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Der Israelit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
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17. April 193S Der Israelit Nr. 16/17 Seite 17 dische Jugend fast ausschließlich als Arbeitsstätten in Betracht kommen. Der Bericht behandelt sodann den Ausbau des jüdischen Schulwerks in Deutschland und die Leistung des Kulturbundes deutscher Juden in künstlerischer und sozialer Hinsicht. Was die Frage der Seßhaftmachung der Ausgewanderten betrifft, so müßten die Anstrengungen auf diesem Gebiet fortgesetzt werden,; da Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit viele Länder davon abgehalten haben, Ausgewanderten dauernde Niederlassung zu gewähren. Dieselben Ursachen waren es auch, die' es bewirkten, daß die Arbeit des Oberkommissariats, außer von jüdischer Seite, nur geringe finanzielle Unterstützung fand. Berücksichtigung der Palastina-Wirtschaft in den Handelsverträgen. London, 10. April. Im Unterhause fragte am 10. April der Abgeordnete Captain Strickland den Minister für die Kolonien, ob er Verhandlungen über den Abschluß von Handelsverträgen zwischen Palästina und einer Reihe von Ländern ins Auge fassen wolle, die große Warenmengen nach Palästina exportieren, aber nur eine ganz geringfügige Menge palästinensischer Produkte beziehen. Kolonienminister Sir Philipp Cunliffe -Lister antwortete: „Jawohl. Die Bedürfnisse Palästinas werden auch in Zukunft wie bisher sorgsamste .Beachtung finden. Ich glaube, daß in der Praxis die am meisten zufriedenstellenden Ergebnisse im Zuge der vom Vereinigten Königreich aufgenommenen Verhandlungen über Handelsverträge erzielt werden dürften." In derselben Sitzung fragte der Abgeordnete Rankin den Kolonienminister, ob er seine Aufmerksamkeit darauf gelenkt habe, daß der japanische Import in die Mandatsgebiete Tanganjika und Palästina i. J. 1934 gegenüber 1933 stark zugenommen hat, während der Export aus diesen Gebieten nach Japan unerheblich war, und ob Maßnahmen getroffen werden würden, um diese ungünstige Handelsbilanz zu ändern. Der Minister bejahte den ersten Teil der Frage und erklärte, die ganze Angelegenheit, mit der juristische und allgemeine Fragen verknüpft seien, werde zurzeit geprüft. Palästina. Zehn Jahre Hebräische Universität. Jerusalem, 12. April. Die Hebräische Universität verbindet die Feier ihres zehnjährigen Bestehens mit dem achthundertjährigen Rambamjubiläum in der Weise, daß sie in einem Aufruf die Errichtung eines Institutes für Rambamforschung an der Universität ankündigt. Im übrigen hat der Universitätskanzler Dr. M a g n e s eine Art „Fünfjahresplan" für den Ausbau der Universität aufgestellt. Es sollen in den nächsten fünf Jahren errichtet werden: 1. Ein Institut für Pädagogik; 2. ein Institut für Gesellschaftswissenschaft; 3. ein medizinisches Zntrum (in Zusammenarbeit mit der Hadassah); 4. ein Institut für Agrarwissenschaft (in Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Veruchsstation); 5. ein Institut für Geometrie (in Zusammenarbeit mit dem Technikum); 6. Ergänzungskurse für Inhaber ausländischer akademischer Diplome; 7. eine Lehrkanzel für öffentliche Verwaltung; 8. ein Verlagsinstitut und 9. eine jüdische Akademie. Aus dem agudistischen Leben Erez Jisroels. Jerusalem, 7. April. Zu Beginn voriger Woche reiste die Agudo-Delegation nach Machane Jisroel, um den Stand der dortigen Siedlungsarbeiten zu besichtigen. Man begab sich dann nach Haifa,' Tiberias, Petach Tikwah und den in der Nähe liegenden Kolonien. Ueberall fanden Aussprachen mit den führenden Persönlichkeiten statt und im Anschluß daran auch größere und kleinere öffentliche Versammlungen. Am Donnerstag Abend fand dann, wie bereits kurz berichtet, in den Räumen der Jeschiwath Mea Sheärim eine große ö f fentlicheVolksyersa mm hingin J e r u s a'lem statt, 'die! eme^/ünge-' heuren Zulauf hatte: Außer den Führern der Agudas Die Woche. Frankfurt a. M. Wie das „Frankfurter Volksblatt" meldet, hat '■ Gauleiter Julius Streicher in Frankfurt a. M. eine Geschäftsstelle des Kampfblattes »Der Stürmer" errichtet. Frankfurt sei die erste Stadt neben Nürnberg, die eine solche Geschäftsstelle erhalte.- Berlin. Im Kopfe der „C. V.-Zeitung" ist die Zeile „Blätter für Deutschtum und Judentum" fortan gestrichen. Wie das Blatt mitteilt, bezeichnet es sich jetzt auf Grund einer Anordnung des Präsidenten der Reichsschrifttumskammer vom 11. Oktober 1934 und eines Schreibens der gleichen Stelle vom 7. Januar ds. Js. nur noch als „C. V.-Zeitung, Allgemeine Zeitung des Judentums". — Auf einjähriges Bestehen sehen die Palästina*-Nachrichten, Zeitschrift für Wirtschaftsentwicklung im vorderen Orient (Verlag Ernst Köstenbaum, Berlin), zurück. Die objektiven, unpolitischen Informationsberichte des Blattes ergeben ein wahrheitsgetreues Bild über die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Aussichten Palästinas. München. Der Reichssender München gibt bekannt, daß er außer den Hörern, die einen Geburtstag über 90 Jahre oder die „diamantene Hochzeit" feiern, auch solchen gratulieren werde, in deren Ehe das zehnte Kind geboren wird. Das soll aber, wie die ITA. berichtet, nur bei Eltern arischer Abstammung geschehen. Warschau. In den Zentralrat des Verbandes der Stadtgemeinden Polens wurden auch zwei Juden, Stadtrat B r e g m a n , für die Warschauer Stadtverwaltung und Dr. A. Rotfeld für den Lemberger Gemeinderat gewählt. — Die Stadtgemeinde Warschau hat den jüdischen Bürger Joseph Maier Titelman, der der Stadt kostenlos ein wertvolles Grundstück überlassen hat, um die Durchführung einer wichtigen Straßenregulierung zu ermöglichen, in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Titelman ist erst der dritte Bürger Warschaus, dem diese hohe Ehre zuteil wird. Bukarest. Wegen der fortdauernden antisemitischen Ausschreitungen wurde die Bukarester Universität jetzt schon bis nach den Osterferien geschlossen. Dublin. Die Regierung von Irland hat die Einfuhr von Mazzoth für Pessach von dem sonst für Backwaren üblichen Zoll gänzlich befreit. Jerusalem. Die Samarit a n e r in Nablus, die, wie alljährlich, auch dieses Jahr (am 17. April) ihr traditionelles „Passahopfer" auf dem Berge Gerisim darbringen, haben sich mit einer Tel Awiwer Rundfunkgesellschaft in Verbindung gesetzt, um die Rundfunkübertragung der Zeremonie zu ermöglichen. Also auch die Samaritaner modernisieren sich! — Am 9. April wurde in Tiberias der Grundstein zu einer neuen Synagoge und J e - s c h i w a neben dem Grabmal Maimoni d e s ' gelegt. Bekanntlich wird zur Zeit in Palästina ein Maimonides-Monat abgehalten, dessen Höhepunkt eine Wallfahrt zum Grabe des Rambam in Tiberias am 22. April bilden wird. — Die englischen Truppenabteilungen in Palästina sollen in diesem Jahre bis auf 1960 Mann verstärkt werden. Die Angehörigen der in Palästina garnisonierten Luftstreitkräfte sind in dieser Zahl; nicht inbegriffen. — Der bis Ende Februar ' 1935 von der Palästina-Regierung erzielte Verwaltungsüberschuß wird offiziell mit 4,494.433 Pfund angegeben. Der Geldumlauf (Banknoten und Hartgeld) betrug Ende März 5,326.228 Pfund. — In H a r t i e h fand am 9. April die Pflanzung der ersten Bäume für den König Alexander-Wald, der zur Erinnerung an den in Marseille ermordeten König Alexander von Jugoslavien angelegt wird, statt. Entsprechend der Zahl der jüdischen Stämme wurden durch den High Commissioner von Palästina Sir Arthur Wauchope ,12 Bäume gepflanzt. Newyork. Ünter außerordentlich' starker Beteiligung der politischen und publizistischen Kreise Newyorks wurden am 12. April der Herausgeber der „New York Times" und Mitdirektors der „Associeted Press" Adolph S. Ochs auf dem Friedhof Temple Israel in Mount Hope Newyork beigesetzt. Der Präsident Roosevett schickte einen Vertreter mit herrlichem Blumengewinde. mauvmmium, :J.• t;...-.. ■- Jisroel und den Leitern der meisten orthodoxen Institutionen Jerusalems, Rabbinen und Thoralehrern, Pressevertretern hatte sich eine den Saal überfüllende Volksmenge aus allen Kreisen eingefunden. Nach Eröffnung der Versammlung durch Rabbiner Jonathan Horovicz erstattete Rabbiner S a 1man Sorotzkin, der Luzker Raw, das erste Referat. Er zeichnete in erschütternder Darstellung die verzweifelte Lage der jüdischen Massen in der Diaspora. Man könne heute wohl sagen, daß es keine jüdische Seele in der Gola gibt, die sich nicht aus vollem Herzen nach Erez .Jisroel sehnt und wenn man hierher kommt, erlebt man dann die furchtbare Enttäuschung, daß in geistiger Hinsicht das alte Judentum in eine Defensivstellung hineingedrängt worden ist und der Strom der zionistischen Leugnung das ganze Land überflutet. Die Orthodoxie aber, statt mit vereinten Kräften auf den Plan zu treten, ist zerpalten und zersplittert und ihre einzelnen Gruppen verstehen einander nicht. Ein Netz von apikorsischen Schulen überzieht das Land und entwurzelt die Jugend aus dem Boden der alten Tradition, während die Talmud Thora-Schulen und Jeschiwos sich mehr und mehr leeren Die große Forderung, die Agudas Jisroel zu erheben hat, ist die Sammlung aller wahrhaft Gesetzestreuen zu einem einheitlichen großen Blocke, der durch das Band der Bruderliebe von innen, zusammengehalten ist. Nach der Rede des Luzker Raw, die einen erschütternden Eindruck machte, ergriff der Führer der Delegation, Herr J. M. L e w i n , das Wort. Er ging im einzelnen auf die agudistischen Anliegen ein und gab seinem Schmerze darüber Ausdruck, daß' die Agudas Jisroel in Erez Jisroel noch lange nicht alle die Kreise umfasse, die innerlich zu ihr gehörten. Hierin eine Aenderung eintreten zu lassen und die Pforten der Agudas Jisroel weit zu öffnen, damit jeder, der es mit Thora und G'ttesfurcht ehrlich meine, darin seinen Platz finde, sei das Hauptziel der Delegation. Zur Vertetung der Welt-Agudo sei eine Agentur geschaffen worden, die zwar in engster Zusammenarbeit mit der Landesorganisation, aber nach den Instruktionen des Waad hapoel der Welt-Agudo dessen Aufträge vollstreckt. Eine Reorganisation der Landes-Agudo werde die Heranziehung der noch Außenstehenden zum Ziele haben. Trotz der inneren Gesinnungsgemeinschaft seien die Grenzen zwischen dem Waad hair Aschkenasi und der Agudas Jisroel klar zu ziehen. A. S. Friedmann, Warschau entwickelte die Grundgedanken der agudistischen Ideologie und rechnete scharf mit der beliebten, aber falschen und verderbenbringenden „Neutralität" ab, die nur für das eigene Seelenheil sorgt und die Gesamtheit im Stiche läßt. In einer temperamentvollen Schlußrede vertrat Rabbi Mosche Blau den Standpunkt der palästinensischen Agudo-Leitung. Wenn die Agudas Jisroel in Erez Jisroel, wie man gewiß wahrheitsgemäß zugeben müsse, lange nicht alle diejenigen Kreise umfaßt, die innerlich zu ihr gehören, so ist daran lediglich die mangelnde materielle Unterstützung schuld, die die Agudo bei der Welt-Agudo fand. Die Zionisten schicken jährlich Lst. 40.000 zur Unterhaltung ihres Schulwerks nach dem heiligen Lande. Hätte die Orthodoxie der Welt mit ähnlichen materiellen Mitteln den verzweifelten Ringkampf der Erez Jisroel-Orthodoxie für G'tt und seine Thora unterstützt, so würde es um die zahlenmäßige Größe des agudistischen Kreises im heiligen Lande anders bestellt sein. Das Geheimnis des Erfolges liege in der praktischen Arbeit und praktische Arbeit läßt sich ohne materielle Mittel nicht durchführen. Er hege die Zuversicht, daß ein Führer von dem Zuschnitt des Herrn J. M. Lewin sein Versprechen, das er auf diesem Gebiete gegeben habe, wahrmachen, und die Arbeit der palästinensischen Agudo durch die gesamte Gola nach anderen Maßstäben künftig unterstützt werde, als es bisher der Fall war. Am Freitag fand ein Empfang der Delegation bei dem stellvertretenden Obersekretär, Herrn Nurok, statt, wobei es sich in der Hauptsache um die Frage der Zertifikate für Jeschiwo-Hörer handelte. Als Mitglieder der Agentur der Welt-Agudo in Jerusalem sind, vorbehaltlich der Zustimmung des Geschäftsausschusses, in Aussicht genommen die Herren Rabbi Mosche Blau, Advokat Dr. A. B u x -

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