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Der Israelit · 1935-04-11 · Heft 15 (11.4.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 15 (11.4.1935)
Date
1935-04-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 15 Der Israelit 11. April 1935 Amnestie für illegale Einwanderer in Palästina? Jerusalem, 8. April. In Jerusalem wie in Tel Awiw zirkuliert das Gerücht, daß aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Thronjubiläums von König Georg eine allgemeine Amnestie für die „illegalen Einwanderer" veröffentlicht werden soll. Die Zahl der sogenannten „Illegalen", die seit Jahren schon im Lande tätig sind, ohne die Legalität erhalten zu haben, geht in die Tausende. Revisionisten verlassen die Tagung des Aktionskomitee^ Jerusalem, 7. April. Die Bemühungen, auf der Tagung des Zionistischen Aktions-Komitees eine Verständigung mit den Revisionisten herbeizuführen, sind gescheitert. Die revisionistischen Mitglieder des Aktions-Komitees haben" noch vor Schluß der Tagung die Sitzung des Aktions-Komitees verlassen, nachdem sie die Erklärung abgegeben hatten, daß sich die Revisionisten an dem 19. Zionistenkongreß im Sommer d. J. nicht mehr betei-* Ilgen würden. Die Aktions-Komitee-Tagung wurde mit einer Ansprache Dr. Nahum Goldmanns geschlosr sen, in der dieser der Hoffnung Ausdruck gab, daß es doch noch gelingen werde, vor dem nächsten Kongreß zu. einer Verständigung mit den Revisionisten zu gelangen. Die Beschlüsse der Tagung des zionistischen Aktionskomitees, Jerusalem, 8. April. Ueber die Beschlüsse der nun zu Ende gegangenen Tagung des Zionistischen Aktions-Komitees ist noch mitzuteilen, daß die Disziplinsklausel mit allen gegen die Stimmen der Revisionisten angenommen wurde. Für die Bildung einer großen Koaliti o.n setzten sich sämtliche Gruppen ein. Das Budget für neue Kolonisationsunternehmen beträgt 94 000 Pfund. Es "wurde eine Resolution gegen politische Sonderaktionen angenommen. Daraufhin erfolgte, wie schon berichtet, das Ausscheidend erRevisionisten aus dem A. C. Wie verlautet, geschah dieser Exodus auf Weisung der Pariser Exekutive der Revisionisten, die zum Aufbau einer neuen zionistischen Organisation entschlossen sei. In einer offiziellen Erklärung der revisionistischen Exekutive heißt es zum Schlüsse: „Wir empfinden Genugtuung darüber, daß unser Kampf um das Recht der palästinensischen Arbeitgeber, sich ihre Arbeiter-Einwanderer frei auszusuchen, einen Teilerfolg erzielt hat, und wir werden diesen Kampf fortführen, nicht im Interesse der Arbeitgeber, auch nicht im Interesse unserer jungen Leute, sondern im Interesse einer gesunden Kolonisation und zur Durchsetzung des Prinzips jüdischer Arbeit in der jüdischen Wirtschaft. Die Revisionistische Union erhebt in diesem Augenblick keinen Einspruch dagegen, daß die Jewish Agency ihre Rolle als Hauptagent der Mandatarmacht bei der Uebernahme der Zertifikate beibehält, unter der Bedingung, daß die berechtigten Forderungen der Arbeitgeber voll befriedigt und die übrigen Zertifikate unter den verschiedenen Gruppen .von Chaluz-Verbänden und Mittelstands-Chaluzim gerecht verteilt werden. Werden diese Bedingungen weiterhin abgelehnt, dann behält sich die Union das Recht vor, dieses Monopol der Jewish Agency als der Sache schädlich zu erklären und es zu bekämpfen." Jabotinsky erklärte auf Grund dieser Beschlüsse, daß er am nächsten Zionistenkongreß nicht mehr teilnehmen wird. (Frühere Berichte im Korrespöndenzenteil.) Die holländischen Arbeitsbeschränkungen für Ausländer Haag, 10. April. Die holländische Regierung hat eine neue Verordnung über die Einschränkung der Arbeitsmöglichkeiten für Ausländer herausgegeben, durch die frühere, auf Grund des Gesetzes vom 16. Mai 1934 erlassene Vorschriften erläutert und abgeändert werden. Hiernach fallen bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern wie namentlich Hausangestellte und Hotel- und Restaurationspersonal und dergl, unter die Arbeitsbeschränkung. In den von der Beschränkung betroffenen Berufen ist in jedem Einzelfalle eine schriftliche Genehmigung des Direktors des Arbeitsamtes erforderlich. .Diese Neuregelung tritt am 1. Juli in Kraft. j Aufenthaltsrecht für Ostjuden in Holland bleibt gewahrt. Amsterdam, 4. April. , Im vergangenen Jahre hatte die holländische Regierung beschlossen, die aus Polen und ande? ren osteuropäischen Ländern stammenden Ausländer, die sich nach dem 1. Januar 1932 in Holland bloß auf Grund eines gewöhnlichen Einreisevisums niedergelassen haben, auszuweisen. Einige hundert jüdische Einwanderer aus Osteuropa wurden von dieser Maßnahme der Regierung betroffen. Wie die Auswandererhilfsorganisation HICEM mitteilt, wurde auf Grund der unternommenen Schritte diese Verfügung nunmehr zurückgezogen. Fast alle nach dem 1. Januar 1932 nach Holland eingewanderten polnischen Staatsangehörigen behalten ihr Aufenthaltsrecht. Die Bekanntgabe des Widerrufs der Ausweisungsverfügung hat in weiten jüdischen Kreisen beruhigend gewirkt und Genugtuung ausgelöst. Verordnung des französischen Innenministeriums gegen „Umsturzpropaganda". Paris, 5. April. Das Innenministerium hat eine Verordnung gegen „umstürzlerische Propaganda" erlassen, die in erster Reihe dazu bestimmt ist, eine, Wiederholung der jüngsten Ausschreitungen in Franzör sisch Nordafrika, die zum Teil antisemitischen Charakter trugen, zu verhindern. Für derartige Propaganda ist in der Verordnung GefängnisJ von zwei Jahren, verbunden mit schweren Geldstrafen, vorgesehen; ist der Schuldige Staatsangestellter, so wird er mit vierjährigem Gefängnis und fünf- bis zehnjähriger Aemterunfähigkeit bestraft. ' Internationale Faschisterlkonferenz lehnt Rassentheorie ab. Amsterdam, 2. April. In den letzten Tagen hat im Amstel-Hotel in_ Amsterdam eine Internationales Faschistenkonferenz stattgefunden. Nach. Konferenzbeschluß gab der Vorsitzende und Führer der italienischen Delegation, Eugeniö Coselschi, Mitglied des italienischen Parlaments,, Pressevertretern Aufklärungen über die Ziele der internationalen faschistischen Bewegung und. machte Mitteilungen über den Verlauf der Amsterdamer Beratungen. Er betonte hierbei, daß der Weltfaschismus jede Unterdrückung einer Klasse oder Rasse und die Rassentheorie im allgemeinen ablehnt. Die Bewegung erstrebe vielmehr die Kooperation aller Klassen und Rassen.. Vorherrschaft einer bestimmten Rasse sei Ausfluß materialistischer Auffassungen und stehe der Herbeiführung einer durch geistige Bindungen, gewährleisteten Einheit im Wege, Mieterstreik der Kaufleute und Gewerbetreibenden Jerusalems. / " ■ Jerusalem, 9. April. Die Kaufleute und Gewerbetreibenden Jerusalems haben am Montag, den 8. April, einen halbtägig e n Demonstratio n s streik. dagegen abgehalten, daß die* Regierung es abgelehnt hat, die Geltung des Mieterschutzgesetzes auf Jerusalem auszudehnen. Sämtliche Läden und. Gewerbebetriebe blieben von 12 Uhr mittags bis. 6 Uhr abends geschlossen. In den Geschäftsvierteln Jerusalems herrschte sabbatliche Ruhe. Nach 6 Uhr abends wurden die Betriebe wieder eröffnet. Die Kundgebung ist in voller Ordnung und. ohne jeglichen Zwischenfall verlaufen. Am Nachmittag wurde eine Protestversammlung der Kaufleute und ' Gewerbetreibenden abgehalten. Das Streik-Komitee hatte einen Aufruf an die Ladenbesitzer veröffentlicht, in dem diese aufgefordert wurden, sich dem Streik anzuschließen, wobei darauf hingewiesen wurde, daß der Streikbeschluß in zwei öffentlichen Versammlungen gefaßt und eine Unterkommissxon mit der Erklärung des Streiks für den Fall beauftragt wurde,, daß die Regierung die Mieterschutzverordnung; auf Jerusalem nicht ausdehnen sollte. Mit Rücksicht auf Versprechungen des Bürgermeisters und der Regierung, durch ihr Eingreifen eine Herabsetzung der übermäßig hohen Ladenmieten herbeizuführen, sei der Streik immer wieder verschoben worden. Ein weiteres Hinausschieben der Kundgebung sei aber nicht möglich. Der Distriktskommissar von Jerusalem hat. darauf einer Abordnung der Kaufleute und Gewerbetreibenden, die den Mieterstreik durchgeführt haben, erklärt, die Mi<eterschutzverordnun£ werde im Jahre 1936 auch in Jerusalem Geltung; haben. Starker Rückgang der jüdischen Bevölkerung in Wien. Wien, 9. April. Nach den soeben veröffentlichten nach Konfessionen gegliederten statistischen Ergebnissen der Volkszählung vom 22. März" 1934 ist die jüdische Bevölkerung der Stadt Wien, die i. J. 1932 die Zahl von 201.513 oder 10,8 Proz. der Gesamtbevölkerung erreicht hatte,, auf 176.034 oder 9,4 Proz. der gesamten Wiener Bevölkerung zurückgegangen. Auch die Zahl der jüdischen Bevölkerung ganz Oesterreichs ist stark rückgängig. Es gibt nur noch 191.481 Juden in Oesterreich, während die Zahl der österreichischen Juden i. J. 1910: (für das Jahr, 1923 liegen in diesem Falle keine Ver-' gleichsziffern vor) 194.56.4 Personen betragen hat. Ein antisemtisches Blatt bemerkt: „Die Abnahme der Israeliten in Wien ist nur eine scheinbare. Es hat wohl die, Zahl derer, die sichzum mosaischen Glauben bekennen^abgenommen, weil eben viele Juden ,/kpnfessiönslö.s^ . <

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