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Der Israelit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 16/17 D c r Israel i t 17. April 1935 behält, übertritt zwei Verbote; Zwar wird er für Gesäuertes, das schon vor Peßach in seinem Besitze und von ihm nicht fortgeschafft wurde, nicht auf ausdrückliche Thoraanordnung hin mit (Geißelung bestraft, wohl aber verdient er Züchtigungsgeißelstrafe. (Hilch. Peßach I, 1, 2, 3.)" „Wer von dem Fleische eines zum Genüsse verbotenen vierfüßigen Tieres, Vogels, Fisches, eines Insektes, Wurmes, einer Schnecke und dergl, ißt, erhält Geißelung. (Hilch. Maachaloth aßuroth II, 2, 4, 5, 6, 12, 13, 15 u. ff.)" „Wer Fleisch (in Olivengröße) ißt, das von ''einem erlaubten, aber eingegangenen Tier oder Vogel herrührt, verdient Geißelung, denn so heißt es: Ihr sollt kein Aas essen. Alles, was nicht von vorschriftsmäßig Geschlachtetem herrührt, gilt als e i n g e g a n g en, als Aas. {ib. IV., 1 u. ff.)" „Es ist von der Thora verboten, Milch- und Fleischmischung zu kochen, zu essen oder davon irgendwelchen Vorteil zu haben. Man muß sie vielmehr durch Vergraben in der Erde beseitigen. Wer diese Mischung kocht oder ißt, erhält Geißelungsstrafe, (ib. IX, 1.)" „Wein, der für Götzendienst geweiht wurde, ist für jede Art von Genuß verboten. Wer -davon trinkt, erhält Geißelungsstrafe. Wein aus nichtjüdischer Herkunft, von dem wir nicht wissen, ob er geweiht wurde oder nicht, ist für den Genuß verboten, wie geweihter Wein. Wer solchen Wein trinkt, erhält Züchtigungsgeißelstrafe. " (ib. XI, 1, 2.)" Diese Aeußerungen aus dem Mischne Thora des Maimonides ließen sich für alle Gebiete des jüdischen Lebens beliebig vermehren. Wer will, kann daraus lernen. Und darum hat es auch Hirsch unterlassen, große Nutzanwendungen aus den von ihm zitierten Worten des großen, gefeierten. Lehrers zu ziehen. Er hat darunter nur die lapidaren Worte gesetzt: „Da habt Ihr Euren Maimonides!" Maimonides und Spanien. Von Professor Dr. J. Marko» in Hamburg. Es ist wohl kein Wunder, daß in diesen Tagen die Juden aller Länder den 800. Geburtstag eines ihrer Größten feierlich begehen. Aber als ich vor einigen Tagen eine Einladung nach Cordova erhielt, unterzeichnet von dem Bürgermeister dieser Stadt, Herrn Bernardo Garrido, der gleichzeitig Vorsitzender eines Komitees ist, das sich aus Nichtjuden zur Feier des 800. Geburtstages des großen Juden Maimonides in des- . sen Heimatsort gebildet hat, hat diese Einladung viele, viele Gedanken in mir aufleben lassen. Spanien! Wieviel ist mit diesem einen Wort für die jüdische Geschichte gesagt! Seit mehr als einem Jahrtausend lebten Juden in diesem Lande; anfänglich unter christlicher, dann unter arabischmaurischer, und zuletzt wieder unter christlicher Herrschaft und haben Freud und Leid mit ihrer nichtjüdischen Umgebung geteilt. Aus ihrer Mitte sind viele große Staatsmänner und Gelehrte Spaniens hervorgegangen, und die spanische Periode ist die Glanzzeit der jüdischen Literatur des Mittelalters. Denken wir nur an Namen wie die der Fürsten Chasdai ibn Schaprut, Samuel ibn Nagrela, der Dichter und Philosophen Salomo ibn Gabirol und Jehuda Halevi, des Dichters Moses ibn Esra, des Philosophen und Moralisten Bachja ibn Pakuda, des Exegelen, Grammatikers und Dichters Abraham ibn Esra, der Grammatiker Menachem ben Saruk, Dunasch ben Labrat, Jehuda Chaijudsch, Abul Walid Merwan, Jona ibn Ganach u. v. a. Aber unzählige Qualen und Verfolgungen haben die Juden in Spanien zu erdulden gehabt, bis sie schließlich im Jahre 1492 gänzlich aus dem Lande vertrieben worden sind. Herausgegriffen aus der Mitte der Unzähligen, wollen wir hier die Worte eines einzigen dieser Helden anführen, des bekannten Staatsmannes Portugals und später Spaniens und berühmten jüdischen Gelehrten, Don Isaak Abrabanels, der während der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492 wegen seines großen Ansehens beim König Ferdinand und der Königin Isabella von Spanien, von diesen ausnahmsweise die Erlaubnis erhalten hatte, im Lande zu verbleiben und es vorzog, Bündel und Wanderstab zu ergreifen, und das Schicksal seines gequälten und bedrängten Volkes zu teilen. In der Vorrede zu seinem Kommentar zu den Büchern der Könige berichtet Abrabanel in erschütternden Worten: „Am Anfang des Jahres 5244 (1484), als ich eben den Kommentar zu den Büchern der Könige beginnen wollte, ward ich zu dem Mächtigsten der Fürsten, zu dem Könige von Spanien berufen, der herrschte über die Reiche Castilia, Aragon, Catalonia, Sizilia und andere Inseln. Ich kam an den Hof des Königs und der Königin, stand ihnen nahe lange Zeit, und es ließ der Herr mich Gnade finden in ihren Augen und in den Augen der Edlen, die den höchsten Rang einnahmen im Rate, und ich war beschäftigt in ihrem Dienste acht Jahre. Aber im neunten Jahre, d. i. im Jahre 5232 (1492) eroberte der König von Spanien das ganze Reich Granada und die mächtige, vielbevölkerte, hochberühmte Hauptstadt desselben. In seinem Trotze und Uebermut ward er anderen Sinnes und da er seine Macht seinem G'tte zuschrieb, sprach er in seinem Herzen: Womit könnte ich wohl meinem G'tte, der mich mit Kraft ausgerüstet hat zum. Kriege, wohlgefälliger erscheinen, wie mich dankbarer erweisen meinem Schöpfer, der diese Stadt in meine Gewalt gegeben, als indem ich das Volk unter seinen Schutz bringe, welches im Finstern wandelt, die zerstreute Herde Israels und die abtrünnige Tochter zurückführe zu dem Glauben an ihn oder sie hinwegtreibe in ein anderes Land, fern von mir, daß sie nicht mehr in meinem Lande wohnen und nicht mehr bestehen vor meinen Augen? Somit erging der königliche Befehl mit Gesetzeskraft wie ein Gesetz von Persien und Medien und der Herold rief mit Macht: Man befiehlt euch, ihr sämtlichen Familien des Reiches Israel, wenn ihr euch mit Taufwasser besprengen laßt und euch niederwerft und bückt vor den Göttern der anderen Völker, so sollt ihr das Beste des Landes genießen gleich mir heute und im Lande wohnen und darin Handel treiben dürfen; wenn ihr euch aber weigert und ungehorsam seid, den Namen meines G'ttes nicht anerkennt und meinem G'tte nicht dient, so machet euch auf und zieht weg aus der Mitte meines Volkes, aus den Ländern Spaniens und aus Sizilien, Majorca und Sardinien, welche unter meiner Herrschaft stehen, und nach drei Monaten darf auch nicht ein Nagel mehr von dem, was mit dem Namen Israels benannt wird, in sämtlichen Provinzen meines Reiches bleiben. Zu jener Zeit befand ich mich am Hofe des Königs und mühte mich ab mit Bitten, sö daß rauh wurde meine Kehle; dreimal flehte ich ihn an und sprach: Hilf, o König, warum willst Du also mit Deinn Knechten verfahren? Lege uns doch auf, daß wir Gaben und Geschenke bringen an Gold und Silber und was einer aus dem Hause Israels besitzt, wird er um sein Vaterland hingeben. Ich wandte mich an meine Freunde, die die Gunst des Königs besaßen, daß sie für mein Volk Fürbitte täten, und die Vornehmsten redeten vereint dem Könige mit aller Macht zu, daß er jene Befehle des Zornes und Grimmes zurücknehmen und seinen Vorsatz zur Vernichtung der Juden aufgeben möge. Aber wie die taube Otter verschloß er sein Ohr und wollte niemandem nachgeben. Auch stand die Königin mit mächtiger Beredsamkeit ihm zur Seite und bestärkte ihn darin, das einmal begonnene Werk auszuführen. Und so bemühten wir uns ohne Erfolg; ich hatte nicht Frieden, nicht Ruhe noch Rast, aber das Unglück kam dennoch. Als das Volk diese schlimme Nachricht erfuhr, trauerte es, und überall, wo des Königs Befehl hinkam, sah man große Trauer bei den Juden, es entstand ein großer Schrecken und ein Angstgeschrei wie bei einer Erstgebärenden, wie dergleichen nicht gewesen, seitdem Jehuda vertrieben ward aus seinem Lande in die Fremde. Und einer sprach zum anderen: Wir wollen einander stärken in unserem Glauben und in der Lehre unseres G'ttes gegenüber jedem Lästerer und Sehmäher. Lassen sie uns dm Leben, so leben wir, und töten sie uns, so wollen wir umkommen, aber nimmer unseren Bund entweihen und. unser Herz abwendig machen, sondern wandeln im Namen unseres Herrn und G'ttes. Und so. zog es aus, unfähig zum Widerstand, 300.000 Fußgänger stark, das Volk, in dessen Mitte ich war, jung und alt mit Kindern und Fraüen an einem Tage aus allen den Provinzen des Königs; wohin ~ der Geist sie zu gehen trieb, dahin gingen sie und ihr Konig zog ihnen voran, G'tt*- an ihrer Spitze. Der eine rief aus: G'tt gehöre ich an! und der aridere widmete dem Herrn seine Kraft.,Einige gingen nach den nahe gelegenen Reichen Portugal und Navärra, aber bittres Leid und finsteres Unglück traf sie überall, Raubgier, und Hungersnot und Pest; einige begaben sich auf das Meer und suchten in den Wogen einen Pfad', aber auch dort war die Macht des Herrn gegen sie und verwirrte und vernichtete sie, denn viele der Verbannten wurden zu Knechten und Mägden verkauft nach den verschiedensten Ländern der Völker, -andere würden, ins Meer versenkt und sanken unter wie Blei, und einige von diesen hatten sogar den Feuer- und Wassertpd' zugleich zu leiden, denn die Schiffe gerieten in l3rand, so daß da6 Feuer des Herrn gegen sie aufloderte. Kurz, von. allen seinen schrecklichen Strafgerichten fehlte keines: Wer dem Schwerte anheimfallen sollte, fiel dem Schwerte anheim usw. Auch ließ der Herr an ihnen haften die Pest und sie wurden zum Entsetzen allen Reichen der Erde, so daß sie schwanden und untergingen durch die Schrecknisse und ihrer nur sehr wenige von vielen übrig blieben nach dem Aussprüche unserer Väter (Num. 17, 27): Siehe, wir kommen um, wir sind alle verloren. Der Name des Herrn sei gepriesen! . . . Unter jenen, die sich einem Schiffe anvertraut hatten, war auch ich, und so kam ich mit den übrigen Ausgewanderten, mit meinen Kindern und meiner Habe hierher nach dem gepriesenen Napoli, dessen Könige huldvoll sind, in dem Jahre 5253 (1493)." ' Das alles geschah, im Jahre 1492. Merkwürdigerweise hat die g'ttliche Vorsehung zur Wunde gleichzeitig die Heilung gesandt, denn in demselben Jahre 1492 wurde Amerika entdeckt. Allerdings wurden damals 300.000 Juden aus. Spanien vertrieben, die nicht alle gleich den Weg in die neue Welt finden konnten. Rund 450 Jahre sind verflossen seit der Vertreibung der Juden aus Spanien und heute will das spanische Volk, vertreten durch seine besten Söhne, das einstmals geschehene Unrecht wieder gutmachen. Das jüdische Volk ist weder nachtragend noch rachsüchtig, und vergißt schnell, was ihm angetan wurde, und die Hand, die man ihm versöhnend bietet, wird nie haltlos in der Luft schwebend bleiben. Tatsächlich haben viele jüdische Gelehrte aus verschiedenen Ländern dieser liebenswürdigen Einladung Folge geleistet. Und man darf annehmen, daß die schönen Worte der Staats- und Stadtvertreter in Cordova zu Gunsten der Juden auch aufrichtig gemeint waren. Die vorliegende Nummer erscheint als Doppelnummer und umfaßt 28 Seiten. Die nächste Nummer gelangt wegen der Pessachfeiertage am Donnerstag, den 2, Mai zur Ausgabe« Wer Erfahrung im Reisen besitzt, weiß, daß die Behaglichkeit des Reisens zum Teil davon abhängt, daß alle Gegenstände gut verpackt sind.. Diese Zweckmäßigkeit des Packens können Sie erreichen, indem Sie sich der Koffer, Taschen, Rucksäcke usw. der Firma L. Diller, Kr o n prinzen straße' 39 bedienen, welche dort in allen Preislagen und besten Qualitäten zu Ihrer Verfügung stehen. (Siehe Inserat) Wochenkalender. Vom 20. — 27. April 1935 / Vom 17. — 24. Nissan 5695 •>»V 5p Samstag 20 17 'äö K33 »y D'i'tfn w .a-nw t\yo Sonntag 21 18 3V 1 Montag 22 1$ & \ tyuon i>in Dienstag Apr. 23 20 i> J Mittwoch 24 Vfi 21 Tb . 'i av nsa Donnerstag 25 22 -fr /n dy> hos Freitag 26 2i rV an mos Samstag 27 24 nV Wiri f>3*i3J3 'inx Maulet} Freitag morg. 7 Uhr 16B/18 Min.

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