Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 16/17 werfliche Absicht betr. des Ortes und der Zeit des Genusses hatte.. Der Segensspruch über das Peßachopfer befreit von dem über das Festöpfer, aber nicht umgekehrt, dies die Worte Rabbi Jischmoels. Rabbi Akiwo verneint es auch im ersten Falle," Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit, die den Genuß hinausschiebt, lähmt die Tatkraft, sie zeigt, daß Reinheitsstreben fehlt der Hand, die sich zur Tat regt. Das Gleiche gilt für jedes andere Opfer auch, das nicht der Ausdruck ist des unbedingten Gehorsams, das eigene Willkür in der Bestimmung und in der Behandlung erkennen läßt. Nicht Körperstärkung soll es sein, das Kraft den Händen gibt, im Gegenteil, es würde ihnen Schwächung bringen, wenn diesem Zweck es dienen sollte. Gehorsam ist des Opfers Vorbedingung. Des Opfernden Seele sei von ihm durchdrungen. Auf dieser. Grundlage, in der der Opfernde verwurzelt und verankert sei, erfolge das Opfer. /M'bp das Ausgießen des Blutes auf die Altarbasis, bringt die Hingabe des Herzblutes auf der Grundlage des Altars, auf der Basis der rrnn und der aus ihr strahlenden geistigen Erleuchtung zum Ausdruck. Es umschließt dies das Emporstreben zur Höhe des Altars, das np'iT' das Sprengen, andeutet. WDP ist die Vorschrift des nos -Opfere, Grundlage zu bilden der Heiligung, np'iT ist für das' na'an -Opfer geboten. Nach V'T ist daher die nana des noa -Opfers ausreichend, nach ist die Eigenart eines jeden Opfers zu betonen. Der 19. Psalm. als Lehrdarstellung für die Oberstufe methodisch bearbeitet von Hermann Mahlermann in Hammelburg. I. Vorerwägungen: Das Walten und Wirken G'ttes m der Natur, die sich in ihr offenbarenden Eigenschaften G'ttes, die Beziehungen zwischen Mensch und G'tt, das sind Gedanken, mit welchen sich viele unserer Psalmen beschäftigen. So auch der 19. Psalm. Der beherrschende Gedanke, der diesem Psalm zugrunde gelegt ist, will uns eine Darstellung der Quellen der G'tteserkenntnis vor Augen führen. Ich möchte dieser Lehrdar- ■stellung einige kurze methodische Hinweise vorausschicken. .Für die Volksschule eignet sich der vorliegende Psalm als Anschlußstoff im erdkundlichen Unterricht (oder Himmelskunde). Die Behandlung von Naturerscheinungen (Gewitter, Erdbeben usw.) bilden die stimmungsmäßige Grundlage für die Vorbereitung dieses Psalms. Die Eigenart der Psalmen überhaupt erfordert in der Darbietung, daß die sprachliche und inhaltliche Behandlung getrennt durchgeführt wird. Es ist zunächst auf der rein sprachlichen Grundlage der Textmhalt zu erschließen, in der Weise, daß die Kinder in selbsttätiger Weise versuchen, unter Anleitung des Lehrers die Sprachformen zu klären. Als Hilfsmittel ist lediglich ein Wörterbuch zu benützen. Bei dem heutigen Stande der Sprachfertigkeit dürften Kinder gutgeleiteter Schulen dazu befähigt sein, Ist nun der hebräische Text sprachlich erfaßt worden, so ist es meines Erachtens trotzdem notwendig, die rein künstlerische Fassung in der LTebersetzung von Hirsch oder Spanier als Grundlage für die nun anschließende inhaltliche Darbietung zu nehmen, damit die in dieser religiösen Dichtung liegende Stimmung voll zur Auswirkung gelangen kann, wie dies eben nur bei einem reinen Kunstwerk möglich ist. Die methodische Weiterbehandlung erfolgt nun in der Weise eines lyrischen Gedichtes. Der gefühlsbetonte Vortrag dieses religiösen Gedichtes, das in seiner bilderreichen Ausdrucksform auf das kindliche Gemüt besonders anprechend wirkt, muß alsbald erkennen lassen, was den Psalmverfasser veranlaßte, als Ausfluß seiner innerlich bewegten Dichterseele diesen herrlichen Psalm zu schreiben. Der Psalm zeigt eine natürliche dreiteilige Gliederung. Die dieser Dreiteilung entsprechenden Gedankengänge sind von den Knidern selbst herauszufinden und in selbstgewählten Dispositionspunkten festzuhalten, so daß etwa folgende Gliederung entstehen kann: I. Quellen der G'tteserkenntnis: a) die Natur b) die Lehre II. Der Mettäfili ein G'ttesknecht. Die Stufen der Anwendung halte ich gerade bei Psalmen besonders wichtig. Der Psalm führt in den praktischen Gebrauch des Lebens ein und findet im Gebet seine vielfache Anwendung. Ich verwende behandelte Psalmen auch als Schulgebete. II, Methodische Ausführung. Vorbereitung und Zielangabe, Natur und Naturerscheinungen, Wie . ein Dichter die Natur erlebt. Darbietung. Text des Psalmes: Die Himmel erzählen die Ehre G'ttes und seiner Hände Werk vergegenwärtigt die Wölbung, Tag dem Tag strömt Rede zu und Nacht der Nacht spricht Wissen aus. Bedarf nicht der Rede, nieht der Worte, ohne sie wird ihre Stimme gehört. Auf der ganzen Erde geht von ihnen das Maß aus,wo aber die Menschenwelt endet, sprechen ihre Worte: dem Spnnenball hat er das Zelt in ihnen gesetzt. Er, wie ein Bräutigam tritt er hinaus aus seiner Hülle, freut sich, als wäre er. allmächtig zu laufen die Bahn, und. doch bleibt ein bestimmter Punkt des Himmels sein Ausgang und sein Kreislauf an dessen bestimmten Grenzen und so ist er selbst vor seiner Sonne kein Verborgener. Die Lehre G'ttes aber, allumfassend, gibt der Seele Antwort, das Zeugnis G'ttes treu, macht Erfahrungslose weise. Die Aufträge G'ttes gerade, erfreuen das Herz, erleuchten die Augen. Gottesfurcht, rein, ist bleibend für die Ewigkeit. Die Rechtsordnungen G'ttes Wahrheit, sind allseitig gerecht. Ja, köstlicher als Gold und Geschmeide und süßer als Honig und feinster Seim. Auch Dein Knecht wird durch sie belehrt, wer sie hält, hat reichen Lohn, Irrtümer, wer merkt sie? Vor Verborgenem halte mich rein. Auch von Mutwilligen halte Deinen Diener zurück, daß sie keine Herrschaft über mich gewinnen, » wann ich schwach bin, so werde ich von großem Unrecht mich rein halten. Seien zum Wohlgefallen meines Mundes Worte und, meines Herzens Sinnen dir, G'tt, mein Fels und Erlöser. Ethische Vertiefung I. Teil (Vers 2—7). Die Natur, Die Himmel erzählen die Herrlichkeit G'ttes. Das Werk lobt den Meister. Die Sprache der Natur Isi eine gewaltige. Sie spricht zur gesamten Menschheit, denn die Natur und die Naturerscheinungen _sind weltumspannend. Die augenfälligste, gewaltigste Naturerscheinung ist die Sonne. Die Naturkraft der Sonne und ihre Bedeutung für das Weltall liefert den treffendsten Beweis für das Vorhandensein eines höheren Wesens., welches die Naturkräfte leitet. Denkende Naturbetrachtung lehrt uns; a) die Allmacht^ G'ttes (Unnachahmbarkeit und Größe der Natur), b) die Weisheit G'ttes (Sonnenkraft im Dienste der Menschheit, Zweckmäßigkeit der natürlichen Einrichtungen). Ergebnis: Die sinnige Naturbetrachtung gibt uns die bejahende Antwort auf die Frage: Gibt es einen G'tt? IL Teil (Vers 8—11) Die Lehre. Auch die Thora ist ein Wunder- und Meisterwerk der g'ttlichen Schöpfung. Sie besitzt sechs hervorragende Eigenschaften: nnwi allumfassend. Sie belehrt uns über alle Fragen des menschlichen Lebens. njniw treu Sie erzieht uns zu einer Religion der Tat, welche sich im Leben stets bewährt hat, D'^tf' — gerade Sie ist dem Bedürfnis der Menschennatur angemessen und wirkt daher lebensbejahend und herzerfreuend. »TJ2 hell Sie ist von solcher Klarheit, daß sie uns stets den Blick für die richtige Erkenntnis im Leben schärft. rnint? rein Wer sich in der Befolgung der G'tteslehre bewährt, .gelangt zur sittlichen Reinheit (das höchste Ziel menschlicher Vollkommenheit). na£ — wahr Im Gegensatz zum menschlichen Gesetz ist g'ttliehes Recht von absoluter Gerechtigkeit, Infolge dieser Eigenschaften ist die Thora das höchste erstrebenswerte Gut auf Erden, Ergebnis; Das Studium der G'tteslehre beweist ebenfalls das Vorhandensein G'ttes. Sie belehrt uns über diese Erkenntnis hinaus auch über den Sinn des Lebens schlechthin. Z u s ä m m;e n f a s s u n g. Die beiden dargestellten Quellen der G'tteserkenntnis bedingen und ergänzen sich gegenseitig: a) einseitige Naturbetracthung" allein führt leicht zur Vergötterung der Naturfcräfte (Beispiele aus der Geschichte und dem Leben der-Völker) b) die Natur gibt uns keine Auskunft über Sinn und Zweck des menschlichen Daseins, c) die in der Thora geschilderte, Darstellung, der Weltschöpfung findet in der Wirklichkeit der Natur ihre Bestätigung, d) Die Thora belehrt uns im Gegensatz zur Natur überfalle Fragen des menschlichen Daseins. III, Teil (Vers 12—15) _ . D er M ens ch ein G '.11 e skn e cht. \ E t h. Vertief u n g : Wie wirkt diese zweifache G'tteserkenntnis auf das gläubige Gemüt des Menschen? pna nnta Er wird durch sie belehrt, (tffla ist sowohl auf die Natur als auch auf die Lehre zu beziehen, dadurch wird der logische Zusammenhang der diesem Psalm zugrunde' liegenden Dreiteilung hergestellt.) Die denkende Betrachtung der Natur, und die . Versenkung in die G'tteslehre lösen im Menschen mannigfache Gefühle, aus: a) Die Beherrschung der Natur durch den Menschen treibt ihn leicht zum Hochmut. b} Die erhabene Größe der Natur und die Vertiefung in die G'tteslehre führt andererseits zur Ehrfurcht vor G'tt und erzeugt das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit und Schwäche gegenüber G'tt. o) Das übersteigerte Selbstgefühl als auch die Schwäche der Minderwertigkeit werden überwunden durch die Demut. Demut das Kennzeichen wahrer Frömmigkeit ist daher das einzige erstrebenswerte Ziel des wirklich Frommen. Um dieses Ziel aber zu erreichen hat der Mensch Hemmungen und Hindernisse zu überwinden; 1. Irrtum der Erkenntnis (Er ist in der Unzulänglichkeit der Menschennatur begründet). 2. - D'TT das verführerische Beispiel schlechter Umweltseinflüsse. Verknüpfung. Der beglückende Segen der in der tatfrohen Pflichterfüllung liegt, ist dem Frommen bereits „Lohn, der reichlich lohnet". Anwendung dieses Psalms zeigt uns der 15. Vers. Der Mensch bedarf bei noch so ehrlichem Streben nach wahrer Frömmigkeit stets des Beistandes G'ttes. Daher ist das Gebet — damit klingt dieser Psalm aus — ein wichtiges und unentbehrliches Mittel der Selbsterziehung, Für' die u n t e r r i c h t Ii c h e Verwertung eignet sich der Psalm als gesangliche Bearbeitung in der Vertonung von Beethoven. Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit. Schullehrer unbekannten Namens. Von einem frommen Lehrer in Palästina in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts -wird erzählt, daß er oft fastete, R. Joch an an traf einmal an diesem Orte ein und fand den Schullehrer kränklich aussehend. Als er bei den Bewohnern dieses Ortes die Ursache des schlechten Aussehens erfahren hatte, verbot er diesem das Fasten, indem er zu ihm sprach: „Wenn es nach dem Gesetze schon dem gewöhnlichen Lohnarbeiter nicht gestattet ist, sich durch Entziehung der leiblichen Bedürfnisse zu schwächen und. dadurch den Wert seiner Arbeit zu vermindern und seinen Lohnherrn zu verkürzen, um wieviel weniger ist es dir gestattet, der du im Dienste des höchsten Herrn stehst." Ein Landlehrer pflegte alljährlich einmal nach Jerusalem zu kommen. Die Bewohner Jerusalems erkannten in ihm einen großen Gelehrten und boten ihm 50 Goldstücke für das Jahr, falls er sich bei ihnen niederlassen wollte. Der Landlehrer schlug aber das Anerbieten mit der Begründung aus,, daß er in seinem Wohnorte einen Weinstock besitze, dessen Erträgnis ihm bedeutend mehr einbringe. In der ersten Hälftedes dritten Jahrhunderts wirkte in einer Landgemeinde Babylons ein; durch große' Frömmigkeit wie -durch Gewissenhaftigkeit und pädagogisches Geschick sich auszeichnender Kinderlehrer, Rab, <ler Schöpfer und Leiter der , Akademie zu Sura, kani einmal in diese Gemeinde und ordnete wegen anhaltender Dürre ein allgemeines Fasten an. Der Regen blieb jedoch aus. Da trat der Schullehrer als Vorbeter Hin und kaum hatte er die Lobesworte „Er läßt den Wind wehen," gesprochen, erhob sich ein Wind und nach dem Aussprechen des Schlußsatzes „Er läßt den Regen niederströmen" stellte sich auch schon der ersehnte Regen ein. Ueber die schnelle Wirkung des Gebetes dieses Mannes erstaunt,, fragte ihn Rab nach seinem Berufe. Jener antwortete: „Ich bin ein Kinderlehrer und unterrichte mit gleicher Gewissenhaftigkeit die Kinder der Armen und die der Reichen. Wem es aber nicht möglich ist, zu zahlen, von dem nehme ich .gar nichts. Ich halte mir , einen Fischteich und wenn ein Kind nicht lernen ..will, so beschenke ich es daraus und rede ihm so lange freundlich zu, bis es wieder liest." L. Wiesner, Wien.