Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1935)
- Date
- 1935-04-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 15 Der Israelit 11, April 1935 Wunsch, tinter gewaltiger Beteiligung, in ' B i a 1 y - s t o k statt. Seine reiche Bibliothek schenkte er der Gemeinde von Wilna. 5?"'T- Antisemitische Exzesse im Lodzer Stadtrat, Lodz, 3. April. Im Lodzer Stadtrat kam es nach der Mitteilung des Regierungskommissars, daß der Beschluß, Literaturpreise nur an Arier zu vergeben, als verfassungswidrig aufgehoben worden sei, zu ungeheuren Tumulten. Der Nationaldemokrat Kopczynski brach in heftige Schmähungen gegen die Juden aus. Als die jüdischen Stadträte hiergegen protestierten, griffen die Nationaldemokraten die. jüdischen Stadtverordneten tätlich an. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Minzberg, und die Stadtverordneten Margolis und Bialer wurden verletzt. » * * L o dz, 2. April. Daß die Attacken der Nationaldemokraten gegen das jüdische Recht in Lodz, die letzten Endes auch einen Kampf gegen die Regierung bedeuten, von den Juden nicht stillschweigend hingenommen werden, beweist das Hervortreten der jüdischen Stadtverordneten. Auch der orthodoxe Deputierte Minzberg ergriff das Wort, um mit den Hetzern und Verleumdern gründlich abzurechnen. Unter dauernden Unterbrechungen von Seiten der Gegner weist er die letzten, gegen die Regierungspolitik gerichteten Absichten der Nationaldemokraten nach. Das gesamte polnische Judentum stehe auf Seiten der rechtdenkenden Polen, um Polens Ansehen in der Welt zu vergrößern. Die Nationaldemokraten, die gegen die Juden hemmungslos hetzen, nähmen selbst, wo sie es nötig hätten, gerne die jüdischen Dienste in Anspruch. (Die Nationaldemokraten drohen mit geballten Fäusten.) Als von der gegnerischen Seite ihm „Palästina!" zugerufen wird, bemerkt Minzberg schlagfertig: „Wir Juden möchten wirklich in Polen einen solchen Wohlstand herbeiführen, wie er jetzt in Palästina herrscht, und werden dabei von den Herrn auf dieser Bank gehindert." (Bravorufe bei der Regierungspartei.) In der gleichen Rede rechnet aber Minzberg auch gründlich mit den jüdischen Sozialisten ab, die gegen eine Subventionierung der jüdisch-religiösen Schule stimmen. Bei unbeschreiblichen Tumulten schließt Minzberg seine Rede. Ueber einen Antrag des Führers der Nationaldemokraten, Minzberg zur Ordnung zu rufen, geht das Haus zur Tagesordnung über. Die Schechita in Warschau in Gefahr. . Warschau, 1. April. Nachdem in der Schechita-Angelegenheit mit einem Vergleich wenigstens eine Zwischenlösung zustandegekommen war, droht jetzt eine neue Gefahr, und es zeigt sich immer mehr, daß jene Reibereien mit dem Magistrat nicht bloße Verhaltungs- und Gebührenangelegenheit war, sondern letzten Endes aus dem Willen entsprungen waren, die Schechita nach Möglichkeit zu unterbinden. So wurde vom Magistrat die Weisung an die Spitäler und unter städtischer Aufsicht stehenden Anstalten gegeben, fortan ihren Fleischbedarf nicht mehr aus der rituellen Schechita zu decken. Diese Verordnung gilt auch für alle philantropischen Institutionen, die irgendwie von der Stadtverwaltung unterstützt werden. Für Nichtkenner der Warschauer Verhältnisse muß bemerkt werden, daß die jüdischen Metzger die unrituellen Teile der geschächteten Ochsen an die Anstalten zu billigeren Preisen lieferten, wodurch die Versorgung der jüdischen Bevölkerung mit Koscherfleisch überhaupt erst ermöglicht wird. Es handelt sich bis jetzt schon um den täglichen Absatz von mindestens 50 kg. Als Grund wird angegeben, daß die von den jüdischen Metzgern abgesetzten Hinterteile weniger ausgiebig wären, während alle Welt weiß, daß diese Teile-viel bessere Qualität darstellen. Es ist offenbar, daß dieser ganze Vorstoß -nur den Zweck haben kann, die Schechita zu unterbinden oder mindestens wesentlich einzuschränken. Eine Filiale der Lublmer Jeschiwa in Warschau. Warschau, 8. April. In Ausführung des Beschlusses, an mehreren Punkten Polens kleine Jeschiwoth, eine Art Präparandenthoraschulen für die Lubliner Jeschiwa zu gründen,, wurde in Warschau eine solche mop na'W auf den Namen des Lubliner Raw Vptr ins Leben gerufen. Zum Leiter der Jeschiwa wurde Rabbi Schimon Goldstein bestellt. Die Gründer und w.eiteren Lehrer sind bedeutende jüngere Gelehrte, die aus der Lubliner Jeschiwa hervorgegangen sind. Eine Delegation der Agudaarbeiter nach Erez Israel. Warschau, 3, April. Am Dienstag, den 26. März fuhr aus Warschau eine Delegation der Poale Agudas Jisroel nach Erez Israel ab, Führer der Delegation sind die Herren F. Landenberg und N. F r o mm.; Am Bahnhof war eine große Anzahl von Mitgliedern der P, A. J. sowie die ganze Exekutive der Organisation anwesend. Die Leitung der Zeirei Agudas Jisroel war durch die. Herren Korngrad, Friedens oh n und Schw arz m an n vertreten. Als sich der Zug in Bewegung setzte, wurden den Abreisenden laute Jechi- und Chassak-Grüße nachgerufen. Pessach-Hilfsaktion in Polen. — Wolhynische Bauern bilden eine Sekte „Neuer Zionisten". Warschau, 8. April. Infolge der unter der jüdischen Bevölkerung Polens herrschenden außerordentlich schweren Not ist die Warschauer Jüdische Gemeinde genötigt, anläßt lieh der Pessach-Feiertage 11000 Familien Hilfe zu leisten. Weitere Tausende Familien werden von privaten Hilfsorganisationen mit Mazzoth versorgt. Vor kurzem haben Bauern in Wolhynien und Polesien eine Sekte gebildet, die sich „Neue Zionisten" nennt und durch Gebete das Kommen des Messias beschleunigen zu können glaubt. Die Anhänger der Sekte befolgen das jüdische Religiorisgesetz, viele von ähne'n beabsichtigen, nach Palästina auszuwandern. Diese „Neuen Zionisten" haben sich nunmehr ebenfalls an das Warschauer Rabbinat mit der Bitte um Mazzoth gewandt, da sie sich in ihrer Armut keine kaufen können und sonst während der Pessach-Feiertage hungern müßten. Das Warschauer Rabbinat hat zur Entscheidung über dieses Ansuchen eine außerordentliche Sitzung einberufen. (ITA.) Italien. Kampf gegen die Ritualmord-Legende, — Cecil Roth beim Papst. R o m , 4. April. Der englisch-jüdische Historiker Cecil Roth, Fellow der Royal Historical Society und Vorstandsmitglied der Jewish Historical Society of England, wurde von Papst Pius XI. in längerer Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit übergab Cecil Roth dem Papst ein Exemplar seines Buches über „Ritual-Morde". Der Papst zeigte außerordentliches Interesse für die Darlegungen Roths über seine im Zusammenhang mit dieser verleumderischen Beschuldigung gegen die Juden durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen. Ein zweites Exemplar des Werkes wurde dem papstlichen Staatssekretär Kardinal Pacelli übergeben. * ' ■ Palästina, Weitere Tagung des zionistischen Aktionskomitee. Jerusalem, 4. April. In den weiteren Sitzungen der A. C.-Tagung wurde eine Reihe formeller und geschäftlicher Angelegenheiten erledigt. Eine Interpellation Rabbi Meier Berlins beschwerte sich gegen die Sabbatentweihungen besonders in den Arbeitersiedlungen und bei jüdischen Organisationen, Das A. C. wird gefragt, welche Schritte unternommen wurden, um die Kongreßbeschlüsse in dieser Angelegenheit durchzuführen. Die Aussprache über die Interpellation wird vertagt, da erst Fragen der E i n b ü r g e r u n g in Palästina und der „illegalen Einwanderung" besprochen werden. Es kommt auch noch .eine scharfe ■Auseinandersetzung über .einen Bericht Frumkins zur Lage der jüdischen Arbeit in den Siedlungen. _Er verlangt Entfernung der jüdischen Unternehmer, die nicht genügend jüdische Arbeiter beschäftigen, aus allen öffentlichen Aemtern! und Stellungen. Von der rechten Seite im A. C. äußerte man schwere Bedenken gegen Anwendung starker Maßnahmen in dieser Beziehung. Die Entscheidung wird einer : Kommission überlassen. Weizmann fordert in einem längeren Referat mehr 'Planwirtschaft in Palästina. Gegenüber den Wünschen, die Tore Palästinas für alle Juden zu öffnen, weist er darauf hin, daß die zionistische Bewegung nicht die Aufgabe hätte, Einzelne zu retten, sondern Aufbauarbeit für das Volk zu leisten. Man könnte^viel mehr leisten, wenn man die Kapiw talieti dazu hätte. Er wehrt sich dagegen, als „Gegner des Judenstaates" bezeichnet zu werden. Gerade diejenigen, die am lautesten nach dem Judenstaat schreien, zerstörten den Kern der jüdischen Selbständigkeit durch ihre Bekämpfung einer zentralen nationalen Autorität. Die inneren Kämpfe seien noch gefährlicher als die Bodenspekulation. In - den weiteren Verhandlungen auf der Tagung des A. C. kamen Qrganisations- und Finanzfragen zur Besprechung. Es wurde ein Bericht über die Tätigkeit der Anglo Palästina Bank erstattet, aus dem hervorging, daß die Bank im Jahre 1934 einen Umsatz von 170 Millionen Pfund erzielt hat. In der-Politischen Kommission sprach man viel über die Araberfrage. Die meisten Redner sprachen sich g e - gen die Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion aus. "; ' . Das Abkommen zwischen Histadruth und Revisionisten. Jerusalem, 8. April. Bekanntlich hat das Abkommen zwischen Jabotinski und Ben Gurion in London großen Widerspruch in der „Histadruth" hervorgerufen und sogar zu einem Plebiszit geführt. Besonders mächte der linke Flügel der Poale Zionisten Front gegen den „Heskem". Die „Volksbefragung" hat aber gezeigt, daß auf dem flachen Lande, wo man unter den Streitigkeiten zwischen den feindlichen Brüdern am meisten gelitten hatte, die überwiegende Mehrheit f ü r das Abkommen gestimmt ist, während man in der Stadt, wie es scheint, auf das Spiel der Straßenkämpfe bei Umzügen nicht verzichten möchte. Freilich ist von der linken Seite in der Stadt nichts versäumt worden, gegen alle Friedensabmachungen und für die Stabilisierung des Kampfes zu agitieren, 15 000 Stimmen erhoben sich g e g e n und nur 10 000 Stimmen für das Abkommen. Nach dem Plebiszit wird nun ein neues Abkommen auf neuer Grundlage projektiert. Auf jedem Platz soll die Zahl der „allgemeinen" und revisionistischen Arbeiter genau festgestellt und danach prozentual die Arbeit verteilt werden. Ungeklärt allerdings bleibt die S t r e i k f rage. Nach dem ersten Heskem genügte ein Viertel der revisionistischen Sfimmen, einen, solchen zu verhindern. Wird ihnen im neuen Abkommen diese Konzession nicht gemacht, so wird man bald erleben, daß. die Minorität sich ausschließt und die bekannten Schlägereien mit den „Streikbrechern" von neuem beginnen; . Immerhin, der Ausgang des Plebiszits ist kein imposantes Zeichen von strenger Disziplin und von unbedingtem Vertrauen der Arbeiterma&sen zu ihren Führern. „Kol Jisroel" zu den neuesten Verhandlungen über die Gemeindefrage. Jerusalem, 29. März. Die gestrige Ausgabe des „Kol Jisroel" bringt die Fortsetzung eines Artikels über die Gemeindefrage, die einen Einblick in die Stellungnahme der-führenden Jerusalemer Agudo-Kreise"" zu den von der Regierung jetzt neuerdings angeregten Verhandlungen über die Gemeindefrage gewährt. Das Blatt lehnt zunächst den von Rabbiner Ostrowski veröffentlichten Entwurf auch nur. als .Grundlage für irgend welche Verhandlungen ab. und schreibt: „Alle formalen Verbesserungen .und alle Aende-; rungen in der Verfassung der Kneseth Israel, wie sie r