgabe der „Werkleute", den Weg zur Thora zu finden. Bücherbesprechungen. Neue Maimonidesliteratur. Im Schocken -Verlag erschienen dieser Tage mehrere beachtenswerte Bücher über oder aus Maimonides, die in handlicher Form und gemeinverständlicher Fassung viel zur Popularisierung des Meisters und seiner Lehre beitragen werden. Nahum Norbert G 1 a t z e r nennt sein Werk „Rabbi Mos che ben Maimon. Ein systematischer Querschnitt durch sein Werk." Ein Geleitwort gibt eine kurze schlichte Biographie von Maimonides, unter Berücksichtigung der Hauptstationen seines Lebens. Die Auszüge aus den Werken Rambams sind nicht chronologisch, sondern nach inneren Zusammenhängen geordnet. Abschnitte aus Mischneh Thora, Moreh. Nebuchim, Mischna-Kommentar reihen sich an einem Faden, den sich Glatzer für diesen Zweck zurechtgelegt hat. Die Angaben über Gedanken aus Rambam sind für Kenner der Materie nicht neu, aber die Disposition hat ihr Eigenes, und so wird das Buch seinen Platz in der Bücherei des Bücherfreundes finden. Eine etwas schwerere Aufgabe stellte sich Alexander Altmann mit seinem Buche „Des Rabbi Mose he b.e n M a i mvo n M o r e h Nebuchi m". Ueber., Inhalt und Wesen des. Moreh Nebuchim ist zu viel gesagt, und geschrieben worden, als daß man hier in eine Kritik des Inhalts eingehen müßte. Die Lektüre; der Tibbpn'schen Üebersetzüng ist mühsam, zuweilen, ein Gestrüpp, aus deia. man schwer herauskommt, . und, gewiß, . wären., es nicht zuletzt die Unebenheiten der hebräischen Ueb^rtragung, die später zu geh .fielen Mißyerstähdfiissen und Mißdeutungen gerade dieses .Maunon^ haben. Mäh wird;- dem^Auio* und dein.,Verlag dankbar sein, daß. sie.,nyt diesem pr.iind r.iß üns. den Weg zum .Moreh ebnen.. Ma^n, cjarl sich.tticjit 4$£&i*i .beschränken, äb£r al§ .Einmhrung isjt .äieses Büch ..sehr zti,;begrüßeä. Nl^h ^e^türe.;; ^^er.v.^^c^l^]^.icn'^ .HaniL vjtegkz nommehen-^usw.ahl^ Kabitel im Mo^eK,;^ebi|chim^ ^i^elnen iii ihrem Zusammenhang viel Verständlicher, . :::ßÜs ä^t^es,^h&bätahhic% reiehiuns der>Schöckep- Verläg ,;Däs System des M äimönid es. Eine