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Der Israelit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Nr. 16/17 Oer Israelit 17. April 1935 sehen Aufgaben in der Gola und im heiligen Lande. Es war nicht allein der Stoff, es war vor allem die Luft, die man hier atmete, die den jungen Menschen hob und Schritt um Schritt höher in seine jüdische Aufgabe hineintrug. Baruch beneidete die Kameraden, die hier ein paar Jahre die geistige Hachschara empfingen, und dann erst zum Spaten griffen. Er hatte es umgekehrt gemacht, er kam ja nicht auf geradem Wege, war zu spät auf alle diese Dinge gestoßen. Aber war es nicht Wunder genug, daß er sich überhaupt hierher gefunden hatte? Es war nicht zu spät ... Von hier aus fand sich Baruch rasch zu der neuen orthodoxen Jugendbewegung und stand bald mittendrin. Jede freie Minute seines Tages gehörte dieser Arbeit. Er rückte dabei ganz dicht an die Geistessphäre der obersten Führer heran und nahm ihre grundlegenden Schriften gierig in sich auf. Er atmete frische Luft. Es war ein reicher Sommer der jüdischen Arbeit und des geistigen Aufbaus für Baruch. Er hatte junge Schüler und Freunde, die zu ihm schon so hinaufsahen wie er zu seinen Lehrern und Führern. Dabei kam ihm die abgeschlossene Gymnasialbildung in höherem Maße zustatten, als er es ahnen konnte, da er damals verärgert den ganzen gelehrten „Ballast" von sich abwarf. Schon auf der Hachschara konnte er seine Schulweisheit in Raumlehre und anderen exakten realen Dingen ganz gut brauchen, schon dort merkte er, wie seine Anfangskenntnisse der Botanik und Zoologie in Feld und Flur sich in lebendiges Wissen verwandelten. Hier in der Stadt war auch das klassische und Literaturwissen nicht unnütz. Er hatte, wenn er im Jugendkreise redete, stets das richtige Wort und "wußte, wenn er für die Jugendblätter schrieb, seinen Gedanken klare und schöne Form zu geben. So hatte sein Lehrer, Rabbi Schmuhl, doch recht: man könne für den Bau des G'ttesstaates die Bausteine von überallher gebrauchen . . . Herr Wilde gab nach. Wußte zwar nicht, wohin das alles führen sollte, aber er sagte sich, der Junge versäumte ja in dieser tollen Zeit nichts, so lasse man ihm das Vergnügen! „Hier passiert ihm auch nichts," versicherte Herr Wilde seiner Frau. Und beide schwiegen, dachten an James, von dem wieder jedes Lebenszeichen fehlte. „Wenn Baruch nur nicht bald ernst macht mit der Ausreise nach Palästina," sorgte sich Frau Wilde. „Und wenn schon?", blies Herr Wilde gefaßt den Rauch von seiner Zigarre. Wie die Feiertage verklungen und von grauen kurzen Herbsttagen und langen Abenden abgelöst waren, sah man an einem Abend zur ungewohnten Zeit in vorgerückter Stunde viel Betrieb am Hauptbahnhofe. Ein paar Dutzend jüdischer Menschen, ältere und jüngere. Alleinstehende und Familien, hielten den langen Wagen besetzt, der nach Triest fuhr, und ihre Angehörigen und Freunde standen auf dem Perron, fröstelten und riefen den Abziehenden gute Worte des Abschieds zu. Baruch blieb bis zur Minute, da der Beamte mit der Laterne an der Brust „Einsteigen!" kommandierte, unten am Wagen neben den Eltern, umringt auch von allen Kameraden aus der Talmudschule, und hielt die Hand der Mutter in der seinen. Herr Wilde, gewandt und weltmännisch wie immer, zwang sich zu Spässen, hinter denen er stets seine Gefühle zu verbergen pflegte. „Was ist das schon, eine Reise von fünf Tagen?" sagte er leichthin. „Früher brauchte man mit der Postkutsche genau so viele Tage nach Berlin, und die Reise war viel unbequemer . . ." Und: „Es gehen Schiffe auch zurück, Junge, und brauchen auch nicht länger . . ." Frau Wilde hatte nasse Augen. Ihr Aeltester, d£r Arzt, war damals lächelnd in der glänzenden Uniform von dannen fortgetandelt. „Adieu Muttchen!" Als ginge er zum Balle. Der Zweite, James, ging ganz ohne "Abschied. Es war ihr, als nähme sie jetzt Abschied von allen dreien zugleich ... , Erst als Baruch nach der letzten Umarmung in den Wagen stieg, drängten sich die Freunde, die Frau Idas Ergriffenheit in respektvoller Entfernung hielt, an das' hieruntergelassene Fenster heran. „Chasak!" An einem anderen Fenster stand eine Gruppe junger Mädchen und sang ein hebräisches Lied. Beinahe hätten die Wildes vergessen, Hanna, die dort das Kommando führte, die Hand zum Abschiede zu reichen. „Dank, Hanna für alles!" verabschiedete sich Frau Wilde tonlos. Mehr brachte sie nicht hervor. „Und daß Sie mir auf den Jungen aufpassen," lachte Herr Wilde gezwungen. Hannas Augen blitzten in die Herbstnacht, ihre Stimme klang wie eine Glocke zur Einläutung eines großen Ereignisses. „Nicht so wild, Herr Wilde," lachte sie, als Herr Wilde ihr etwas zu kräftig die Hand drückte. Ihre Munterkeit steckte alle so an, daß die letzten Minuten mit Lachen und Singen ausgefüllt waren. Vor Türe und Fenster eines anderen Abteils des Triester Wagens standen zionistische Chaluzim und sangen ihren abziehenden Kameraden laut und ungeniert die „Hatikwah" zum Abschied. Wie Glühwürmchen in der Nacht leuchteten kleine Laternen auf. Ihre Träger, die Beamten, würdige, gesetzte Männer, sahen, gewohnt an Abschiedsszenen aller Art, still mit ernster Miene dem Treiben zu und schwirrten funkelnd weiter. Unter den ganz wenigen Reisenden in den anderen Wagen des langen Nachtzuges gab es ein Aufhorchen. „Juden fahren nach Palästina," bemerkte Einer. „Da wo sie hingehören," spottete ein Anderer. Rede und Spott gingen im Singen und Rufen und Abschiednehmen am Triester Wagen spurlos unter. Wie ein Wind hatte aus weiter Ferne über Meere und Länder die warme Luft Palästinas für wenige Minuten in den nachtdunklen Bahnhof der großen Stadt hergeweht. Ein Signal, ein Ruf und ein Ruck, und. der Nachttraum war verflogen. Als sich der Zug in Bewegung setzte, lief ihm die Jugendschar im Eilschritt ein Stück voraus, als wollte sie ihm im Eilmarsche den Weg bahnen. „Chasak"- und „Lehitraoth" - Rufe verhallten in der Luft. Eine Rauchsäule hatte die abdampfende Maschine hinterlassen, in der Funken sprühten. Ernste Männer, Mütter mit nasseu Augen, still und in sich gekehrt auch die müde gewordenen Jungen, begaben sich zurück zum Ausgange. In den Straßen brannten tausend bunte Lichter an den geschlossenen Geschäften und offenen Vergnügungsanstalten. Aus den Theatern und Kinos fluteten die Menschen. Ueb erfüllte Straßenbahnwagen ratterten mit scharfem Geklingel durch die erleuchtete Nacht der Großstadt. „Wie der Prophet in einer Wolke verschwunden," , hauchte Frau Ida fröstelnd,, wie. s'chutz-i suchend an den Arm des Mannes sich hängend.' „Und sähest du nicht, meine Liebe, wie in der Wolke helle -rote Funken leuchteten?'! Abend j und Abschied stimmten ihn poetisch. Allein standen sie nun beide plötzlich im j Leben. Aber irgendwie funkelten helle Lichter, ' wie Perlen im grauen Gewebe, in der Wolke . . . (Fortsetzung folgt.) Mah Nischtano 5695;; Tier seltsame Fragen in der Golus-Nacht: <' \ ', t ' 0 1. Genügt das Erfüllen der Thora, auch wenn es oft seelenlos geschieht, insbesondere, erfüllt das dreimal tägliche Beten seinen Zweck, wenn es so . selten mehr ist, als Lippendienst? Sollen wir das Sehnen und Dürsten, 'das Suchen nach G'tt, wirklich den Lügenpropheten unter unseren irrenden Brüdern allein überlassen, daß uns nur die leere. Form bleibt, und die Seele der Thora entflieht?, Jehlt .uns :nicht der Schauer vor' G'tt',' die lodernde , Liebe . und Freude vori 'Ibm? Will nicht' G'tt das Herz; die'Empfindung, das. Frohsein und die Träne? Hier ist'koch' ein großes brachliegendes Feld für Selbstzufriedene. 2. Haben wir vom Din aus das Recht, die nieaufhörende, immerandauernde Pflicht zum nieabreißenden Thoralernen durch Unterhaltungslektüre, Theater,. Kino zu unterbrechen? Insbesondere sind Romane, atheistische Wissenschaft und Philosophie zu Lektüre und Studium erlaubt? Zieren, wirklich Werke von .Spinoza, Haeckel bder Nietzsche, oder gar von Feuchtwanger oder Heinrich: .Mann usw. unsren Seforim-Schrank? Sind denn nu'ai mit »tdo nicht auch „Chomez", das verbannt werden soll, und zwar auch während des ganzen Jahres? Darf man für solche und ähnliche Entartungen etwa auch Rabb. Hirsch ^"*t in Anspruch nehmen vnt Ueberhaupt lernen unsre Kinder genug Thora? Wirklich genug? Und wir . . .? 3. Gestattet die Thora: Wichtigtun, Stolz, Hohn und Spott? Verlangen nicht unsre Meister vor allem Bescheidenheit, Demut, Güte und insbesondere gegenseitige Liebe und Frundschaft, als Grundlage von JisroeLs Gemeinschaft? Sind wir nicht verpflichtet, stets jeden Menschen fitti tpb yi zu sein? Manchmal will es scheinen, als ob hier und dort doch noch nicht alles auf diesem großen Acker bestellt wäre. 4. Braucht also die Orthodoxie nicht auch eine reine und ehrliche Teschuwo? Was unterscheidet diese Golusnacht von allen-andern geschichtlichen Nächten, seit zweitausend Jahren? Warum nicht auch in dieser Golusphase sein Leben, seine Wege, überprüfen, und umkehren heiß und innig, demütig und vertrauend. Damit das Leiden einen Sinn gewinnt, den eigentlichen und guten, von G'tt gemeinten, Sinn. Gerade für unsre thoratreue Gemeinschaft in Deutschland die vor hundert Jahren diese kopflose Flucht vor G'ttes Gesetz nicht mitgemacht hat, sondern sich die Treue errettet, erkämpft und ersiegt hat, gerade für uns ist die Zeit geschaffen, den Weg unsrer Väter weiter zugehen, nicht stehen zu bleiben bei den Stationen, die unsre Väter zurückerobert und verteidigt haben, sondern weiter zu gehen, immer näher, G'tt entgegen, immer inniger, immer leidenschaftlicher, immer glühender. Warum aber sind wir uns oft selbst im Weg? Und warum zögern wir? ----b*w pn ]K3i Nechunjah. Winke für Heimstunden der Esra-Pirche Agudas Jisroel-Gruppen. (Sektion B. der „Agudo - Jugend".) Zu den Festtagen. Für Zusammenkünfte am ersten Tage aw 01» geben Haggadah und Ha 11 e 1 genügend Stoff. Als Stoffgebiete für die andern Tage eignen sich besonders: Aufhören des min war Zählung des und der Begriff des "wian Vin. Für einen Kries solcher, die im Lernen vorgebildet sind, bietet die Abhandlung des „Rösch", in seiner 10. nawn viel Interessantes. Auf Grund der Erfahrung, daß in Deutschland, in der Provence und Spanien der Regen auch noch nach Nissan notwendig ist, wollte er die Zeit der Regenbitte den lokalen Notwendigkeiten anpassen. Er stieß jedoch auf Widerstand. — Wir denken bei diesen Gebeten besonders an Erez Jisroel. Hier tritt die erzieherische Bedeutung der Klimaverhältnisse Erez JisroeLs für das jüdische Volk hervor. S. hierzu Hirsch, Wajikro- 26, 3; — Tenach: Lev. 11, 13—2V, Mel. I, Kap. 17. — Mischnah: Taanis I—HI. Ueber Zählung des iay orientieren die Erklärer. Zur Darbringung des w findet sich in der Mischnah, Menochaus X, 3 und 4 ein interessanter Bericht. Die Bezeichnung des zweiten Tages Pessach ,als ra»n mnea wird schonin Maß. Menochaus; 65 erklärt und siehe alle Erklärer zu Waj. 23, 15. Die Mischnah in Jodajim IV, 5—^8 berichtet über weitere Diskussionen : mit den Sadduzaern. Hieran kann sich :die. Darlegung: des Zusammenhanges zwischen' schriftlicher undmündlicher Lehre anschließen. Hillel.üeigt (Mas.. Schabbos, 31a) einem Ger, daß die schriftliche Lehre auch' auf der Tradition beruht, da das Alpha- •beth nur mündlich überliefert werden kann. Zu diesem Thema s. Hirsch Anfang von Mischpotim und Hoffmann in den Vorbemerkungen zu seiner Erklärung zu KIp'V Zu Chol Hamoed s. im Chaurew; über das Verbot des Haare und Bartschneidens dorts. § 184. Der Begriff des Chol Hamoed ist von der Thora gegeben, während die .Einzelheiten den Weisen^ zur i Regelung überlassen werden. Demnach gibt es drei Abstufungen des Werkverbotesi Schabbos, Jaumtauw, Chol Hamoed. Die Begründung s. dorts. Auch Rambam in den Forschriften -über- Jaumtauw:bringt''eme'; Begründung des Arbeitsverbotes an diesen Tagen« (Kap, VJL 1). . .«. „*- , ) Für die Arbeit miti Jüngeren sind, einige, der, angeführten' Stellen , geeignet, außerdem' die Haftbroth. Weiterhin beachte man Chronologie des Auszuges (Mechiltah zu Kap. 14; 2). .- .. Diese, Bemerkungen wollen, nur als Anregung. für die Leiter von Arbeitsgemeinschaften, Gruppen usw. gewertet sein. . A, W. •. I -■ .. . - Li, . :

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