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Der Israelit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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BUS mIM][e= =UIMJUü?f- —II olololl o—o Boso lolll— -HIIHIII— -HHHIlhsbhj Erziehung1 und Lehre Pädagogische Beilage zum „Israelit" Organ des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands Kllt—H ILM» I—I mS^^ß^M^n^M Verantwortliche Schuf tleiüwg: L~. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach)" Zusammenhänge oder Mah ni seht an oh halej loh! Abrain nahm im Jahre 2003 Abschied von Noach undzog zum erstenmal nach Kanaan. Dort traf er seinen „siiitemal-Ur"-Großvater Schern- Der konnte ihm den Altar zeigen, den sein Vater nach der Flut errichtet hätte, und die Stelle in der Höhle bei Chevron, wo sein Großvater mütterlicherseits Chawah und sein Lehrer- und Urgroßvater Mesuschelach den Stammvater Adam, im Jahre 930 neben Chawah bestattet hatten. Schern war erst 445 Jahre alt. Er konnte sich gut auf Methusalem erinnern. War er doch schon 98 Jahre alt, als dieser am 10. Marcheschwan 1656 in Gan Eden einging. Man war gerade von der Schiwoh aufgestanden, als der Regen einsetzte. , Adam, Mesuschelach, Schern: in der Praxis drei Geschlechter, wie Großvater, Vater und Sohn. ' Der b 1 u t maß i g"e Z u s a ni m e n h a n g mit der Vergangenheit war gegeben. Am f5. Nissan 1948 wurde Abrain geboren, der erste Märt y:r e r der Menschheit. Am 15. Nissan 2018, Vl3'33 zu Ehren des 70. Geburtstages verhieß n"apn Abram im Bund zwischen den Stücken seinen Nachkommen nach schweren Jahrhunderten einen Aufstieg zu guten Zeiten. Am 15. Nissan 2047, zur Feier des nV'nV wbvav> am 99. Geburtstage kam der überraschende Besuch der Boten aus dem Engellande, Am 15. Nissan 2048, gerade recht zur Feier des 100. Geburtstages unseres Patriarchen, kam als schönstes Angebinde Jizchok in die Welt herein. Am 15. Nissan 2123, an dem Tage, da Abraham infolge der schlimmen Taten Esäus vorzeitig itssi wurde, ging das Erstgeburtsrecht durch Kauf an seinen 15 jährigen würdigen Enkel Jakob über und sicherte damit die Erfüllung der Verheißung. - Am 15. Nissan 2238, 115 Jahre später, zog die Jakobsfamilie für 210 Jahre nach Mizraim. Am 15. Nissan 2447 erschien der Engel G. Mosch eh im Dornbusch und kündigte ihm die Geburt des jüdischen Volkes an. Am 15. Nissan 2448, ausgerechnet auf den Tag hin, da man den 400. Geburtstag Isaaks und den 500.- Abrahams hätte begehen können,^zogen Israels 600 000 volljährige Kinder mit Sack und Pack und Mazzohteig darin, aus dem einst so schönen Lande Goschen, das ihnen ein D'isa. ein Land der Doppelnot, voll seelischen und körperlichen Leids, geworden. Und zogen aus mit großer Habe: mit der wertvollen grundlegenden erlebten Erkenntnis,. daß es einen Z u s am m e n h a n g der geschichtlichen Ereignisse je der Zeit mit der g'ttlichen Vor s eh ung g i b t fj?n ns awm?- Bei dem Seder in Aegypten, den rry rpxi riwa gab, hätten unter anderen berühmten Persönlichkeiten der 42jährige Hoscheä bin Nun und Kalev ben Jephüne mit seiner Gattin Basjah sein können, aber auch Aschers Tochter Serach und Achija* der später in Siloh wohnte. Die beiden letzteren konnten nicht nur Moscheh sagen, wo Joseph begraben lag, sondern noch dem. König David, Achija sogar noch dem Propheten Elijahu Selbsterlebtes aus Aegypten erzählen" Und ihn die Thora so lehren, wie er sie, am Sinai und aus dem Munde von n"sn» vernommen. Durch den Tisbiten ist der geistige Züsimmenhan-g mit der Gegenwart gegeben. Deswegen nicht; bvrw> psn U'rvnR vn OHasv sondern ia"n C3">nay* Wir sind mit dem von G'ttes Hand geleiteten Geschehen der Vergangenheit und der Gegenwart blut- und geistesgemäß unlösbar verknüpft. Wir stehen mitten in der Weltgeschichte, jeder mit *) Nach Seder Olom, Sefer Hajoschor und ,Midraschim. . voller Verantwortlichkeit an seinem Platze (gerade wie Awrohom Owinu). Der Geburtstag Abrahams ist zum Erlösungstag seines Volkes geworden. Er ist und bleibt D'naw die Wachnacht.! nW>n 'nanw n» Wie furchtbar ist die.se Nacht! ..Hätten wir seinem fl'St nichts anderes zu verdanken als nur den no mit der Hoffnung auf die n"3-rrt>nu - >i! Berlinger, Buttenhausen. Der TJö-Abend1) Ans einem Mischnakommentar nach dem Forschungssystem Rabbiner S. R. Hirschs Von Rabbiner Dr. Michalski in Karlsruhe. (Schluß.) '3 iiJP» „Man schenkt ihm den ersten Becher ein, ">ni3V n'3 sagen, er spricht den Segensspruch über den Festtag und dann den Segensspruch über den Wein; aber bbn sagen, er spricht den Segensspruch über den Wein und dann den Segensspruch über den Festtag." Man hat ihm den ersten Becher eingeschenkt, den befreiten Sklaven, den von Sorge befreiten Aermsten hat man bedient. Er läßt sich einem Herrn gleich bedienen, er braucht nicht selbst den Wein sich einzuschenken. Trotzdem der Wein schon vor ihm steht, denkt erst er an den Tag des Festes, für ihn preist er zuerst G'tt, lobt Ihn, dankt Ihm, so meint 'S»» Ji*3- Jedoch bbr\ rv>3 stellt den Segensspruch über den Wein voran. Die Heiligung des Festes setzt voraus, daß man durchdrungen ist von dem Bewußtsein; das zu heiligende Leben von G'tt geordnet, zuerteilt erhalten zu haben. Bild dieser Fügung ist der gefüllte Becher, der uns mahnt, den Kelch der Freude und des Leids, den G'tt gereicht, in dankbarer Ergebung stets zu leeren. Dem Wein gleicht Israel, dem Weinstock gleich hat G'tt es aus Aegypten fortgepflanzt, (vn H3"i rmv*)- 'i..ravn „Man trägt ihm auf, er taucht den Lattich ein, bevor er dazu gelangt, das Brot zu teilen. Man trägt ihm Mazzoh, Bitterkraut, Charaußes und zwei Speisen auf, obwohl letzteres nicht Vorschrift. Rabbi Elieser, Sohn Zodauks, sagt, Es ist Vorschrift. Beim Heiligtum trug man ihm auf das Peßachopfer." Dienstbare Geister bringen die Tafel dem Herrn, der seiner Freiheit vornehm sichbewußt wird. Nach Art der Vornehmen befeuchtet er zuerst das Kraut, bevor er dann das Brot der Armut teilt. Erinnerung an Armut und an Bitterkeit und deren Linderung und Minderung, an Fest- und Peßachopfer und dieses selbst, als unser Heiligtum bestand, trägt der Tisch des Freiheitsmahls. Ob Minderung des Bitterkeitsgenusses als ein Gebot gilt, das ist strittig, es könnte eine Schwächung des bitteren Geschmacks vielleicht auch den Gedankengang beeinträchtigen. _ "r rutfrö „Man schenkt ihm den zweiten Becher ein, hier fragt der Sohn seinen Vater, hat der Sohn nicht den Verstand, so belehrt ihn sein Vater:, „wie unterscheidet sich doch diese Nacht von allen Nächten? In allen Nächten essen wir Gesäuertes und Ungesäuertes, in dieser Nacht ganz ausschließlich Ungesäuertes? In allen Nächten essen wir verschiedene Kräuter, in dieser Nacht Bitterkraut? In allen Nächten essen wir Fleisch, gebraten, hart2) und weich gekocht, in dieser Nacht ganz ausschließlich gebraten? In allen. Nächten tauchen wir einmal ein, in dieser Nacht zweimal?" Und nach dem Verstand des Sohnes belehrt ihn sein Vater, beginnt mit dem Unwürdigen und schließt mit dem Lob und erklärt den Abschnitt von dem Satz an: „Ein Aramäer, dem Untergang nahe, war mein Vater, bis zum Schluß." — Mari greift, nicht nach den Speisen, erst schenkt man den zweiten Becher ein, ganz gegen sonstige Gewohnheit. Erstaunt bringt jetzt das Kind 'die Fragen vor, die die Vernunft oder der Vater ihm hat einger geben. Es merkt, das Essen ist der Hauptzweck nicht, man läßt es unberührt noch stehen, es hat *) Mit Genehmigung des Verfassers seiner Hagodoh schel Peßach "[inb. jmni entnommen. 2) nur zur Zeit des Tempels, . (• "i3i \sib bnov ibvn\ rieb ron D?isnn ]sx I wohl gar symbolische Bedeutung.3) Außergewöhnlich ist die Zusammenstellung der Speisen. Brot der Armut, bittere Kräuter erinnern an die Knechtschaft. Ohne Unterlage, nicht im Topf, sondern frei am Spieße schwebend, ward das Fleisch gebraten, wie einst Israel auch nicht Stätte, nicht Boden fand in Aegypten, wie vogelfrei es schwebend verfolgt ward und gestützt.4) Doch doppelt wird nach Art der Freien und der Vornehmen die Speise angefeuchtet. Merkwürdiger Gegensatz ist wahrnehmbar, irun 'S^i Im pädagogischen Lehrgespräch erklärt der Vater diesen Gegensatz, schildert den tiefen Verfall, schließt mit dem innigen Dank. Forschend erläutert er die von G'tt gefügte, geschichtliche Entwicklung. 'n mvn „Rabbon Gamliel sagte stets: „Jeder, der nicht diese drei Dinge am Peßach besprochen hat, hat seine Pflicht nicht erfüllt, und diese sind sie: Peßach, Mazzoh und Moraur. Peßach, weil G'tt die Häuser unserer Väter überschritt, Mazzoh, weil unsere Väter erlöst wurden, Moraur, weil die Aegypter das Leben unserer Väter in Aegypten verbitterten. ,In jedem Geschlecht', darum sind wir verpflichtet." — Nicht genügend der Rückblick auf die Geschichte, auch wenn er den ganzen Abschnitt umfaßt. Wer sich nicht liebevoll vertieft in das Verständnis des dreifachen Symbols des Leids und der Rettung und es nicht in ausführlicher Besprechung *"iax" sich zum Bewußtsein bringt, hat seiner Pflicht nicht Genüge getan. Persönliches Erlebnis, zu Tode betrübt bei den Qualen der Knechtschaft, himmelhoch jauchzend über die Befreiung, vermittle die ausmalende Erinnerung.5) Zehn Ausdrücke des Dankes, ausklingend in den erhabensten der Verbindung des G'ttesnamens mit dem G'ttesloh (t*P D^noa 'oaB) jubeln über die Wendung der zehn Phasen, die Leid in Freude gewandelt. '1 nssm „Wie weit sagt er? V5. sagen: den 1. Abschnitt, n~3 sagen: auch den zweiten. Er schließt . mit dem Erlösungsspruch. Rabbi Tarfaun sagt: ,Der uns erlöst hat und unsere Väter aus Aegypten' ohne abschließenden Segensspruch. Rabbi Akiwo sagt: ,so möge'." Der jüdische nationale Hochgesang deutet die Errettung an, indem er G'ttes Vorsehung preist, die die sozialen Beziehungen zum Besten der Bedrückten gestaltet. Nach n"3. bedarf es noch vor der Mahlzeit des deutlicheren Hinweises im 2. Abschnitt. Den Abschluß0)' bildet nach y*T der hoffnungsfrohe Ausblick in die Zukunft, der im Genuß des nos -Opfers nach dem sättigenden Festopfer den symbolischen Charakter dieses Genusses erkennen läßt. 'T-nwa „Man schenkt ihm den dritten Becher ein, er spricht das Tischgebet, beim vierten vollendet er das Hallel und spricht über ihn den Segensspruch des Liedes. Zwischen jenen Bechern kann er, wenn er will, trinken, nicht aber zwischen dem dritten und vierten." uua Vsr» Für „seine" Nahrung, selbst wenn sie kärglich zugemessen, dankt der Befreite. Sie ist nicht Selbstzweck ihm, nur Mittel, die die Kraft ihm geben sollen, G'tt zu loben. Das Lied auch ist ihm nicht Ergötzen der Musik, von rma er dankt für dieses G'tt. Es ist ihm der Erwählung Frucht. Kein irdischer Genuß darf trennend stehen zwischen dem Toast der Erlösung und dem der Erwählung. Untrennbar sind Erlösung und Erwählung aneinander geknüpft und durch einander bedingt. 'n mvn „Sie bringen nicht nach dem Peßachopfer zum Abschluß einen Nachtisch. Ist nur ein Teil eingeschlafen, dürfen sie weiter essen, sind sie alle eingeschlafen, nicht. Rabbi Jaußi sagt, nur wenn dieser Teil eingenickt ist, nicht aber wenn er fest eingeschlafen ist." Kein Nachtisch darf die Bedeutung des symbolischen Genusses schwächen und verwischen. Nimmer ermüdende Aufmerksamkeit der geistigen Erfassung setzt er voraus. Nicht Schlaf, nicht Schlummer läßt er zu. 'ü n2tfö „Das Peßachopfer verunreinigt, wenn Mitternacht vorüber ist, die Hände, die es berühren, ebenso andere Opfer, bei denen der Opfernde ver- 3) vgl. Rabb. Hirschs Kommentar zu Psalm 22, 27. *j" vgl. Rabb. Hirschs Kommentar zu Psalm 30, 2 zur Verwandtschaft der Sprachwurzeln, 5> nns «33 mwi ov bbisv "ibbn jVian bn> f B) "Di 'fl-'^n '8 pns mala 'on '»^bit» ">y- /

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