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Der Israelit · 1935-04-11 · Heft 15 (11.4.1935) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 15 (11.4.1935)
Date
1935-04-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Korrespondenzen; Deutsches Reich. Die Reichsvertretung übernimmt die Leitung der Hilfs- und Aufbau-Arbeit. - Berlin, 3. April. Die Reichsyertretung der deutschen Juden teilt mit Am 1. April 1935 hat die Reichsvertretung der deutschen Juden entsprechend den bereits mitgeteilten Beschlüssen des Haushaltsausschusses die Leitung des gesamten H11 fs - und Aufbau-Werkes der deutschen Juden übernommen. " Aus diesem Anlaß hatte der geschäftsführende Vorsitzende der Reichsvertretung, Ministerialrat i, R. Dr. Otto Hirsch, sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Reichsvertretung und der nunmehr der Reichsvertretung angegliederten Steilen vor Beginn der Tagesarbeit zusammengebeten. Ineiner Ansprache wies Dr. Hirsch auf die Bedeutung der Umgestaltung hin, die ein organisatorischer Ausdruck für den Willen zum Zusammenschluß aller helfenden und aufbauenden Kräfte des deutschen Judentums sein soll. Der Geist vertrauensvoller Zusammenarbeit und verantwortungsfroher Kräfteeinsatz werden die Arbeit der Reichsvertretung, der deutschen Juden in ihrer neuen erweiterten Gestalt tragen. Die Beachtung der Saar-Zusagen. Berlin, 3. April. In einem Runderlaß an die nachgeordneten Behörden erklärte der Reichs- und preußische Minister des Innern, Dr. Frick, er halte es im Einvernehmest mit dem Reichs- und preußischen Jüstizminister und dem Auswärtigen Amt für erforderlich, die nachgeordneten Behörden auf die genaue Beobachtung der ' aus Anlaß der Rückgliederung des Saarlandes gemachten Zusagen der Reichsregierung hinzuweisen. U. a. wird in dem Erlaß erklärt, daß aus den Zusagen der Reichsregierung auch folge, daß gesetzliche Bestimmungen und Verwaltungsmaßnahmen, die eine Söhth^rbehandlüng aus Gründen der/Sprache, Rasse oder Religion vorsähen,- auf Personen, die am 13. Januar 1935 seit mindestens drei Jahren ihren Wohnsitz im Saarland gehabt haben; bis zum 29. Februar 1936 ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit keine Anwendung finden könnten. (ITA.) Zur Frage der Anfechtung von Mischehen. Berlin, 5. April. In der „Deutschen Justiz" wird in Heft 14 ein Urteil des Oberlandesgerichts Celle vom 5. November 1934 veröffentlicht, das die Grundsätze über die Anfechtung von Mischehen, wie sie von der Rechtsprechung der höchsten deutschen Gerichte aufgestellt worden sind, ergänzt und weiter entwickelt. Die Entscheidungsgründe des Urteils gehen davon aus, daß die Rassezugehörigkeit wegen der besonderen Eigentümlichkeiten der verschiedenen Rassen als . persönliche Eigenschaft im Sinne des § 1333 JBGB. anzuerkennen sei, so daß bei einem Irrtum , über diese- Eigenschaft die Ehe angefochten werden könne, falls die übrigen Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Die Entscheidungsgründe des Urteils erörtern weiter, daß der Kläger bei der Eheschließung gewußt habe, daß die Beklagte von . jüdischen Eltern abstamme. „Dadurch allein wird aber . die, Möglichkeit des Irrtums über die persönlichen Eigenschaften des jü'di? sehen Ehegatten noch nicht ausgeschlossen. Der andere Ehegatte muß eine Vorstellung von diesen Eigenschaften haben, er muß das Wesen des Rasseniinterschiedes genügend erfassen und sich vor allem klar " darüber sein, daß durch einen Uehettriii zum Christen-: tum, durch eine veränderte; äußere Lebensgestaltung nicht ausgeschlossen wird; daß .sich bei den Nachko'mmen dieüEigentümlichkeiten der Rasse in "verstärktem Maße zeigen können,'--, Anzeigen jüdischer Firmen in nichtparteiamtlichen Zeitungen. Stettin, 3. April. Wie die ITA. gemeldet hat, sollen die Verleger nichtparteiamtlicher Zeitungen in Pommern eine Entschließung angenommen^-haben, keine Anzeigen jüdi scher Firmen mehr aufzunehmen. Hierzu teilt die „Pommersche Zeitung" mit: „Wie wir zu unserein Bedauern feststellen mußten, sind wir mit dieser Mitteilung einem Aprilscherz zum Opfer gefallen. Wir fühlen uns> daher verpflichtet, folgendes Die Woche. Berlin. Der Jenaer Rasseforscher Professor Hans Günther, der in seinen Werken wiederholt die Judenfrage im rassischen Sinne behandelt hat, wird im kommenden Wintersemester an der Berliner Universität eine ordentliche Professur für Rassenkunde, Völkerbiologie und- Soziologie, des Bauerntums bekleiden. Der; Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden beabsichtigt einen zweiten Kur» für jüdische Re1igions1ehrer un.d Religionslehre r i h. n e n k o n servativer Richtung zu eröffnen, wenn Anmeldungen in genügender Anzahl vorliegen. Als Teilnehmer kommen nur Lehrkräfte in Betracht, die bereits ihr Staatsexamen abgelegt haben. Köln.'Wie Mitte März mitgeteilt, wurde das „Gemeindeblatt für die jüdische Gemeinde in Rheinland und Westfalen" von der Geheimen Staatspolizei auf drei Wochen verboten. Nach einer neuen Mitteilung der Staatspolizei erstreckt sich das Verbot b i s z u m 3 1. Mai 1935. Paris. Zum ersten Male wurden in Paris antisemitische Plakate angeschlagen mit heftigen Angriffen gegen' die „internationalen jüdischen Bankiers". Die Polizei ließ die Plakate entfernen. London. Die Jewish Historical Society of England veranstaltete im University College in London eine große Maimonides- Feier. Einleitend hielt Chiefrabbi Dr. J. H. Hertz einen Vorträg. Tel Awiw. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat seine provisorische Zustimmung zur Uebernahme des Amtes eines dänischen Konsuls für Jaffa und Tel Awiw durch' Herrn Nathan D. Kaplan gegeben. — Am Vorabend der Makkabiah trug sich ein tragisches Ereignis zu. Ein Mitglied der französischen Gruppe, M. Jakobowitz, geriet beim Baden in die Fluten. Ein Araber eilte ihm nach, um ihn zu retten und beide fanden ihr nasses Grab. Das aufopfernde Verhalten des Arabers hat in den jüdischen Kreisen tiefen Eindruck gemacht. Jerusalem, In diesen Tagen erlebte die jüdische Einwanderung in Palästina einen in der Geschichte nie gekannten Rekord. Im ersten Vierteljahr 1935 sind rund 17 000 Juden in Palästina angekommen. New York. Rabbiner Twersky, bekannt als der „Tschernobiler Rebbe", ist. im Alter von 70 Jahren, in Brooklyn gestorben. Rabbi Twersky machte vor einigen Jahren von sich reden, als er in Sowjetrußland schweren Verfolgungen ausgesetzt war und ihm später dort gelang, über Riga nach Amerika auszuwandern. zu widerrufen und richtigzustellen: 1. Das besagte Abkommen wurde nicht getroff eli. 2. Die nichtparteiamtliche Presse nimmt nach wie vor Anzeigen jüdischer Firmen auf. 3. Der Zwiespalt zwischen redaktionellem Teil und Anzeigenteil jener Zeitungen ist demnach nicht beseitigt." ' ■ Sollen >judische Kinder in allgemeine Schuten gehen? Nürnberg, 8. April. Die „Fränkische Tageszeitung" in Nürnberg veröffentlicht einen Aufsatz „Aus der Welt der jungen Juden'', in welchem die Sfeilüng jüdischer Kinder in den allgemeinen Schulen geschildert wird...Der 'große Gedanke der Gemeinschaftsschule, so meint die ,;F/ränkische Tageszeitung'', habe 'eine'kleme Schattenseite, •da auch die Juden in diesen 'SchMen sind. „Das junge Judehvölk," so lie^t 'es ^hitet, „kann selbMverstätidlich seine besonderen Charaktermerkmale nicht ablegen. Es ist etwas frühgeweckt, sucht die Arbeit durch Kniffe zu ersetzen . . . Die Einwirkung auf die christlichen Klassengenossen kann nicht als gut bezeichnet werden. Die Judenkinder prahlen gerne mit ihren Tricks. Sie wissen, wie man etwas vor der Klasse abschreiben kann. Sie setzen sich mit Schlauheit über gestellte Aufgaben hinweg und ihr Religionsunterricht, den sie an der Schule vom Rabbiner nehmen, steht im Widerspruch mit den praktischen Er-, fahruhgen, die man mit den Juden machte und die im Dritten Reich zu den neuen Auffassungen über Deutschtum und Judentum geführt haben. Wenn in der Presse mit Recht auf jüdische Praktiken und die Gefahr des Judentums hingewiesen wird, so fühlt sich dieses doch auf dem Schulgebiete ganz heimisch. Greifen wir unter den Themen, die die jungen Juden zu bearbeiten hatten, eines heraus, so lautet ein Reifeprüfungsthema an einer Nürnberger Schule: „Auf welcher Gruridforderung ruht im Judentum das Menschenrecht und wie ist diese Pflicht in seiner religiösen, sittlichen und sozialen Gesetzgebung verwirklicht?" „Die Schäden des Judentums und die Auswirkungen der jüdischen Machtgelüste," heißt es sodann,. niSind heute ein Bestandteil des Wissens der Juden. So wirkt diese tolerante Behandlung und die Gemeinschaftsschule zwischen Juden und Christen nicht fördernd. Das Thema, das sich das Judentum gab, war eine Heuchelei. Ein anderes Kapitel ist der Heimatunterricht. Man hört von Judenkindern öfter sagen: „Heimatkunde geht uns ja gar nichts an. Deutschland ist unsere Heimat nicht. Also brauchen wir es auch nicht zu lernen. Eure Heimat geht uns nichts an." Es ist richtig, daß die Heimat der Juden Palästina ist, aber die Einwirkung dieser jüdischen Einflüsterungen gegenüber den grundehrlichen deutschen Erziehungsbestrebungen erweist sich nicht als günstig, Wnn die Jüdinnen und die Juden in den Klassen in die Schulbänke eingereiht werden, ist es für deutsche- Jungen und Mädel kein Vergnügen, neben Juden zu sitzen. Das Sitzen auf der gleichen Schulbank macht bekanntlich eine gewisse Kameradschaft notwendig. Wird sie von der deutschen Jugend abgelehnt, so wird sie doch von der jüdischen Jugend frech und bedenkenlos in Anspruch genommen. Daraus entwikkelt sich nichts gutes. Es ist deshalb im allgemeinen wohl so, daß man die Juden paarweise setzt. Die Judenkinder machen kein Hehl daraus, daß ihnen ein gewisser Luxus ... über alles geht. Sie haben für sich eine verweichlichende Tendenz, .und machen sich" über manches lustig, was im Sinne der deutschen Erziehung geboten erscheint. Es ist deshalb gerade in den Elternkreisen, deren Kinder in solche Schulen gehen, schon längst der Wunsch rege, ob es nicht doch irgendwie möglich wäre, Juden und Jüdinnen aus diesem Gemeinschaftsunterricht auszuschalten." Schweiz. Verordnung gegen Verunglimpfung der jüdischen Rasse und Religion. Genf, 3, April. Die Regierung des Kantons Genf hat eine Verordnung gegen Press eerzeugnisse erlassen, die diffamierende und beleidigende Ausdrücke gegenüber der jüdischen Rasse und der jüdischen Religion enthalten. Die Verordnung richtet sich gegen zwei in Genf erscheinende Blätter, von denen das eine insbesondere auch durch bildliche Darstellungen zum Haß gegen Juden und Judentum aufzureizen versuchte. Polen* Der Waschinkower Raw Bialystok, 8. April. Im Alter von 95 Jahren starb Rabbi G o r d o n , Rabbiner von Waschdnkow. Er gehörte zu den ältesten und bedeutendsten Gaonim des Ostens und machte sich besonders berühmt und verdient durch seine Werke' zur , Aufdeckung der seinerzeit aufgetretenen Jerusch almi-Fälschun g en. Mehrere Responsenwerke aus seiner Feder haben .große Verbreitung gefunden. Er lebte in Not und hatte in seinem Städtchen, das er öft scharf zur Sabbathut ermahnte, wenig Stütze. Die Bestattung fand auf seinen letzten

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