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Der Israelit · 1935-04-11 · Heft 15 (11.4.1935) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 15 (11.4.1935)
Date
1935-04-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr, 15_ Mißkredit bringen, aus ihrer Machtposition so werfen, daß sie für die Zukunft keine Lust mehr verspüren würden, Gesetze gegen die Verfassung durchzubringen. Und damit würde ganz automa- D e Israelit tisch auch der Verwaltungsapparat der Lodzer Stadtvertretung wieder" ins ruhige, richtige Gleichgewicht kommen. Die hebräische Sprache und g A (;• ' ■ das geietzestreue Judentum Von Pinchas Wollmann in Frankfurt a. M. (Fortsetzung.) Es ist bekannt, daß viele Fromme und Gerechte am Schabbos keine profane Sprache reden, sondern nur Loschon-hakaudesch. Die Sprache ist ein Stück der Seele des, Volkes, in der sich seine Gedanken und seine Gefühlsregungen äußern, in dem sich seine geistige Eigenart in all ihren Einzelzügen und Nuancen offenbart. Die fremde Sprache beeinträchtigt die nationale und religiöse Eigenprägung und führt letzten Endes zur Assimilation. Diejenigen Bücher, die in Hebräisch geschrieben sind oder ins Hebräische übertragen wurden, sind für alle Generationen erhalten geblieben. Diejenigen aber, die in fremden Sprachen geschrieben wurden, geraten schließlich in Vergessenheit. Rabbi Mänasse ben Israel hat 400 Abhandlungen in portugiesischer Sprache hinterlassen, ferner einen großen Thora-Kommentar in spanischer Sprache, ein Buch über die Aufesrtehurig der Toten, worin die Ansichten der größten jüdischen und nichtjüdischen Weisen aller Zeiten über dieses Thema niedergelegt sind, es ist ein Buch, das den Extrakt von 210 hebräischen und 45 griechischen, römischen, spanischen und portugiesischen Werken wiedergibt, aber kein Mensch kennt heute noch alle diese Werke von Manasse ben Israel. Sein Buch aber, N i s c h - mas Chajim, das er auf Hebräisch geschrieben hat, kennen alle. Und auch Werke, wie die Herzenspflichten ITDIlVn m-nn von iBachia, der Kusari, der More Nebuchim, die. uns heilig und teuer sind, konnten nur dadurch erhalten werden,'"daß .sie ins Hebräische übersetzt worden waren. Was die Aufgabe der hebräischen Sprache im Leben'des jüdischen Volkes im allgemeinen betrifft, so schreibt der Rämbam deutlich: es ist nötig, es mit«;dieser Mizwa (er meint damit das Erlernen der heiligen Sprache) genau zu nehmen, daß man sie würdige, obgleich sie " leicht ist, wie . eine schwere Mizwah (Mischna-Kommentar -zu Owaus II, 1). Die hebräische - Sprache ist das Bindemittel für die Zerstreuten Israels, das sie an die Fahne . des Judentums kettet und sie zusammen in brü- ■»fV derlicher Liebe eint. Sie ist die einzige Sprache, die uns den Stolz Jakows aus der Vorzeit lebendig erhält und die Kette der Geschlechter aneinander schließt. In ihren uralten ewigen Schätzen reiht sie die große leuchtende Vergangenheit des altjüdischen Volkes an die bedrückte Gegenwarf in den Ländern unseres Golus an. Und nun erst recht heute in einer Zeit,, der Sammlung der Zerstreuten aus allen Ländern^ der Erde bedarf es der. lebräiscnen Sprache, zusamt men mit der Thora, um alle Teile dieses zer^ sprengten Volkes wieder zueinander 'zu bringen,* Auf die Frage, die heute von selbst sich ergibt,A welche Sprache denn nun alle diese Massen, die aus 70 Ländern die Sprachen ihrer Diaspora mit nach dem heiligen Lande bringen, sprechen sollen, gibt es ja nur eine Antwort; die Hebräer, die in das Land der Hebräer heimkehren, haben,., die Sprache ihrer hebräischen Väter zu erlernen,; und es soll nicht in unserem heiligen Lände,, eine babylonische Verwirrung von 70 1 Sprächen, herrschen. Das jüdische Volk schickt sicrl'an, als natiö-ii nale Einheit wieder zu erstehen — ist es nichts genug, daß /wir durch die unserer Seele fremden Sprachen in tausend Fetzen zerrissen worden; sind, soll dieses sprachliche; Zersprengungswerk" noch weiter' andauern? Es, ist kein Zweifel, daß wir eine nationale Sprache für alle Teile des Volkes brauchen und daß nach den natürlichen, psychologischen und historischen Gesetzen die hebräische Sprache, in der das jüdische Volk groß geworden ist, allein als national-religiöse Sprache in Palästina sich entwickeln und herrschen kann. * Allgemein bekannt est die Ansicht unseres großen Gaons Rabbi Chajim Sonnenfeld t7"1'!' in der Frage der Unterrichtssprache am Technikum in Haifa, die seinerzeit, aufgeworfen wurde. Er sagte.- „Es gebührt sich nicht, daß wir in-einer öffentlichen Institution in Erez Jisroel das Deutsche als Unterrichtssprache einführen, sondern vielmehr die hebräische Sprache." Den Assiinilanten und den Freien ist die hebräische Sprache eine Art neuen Sports geworden; „Schalom! toda! bewakascha!" Man kann diese schönen Worte in unserem Lande von Leuten hören, die außer diesen drei Worten zwischen rechts und links nicht zu unterscheiden wissen und auch viele, die „Hebräisch sprechen", schwätzen, geschwind eine Art von Hebräischi ohne zu wissen, welche Sprache sie reden. -Wenn man sie schwätzen hört, merkt man sofort die Oberflächlichkeit, die Armut der Sprache und die Dürftigkeit des hebräischen Gedankens 'bei ihnen Daraus kann man auf die Wesensart dieser hebräisch Sprechenden schließen. Dadurch, daß diese Hebräischsprecher in ihrer Jugend nicht in die Quellen der hebräischen Sprache, in Tnach, Mischna, Genlöro,,.M^drasch usw. eingeführt würden, haben sie auch keine sprachliche Grundlage und ihre Sprache ist arm und inhaltleer. Die besten hebräischen Schriftsteller und Dichter selber, die Graden und Ehrlichen unter ihnen, die noch der alten Generation. entstammten und die Großes auf dem Gebiete der hebräischen Wissenschaft geschaffen haben, haben die- Gefähr dieser. Oberflächlichkeit klar erkannt. Sie bedauerten sie und haben bei jeder Gelgehheit die zionistischen Führer "auf die furchtbare Lage hingewiesen, die aus .der Entleerung, Aushöhlung der Sprache und aus ihrer Gedankenarmut entstehen muß. Mit großer Erbitterung schreibt einer der ältesten hebräischen Historiker, Dr. S. B e r n f e 1 d , in einem seiner Artikel aus dem Jahre 5688; „Aber das hebräische Wort fördert den, hebräischen Gedan-, ken, daß jeder jüdische Mensch sich gewplmt, hebräisch zu denken. Dias hebräische1 Wort darf uns nicht ' - eine Art Spielerei'' werden, sondern etwas Großes und Wertvolles, der Hauptinhalt unserer nationalen - Renaissance/ : Wie' _&ber kommen wir dazu, daß der., hebräische Gedanke < che "Gründl^ des hebräischen Wortes werde? Nur durch das. hebräische , L e^.r n e.n I;;Ich will die Wahrheit heraussagen,' wie sie ist, die bittere und betrübliche -Wahrheit. Der größte Teil der Hebräisch Sprechenden haben sich einen überaus begrenzten Wortschatz angeeignet. Sie sind spracha^ni,. sie kennen ein paar hebräi^ oder _Worte^' die " dem Hebräischen ähnlich sind, und das.' genügt ihnen für ihr Gespräch.-Sie beachten nicht den Schate unserer Sprache, den Schatz, der .in? unserer älten Literatur-und äuch in unserer; 'späte- •- ren Literatur in der Bibel, im Talmadt im^Mi-. drasch, in der philosophischen1 und rabjbinischeh Literatur niedergelegt ist. In dem Augenblick, da , man aufhörte» -diese unsere Literatur;zu stu- _ , 11. April 1935 dieren, sind auch die sprachlichen Grundlagen _ vergessen worden, die darin niedergelegt sind. Unsere Sprache ist "In einer erschreckenden. Weise verarmt und mit ihr der hebräische Ge~ danke." < - * ~ Auch B i a 1 i k hat diese Gefahr erkannt. Alser vor drei Jahren etwa in Warschau warr geißelte er mit Bitterkeit und.Energie die Führer, der hebräisGhen Gymnasien,' indem er ihnen sagte: „Ich habe mit den Absolventen der hebräischen „Gymnasien gesprochen und habe gesehen, daß bei ahnen eine erschreckende. Oberflächlichkeit herrscht; Es ist ein "Geschlecht von Ignoranten und Amhaarazim, das .wir hier heranwachsen sehen. Sie. verstehen' Hebräisch zu schwätzen, Hedad zu schreien, hebräische Lieder zu singen und von Erez Israel zu träumen, jedoch die hebräische Sprache kennen sie nicht richtig, denn dieses junge Geschlecht ist nicht auf den Kni een der Thora herangebildet worden. Es hat die Grundlage der Sprache aus den Quellen, aus Bibel, Midrasch, Gemara nicht erlernt. Unsere ganze Hoffnung ruht also bei den Orthodoxen, die die Quellen erlernen in den Jeschiwos, in den Bothe Midrasch und den Chadorim. Von ihn e n w i r <d die Th br a aus - gehen und au s ihrem Kreise w e r d e n die hebräischen Dichter und Schriftsteller hervorgehe n." Dies ungefähr wären die Worte Bialiks und o -w ein Kommentar dazu, ist ganz überflüssig. Wir sollten nun für uns die notwendigen Schlußfolgerungen daraus ziehen und uns sagen; Um wie viel mehr ist es für uns Pflicht und Schuldigkeit, die Heiligtümer unseres Volkes zu schützen, unsere heilige Literatur zu wahren, in ihr zu .forschen, daß sie uns nicht verloren geht und sie in unsere Erkenntnis aufzunehmen, gewiß nicht etwa nur als Fundament unserer Spräche, sondern als Fundament unseres Glaubens und unserer' geistigen Existenz. Unsere Verantwortlichkeit gegenüber unserer heiligen Sprache legt uns eine wichtige Aufgabe auf, und dies ist der S c h u t z der Sprache, Wir dürfen unsere heilige. Sprache nicht entweihen, sie allen Inhaltes zu entleeren durch den neuen. Geist und sie zu einer Sprache oberflächlichen Geschwätzes zu machen. ,Äls heilige Sprache haben wir sie zu schützen. Deshalb dürfen wir auch mit den Gesetzen der Grammatik und des Stiles, - der Vokälisation und der Betonung es nicht leicht nehmen. ■ Wir haben z. B. zu ächten auf die Verbälformen, auf die Gesetze der Buchstaben n"SD T^il nach '"ins, Tenua gedola und Schwäh-nah auf S''&13 usw. Die. meisten hebräisch Sprechenden sündigen gegen den Geist der Sprache; indem sie die Gesetze der Grammatik geringschätzen. Ist unsere; Sprache eine heilige Spräche, so müssen wir ihre Reinheit und Heiligkeit, erst recht bewachen. Bekämpfen müssen wir die Urheber der Profanisierung und Aushöhlung_ unserer Sprache, die Fremdheit, die durch die modernen Sprachschöpfer hineingebracht worden ist, gegen ' den. unhebräischen , Geist, der im Gegensatz zu aller Tradition, zum Geiste der heiligen Schrift steht und;der: sich in der Tagespresse ,*;und der Tagösiiteratur ■ deutlich genug äußert. Die bestefi'nebrälschen Schriftsteller haben sich immer> gegen diese* Entweihungen-gew^^^^ . ••>,-.:' v'\;, .■r - V : *:- .r ' ["].. -{Fortsetzung folgt.J Wochenkalender. Vom 13. — 20. April 1935 / Vom 10. — 17. Nissan 5695 SJamstag ' Sonntag Montag" Efieristiag> '] Mittwo&h. Dofnöerifig Freitag " .'" Samstag TT- Oh Apr. 13 ■":" v 10 4^ iVSi~: - 11 15 12 16 <..." v .: 13 17 rMF* H 18 r<>; -.liSP. 15 19; U*i 1$ 20 17 V3V sp '3»«M *T3 .,;i> "; üb ' L 7 Hb .{IwnhawA'y-iSö - L '-'i - fiaji t>pnia noB aiy Jf^ntilsiH^': tf,^*:b^'htÄ ' ■'' ' '3 DT hOS . ,ö?Te>n yv /».'fim na«? vT

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