Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1935)
- Date
- 1935-04-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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'W^S^Sf^S^^I^I^S11^^^^^^^^ ÜS Seite 4 Nr. 15 D 1 8 r a e Ii t 11. April; 1935 'tim 13 nipw mwi KTij? "»n er, Rabbi Eleasar, der mit achtzehn Jahren in diese höchste Stelle hineinwächst, hat wohl in der Jugend schon so intensiv gelernt und anstrengend gearbeitet, daß ihn das Greisenalter lange vor der Zeit ansprang, — wenn 'Maimonides so von Rabbi Eleasar Sohn Asarias spricht, so zeichnet er damit zugleich seine eigene J u g e n dgeschichte. Er muß mit diesem Werke doch schon in Marokko und noch viel früher, auf den Wanderstationen nach Marokko angefangen und auf der Wanderschaft von Marokko über Palästina nach Aegypten die Arbeit fortgesetzt haben. Er sagt es uns zum Schlüsse des Kommentars nach Beendigung der Ordnung „Taharoth": „Nun ist das Werk abgeschlossen . . . Findet aber jemand Unklares und Irrtümliches darin, so möge er dies erklären und entschuldigen mit den „Wehen' der Zeit" und den Wanderungen von einem Ende der Welt bis zum anderen, wie sie uns G'tt auferlegt hat. Habe ich doch viele der Halachoth unter den Beschwerden der Reisen niedergeschrieben und andere just, als ich das Schiff bestieg auf dem Salzmeere---" Gewiß, dieses talmudische Werk in arabischer Sprache trägt alle Zeichen der Galuthzerrissenheit an sich. Aphoristisch in der Form, unvollständig und Sprunghaft oft in der Diktion. Das Zittern der Hand und das Vibrieren der Seele auf stürmischen Wellen ist in den kiurzen, auch nicht immer präzis übersetzten Zeilen fast hörbar. Aufzeichnungen, die in Eile niedergeschrieben sind, damit sie nicht in den Wehen der Zeit verloren gehen und als Material für den Riesenbau, der dem Meister vorschwebt, erhalten bleiben. Aber das „Beständige im Wechsel" zeigt dieses Werk dennoch nicht minder wie später der große „Chibur", der die Geruhigkeit besserer Zeiten auch in seiner äußeren Form widerspiegelt. Welche ausgeglichene Kraft muß doch der Mann in sich verspürt haben, der, von Gefahren gehetzt, von einer Wanderetappe zur anderen gejagt, eine vollständige Chronologie von Mischna uji d T alm.ud fertiggestellt, wie sie in der Einleitung zu „Seraim" seinem Mischnakommentar einverleibt ist; der in den „Dreizehn Kapiteln" zum letzten Teile von „Sänhedrin" uns eine abgeschlossene Ideologie der jüdischen Glaubenslehre gibt, die uns später in dreizehn kurzen Formeln zum täglichen Gebete wird; der in den „Acht"Abschnitten" seiner Einleitung zu Aboth uns eine jüdische Ethik in einer Vollkommenheit aufbaut, wie sie die jüdische' Welt noch nicht gesehen hatte. Unstet und flüchtig, trägt der Geistesriese die Bodenständigkeit in sich, aus der er damals schon Großes und Gewaltiges für alle Zeiten* schöpfte. Und zwölf Jahre später ist das große Lebenswerk des jetzt Fünfundvierzigjährigen vollendet, das Werk^däs mit seinen vierzehn Teilen in vier großen Folianten, „Jad Hachasaka", auch „Mischne Thora" genannt, der Welt den Ruf abringt: „Von Moses bis zu Moses gab es keinen solchen Moses". Dieses in herrlichstem Mischna- Hebräisch geschriebene Wunderwerk, das mit den Worten beginnt: irsaa jwkvixa und mit den Worten schließt: * ''Wi "7 na nsnpan n«^ai und zwischen „Erkennen" und „Erkennen" alle Bezirke desjüdisch-menschlichen Lebens in ihren Höhen und Niederungen in seinen Strählenglänz zieht, ist es, das Maimonides für alle Zeiten zum R a m b a m macht. Am 8. Kislev 1180, da der letzte Federstrich an diesem Werke vollzogen wurde, wurde uns Rambam geboren .. . Eine hübsche Ueberlieferung erzählt: In der Nacht zum 8. Kislev dieses Jahres war Vater Maimun Maimonides im Traume erschienen, und an dessen Seite lichtumflossen, mit den Bundestafeln in der Hand stand Moses, der erste Lehrer. Und die Lichtgestalt trat an ihn heran, reichte ihm die Hand und sprach: „Es wachse deine Kraft, habe Dank, du hast meinem Volke zum zweiten Male meine Thora gegeben! Man darf wohl annehmen, daß diese fromme Erzählung erst späteren Datums ist, denn zunächst gab es keinen p"«, keinen Dank, noch Anerkennung für den großen Meister des halachischen Werkes, das in der Folge das halachische Grundbuch des Judentums werden sollte. Keiner hat es wie Moses Sohn Maimuns erfahren müssen, daß „die Thora durch Leiden", die Krone erst nach schweren bitteren Kämpfen errungen werden kann. Kaum gab er ein Wort, eine Zeile von sich, die nicht Widerspruch, oft Kampf bis zum Aeußersten hervorgerufen hätten. Schon die Sendschreiben des jungen Maimonides wurden von den Führern in Marokko und Jemen als Einbruch in ihre geistigen- und Verwaltungsbezirke empfunden und bekämpft. Auch der M i s c h nakommentar fand, besonders mit seinen Einleitungen Widerspruch, Rabbi Josef Albo bringt die „Dreizehn Glaubensthesen" auf nur drei Formeln, ohne eigentlich damit mehr als ein Spiel mit Zahlen der Welt zu bieten, denn inhaltlich besagen die „Drei" genau so viel wie die „Dreizehn". Hatte er in einem kleineren Zwischenwerke die im Talmud Joma ganz allgemein angedeuteten 6 1 3 G e - und Verbote im Einzelnen nach dem später auch dem großen Werke zu Gründe liegenden „vierzehn Wurzeln" geordnet und äüfgeführt;. schatte ein Anderer nach ihm, Rabbi Mose ben Nachmann, die Ge- und Verbote in andere Ordnung gebracht. Beim heftigen Kampfe um „Jad Hachasakah" ging es um Tieferes. Man unterstellte ihm, daß er mit diesem Extrakt des gesamten Talmuds, der die Endresultate nur Und nicht die Diskussion aufbewahrte, den 1 e b e n d i g e n Fluß des Talmuds tudium s a b s c n n e iden wollte. Daneben machte man ihm 'zum Vorwurf, daß er erstens die Halachoth ohne Äutotnamen anführte und sich dann auch über den Schlüssel für die Entscheidungen, wie ihn die Gaonim zu Babylon bei Festlegung der praktischen Halacha benutzten, souverän hinwegsetzte. Es war ein konzentrischer Angriff von allen Seiten, von Babylonien her, von Alexandria in Aegypten, von Spanien und "Frankreich. Rabbi Abraham ben David unterzieht seine Entscheidungen einer oft auch in der Form hemmungslos scharfen Kritik, Rabbi P i n c h a s Sohn Meschulams, der geistige Führer von Alexandria, ruft die ganze jüdische Welt gegen, „die neue Lehre von Kairo" auf. Maimonides verteidigt sich, sachlich, aus einem inneren Kraftbewußtsein heraus, das ihm die bedächtige Ruhe und milde. Form gibt. Mit nichten wollte er das Talmustudium verdrängen, lediglich nur in einer Zeit, da mrDii WJPO' die Kräfte geschwächt sind, denen, die nicht die Zeit, noch die Kraft aufbringen, sich in das offene, uferlose Meer des Talmuds zu stürzen, eine Bucht zu schaffen, von wo aus sie auch ihren Anteil an dem Gesamtgehalt, der talmudischen Lehre unter Dach bringen könnten. Wozu dann die Namen der Autoren nennen, die ja auch Rabbi Jehuda Hanassi, der Redakteur der Mischna, bei der Festlegung der Thesen nicht, immer nennt? Was die halachische Grundlage für seine Entscheidung betrifft, so wollte er noch mit einem ausführlichen Quellennachweis all seine Gegner schlagen. Diesen Quellennachweis aus der Feder Maimonides' haben wir nicht mehr zu Gesicht bekommen. Er ist entweder in den Archiven verloren gegangen oder nie geschrieben worden. Die „Waffen- und Bannerträger", die Kommentatoren des großen Meisters in den späteren Jahrhunderten haben Quellennachweise zusammengestellt, die in diesem letzteren Punkte seine Verteidigung in einer Weise führen, wie es auch der Meister selbst nicht besser hätte machen können. Nennt man den Namen Rambam, so denkt man an npinn T und spricht damit die Arbeit und den Dienst Maimonides' an der Thora aus. (Schluß folgt.) Der große Sabbat. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Der letzte Sabbat vor dem Peßach führt den klangvollen Namen „Der ^vwn na» der große Schabbos". Offenbar ist es seine Stellung vor dem Peßach, die ihm diesen besonderen Namen einträgt. Wie unsere Alten es erklären, erinnert er an den letzten töx> den das geknechtete Israel in Aegypten verlebt und entsprechend der Weisung, die ihm vom Herrn .geworden, furchtlos als zehnten Nissan, als Tag der Absonderung und Vorbereitung des Peßachopfers, be-> ging. Es war dies in Wirklichkeit ein ganz' besonders bedeutender Tag, der bereits die Spuren der nahenden Erlösung an sich trug, daß die Aegypter die geknechteten Israeliten gewähren ließen und sie nicht daran hindern konnten, orivinsPöV „familienweise" sich - ein Lamm auszuwählen und so sich gegen den ägyptischen Tierkult gewissermaßen aufzulehnen. . Da vollzog sich an diesem Sabbat schon die innere Befreiung für das Volk,, das ,sich jetzt erlösungswürdig zeigte und sich eifrig vorbereitete, "des Herrn Gebot in allen seinen Einzelheiten zu erfüllen. Im Sinne dieser Erklärung leuchtet der „große Sabbat" im Lichte des nahenden Peßach und wird so ein eindringlicher Mahner, daß wir. die. Satzungen des Festes sorgfältig beachten und-runs..auf.+die...',s^ridigc uns vorgeschriebene Feier der heiligen Ta^e ganz und gar einstellen. Es ist der Ruf des Propheten, der da an uns ergeht: Q'öswm D'pn b*iw> Va anna wir wis *ws 'na? nw» nun tiar „Bleibt eingedenk der Lehre meines Dieners Moscheh, da ich am Horeb ihm für ganz Israel Gesetze und Rechtsordnungen gebot." Das ist entscheidend. Wir erweisen" uns nur dann als. "r 'vtyty als. „G'tterlöste", wenn wir unsern wahrhaft jüdischen Weg gehen, uns nicht darauf beschränken, daß wir wohl im Peßach den erhabenen Gedanken der Erlösung verkörpert sehen. Das allein bedeutet noch nicht umn pT „die Zeit unserer Befreiung". Sie ist eis dann erst, wenn wir uns an das Heilige und Ewige binden und wir es beherzigen, daß^ der Weg von Aegypten zum Sinai., führte und uns 'G'tt mit dem -Diadem der •Erwählüng. geschmückt hat. ' Der „große Sabbat" kann aber auch im eigenen Glänze strahlen. Das Festjahr nimmt mit dem Peßach seinen Anfang, und gefade der erste Tag dieses Festes wird auch juw genannt. Jeder. .Festtag ist für uns ein' Sabbattag-<Da ist es gerade bedeutungsvoll, daß der Sabbat vor1 dem Peßach der „große Sabbat" genannt wird im Gegensatze zu dem;Feste, das wohl .e i n Sabbat ist,, aber nicht d e r Sabbat ist, , für. den G'ttes Wort bestimmt hat: „ K e i nerle i A r b. e i t darf an ihm -g e s c h 'e h e n." Da erklragt denn .'gerade vor dem Beginn; des Festjafanes die;Mahnung; „Gedenket der Lehre meines ..Knechtes Moscheh,'' yoffto KUm QV.nx iwt gedenke des Sabbattageszu heiligen, wipV napn av r.x ninw hüte; ja den Säobättäg, daß du ihn so heiligst," wie es der Herr durch seiheniTeubewährten Diener Israel gelehrt ... Mehr denn je ist diese, Mahnung gerade in. unseren Tagen : *m ihya .„ein Wort zür. Zeit",,! Vietl^cht gelingt es, den heiligen 7. Tag in sein volles Recht einzusetzen. Man hat schließlich doch in allen Kreisen einen Hauch von Ewigkeitswert des von G'tt eingesetzten und geheiligten Tages, verspürt. Sein Wesen und seine Bedeutung ist aber nicht voll erfaßt, wenn man einige Stunden des „Oneg Schabbat" propagiert. Wir brauchen als Grundlage unseres Judentums, als Zeichen wahrer Heimkehr den ganzen ungeteilten Schabbos. Nur so kann., er uns der Bahnbrecher werden und Wegbereiterfür jene Zeit, von der unsere Alten sprechen: \>xx>b pT>hjr jo^aa Vsi»» "fom p»aa .»Israel ist im Nissan, erlöst worden, der Nissan verheißt immer wieder Erlösung/', Der Becher des Propheten Elijahu. Von Rabbiher Feuerwerker in Frankfurt a. M. Raw Hunna im Namen .von Rabbi Abba sagt:. Die vier Becher entsprechen den vier Erlöäungsformeln »nnp'bi vbxn vfcxni viirxini (Rabba I zu min)- Mit dieser Feststellung ist noch nicht? genügend erklärt,: warum die vieriiErlösu^gsfbrmeln vier Becher ,bedingen;' tind warum noch ein fünfter dazu kommt, I der Becher des. Elijahu. Hänawi genannt und nicht getrunken wird? -;;. .'. In jeruschalim Ti Rabbi t.eyi .als Grund: fürv dje. vier /Becher dievier *:G a - J ut ft p e r idd e n in der ffi^cHön Geschichte:;fan. nyiaVn' 'i- In einer Kombination'dieser beiden. Gründe glauben -wir5 auch; die feiere Erkfär^^!;;für, die .yier Becher nnd. den. fünften.* der/vni.cht .uns", sondern; dem Propneten Elijahu gehört, zii finden. ' 'T ''■ Die,vier Machte^ Dekahnflich Mizrajim, föäbylon, 'Javah Hxüä. Eddm.