Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1935)
- Date
- 1935-04-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4. ße&Zl 1935 D « r I s t & «1 1 t Nr. 14 Seile 9 Welches Geschäft ist arisch? Stettin, 27. März. Die „Pommers che Zeitung"" in Stettin schreibt: „Auf Grund einer ^Anordnung des Leiters des Ge samtverbandes des Deutschen Einzelhandels sind alle Einzelbandeisbetrieb« verpflichtet, eine Plakette, - die die Aufschrift trägt .-.Gemeldet beim Gesamtverband des Deutseben Eihzelhkadels", an ihr ein Schaufenster anzubringen. Der "Gesamtverband des deutschen Einzelhandels umfaßt alle Einzelhandekbetriebe. Als auch die niehtarischen "Betriebe. In Völkskreisen ist nun vielfach die Auffassung . anzutreffen, daß alle Betriebe, die am Schaufenster die Plakette führen,; arische Geschäfte seien. Das Hauptamt NS-Hago hat daher folgende Notiz bekanntgegeben: . „Das Hauptamt NS-Hago weist aus gegebener Ver anlassung darauf hin, daß die Einzelhandelsbetriebe, die die Plakette „Gemeldet beim Gesamtverband des Deutschen Einzelhandels" am Schaufenster angebracht haben, nicht ohne weiteres als deutsche (arische) Ge Schäfte anzusehen sind. Der Gesamtverband des deutschen Einzelhandels umfaßt alle Einzelhandelsbetriebe Deutschlands, also auch diejenigen, die sich in nichtariööken Händen befinden." Die Plakette „Gemeldet beim Gesatmverband des Deutschen Einzelhandels" gibt also keine Auskunft darüber, ob es sich bei dem betreffenden Betriebe um ein deutsches (arisches) Geschäft handelt oder nicht." Oesterreich. Der Prinz von Wales und die Zertifikate-Not in Wien. Wien, 2T. März. Während der Anwesenheit des Prinzen von Wales ■in Wien erhielt ■ er mehrere Briefe von jüdischen Handwerkern, die an ihn die Bitte richteten, ihnen die Einreise nach Palästina zu ermöglichen. Der Prinz übergab diese Briefe der Paßstelle der englischen Gesandtschaft mit der Bitte, die einzelnen Fälle zu untersuchen und womöglich positiv zu erledigen. Da nun die Recherchen ergeben haben, daß es sich tatsächlich um ausgezeichnet qualifizierte jüdische Prof essionisten handelt, die allen Anforderungen der Palästina-Immigration _entsprechen, aber wegen der geringen Zertifikateanzahl, die Wien zugeteilt wird, keine Aussicht haben, in absehbarer Zeit an die Reihe zu kommen, hat die Paßstelle der englischen Gesandtschaft an die Palästina-Regierung das Ersuchen gerichtet, für diese besonderen Fälle Spezialzertifikate zu bewilligen. (ITA.) Polen. Die erste Töchtergruppe der Ägudas Israel fährt nach Palästina, W ar s ch au, 1. April. Am Dienstag führen zwei Züge, am Mittwoch ein dritter Zug mit Palästdnaauswanderern ab, im ganzen waren es in diesen zwei Tagen 800, unter denen sich 8 0 o r t h odo x e 0 lim befanden. Die größte Aufmerksamkeit erweckte die erste Mädcheng ruppe der Ä g uda s 1 s"r o e 1, die nac'hJ einer gründlichen Hachschaxah-Ausbildung in den \A. J.- Mädchenhachscharoth in Warschau, Lodz und M'lawa nun die Reise nach Palästina antraten. Alle agudistischen Instanzen waren beim Abschied am Bahnhof anwesend. :Redakteur Fr i e den s s o hu hielt eine längere Abschiedsrede. Eines der Mädchen, ergriff das Wort zum-Abschied und gedachte dabei auch der Beth Jakob-Mutter, Frau Sarah Schenirer rrs- Zuletzt leistete eine der abfahrenden Töchter im Namen ihrer Gefährtinnen mit erhobener Hand einen Treueschwur auf die Thora. Als sich der Zug in Bewegung setzte, rief der Massenchor den Ausreisenden „Jechi!" nach. Jüdische Gemeindesteuer in Polen mit 30 Proz. der Einkommensteuer festgesetzt. Warschau, 27. März. In Poleft wird ein neues Gesetz vorbereitet, durch das die Bemessungder jüdischen Gemeindesteuern auf der Grundlage der Einkommensteuer vorgeschrieben wirdi Die Höhg der, Gemeindesteuern' wurde soeben ,vom Kultusministerium mit 30 Proz. der Enikömmensteuer festgesetzt. Durch das neue Gesetz Werden auch die. Pensionsverhältniss'e der Rabbiner ^^%&d3b'e^lntengeregeltDte- Peksfohsbezüge der Rabbiner Werden auf der gegenwärtigen Höhe, stabilisiert werden, eine Herabsetzungi wird gesetzlich unzulässig sein. Bisher nicht ausgezählte Die Woche. L Berlin. In Berlin wurde ein Verband j ü d i s c h.e r Heimatvereine gegründet, der alle jüdischen Vereine^ die sich die Interessen ihrer" HeimätprbVinzen und die Pflege der Gräber in den verlassenen Heimatgemeinden angelegen sein lassen, zusammenfassen will. — Nach den am 1. April in Kraft tretenden neuen Bestimmungen über die R u n d f u n k g e Jb ü h r e n erhalten Nichtarier die für Minderbemittelte vorgesehene Ermäßigung der Gebühren n i c h t. -H- In einer Anordnung über die Zulassung von Proz e ß a g e n t e n bei den Gerichten ist die Bestimmung enthalten, daß für die Zulassung arische Abstammung erforderlich ist. Wien; Der Nestor der jiddischen Sprachforschung, Dr. Alfred Landau, ist im 85. Lebensjahre gestorben. Er war ein Nachkomme von Rabbi Jecneskel Landau, dem „Nöda bi' Jehuda". Warschau. Es wird offiziell bekannt gegeben, daß bis . zu Beginn des Pessachfestes noch 2000 Palästinaauswanderer . aus Polen abgefertigt werden sollen. — Abraham S t ä v s k y , der im Arlosoroffprözeß in Jerusalem freigesprochen würde, kam nach Warschau und wurde dort unter der Beschuldigung verhaftet* jüdische Immigranten nach Palästina eingeschmuggelt zu haben. Er wurde dann wieder auf freien Fuß gesetzt. — Der jüdische Friedhof von Miedzyzrec ist geschändet Worden. Grabzelte, in denen bekannte Gäohim beigesetzt sind, wurden von den Vandalen erbrochen und Grabsteine zertrümmert, Riga» Dieser Tage wurde das Testament des vor kurzem verstorbenen Ingenieur Muschkat eröffnet. Es ist darin ein Legat von 50.000 Dollar für Palästinazwecke vorgesehen. Ueber 10.000 Dollar hat der Verstorbene für verschiedene jüdische Wohlfahrtszwecke in Lettland bestimmt. London. Am 25. Mai soll in London ein . W e Itköngreß der Sephardim stattfinden, für den die Vorbereitungen . in allen Ländern, wo Sefardim leben, besonders auch in Palästina, in vollem Gange sind. Lissabon, Prof. M. B. Emzalak, der Vorsitzende der Lissaböner jüdischen Gemeinde, wurde zum Ehrendoktor der Universität Bordeaux ernannt, Sofia. In den 57 Jahren des Bestehens des unabhängigen bulgarischen Staates durfte an den jüdischen Schulen, die an Sabbattagen geschlossen sind, am Sonntag Vormittag Unterricht erteilt werden. Auf Verlangen der christlich-orthodoxen Kir- . chenbehörden hat nun die Regierung den Sormtagsunterriciit^ an. den jüdischen Schulen verboten, Belgrad« Der jugosläviäche Lloyd richtet Ende Mai eine" ständige Schiffsverbindung zwischen J ugoslawien und Palästina ein. Das -für diesen Dienst vorgesehene Schiff, das Mitte Mai den Namen „Kneginja Olga" erhalten soll, ist mit 14.350 Tonnen der zweitgrößte Perspnendampfer Jugqslaviens, Es ist für 300 Passagiere bestimmt und hat eine Bemannung von;200' Seeleuten. Jerusalem. Vier jüdische Einwanderer aus der Tschechoslovakei, darunter zwei Fraueja, wurden wegen illegaler Einwanderung zu.je einem Monat; Gefängnis und Landsverweisung verur-' . teilt. Neun , weitere jüdische Einwanderer aus Syrien, Aegypten, Irak und der Türkei, die zu gleichen Strafen verurteilt würden, werden zur Begnadigung empfohlen, — Der Protestaktion gegen die beabsichtigte Ausbürgerung der Revisionisten haben sich auch der Oberrabbiner von Palästina, A. J. K u k, der sephardische Oberrabbiner Von Tel A.w i w f Ben Zipn Meir Usiel, Rabbi Me|r B e r 1 In und Rabbi, Fi s h m a n angeschlossen. Monireal. Im" Jüdischen Altersheim von Montreal ist der älteste Jude Kanadas^ Leib Weicho Wski, im Alter von 109 Jahren g e s.t'o.r b en. : New York. Auf Antrag des - Stadtverordneten Murrey S t a n d hat der Ausschuß .des New Yorker Stadt- - rater beschlossen,; den jüdischen An]|(ESteirten der New'.Yorker: .Stadtvertretimg den e is t eiB:< u ndj!-e;t:zt.e;n P/e ss a chtag. in diesem Jahre f r ei.z.ugeb en,i: . I ui» Pensionsbeträge werden nachgezahlt werden müssen. Eine Herabsetzung der Ruhestandsgebühren der Rabbiner wird nur möglich sein, wenn gleichzeitig auch eine Herabsetzung der staatlichen Beamtenpensionen erfolgt. Die Lodzer Nälionaldemokraten geben . . . kerne Rühe. Warschau, 27. März» In dem von einer nationaldemokratischen antisemitischen Mehrheit beherrschten Stadtrat von Lodz stellte der Berichterstatter der Etatskommission den Antrag, alle städtischen Beihilfen für jüdische Wöhlfahrtseinrichtungen und Hilfsorganisationen zu streichen, da die Juden in Polen bloß Gäste seien und keinen Anspruch auf öffentliche Beihilfen hätten. Hiergegen erhob der Regierungskommissar Einspruch und betonte, daß die jüdischen Hilfsorganisationen, die Hervorragendes auf dem Gebiet der öffentlichen Wohlfahrt leisten, Anspruch darauf haben, durch öffentliche Mittel Unterstützt zu werden. Neue antisemitische Hetze der Nationaldemokraten im Lodzer Kreis. Lodz, 26. März. Die Nationaldemokraten in der Lodzer Gegend bedienen sich zur Verstärkung ihrer antisemitischen Propaganda eines neuen Mittels, nämlich der Versendung von Hetzmaterial über angebliche verräterische Handlungen von Juden zugunsten Deutschlands Wahrend der deutschen Besetzung Polens im Weltkriege. In der Kreisstadt Sieradc steht ein Prozeß gegen zwei Juden ' bevor, die beschuldigt werden, in der Besetzüngszeit polnische Einwohner bei den deutschen Behörde denunziert zu haben. Die Gerichtsbehörden haben ein Schreiben nach Potsdam gesandt, in dein sie um die Zusendung von Prozeßakten deutscher Feldgerichte, .die in den dortigen Archiven aufbewahrt werden, ersuchen, Auch in dem Städtehen Weolborz wurde gegen drei Juden eine Klage wegen angeblicher Denunzierung von vier Polen, die in der Besetzungszeit zum Tode verurteilt wurden, eingebracht. England» Keine judische Einwanderung nach Transjordanien. — Die Verhaftung „illegaler" Palästinaeinwanderer. — Anfragen im Unterhaus. London, 26. März. Im Unterhaus fragte am 26. März der Abgeordnete Colonel Wedgewood den Kolonienminister, ob er einen Bericht, über die Möglichkeit, Juden die Niederlassung in Trans Jordanien zu gestatten, erhalten oder eine unabhängige Kommission zur Berichterstattung hierüber entsenden werde. Der Kolonienminister verneinte dies. Er erklärte, die Möglichkeit der Ansiedlung von Juden in Transjordämen hänge von den örtlichen Verhältnissen ab, bezüglich derer er sich von den Ratschlägen des High Commissioner leiten lassen müsse. Dieser sei unter den gegebenen Umtänden nicht in der Lage, die Ermutigung jüdischer Niederlassung zu empfehlen. In einer zweiten Anfrage verlangte der genannte Abgeordnete Informationen über den Hungerstreik von Frauen im Gefängnis .von Bethlehem: ob die Frauen jetzt frei seien, ob die Angelegenheit geheim gehalten wurde und ob der Gefängnisleiter ein Engländer sei. Der Minister antwortete, er sei noch nicht im Besitz der vom High Commissioner nach einer früheren Anfrage 0es Abgeordneten eingeforderten Auskunft, habe aber inzwischen unabhängig davon folgende Mitteilung erhalten: Die betreffenden beiden Frauen hätten erklärt, russsiche Untertanen zu sein, was unrichtig sei. Sie hätten am 4. März einen Huii-' gerstreik erklärt und ihn am 5. März aulgegeben. Dem üblichen Verfahren entsprechend sei ihnen die Freilassung gegen Kaution angeboten worden, doch sei die Sicherstellung nicht hinterlegt worden. Den daraufhin von Colonel Wedgewööd neuerlich eingebrachten Anfragen, ob diese Frauen" noch im Gefängnis seien und ob es möglich sei, Instruktionen in dieser Sache telegraphisch, statt schriftlich zu geben, schloß sich auch der Abgeordnete Major D a - vies an.:' ■; .