Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1935)
- Date
- 1935-04-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 15 Der 1 s r at eilt 11. April 1935 merkte, daß er in ein hohles Faß hineinredete, das kein Echo zurückgab, verlor er vollends den Faden und brach wie in plötzlich eingetretenem „Kurzschluß" jäh ab, ohne an den vorher gehenden oder den kommenden Wochenabschnitt anzuknüpfen . . . ..Eine Katze ohne Schwanz," beurteilte Meier Haifuß, der hinter Rabbi Eilgut stand, die ver unglückte Rede, Ihn traf ein strafender Blick Nathan Eilguts. „Ein Jude kommt zu uns, opfert sich, hält eine Rede, obwohl er gar nicht reden kann . . . Man darf nicht undankbar sein . . Nun hielt Nathan Eilgut selbst eine Art Schlußrede. Nicht alle könnten lernen, nicht alle könnten sämtliche Vorschriften, alle sechshundertdreizehn Gebote und Verbote einhalten Wie könnte der Nichtpriester die Pflichten des Tempeldienstes erfüllen, wie einer, dem männliche Nachkommen versagt blieben, das Miloh gebot? Sind sie darum in der Summe der Pflich ten und des Lohnes gemindert? Keineswegs, alle gehörten zusammen und des Einen Tun komme dem Anderen zugute. „Wie eine große A. G.", sagte er mit Seitenblick auf den Bankier, „sind wir, alle gleich beteiligt an Gewinn und Verlust ..." (Fortsetzung folgt.) Fünf Jahre Telscher Beth Jaacob. Das Beth Jakob von Telsch feierte nach fünfjährigem Lernen einen ovo auf die n"Yin und auf O'Jwm D'K'aa An und für sich kein besonderes Ereignis, das für Kreise außerhalb von Telsch oder gar außerhalb von Litauen Interesse haben könnte. Wohl Mag sich manch westeuropäischer 1WP Form und Inhalt eines Lernens von Telscher Frauen, wie sie sich mit tiefem Verständnis (unter besonderer Berücksichtigung von D'a^a und Hirsch) so langsam durch das Ton hindurcharbeiten, zum Vorbild nehmen; doch ein OVO hat dennoch nicht mehr wie lokale . Bedeutung. Da sich aber unseres Erachtens mit diesem öi'ö ein vielleicht symptomatisch zu wertender Umbruch in der bisherigen Beth Jakob-Politik anzubahnen scheint, möge ein kurzer Ueberblick über Entstehung, Entwicklung und den bt>d selbst an dieser Stelle ge- 'stattet sein. Der Grundstein zum Beth Jakob in Litauen wurde vor fünf Jahren in Telsch anläßlich des Todes von Frau Rabbiner Katz b"i — einer Tochter des alten Telscher Raw Reb Josef Leib Bloch byvtr — von dem ihr nahestehenden Kreis gelegt. Man schloß sich zu einem wrwnn zusammen. Nach und nach breitete sich dieser Kreis weiter aus, man zog die Lehrerinnen vom Telscher Mädchengymnasium Jawne sowie die Abiturientinnen hinzu. 1931 gründete Frau Rabbiner Henkln aus Schadewe dort die erste Beth Jakob- Gruppe. Bald darauf nahm auch der Telscher Kreis diesen Namen an; es gründeten sich Gruppen in anderen Städten, die Leitung von Beth Jakob entfaltete eine immer stärkere Tätigkeit, gab periodisch eine Zeitschrift erhaus, so daß bis heute 12 Beth Jakob- Gruppen in Litauen existieren. Diese Beth Jakob-Bewegung steht im Gegensatz zu solchen in anderen Ländern auf neutralem Boden. Die Momente, die pro Neutralität ins Treffen geführt werden, sind sattsam bekannt. Hinzu kommt in Litauen die Tatsache, daß aus bestimmten Gründen, die uns hier nicht interessieren, Agudas Jisroel noch nicht in Aktion getreten war. Das Beth-Jakob-Programm umfaßt demnach ausschließlich Limudim, also Halacha, Agada, sowie von Zeit zu Zeit Vorträge von prominenten Persönlichkeiten über weit-, anschauliche Fragen. Seit nunmehr zwei Jahren beginnt Agudas Jisroel immer festeren Fuß in Litauen zu fassen. Auch agudistische Mädchengruppen wurden gegründet, die durch die intensive Chaluzim-Arbeit starken Zuwachs erhielten. Da diese Mädchengruppen gleichzeitig Mit-; glieder der Beth Jakob-Gruppen wurden, so spielen sie dort eine beachtliche Rolle. In diese Zeit fällt der ovo vom Telscher Beth Jakob (18. 'S 11»)- Schon am Morgen hatte der Telscher Raw Reb A. J. B 1 och K"0»to in einer längeren ntnr die Notwendigkeit, eines organisierten kraftvollen* Zusammenschlusses der frommen Frau zum Ausdruck gebracht. Bei der offiziellen Feier sagte der .'snvin ^nan der Jeschiwa den -pin«; Die Festrede hielt der Rosch Jeschiwa Reb : E. M. BI o c h. K'wbv- Er ging von dem Bvn» aus; „Mit zwei Kronen beschenkte G'tt das Volk beim Berge Sinai, der Krone von niW-und der Krone von ynvi- Durch die Vay-Sünde verlor, das Volk die Kröne von n«wr- Und er führte aus: „Dasi jüdische Volk beschenkte' G'tt mit dem instinktiven Gefühl für das sittlich Gute; oder sittlich. Verwerfliche, . so wie noch heütejder, Mensch bis zu einem gewissen Grade das für seinen Körper Zu- oder Abträgliche instinktiv zu unterscheiden imstande ist. Diese unmittelbare Beziehung zum Sittlichen wurde uns bei der b\s -Sünde genommen. — Bis vor nicht langer Zeit wurde die jüdische Toch ter, die jüdische Gattin durch jüdisches Milieu, die jüdische Gasse und das jüdische Haus, geformt; jetzt ist das leider nicht mehr der Fall. So muß denn heute die jüdische Frau allein zum Tin 'greifen, allein aus der Quelle schöpfen. Und die Rede von Reb. E. M. Bloch X'B^P gipfelte in der Forderung: zu brechen mit der unnützen Neutralität, die jede Entwicklung einer kraftvollen jüdischen Mädchen- und Frauenbewegung nur hemme. Auch in den zahlreichen Begrüßungen, u. a. Mer^ kas Zeirei Agudas Jisroel, Merkas Hechaluz Hacharedi, Zeirei Agudas Jisroel Telsch, Owadja (d. i. die agudistische Arbeiterorganisation Litauens). Telsch, kam einstimmig der Wunsch zum Ausdruck, daß sich Beth Jakob endlich eindeutig festlegen möge. Da den zahlreichen Einladungen zum ovo in erster Linie die agudistischen Mädchengruppen Folge geleistet hatten, so konnte anschließend eine Konferenz der Mädchengruppen abgehalten werden. U. a. wunde »beschlossen, von der Beth Jakob-Zentrale zu fordern, sich als Frauengruppe der Agudas Jisroel zu unter stellen. Kinderecke, Israel in Ägypten. Dem Sefer Hajaschar nacherzählt von Rabbiner Dr. Robert Zion. Josef starb, als er 110 Jahre alt war und 80 Jahre lang Aegypten regiert hatte. Unter seiner Herrschaft war Aegypten groß und mächtig geworden. Nach seinem Tode nahm Pharao alle Regierungsgeschäfte, die bisher von Josef verwaltet wurden, an sich. Die Söhne Jakobs, die ehedem als Brüder des Mannes, der Aegypten vor dem Untergang gerettet hatte, große Ehren genossen hatten, wurden jetzt als Untertanen des Königs und sogar als Fremde betrachtet. Im Laufe von 20 Jahren nach dem Tode Josefs starben alle seine Brüder; als Letzter Levi. Da begannen die Aegypter die Israeliten zu bedrücken. Sie nahmen ihnen die Ländereien und Häuser fort, die sie erworben hatten, und plagten sie sehr. Inzwischen waren auch Pharao Magron und alle Aegypter, welche Josef und seine Brüder gekannt hatten, gestorben, und ein neues Geschlecht war herangewachsen, das von Josef und seinen Brüdern, von ihren Heldentaten und ihrer Weisheit nichts wußte und nichts wissen wollte. Der neue 26jährige Pharao Malol wurde daher von den Israeliten nicht Malol, sondern Maror (Bitterkraut) genannt, denn in seinen Tagen verbitterten die Aegypter das Leben der Israeliten. Bei einem Einfall der Söhne Esaus, der Söhne Ismaels und vieler anderer Stämme in Aegypten hatte ein kleines Häuflein der Israeliten das ägyptische Heer, das schon geflohen war, gerettet und das feindliche Heer vernichtet. Da erkannten die Aegypter, daß in den Söhnen Israels noch immer. Heldenblut rollte, und sie befürchteten, daß Israel einst, allzu zahlreich geworden, für Aegypten gefährlich werden könnte. Die Fürsten baten daher Pharao, er möge Unterdrükkungsmaßnahmen gegen Israel ersinnen. Pharao riet seinem Volke, Israel mit List in Sklayenfessein zu schmieden. Aui Befehl Pharaos -wurde im ganzen Lande bekannt gemacht: „Das Grenzland Pitom und Ramses liegt jedem feindlichen . Einfall offen. Um die Heimat zu schützen,. ist es Pflicht eines jeden Aegypters und Israeliten, an der, Bef estigung dieses .Gebietes nach Kräften mitzu^r^bßiten. Jeder, der sich; freiwillig, zu;? den. Bauarbeiten meldet, wird täglich ausreichend entlohnt werden." ] Dem Befehle Pharaos gemäß begannen die, Aegypter in großer Zahl den Bau der- Festungen; allen voran die Staatswürdenträger. Auch alle Israeliten beteiligten sich an den Befestigungsarbeiten und eine. Zeitlang erhielt jeder täglich seinen Lohn ausgezählt. Pharao aber hätte befohlen, daß die Aegypter heimlich einzeln die Arbeit verlassen sollten, und so geschah es, daß nachoeinem Monat kein Würdenträger,' und nach einem Jahr und vier Monaten überhaupt kein Aegypter mehr heim Bau zu finden war. Am selben Tage aber hörten plötzlich die Lohnzahlungen auf. Als jetzt die Israeliten den Betrug merkten und ebenfalls die Arbeit niederlegen wollten, erschienen die Aegypter plötzlich wieder, aber diesmal als Fronvögte und Aufseher, mit Stöcken und Peitschen bewaffnet und zwangen sie, die Arbeit weiterzuführen. So hatte Pharao die Israeliten mit List zur Sklaven-Arbeit herangezogen. Er hoffte, daß sie durch die schwere Arbeit und den immer zunehmenden Druck langsam aussterben würden, doch er hatte sich getäuscht. Je größer der Druck wurde, desto mehr stieg die Volkszahl an. Aber nicht ganz Israel beteiligte sich an den Fronarbeiten. Die Söhne Levis hatten von vornherein Pharaos List durchschaut und sich deshalb nicht zu den Arbeiten gemeldet, und Pharao . sah keine Möglichkeit, sie nachträglich zu zwingen. So war der Stamm Levi während des ganzen ägyptischen Aufenthaltes frei und machte es sich zur Aufgabe, die Ueb erlief erungen der Väter zu pflegen und in eine bessere Zukunft hinüber zu retten. Schon zwei Jahrzehnte lang tat Israel Fröndienste, und dennoch vermehrte >es sich in immer stärkerem Maße. Daher erschienen eines Tages alle Aeltesten und Weisen Aegyptens vor dem Könige und sprachen: „Ewig lebe der König! Den Rat, den du uns einst erteilt hast, haben wir getreulich ausgeführt. Aber, je mehr wir Israel die Arbeit erschwert haben,- desto mehr hat es sich in geradezu unheimlichem Maße vermehrt, und das ganze Land ist ihrer voll. Jetzt, o König, sind die Augen aller Aegypter auf dich gerichtet, daß du ihnen einen Rat gebest, wie wir Israel vermindern und vernichten können." Da antwortete der König: ,,Schlagt mir zuerst etwas vor!" Da ließ sich einer der königlichen Ratgeber, Hiob aus dem Land Uz, also vernehmen: „Der Rat, den der König uns vor Jahren gab, ist ausgezeichnet, und wir dürfen den Israeliten die Fronarbeit keinesfalls erleichtern. Seit langem befürchten wir jedoch, falls Israel zu zahlreich werde, würde es einst im Kriegsfalle uns aus dem Lande treiben können. Darum werde verordnet, daß jedes männliche Kind der Hebräer getötet werde. Mit . der Ausführung dieser Anordnung beauftrage Pharao die hebräischen Hebammen!" Pharao gefiel dieser Vorschlag wohl; er rief die Hebammen Schifrah und Puäh zu sich und gab ihnen entsprechende Weisungen. Doch die Beiden fürchteten G'tt; sie führten den grausamen Befehl .nicht aus und verstanden es sogar, sich Pharao gegenüber mit dem Hinweis auf den guten Gesundheitszustand der Hebräerinnen wirksam zu entschuldigen. Fünf Jahre darauf hätte Pharao einen merkwürdigen Traum: Er saß auf seinem Throne. Da erschien vor ihm ein Greis, der eine Kaufmannswage in der Hand hielt. In'die eine Wagschale legte er alle Aeltesten, Fürsten und Weisen Aegyptens, die er vorher vor'den Augen Pharaos zusammengebunden hatte. Dann nahm er ein Lämmchen und legte es in die andere Wagschale; das Lämmchen aber überwog sie alle. Pharao wunderte sich sehr über diese gewaltige " Erscheinung. Am Mprgen erzählte er allen, sjednen Dienern diesen Traum, und sie.fürchteten sich sehr. ' r , (Fpr^etzung folgt.)