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Der Israelit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 Nr. 16/17 Oer Israelit 17. April 1935 genüber habe. Die Lehrer, denen durch Erlaß des Reichserziehungsministers die Beschäftigung mit bevölkerungs- und rassepolitischen Fragen im Unterricht ausdrücklich vorgeschrieben sei, hätten das Problem keineswegs von seiner wissenschaftlichen Seite her aufzuwerfen, sondern von der staatspolitisch-weltanschaulichen Seite her. Man müsse die Nation wieder lehren, schicksalhaft zu leben, d. h. nach den großen Gesetzen einer g'ttlichen Ordnung des Lebens. Indem der Nationalsozialismus die Demut der Menschen vor den g'ttlichen Naturgesetzen wieder herstelle, leiste er zugleich auch eine zutiefst religiöse Aufgabe. Wer daher gegen ein Wollen und Wirken auf diesen Gebieten sei, sei auch gegen eine wahrhafte Religiosität und echte Frömmigkeit. Zur Frage der Rassenmischung führte der Redner aus, daß die Geschichte des deutschen Volkes dazu geführt habe, daß es heute ein rassengemischtes Volk darstelle. Man habe dafür zu sorgen, daß diese rassenmäßige Zusammensetzung erhalten bleibe, wobei man sich mit aller Kraft dagegen wehren müsse, daß fremdes Blut in dieses Volk hineingetragen werde. Die Deutschen selbst aber müßten sich dagegen wenden, wenn ein Deutscher auf Grund der äußeren Erscheinung eines anderen Deutschen auch seinen inneren Wert oder Unwert beurteilen wolle. Rasse, Weltanschauung und Erziehung. Nürnberg, 10. April. Gauleiter Julius Streicher sprach auf der Ostertagung des NS-Lehrerbundes Gau Franken in Nürnberg, wobei er nach dem Bericht der „Fränkischen Tageszeitung" auch auf die Judenfrage einging. „Eines können und müssen wir vom Juden lernen," sagte u. a. Gauleiter Streicher, „das Leben nach den Gesetzen des Blutes. Die jüdische Rasse ist ein Mischmasch aus den verschiedenartigsten Rassen der Erde. Wie ist es möglich, daß sich bis auf den heutigen Tag durch die Jahrtausende hindurch der Jude in seiner Verstreuung über die Welt rein erhalten hat und diese ungeheure Macht über die Völker der Erde ausübt. Die Antwort liegt in den Blutgesetzen, nach denen der Jude überall lebt. Als die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten, brachten sie Frauen und Kinder des anderen Volkes mit sich. Der Jude Esra erkannte die Gefahr. Er erreichte die Ausweisung aller Fremdblütigen und seit dieser Zeit hat der Jude seine Mischrasse rein erhalten und ihr dadurch diese ungeheure Geschlossenheit gegeben, die sie all die Jahrtausende überdauern ließ. Der Jude kannte das Geheimnis des Blutes und zur Sicherung seiner Herrschaft über die hochwertigen Völker leugnete er vor den anderen gutgläubigen Menschen dieses Geheimnis. Seinen höchsten Triumph erlebte der Jude mit dem Sieg des Liberalismus. Alle Menschen sind gleich und alle Rassen sollen sich untereinander vermischen. Er predigte diesen Schwindel den anderen, um selbst stets streng nach den Blutgestzen des Talmuds zu leben. Heute haben wir Nationalsozialisten diesen jüdischen Betrug erkannt. Wir kämpfen gegen den Rassentod unseres Volkes und auch aller hochwertigen Völker der Erde. Wir leben in einer großen Zeit, in einer Zeit der Weltenwende . . ." Schweiz. Semesterschluß in der Jeschiwoh Montreux. Montreux, 14. April. In harmonischer Synthese von Thora und Mussar, von Lehre und Ermahnung hat das 16. Semester der Jschiwoh in Montreux am Donnerstag, den 28. März, sein Ende gefunden. Zum Schlußfeste hat die Leitung der Jeschiwoh ihre Bachurim geladen und in Anwesenheit von Gästen und Freunden gab der Rosch Jeschiwoh, Rabbi Elijahu Botschko, einen Ueberblick über das abgelaufene Semester, das er mit seiner hinreißenden Beredsamkeit als ein besonders erfolgreiches hervorhob, wobei er seinen Dank all denen aussprach, die es materiell ermöglicht haben, daß die Jeschiwoh in dieser überaus schweren und kritischen Zeit ihrem Programm gemäß lehren und wirken konnte. Anschließend fand dann das Schluß-Bankett statt, wobei mehrere Schüler im Namen ihrer Lerngruppen Ansprachen hielten und ihren Dank an die Leitung der Jeschiwoh und an die Dozenten in stolzer Befriedigung über das in diesem S'man Erlernte ausdrückten. Auch die Dozenten der Jeschiwoh, Herr Fenster aus Kowno und Herr Cohn aus Hamburg ergriffen das Wort zu herzlichen Abschiedsgrüßen. In freudigem Beisammensein sangen und unterhielten sich die Bachurim im Kreise ihrer Lehrer bis spät in die Nacht. Das Sommersemester der Jeschiwoh beginnt am 5. Mai (Sonntag, den 2. Ijar) mit einer Eröffnungsfeier. Es bestehen sowohl Kurse für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. — Rechtzeitige Anmeldungen sind zu richten an den Rektor der Jeschiwoh, Rabbi R. Botschko, Montreux, Villa Quisisana. H___ Italien. Schüfe mit Palästinareisenden von Triest aus. Tri est, 11. April. Wie der Lloyd Triestino mitteilt, war der Schiffsverkehr in letzterer Zeit so stark, daß der Lloyd allein für die Zeit vom 2 0. März bis 5. April elf Schiffe, darunter die „Roma", mit etwa 1800 Passagieren an Bord, abgefertigt hat. Unter den Reisenden waren freilich auch Katholiken, die zur Osterzeit Palästina besuchen. Aber die Zahl der jüdischen Reisenden über Triest wird für diese 15 Tage auf ca. 8000 geschätzt. Aus Haifa wird berichtet, daß dort eine Gewerkschaft jüdischer Seeleute gegründet wurde, die bereits etwa 100 Mitglieder umfaßt. Die palästinensische Presse bezeichnet diese Neugründung als ein historisches Ereignis in der Entwicklung der jüdischen Schiffahrt Palästinas. Zurzeit verkehren bekanntlich zwischen Haifa und Triest und Haifa und Konstanza eine Reihe von Dampfern neugegründeter jüdischer Schiffahrtsgesellschaften. Polen. Tätigkeit des Lodzer Stadtrats suspendiert. Warschau, 12. April. Die Mitglieder der antisemitischen Mehrheit des Stadtrats von Lodz, die vor kurzem die jüdischen Stadtverordneten in offener Sitzung tätlich angegriffen und mehrere von ihnen, darunter den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde und agudistischen Sejmabgeordneten Minzberg, verletzt haben, weigern sich, dem Vorschlag des Regierungskommissars, eine Entschuldigungserklärung an die Überfallenen Stadtratsmitglieder abzugeben, zu entsprechen. Die jüdischen Stadträte sollten sich ihrerseits für die in der Abwehr gebrauchten beleidigenden Ausdrücke entschuldigen. Der Regierungskommissar hat daraufhin erklärt, keine weiteren Sitzungen des Stadtrats mehr zuzulassen, bis eine friedliche Vereinbarung erzielt werden wird. Die „Gazeta Warszawska", das Hauptorgan der antisemitischen nationaldemokratischen Partei, weist auf den in einer jüdischen Zeitung in Deutschland veröffentlichten Vorschlag einer allmählichen Liquidierung der deutschen -Judenheit durch Massenauswanderung hin und erklärt, auch Polen müsse eine Politik führen, die die Juden veranlaßt, ihre totale Auswanderung aus Polen zu organisieren. Kein Jude dürfe in Polen verbleiben. Judenhetze in Polnisch-Oberschlesien. Warschau, 11. ApriL Das Verschwinden eines christlichen Kindes, das in einem jüdischen Hause in dem Dorf R u d a im Kreis Kattowitz wohnte, führte zu der Verbreitung des Gerüchtes, die Juden hätten das Kind getötet, um Blut für das Pessachfest zu bekommen, Die Dorfbevölkerung nahm gegen die in ihrer Mitte wohnenden Juden eine drohende Haltung ein und diese verlebten schreckensvolle Stunden, bis der Vorfall seine Aufklärung fand. Nachdem das Haus von der Polizei vom Dachboden bis zum Keller ohne Ergebnis durchsucht worden war, traf die Meldung ein, daß das Kind in einem Nachbardorfe gefunden wurde, wohin es einen Spaziergang gemacht, hatte. Der Vorfall;#jstt für die durch eine skrupellose Hetze in den Dörfern: hervorgerufene Stimmung bezeichnend. (ITA.) Litauen. Blutmärchen in Litauen. Kowno, 11. ApriL 1 Agitatoren durchziehen die; Dorf er Litauens und verbreiten Legenden, daß Juden christliche Kinder rauben, um ihr Blut aus Anlaß, der kommenden, Pessachtage für Mazzoth-Herstellung zu benutzen. Die Juden in den kleinen Orten machen deswegen eine böse Zeit durch. In einigen. Orten wurde die jüdische Bevölkerung angegriffen. In einer Ortschaft . in der Nähe von Tweretsch wurde der Ortsrabbiner Isak J a f f e mißhandelt. Die Juden in einer Anzahl Ortschaften wandten sich an die Zentralstellen in Kowno um Schutz. Rußland. Die Anti-Pessach-Kampagne in der Sowjetunion. M o s k a u, 12. April. In den anläßlich der antireligiösen Kampagne gegen das bevorstehende Pessachfest veröffentlichten Propaganda-Artikeln wird erklärt, daß sich zwar der größte Teil der jüdischen arbeitenden Bevölkerung Rußlands von religiösen Einflüssen befreit hat, daß es aber dennoch falsch wäre, die antireligiöse Aktion einzustellen. Die Charkower Zeitung „Stern" klagt, daß die jüdische Bevölkerung in vielen Ortschaften große Vorbereitungen zum Pessachfest treffe; man eröffne Mazzoth-Bäckereien und sammle für Pessach- Fonds zur Unterstützung armer Leute. Andere Zeitungen fordern intensive Beeinflussung der jüdischen Schuljugend, denn es habe sich herausgestellt, daß viele Schüler an jüdischen Feiertagen der Schule iern bleiben. Aufrufe von Arbeiter-Zirkeln wenden sich schärf gegen religiöse Einflüsse „klerikaler und konterrevolutionärer Banden". Daß ein ehemaliger Kantor und jetziger Angehörger eines landwirtschaftlichen Kollektivs in der Presse einen Brief an seinen in Amerika lebenden Bruder veröffentlicht, in dem er diesem mitteilt, er sende das ihm geschickte Mazzoth-Paket zurück, weil er „als freier Sowjetbauer keine Unterstützungen brauche und die Amerikaner sich lieber um die Not ihrer Arbeitslosen kümmernsollten", ist bezeichnend für den von offiziellen Parteistellen ausgeübten antireligiösen Druck. England. Die Lage der Juden in den Ländern Europas. — Jahresbericht des Board oi Deputies, London, 14. April. Der Board of Deputies of British Jews veröffentlicht seinen Tätigkeitsbericht für das Jahr 1934. In dem Bericht ist auch derjenige des Joint F o reign Committee des Board of Deputies und der Anglo Jewish Association enthalten. Er schildert eingehend die Lage der Juden in den einzelnen Ländern Europas, wobei erwähnt wird, daß die antisemitische Propaganda bemüht ist, auch in England Erfolge, zu erzielen. Diese ypn einer unbedeutenden Minderheit getragene Propaganda erfahre jedoch keinerlei Unterstützung seitens vrantwortlicher Presseorgane oder ernster Führer der öffentlichen Meinung. Der Bericht über die Lage in (Deutschland erstreckt sich sowohl auf die Maßnahmen zur Erhaltung des jüdischen Gemeinschaftslebens, als auch auf die Arbeit des Oberkommissars für Auswandererfürsorge. Es wird festgestellt, daß der Prozeß der Auflösung der kleineren Gemeinden weitere Fortschritte gemacht hat. Die jüngere Generation sei zum großen Teil in die größeren Städte oder ins Ausland abgewandert, um eine Existenzmöglichkeit zu finden. In einigen Stellen sei aus Kleingemeinden berichtet worden, daß es bei ihnen keine Kinder im schulpflichtigen Alter gibt. In einer viel größeren Anzahl von Gemeinden herrscht eine völlige Disproportion des Altersaufbaues. Der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau hat seine Anstrengungen, der ungeheuren Schwierigkeiten Herr zu werden, energisch fortgesetzt. Die Organisierung von Darlehenskassen soll das Bestehen vpn Kleinbetrieben sichern, die für die; jü-

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