Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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17. April 1935 D e r I s r a e 1 i t Nr. 16/17 Seite 5 ^Zeiten die Notwendigkeit einer von der Autori-. ~tät "der Thora getragenen r e 1 i g i ö s^e n Z e n - t r a 1 b e h ö r d e war. Die A g uda s. J i s r o e I- W e 11 o r g a n i s ä tion mit dem Ra b b i n i - -s c h e n R a t e an der. Spitze könnte in ihrem organisatorischen wie ideologischen Aufbau sich in mehr als einer Beziehung auf Rambam stützen. Hier ist einer der Wege, die in die Zukunft, ins goldene Zeitalter weisen, dessen t ä g 1 i c h e s H erb eis e h n e n eines der von Maimonides -aufgestellten Glaub enspostulate ist. Das Leben im Galuth ist nur ein Provisorium, die Wege ans ■dem Galuth in die Geullah haben wir zu ebnen und zu bereiten; manches, wie die Smichah, schon vorweg zu nehmen. Es ist zunächst ein .ganz diesseitiger Messias, den er uns erwarten läßt: nmn rn1? dVid iitit ^»ix ania uruaa d^ij? . '(s'^p d^Vö mb^n) „Wenn das ersehnte Ende da ist," so schließt das größte aller Sendschreiben und Botschaften -an die jüdische Menschheit, Jad Hachasakah, „dann hat Judennot und Menschennot ihr endgültiges Ende gefunden. . jninn xbi nxip nanVa asn ">?p. kV faw irniov "7 Jim rijn aVwn pöy ">,t x^i . i,Um diese Zeit gibt es keinen Hunger und keinen Krieg, keinen Neid und keine Eifersucht. Es "wird dann aller; Welt ausschließliches Streben •sein, G'tt zu erkennen." Aber er eröffnet uns darüber hinaus auch die metaphysische Welt des Messias, des G a n Eden und Olam H a b b a. Die letzten drei seiner Glaubensthesen handeln von Vergeltung (in der zukünftigen Welt), Mose h i a c h und Auf er sieh u n g derTo t e n. Man machte ihm zum Vorwurf, daß er über diese letzteren Glaubensformeln etwas kleinlaut hinweggegangen sei, sie nicht mit der sonst ihm eigenen breiten Ausführlichkeit zu begründen suchte. ,,Wie soll ich das euch begründen?" fragt er. „.Man kann diese Dinge so wenig logisch erklären, wie etwa das Wunder der Schöpfung. Kann man einem Blinden das-Spiel, der Farben, einem Tauben den Klang der Töne erklären; wie einem Fische, dessen Lebenselement das Wasser ' ist, den Instinkt für das Element des Feuers beibringen? Genau so unmöglich ist es aber uns, die wir im irdischen und leiblichen Leben befangen sind, eine Vorstellung vom höheren Leben und von den vollendeten Wonnen in der künftigen Welt uns zu machen. Aber sie sind da, die Farben und die Töne und das Feuer, trotz des Blinden und Tauben und des Wassertieres, die sie nicht kennen und anerkennen." Ob wir die höhere Welt begreifen oder nicht, es kommt nicht besitzen und nie geändert sehen werden. Diese paar Proben mögen besonders für die jugendlichen Leser als Warnung dienen, nicht alles, was heute über Rambam an den Tag kommt, kritiklos hinzunehmen. Ein Wort zum Verständnis einer Bemerkung des Rambam. Von Rabbiner C. Peritz in Schönlanke. In Nr. 15 des „Israelit" in dem Artikel „Rabbi Mosche bar Maimun" wird u. a. darauf hingewiesen, daß der Rambam in der bekannten Mischna in Brochoth das „Wunder des grauen Haares" ganz verschweigt und nur sachlich bemerkt: er lernte so intensiv, daß er früh vom Alter befallen wurde. Da aber andreresits das Wunder des grauen Haares ausdrücklich in der Gmoro berichtet wird, so könnte die Deutung 'des Rambam die irrtümliche Meinung erwecken, der große Meister habe eine dem Talmud widersprechende Erklärung gegeben. Es sei - darum hier auf ein Wort des berühmten ^"»t -isid ajift verwiesen, das sich im laio ana Anfang von twia vorfindet und das zu diesem scheinbaren Widerspruch Stellung nimmt. Es lautet folgendermaßen: Der Sinn der Bemerkung ist, daß auf natürliche Weise derjenige, der sich ständig mit der n-iin beschäftigt und abmüht Wie v*as*v in - seiner Kraft geschwächt wird und daß seine Haare ergrauen. So geschieht es: zwar auf natürlichem Wege.' Wer aber die nix» hütet, weiß von nichts Bösem und wer auf G'tt vertraut; ist mit Macht gegürtet. Die nun gibt ihm Leben, Kraft und Stärke. Das, geschieht auf wunderbare - Weise. Bei srakV als die bekannte Not- . ruf das Begreifen an, sondern nwbv? rj3'l»iO],aK»,>3K „Ich' g 1 a übe mit vollkommenem Glauben, daß eine Auferstehung der Toten erfolgen wird. Wann? yrwin flfcö nbyr\V njn „wann es der Wille des Schöpfers sein wird. — — —" . *' Auf dem Hügel vor der alten heiligen Stadt Tiberias, fast gegenüber dem Grabe von Rabbi Meir baal Haneß und in der Nähe der „Warmen Heilquellen", erhebt sich auch die Grabstätte von Möses Sohn Maimuns. Als er am 20. Teweth 1204, nachdem er sein letztes Sendschreiben an die „Weisen von Lunel" abgefaßt hatte, die Seele aushauchte, hatte er den letzten Wunsch mit den Worten Vater Jakobs geäußert; 'ffnsäa "»j-npn tu „Laßt mich nicht in - Mizrajim' begraben sein!" Nicht ohne Schwierigkeiten, Widerstände und Gefahren brachte man die Bahre hierher, wo der große Kämpfer und Sieger in heiliger Erde seine letzte Ruhe gefunden hat. Von Dir. Dr. Elias. Nicht immer sehen wir klar die Eigentümlichkeit unseres Volkes. Und weil wir sie so leicht verkennen, und wenn erkannt, vergessen, darum muß manche Zeit so unheilvoll in unser Schicksal eingreifen, damit wir nicht übermütig der uns gewiesenen eigenen Bahn vergessen. Um aber dem anderen Extrem, der Kleinmütigkeit, die so oft auf Strafen folgt, entgegenzuwirken, kommt Lehrmeisterin Geschichte und reicht uns aus dem unerschöpflichen Born ihrer Erinnerungen Bilder, die aus der Vergangenheit herüberleuchten, um unseren Weg zu erhellen. Das ist der Fall in diesem Jahr.- 800 Jahre sind verflossen seit dem Tage, an dem Moses Maimonides in das Leben unseres Volker trat. Aber das Szepter dieses Königs im Reiche menschlicher und jüdischer Werte strahlt heute noch in unvermindertem Glänze. Jede Zeit hat ja ihren Teil an Maimonides gehabt, und es zeugt von seiner Größe, daß jede Zeit ein Verhältnis zu ihm gesucht hat. Nicht immer zum ganzen Maimonides und nicht jede Richtung zur gleichen Seite seines Wesens und Wirkens. Aber jede Zeit und jede Richtung knüpfte irgendwie an ihn an. Und doch kommt es uns vor, als ob wir ihn heute mehr als je vermißten, als ob wir gesetzestreue Juden in heutiger Zeit ihn besonders nötig hätten. wendigkeit eintrat, daß 'seine Haare grau werden sollten, entfernte G'tt im Hinblick auf die Notwendigkeit das Wunder und seine Haare ergrauten im Augenblick." Mit dieser sinnvollenN Deutung ist die Uebereuv- Stimmung der Erklärung des d"3ö"i mit den Ausführungen der wieder hergestellt. Zweck des Auszugs aus Aegypten! Röwo fragt: „Warum erwähnt die Thora den Auszug aus Aegypten beim Zinsverbot, beim Z i - z i s g e b o t und beim Gebot des rechten Gewichts?" „Der Heilige, gelobt sei Er, spricht: Ich habe in Aegypten genau unterschieden, wußte genau" bei jedem Aegypter, ob er der Erstgeborene seines Vaters war, vor Meinem Auge war kein Geheimnis verborgen, darum werde Ich auch den strafen, der unter falschem, erdichtetem Vorwand Zinsen nimmt, den, der seine Gewichte (durch Eintauchen in Salz) schwerer macht, den, der an seinen Talith Zizis von künstlichen Farben hängt und sagt, daß sie vom. Tcheles stammen." Rawino besuchte einst Sura am Euphrat. Da sagte zu ihm Raw Chänino aus Sura: „Warum ist beim Verbot der Kriec h ti efe der Auszug aus Aegypten erwähnt?" Jener antwortete wie oben; und darum wird G'tt •den strafen, der den Trän unreiner Fische mit dem Oel reiner Tiere mischt und an Juden verkauft?' Raw Cnanino entgegnete: „Du hast meine Frage iiieht ganz Verständen! Mir wär auffallend, warum bei diesem Verbot im Gegensatz zu 4en andern Stellen der'5 Ausdruck steht: Der eiieh her - auf geführ.t hät? 'A (An den ändern Stellen steht h e r a ü s g e f ü K r t!) ,'Ünd er antwortete ihm nach Männer von Tiberias und aus anderen Teilen des heiligen Landes, Aschkenasim und Sefardim, Brüder aus allen Erdenden, steigen von Zeit zu Zeit den Hügel hinauf und stehen ergriffen vor dem einfachen Kalksteine, der am Kopf im Halbrunde die Worte in lapidarer Schrift trägt: 'WöD Qj? kV raa wi ,wa niava „Von den Tagen Mosis bis zu Moses gab es keinen solchen Moses!" Aus alten Büchern, aus Schriften. des Meisters, lernen sie an diesem Grabe. Und wenn dann ein Jemenite aufsteht, um ein Kaddischgebet anzustimmen, betet er dazwischen: ••p»*»» ja wa mm «mi p-wn \\y>m Von ihnen sollten wir es im Maimonidesjahre lernen. Nicht loben wollen wir Rambam, sondern ihn leben, daß wir „zu unseren Lebzeiten und in unseren Tagen" geweiht und gewürdigt werden für das von ihm geschaute Endziel: D-»b d^öd "r riK njrr f*ikh rraVai Wir glauben nicht daran, daß unsere Kämpfe und Schwierigkeiten größer sind als die früherer Geschlechter. Das ist ein Irrtum gegenüber geschichtlicher Wahrheit und eine Sünde an unserem Volke, dessen Widerstandskraft und Vertrauen dadurch geschwächt wird. Wir müssen wissen, daß Maimonides in einer Zeit lebte, die an Vernichtungswillen dem Antisemitismus aller folgenden Zeiten nicht nachstand. Wer da meint, daß jene Epoche für uns leichter gewesen sei, der sei daran erinnert, daß die drei charakteristischsten Erscheinungen mittelalterlichen Judenhasses gerade damals ihren Einzug hielten. Die Juden wurden ins Ghetto gewiesen, Judenabzeichen wurden eingeführt, die Ritualmordlüge wurde erfunden. Christentum und Islam hatten gleichen Anteil an der Judenverfolgung. Von Rom aus wurde unter dem mächtigsten aller mittelalterlichen Widersacher, unter Innocenz III., das Stichwort zur Unterdrückung und Verfolgung der Juden in der ganzen christlichen Welt ausgegeben. Und auf der anderen Seite wurde die Fackel des heiligen Krieges im Namen Mohammeds gegen sie geschwungen und drohte von Spanien über Afrika bis nach Bagdad alle Siedlungen der Juden zu überziehen. Was diese Mächte besonders gefährlich machte, das war, daß sie nur das Bekenntnis zum einer Ueb erlief er ung aus dem Lehrhaus von Rabbi Jischmoel: „Hätte G'tt Israel aus Aegypten nur deshalb heraufgeführt, daß sie sich an diesem Verbot bewähren, dies hätte schon genügt!" „Ist der Lohn für die Beobachtung dieses Verbotes denn größer als der für die rechte Innehaltung der andern drei erwähnten Gesetze?" Der Lohn ist wohl nicht größer, aber ihr Genuß ist besonders verächtlich!" (Bowo mezio 61b.) Dieses Wort de'r Gemoroh regt zum Nachdenken an! Wenngleich es "einleuchtend ist, daß allen diesen Gesetzen ein Gemeinsames zueigen ist: sie wenden sich gegen die Sünde, die sich ins Gewand der Tugend hüllt, sie warnen vor jener abstoßendsten aller menschlichen Verirrungen, vor der Heuchelei und Scheinheiligkeit, sie bringen dem Menschen zum Bewußtsein, daß er vor G'tt steht, dem alles Geheimnis offenbar, so mag dies allein vielleicht doch nicht genügt haben, diese vier Gesetze so hervorzuheben und durch Inbeziehungbringung zum Auszug aus Aegypten auszuzeichnen! Denn der Auszug aus Aegypten soll uns doch wohl nicht in erster Reihe zum Bewußtsein bringen, daß und wie G'tt die Aegypten strafte, sondern, daß und wie G'tt uns erlöste! Nicht, daß G'ttes prüfendes, alles Dunkle durchdringendes Auge den ägyptischen Erstgeborenen herausfand, daß G'tt uns die Freiheit gab, das ist doch für uns die erste Bedeutung des Auszugs aus Aegypten! Man darf daher vielleicht wagen, hinter diesen Gesetzen etwas Besonderes zu vermuten, etwas Besonderes, daß uns unsere Aufgabe, unsere durch den Auszug aus, Aegypten 'gewordene Aufgäbe ins Herz prägen will! . . Das höchste Glück, das dem Menschen Werden kann, die höchste Leis'tung,' zu der er berufen wer- Maimonides als Erzieher.