Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Maimonides 12× ep/1002614
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Seite 4 Nr. 16/17 D ex 1 S' r a e 1 i t 17. April 1935 Aber Maimonides läßt keinen Zweifel darüber, wie er sich den Aufbau des Natiohalheimes denkt: mit allem, was dem „Hause unseres Lebens" einmal Glanz verliehen hat, mit allem, was er halachisch festlegt für morgen, jeden Morgen, an dem der Erlöser kommen kann. Israel ist Träger der heiligen Lehre, und das Land trägt Israel, daß es alle Postulate auch der heiligen „Heimatlehre", wie er sie uns im herrlichsten Lichte zeigt, in Tat und Leben umsetzen kann. Und noch eines, das für die Gegenwart nicht übersehen werden darf: Maimonides, der, später zu Ansehen und Stellung gelangt, den Jemeniten den Weg in die Heimat ebnen kann, hätte um diese Zeit sicherlich auch selbst schon die Möglichkeit gehabt, den „Auszug aus Mizrajim" für sich zu vollziehen. Er tut es nicht. Weil er hier eine Aufgabe für das ägyptische Judentum und von hier aus eine Mission für Gesamtisrael zu erfüllen hat. Der König ,der Könige braucht seine Diener im Palaste drinnen und auch draußen vor dem Tore, E r war vom Palaste in den Außendienst zurückverwiesen worden, und er harrte aus. Zu den geistigen Neuerrungenschaften im neuen Palästina gehört die Neubelebung der hebräischen Sprache, die in erfreulicher Weise jetzt ihre starke Wirkung auch in der Golah ausübt. Wie steht Maimonides zur hebräischen Sprache, er, der alle profanen Disziplinen, als mnaoi mnp*v als Dienerinnen für Königin Thora, zuläßt und empfiehlt? In seinem Mischnahkommentar zum ersten Abschnitt in „Aboth" spricht er sich sehr deutlich darüber aus. Fünf Arten der menschlichen Rede, von „gut und schön" bis „häßlich und verwerflich", zeigt er uns und sagt dann wörtlich: „Und liegen mir zwei Poesiestücke vor, deren eine in hebräischer und deren andere in arabischer oder griechischer Sprache gehalten ist, und beide sind unter moralischen Gesichtspunkten gleich schlecht, so ist das hebräische Stück noch weit schlechter, weil es einen Mißbrauch der heiligen Sprache darstellt. Um so schlimmer, wenn dabei Sätze aus dem Hohenliede oder anderen Teilen der heiligen Schrift mit verwendet werden ..." Heilig ist die Sprache, doch nur allsoweit sie dem heiligen Gedanken dient. Das Wort verhält sich zur Idee wie der Leib zur Seele, die Kohle zur Flamme, Ein Meister des kurzen präzisen hebräischen Stiles ist er in seinem „Jad Hacha-. sakah" wie keiner mehr seit Abschluß der Mischnah, aber er schreibt auch arabisch, wenn ihm das für die größere Popularisierung jüdischer Kleines Feuilleton. Maimonides über die wahre Festfreude. Wenn jemand ißt und trinkt und sich seines Festes freut, so gebe er sich nicht dem Weingenuß, •dem Scherz und dem Leichtsinn hin, in der irrigen Meinung, daß in der Ausgelassenheit die wahre Freude liege. Denn in Wahrheit sind Rausch, Leichtsinn und Ausgelassenheit nicht Freude, sondern ein Sichgehenlassen, das zur Pflichtverletzung führt. Uns ist aber nicht die Ausschweifung, sondern die wahre Freude am Feste geboten, in der sich die G'ttesliebe und der Dienst G'ttes ausdrückt, wie es in der heiligen Lehre heißt: nrrapn 'tai rnay vb new rinn „Weil du nicht G'tt gedient hast mit Freude und aus freudigem Herzen." Daraus lernen wir, daß Freude nur im G'ttdienen bestehen kann und es. nicht angeht, G'tt nahe zu sein und ihm zu dienen bei Rausch, Leichtsinn und Ausgelassenheit, (Mischneh Thora Band III, Vorschriften über die Festtage, Kap. 6, 20.) * * Wenn der Jude die Friedens-, und Freudensopfer des Festes darbringt, so glaube er nicht, daß er schon voll seine Pflicht erfüllt hätte, wenn er mit Frau und Kindern sich gütlich an der Opferspeise getan hat. Man ist vielmehr verpflichtet, die Freude Gedanken gegebener erscheint. Aus dieser Liebe, die ihre Schranken hat, hätten wir alle hier und in Palästina bei der höchst erfreulichen Pflege der hebräischen Sprache und Literatur viel zu lernen. v Das Wort A w o d a h ~ I w r i t h ist in Palästina aufgetaucht, ais stamme es aus dem Gesetzbuch der Histadruth. Nie war das, Problem der jüdischen Arbeit auch bei uns^ in der Golah so brennend wie heute. Maimonides sagt zwar nichts Neues, wenn er all die Stellen aus Thora, Mischnah und Gemara anführt, die auf das Gebot des "]asr »Lasse deinen Bruder neben dir leben," abgestimmt, sind. Aber in dieser konzentrierten Zusammenstellung und in den mahnenden Beiworten ist eine eindringliche Predigt, an unsere Zeit enthalten. Die acht Stufen der jüdischen Wohltätigkeit zeigt er uns in plastischer Gestaltung, an oberster Spitze steht d a s Wohltun, das jede weitere Unterstützung für die Zukunft "entbehrlich macht, also die soziale Hilfe. Und im übrigen «Si lajav. 8*7 ttf?Wö 'Hpix bv. nsij? i1?' buwa bnp ir*o „Noch nie haben wir gehört, daß es je eine jüdische Gemeinde auf dem Erdenrund gegeben hätte, die nicht ihr geordnetes Armenwesen hätte." Dies vor bald 800 Jahren; nicht eine Mahnung; ein Gebot, sondern eine F e s t s t e 1- 1 u n g der unentwegten, nie versagenden und versiegenden jüdischen Bruder- und Menschenliebe, ja Menschenliebe; denn pö^Sö- "ttl ÜISSJ "JS?' „man schließe auch die Armen der Heiden von der Unterstützung und allen anderen Arten der Hilfeleistung nicht aus . . ." Muß man erst die Sabbatlichter aufzählen, die Rambam in seinen detaillierten Sabbatkapiteln aufstrahlen läßt? Oneg Schabbath! Wieder ein neues Wort, das für viele heute eine Stunde bei Lehr, Lied und Labung bedeutet. Der Gebetdichter sagt aber mtyn iäl^ mp WS* spricht mithin von einem vierundzwanzigstündigen Oneg Schab bath, "und er kann sich dabei auf Maimonides berufen. Rambam schließt die Sabbatkapitel im J. H. mit dem jesajanischen Zitate JJJ? I\2Vb IWHpl' also mit dem „Oneg Schabbath". Aber was diesem Schlußworte vorangeht, ist entscheidend. Zurück zum ganzen Säbbat! riefe dieser Führer durch die Zeiten, der Führer, auch der Irrenden, lebte er unter uns und richtete seine Sendschreiben, wie damals an Jemen, tt3tPN3 UTIK1? „die Brüder in im Erfreuen der Annen und Unglücklichen zu suchen und zu steigern. Wie es in der heiligen Thora heißt: „Man gedenke des Leviten, des Fremdling, des Waisen und der Witwe;" Man versorge sie mit Speis und Trank, jeder nach Maßgabe seines Vermögens. Wer aber seine Festopfer genossen hat und an seiner Freude die Armen und Unglücklichen nicht teilnehmen ließ, von ihm spricht der Prophet: „Ihre Opfer sind ein Totenmahl, die davon genießen werden unrein . . ." (Mischne Thora IV, Opfer 2, 14.) Maimonideslegenden, die man nicht erzählen soll... Die Legenden gehören zur Biographie wie der Rankenschmuck zum Bilde, aber es dürfen keine wilden Ranken sein, die das Bild, statt zu schmücken, verdecken. In der auf uns einstürmenden Flut der . Maimonidesliteratur treiben einige Legenden mit, die, obwohl aus alten Quellen kommend, doch sehr dazu angetan sind, das Charakterbild Maimonides' zu verzerren und die Grenze zwischen Wahrheit und Dichtung vollends zu verwischen. Man lehne sie daher ab, oder verweise auf ihren Wahrheits-, richtiger Unwahrheitsgehalt,. Dazu gehört der spannende Roman von der Flucht des. ganz jungen, „alles Geistige ./verschmähenden" •Moses aus dem Vaterhausre und seinem späteren Auftauchen als großer Gelehrter., Die1 Geschichte trifft,'' für Rabbi Elieser,, Sohn des Horkenos zu, von dem sie Talmud, erzählt. Was Maimonides betrifft, so hatte er eine harte, arbeitsame-Jugend, von der er' selber oft genug erzählt. Von .Kindheit auf arbeitete, er unter Anleitung seines gelehrten Vaters und. seines Deutschland". Wo der Irregegangene im dunklen. Gestrüpp ein Licht entdeckt hat, lasse er es nicht mehr aus dem Auge, lasse sich von ihm bis zum. letzten Ziele leuchten. In unsere Sprache übersezt.v Üeher die Stunde des Oneg Schäbbath zur Wonne des ganzen Sabbattages,, mit all dein, was er uns b i e t e t, g e b i e t .e t. und verbietet! . . . Die j ü d i s c h e . S c h u 1 e stellt, sich unsheute, wo sie da ist, als Rettungsanker dar, wosie noch nicht ist, als Sehnsuchtsziei für Jung und Alt. In Palästina ist die Schule unser Schmerz und unsere Hoffnung; groß der Schmerz mit dem ausgedehnten Schulnetze, in das wir unsere Kinder nicht einfangen lassen wollen, klein noch die Hoff- , nung mit den wenigen thoratreuen Schulen, die da und dort schon entstanden sind. Die t\"T) TIID^n im großen Werke von Maimonides müßten heute, wenigstens dem Sinne und der Hauptsache nach,, als N o r m a 1 p La n der jüdischenSchule da und dort dienen. 'in T57"1 fö'nna' Eine Stadt wird in Acht und Bann getan, die nicht für ein geordnetes Schulwesen sorgt. Dies zu einer Zeit, da die Welt von einem Lernzwahg noch nicht einmal im Traume etwas wußte.. Im jüdischen Reiche herrscht aber nicht allein . der Lern-, sondern auch der Lehrzwang, für: Schulunterricht wie Erwachsenenbildung. Die größte Schande und ein Verbrechen zugleich ist Unwissenheit. kVi Klpai üb by njß?ö3»Wer gar nichts gelernt hat, weder Bibel noch Mischnah, den möchte Maimonides aus¬ Ehrenämtern ausschließen, weder als Zeugen noch als Richter -gelten lassen.---- Wie Maimonides über die Zusammenfassung des gesamten re 1 i g i ö s e n L eb e n s, das Einströmen aller Kräfte in ein Becken, von dem aus dann das jüdische Leben in all seinen Bezirken befruchtet wird, mit einem Worte über das, was wir heute religiöse Organisation nennen, gedacht hat, geht klar aus seiner Abhandlung über die Smichah (Sanhedrin 11) hervor; D'j'H nuöV '"'Na ob*ß in»»?! D^mn ->b jnna 'pizjo tVk DTPby tiödV1! Heute schon könnte man in Erez Israel, bei Einigung aller auf b es timmte Autoritäten, die S m i chah, und damit den religiösen Oberrat, das Sanhedrin, mit bindender Entscheidungskraft -für ganz Israel wieder herstellen.- Daß auch diese Frage ein heftiges Für und Wider in der jüdischen Geisteswelt auslöste, zeigt nur, wie brennend aktuell zu allen großen Lehrers Ibn M i g a s c h mit so viel Fleiß und Schöpferkraft, daß schon seine ersten Jugendschriften den späteren Rambam zeigen. - Man erzähle ferner nicht, daß „eine Delegation deutscher Gelehrter, als der Kampf um Maimonides begann, sich nach Cordova begab, um den Anschuldigungen gegen den großen Sefardi auf den Grund zu gehen," daß „diese Delegation lauter merkwürdige Dinge in seinem Hause erlebte, die beinahe an Abtrünnigkeit grenzten, -die sich aber hintennach nur als Mißverständnisse herausstellten." Diese Legende steht in gar zu krassem Widerspruch zu der historischen Wahrheit. Denn erstens hatte Maimonides als Mann und Lehrer nie in Cordova gelebt. Er verließ die Stadt mit seinen Eltern als dreizehnjähriger Knabe und sah Spanien nie wieder. Sodann ist zu beachten, daß der Begrjff psr rvm» und die Mahnung nnnn pi Tiyon p prnn, d. h, daß man sich von allem fernhalte, was an da s Verwerfliche auch nur grenzt und zu Mißverständnissen führen kann, auch in den Anschauungen und Lehren von Maimonides wiederholt vertreten ist. Falsch und irreführend ist auch jene Mär von der angeblichen „Richtigstellung des bis dahin fehlerhaften Thoratextes. durch Maimonides." Der Thoratext, ^der ' diesem großen Lehrer als Grund "für sein /gewaltiges Gebäude diente, stand fest lange vor ihm, seit:' dem ersten. Mosche. Schon Mischnah und Gemarah. gründen sich auf das Wort; der Schrift, Mi drasch nimmt es zum Ausgangspunkt seiner , homiletischen- Deutungen, Rasohl, um »11*' einen von den vielen zu nennen — schreibt h a n d e r t J a h r e f r ü h e r einen kompletten Kommentar zur 'Thora;; Und alle haben, wie /wir;;uns überzeugen können,; d e n g 1 e i c h e n T e x t vor sich,' den Text, wie ihn Rambam schon vorfand und'wie wir-ihn heute noch