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Der Israelit · 1935-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 16/17 Der Israelit 17. April 1935 Judentum bedrohten, daß sie dem Fahnenflüchtigen ebenso verführerisch zuwinkten, wie sie den Treuen verfolgten. Eingeklemmt zwischen zwei Gewalten, deren jede allein schon fähig schien, das Judentum zu vernichten, war es erst recht in Gefahr, da, wo es dem Drucke entzogen war, von der durch das Medium griechischen Geistes hindurchgegangenen arabischen oder christlichen Kultur aufgesaugt zu werden. Die Widerstandskraft des Juden war so und so auf die härteste Probe gestellt. Maimonides war sich dieser tödlichen Gefahr nur zu sehr bewußt. So schreibt er in seinem Mischne Thora: „Und wenn alle Staaten, die der denkende Mensch kennt und von denen er hört, auf unr echtem Wege wandeln wie unsere Zeit, dann muß er allein seinen Weg gehen. Und wenn sie ihn zur Angleichung zwingen wollen, dann suchte er Höhlen und FelsenspaLten auf." Diese Bemerkung zeugt von der trostlosen Einsamkeit, in der Maimonides zu seiner Zeit gelebt hat und gegen die er sich und sein Judentum zu behaupten suchte. Wie er das fertig brachte, das macht seine Größe aus. Eine lebendige Verkörperung der Wesenseigentümlichkeit unserer Nation, hat er eben aus dieser heraus stark und stolz über Haß und Liebe der Welt triumphiert. Ein Denker und Führer, dringt er in die Tiefe griechischen Geistes, auf den sich die herrschenden Kulturen stützen zu können meinten, zeigt seine Unvereinbarkeit sowohl für die eine wie für die andere und bezieht seinen Standort über allen dreien. So wird er Christen und Mohammedanern der nachfolgenden Jahrhunderte zum Führer religiösen Geistes, so weist er seinem Volke den Weg über rohe Gewalt zum Siege des Geistes, so ringt er Schritt für Schritt seines Weges einer mittelalterlichen Welt ab, und nicht nur ihr, sondern auch einem wechselvollen persönlichen Schicksal. Wer sich in das Leben dieses Mannes vertieft, kann nicht ungesegnet von dannen ziehen. Eine gütige Vorsehung hat es gefügt, daß wir es nicht nur als Ganzes, sondern auch in seinen Einzelzügen genau kennen. Auf keinem unserer großen Lebensbilder liegt so viel Licht als auf diesenr, als ob die Mitwelt bereits vorahnend die , Sendung dieses Mannes für die Zukunft geahnt hätte. Schon in dem Bilde, das uns merkwürdigerweise von seiner äußeren Persönlichkeit erhalten wurde und unter dem seine zierliche Handschrift ruht, spricht sich die Abgeklärtheit des mit allem Unglück ausgesöhnten Geistes aus. Und aus seinen Schriften gewinnen wir das Bild den kann, ist: nvn vtipl Was das ist, sagt uns Abaje deutlich ('is snv) „Du sollst lieben den Ewigen, deinen G'tt: der Name G'ttes werde durch dich zum Gegenstand der Liebe anderer Menschen! Wie kannst du dies erreichen?" Lerne und erwirb die Lehre im Umgang mit den Menschen der Thora, sei ehrlich im Berufsleben, sei menschlich!" finjj i-iiaTi njisttt u»»i n"Ji tp»B>»i nsici >nip kjt» nvian oy Die entscheidenden Fragen, die man dem Menschen vorlegt, wenn er vor G'ttes Richterthron tritt, lauten nach einem Wort Rowos, eben des Mannes, der unsere einleitende Gemoro tradierte, wie folgt (Schabbos 31a): Warst du ehrlich in deinem Berufsleben? Hast du gelernt, deinen Zielen Festigkeit gegeben, indem du sie unter das ewige Gesetz der Thora stelltest? Hast du zum Bestand und Kutlurfortschritt der Menschheit beigetragen?- •T>3-n msa npov n-vrb wn? nrnp rwöRa rinn hkw Wir glauben, daß Abajo und Röwo uns hier das Gleiche sagen: die höchsten Ziele, denen der Mensch zustreben soll: Ehrlichkeit, Menschlichkeit, und von Glauben erfüllte, von Wissen getragene G e i s t i g k e i t. Um dieser Ziele willen wurden wir. aus Aegypten herausgeführt; daran sollen uns die Gesetze gemahnen, bei denen dieses Auszuges besonders gedacht wird: nm: Nichts fördert mehr die Menschlichkeit als gerade dieses Gesetz der Thora, das ein Band der Liebe um alle jüdischen Menschen spannt. Man lese nach, was Samson Raphael Hirsch, ' der nicht nur 5 6 9 5, sondern auch 1935 aktuellste aller Kommentatoren zu diesem Gesetz in klassischen Worten bemerkt und man erlebt es, wie aus diesem einer Seele, die so durchsichtig ist wie die kristallklare Sprache seines Geistes. Es kann ihm nicht leicht gefallen sein, sich diese Ausgeglichenheit zu erringen und zu erhalten, ohne auch nur einmal bei all seiner steten, nie rastenden inneren Entwicklung eine Wendung und einen Umbruch vornehmen zu'-müssen. Er wurde kein Revolutionär, weil er zu hart gekämpft hatte um die Lehre der Väter. In frühester Jugend mit seinen Eltern und Geschwistern auf die Wanderschaft getrieben, ein Opfer fanatischer Glaubenswut, zweimal dem Tode nahe, und der Schwächlichkeit seiner Konstitution fast erliegend, dazwischen durch den Tod seines Bruders, des Ernährers der Familie, aller Mittel beraubt und vor das Nichts gestellt; in solchen Lagen hätte auch der Stärkste den Mut und Idealismus der Jugend einbüßen können. Maimonides hat in den Jahren ruheloser Wanderung, schwerer Krankheit, finsterer Verfolgung und zermürbenden Beruf es nicht einen Augenblick ausgesetzt in seinem Lernen und — in seiner Arbeit für Judentum und Judenheit. Denn wie bei allen großen Männern war auch an ihm nicht das Größte sein Wesen, sondern seine Stellungnahme zu den Menschen und zu der Welt und sein Wirken auf sie. Alle seine Werke sind Antworten auf den Anruf einer Welt, die von nah und fern an sein Ohr drang. Und was wir. an Zeugnissen seines weltumspannenden Geistes besitzen, stellt sich1 dar als Bemühung um leidende, kämpfende, zweifelnde und strebende Menschheit, vor allem aber als geniale Erfüllung eines tief in ihm liegenden Sehnens, zu belehren, zu erziehen und zu führen. So ist sein jugendliches Alterswerk, sein More Newuchim, entstanden aus der Zwiesprache des Lehrers mit seinem Lieblingsschüler Ibn Abnin. Ja, man kann sagen, daß das Geheimnis der großen Wirkung, die von diesem großen Menschenkenner ausging und der leidenschaftlichen Verehrung, die alle in seinen Bannkreis Getretenen ihm entgegenbrachten, darin lag, daß er sich gedrängt fühlte, immer auf ein Gegenüber sich einzustellen, auf seine Kämpfe und Zweifel als verstehender Lehrer r auf seine Leiden und Irrtümer als heilender Arzt. Sein persönliches Schicksal konnte leicht oder schwer sein, er sah nur den anderen, den Bruder, und ließ sich in seinem Wirken für ihn durch persönliche Enttäuschungen nicht irre machen. Denn dieses Wirken ruhte in seinem Glauben und der wurde von drei Energiequellen gespeist, die in ihm zu idealer Einheit zusammenflössen. Die eine war seine Geistigkeit. Ein unstillbarer Drang zu denken, denkend zu erleben, das Leben zu verstehen, in Erkenntnis von Stufe zu Stufe Gesetz Menschentum und Menschlichkeit aufblühen! ni^j?»»: Ehrlichkeit in Handel und Wandel, die Voraussetzung für das Vertrauen der Menschen zueinander und damit die Voraussetzung für alle sittliche Arbeit der Menschengesellschaft! Und schließlich: xvxx sie sollen' uns zu richtiger Geistigkeit führen, sie sollen uns zum richtigen Schauen befähigen, daß wir unserer Aufgabe " eingedenk sind und unser Tun danach einrichten — rppy — rwai n"1«")— sie sollen uns zu G'tt hinführen, daß wir nicht. Herz und Auge, dem Unglauben und der Gedankensünde,- (Brochaus 12b) verfallen! Aber, so lautet der Einwand, ist dies wirklich der Zweck, weshalb wir aus Aegypten geführt wurden? Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Geistigkeit, die G'tt zum Ausgangspunkt und Ziel hat, wir finden sie doch auch bei den andern! Wo bleibt das Gesetzt, das Gesetz, das allein doch uns zu dem formen kann, was wir sein sollen: Juden, ganze Juden, Juden, die frei wurden, um sich dann zu binden?! Da tritt das O^iff-Verbot hinzu! Es weist uns an, uns den Genuß dessen zu versagen, was G'ttes Thora uns Verboten, G'ttes Gesetz uns verweigert hat! Erst in diesem Gesetz sehen wir uns, nicht nur 'aus Aegypten herausgeführt und neben andere Kulturnationen gestellt, durch dies Gsetz wurden wir heraufgeführt! Die Grenze des Gesetzes, die um all unser Tun und Lassen gelegt wurde, sie weitet und erhöht gerade" unser Gebet! In diesem; Gesetz offenbart sicH.uns der1 höchste Sinn unserer Befreiung, der 'tiefste Sinn Unserer Freiheit!!;Aus Aegypten hat G'tt uns befreit: in vier Eir-. lösungsworten uns frei gemacht: wir erkennen in! ihnen wieder den Zweck unseres Auszugs: tiefer einzudringen, von Stufe zu Stufe höher sich zu heben, beseelte ihn. Diese Geistigkeit, sowie sie seinem Glauben ihre Wärme verdankte, so gab sie ihm dafür'ihre Leuchtkraft. Sie lieferte ihm die für alle gültige Sprache, mit deren: Hilfe, er das Judentum aus seiner geistigen Isolierung befreite, Judentum als Weltanschauung, jüdisches Volk als Träger eines Ideengebäudes der Menschheit darzustellen wußte. Denn auf die Menschheit wollte er wirken,, und auch auf Juden als Organe der Menschheit. Und das war die zweite Quelle, aus der er schöpfte, die in ihm strömte. Menschen zu finden, Menschen zu bilden, Menschen zu helfen, wo immer sie standen. Das war seine Sehnsucht,, die ihn zum Heilen, zum Arztbenif, führte, aber eben diese Sehnsucht hatte ihn vorher zum Menschenbildner, zum Menschenformer gemacht, ja hat ihn sein ganzes Leben lang zum Kampf um den Menschen getrieben. Und wie er von überall her Menschlichkeit und Menschentum dankbar und enthusiastisch anerkannte, die Denker und Frommen der Menschheit im Namen des Judentums begrüßte, so stellt er in einer Zeit allgemeiner Judenfeindschaft und allgemeinen Glaubenshasses im Beruf und im Denken die Brücke her vom Menschen zum Menschen. Aber .beides. Geistigkeit und Menschlichkeit, mündeten ihm in die Thora. Das war die dritte, die stärkste Energiequelle, aus der er lebte. In ihr sah er das Volk, in ihr liebte er das Leben, in ihr suchte er die Wahrheit und in ihr fand er die höchste Sittlichkeit. Die Thora war ihm die zentrale Sonne, von der alles in seinem Leben Licht und Schatten, Stellung und Bedeutung erhielt, und auch das, was im praktischen Leben seiner Zeit nicht anwendbar war, seinen geistigen Wert empfing, den er mit der "gleichen leidenschaftlichen Liebe untersuchte und darstellte wie alles Aküelle. Denn aus jedem Worte der Thora hörte er die Stimme G'ttes, nicht im bildlichen Sinne und als Botschaft einer legendären Zeit, sondern unmittelbar, wie damals, als sie zum ersten Male am Sinai ertönte,' zu ihm sprechen, in jedem Augenblicke seines g'ttbegnadeten Lebens, über dem der abrahamitische Nachruf stehen könnte: mrw ups rwi t:q rw -nw 'iura ]sra^ vnrv "o „denn ich habe ihn berufen, Wegweiser zu sein seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm." Seine Söhne sind wir heute alle, sein Haus ist das ganze jüdische Volk. Aegypten: die Feste der menschenbedrückenden,, aller Menschlichkeit hohnsprechenden Fron: Q"nxn n.i^ao rnns Dans •'TiNSim Ich führte euch heraus aus dieser Bedrückung! Aegypten: die Stätte der höchsten wirtschaftlichen Unmoral und Unehrlichkeit, die das Stroh verweigert, aber die Ziegel fordert: omayn Dans 'rtsm Ich befreite euch von d i es em Dienst! Aegypten: das Land einer sich selber zum G'tt und Herrscher erhöhenden Geistigkeit: j (O'^ni tntjsibji "•iw.'rma. oanx »r^tui Ich erlöste euch mit erhobenem Arm, mit Strafgerichten; die Mich als G'tt erwiesen. Und das Ziel?! >a-pb»b- Mb wm avb Eöfix.'Ji npv Ich nahm euch Mir zum Volk, daß Ich euch der G'tt bin, Dem ihr durch Erfüllung Seines Gesetzes huldigt: s o erkennt ihn den letzten Sinn der D'-isn ns'S1': 'D-nxn irfrao nnm oans R'xran aspbn n -38 '3 dwti, jvpij; -., , W. S. J. Briefkasten, » ,;.Isr. Kinderheim Köln. 1. ins» "n 1 Tag mao 2.; i?~p ms» 13.. 3. -iminn mxn na. 4; - -nn' msn *ia. ■ , " Hildesheim, nwa "ia am trnim?. M. Steinamanger. Ist leider wegen Platzmangels und auch aus anderen Gründen unmöglich-

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