Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1935)
- Date
- 1935-04-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 14 Seite 5 _p Lär iz e n; kaufjt, •wenn; man ^irgend kann,.. in; •Stadt-und Umgebung gegen teures i.Gehi Plätze, und läßt sie; brach liegen,, in der Hoffnung,, sie .geg6n einen n .o c h t e u r e r e n Preis später 4osr zuschlagen-. Ein ganzes Heer von.. Maklern und -Agenten lebt von>3ier Fö£derwig /dieser üngestinden und unmorafischen Spekulation, die der Ländwirtschaft, der Industrie den Boden entzieM und die Wohnungsnot der Bevölkerung ins .Unermeßliche anwachsen läßt;;>: Nach einer oberflächlichen Aufstellung von -Eingeweihten gibt es zur Zeit im Umkreis von Tel ' Awiw rund dr e i v L e r t e 1 M i 1 I i o n brachliegende Bauplätze, die genügten, um H ünd e r t -t a Ü s e n d e n; von F a m i 1 i e n W o h - n un g en zu b i e t en, In den anderen Teilen des Landes sieht es nicht viel anders aus. Von allen moralischen Gesichtspunkten abgesehen, müßten sich die Leute, die ihre letzten Geldreste in solch zweifelhaften Unternehmen investierten, nach rein kaufmännischer Berechnung, fragen, ob in absehbarer Zeit zweieinhalb Millionen Juden ins Land kommen werden, um auf den für sie bereitgestellten MigraschimHäuser zu errichten. Inzwischen, hört man, daß man hie und da von der Errichtung nötiger Schulhäuser infolge der hohen Bodenpreise absehen mußte, viele Siedlungspläne an dieser Preisentwicklung scheiterten. Weizmann warnte in einen öffentlichen^ Ansprache vor diesem Krebsschaden des Jischuw. Jeder Dunam.' Boden,,- der . unausgenutzt bleibt, .zeugt, gegen, unseren geschlossenen Willen zum. Aufbaü .der'Heimat.1' Man protestiert und macht Stimmung,, aber die Instanzen, die die Macht hätten, das; Uebel; mit Stumpf und Stiel auszurotten* die Irijah sowohl wie die zionistische Organisation,, haben bis jetzt keinen Einger gerührt und begnügen sich .mit der sittlichem Entrüstung. Im „Hajessoid" wird angeregt, die gewissenlosen Agenten, die die Wildpflanze des Spekuläntentums; aus Profit sucht hochtreiben; der ö f - i e n 11 j c h e n Ä e c h t u.n g preiszugeben, sie aus allen Aemtern und! gesellschaftlichen Ehrenstellen auszuschließen, sie sogar vor einem zu bildenden Tribunal zur; Rechenschaft zu ziehen. Wir wissen nicht, ob in einer Zeit, da das Wort „Boykott" einen so häßlichen und harten Nachklang für uns hat, dieser Weg zu empfehlen und gangbar ist. Man solltedochaber meinen, daß mit jener kleinen Glique, die, einer so großen Schar von begeisterten Idealisten gegenüber, die unvermeidlichen Hyänen auf dem S c h l a c h t - fei de der Arbeit in Palästina bilden, auf irgend eine Weise fertig zu werden ist. Es darf nicht sein, daß? gewissenlose Profitmacher unter -wucherischen Manipulationen den Glanz einer wundersam wachsenden jüdischen Gemeinschaft verdunkeln. Kleines Feuilleton. Jüdische Landwirtschaft in In der 'dritten Nummer^ dervom' wirt'schaftlieh-statdstischenv Büro des; Zentral Verbandes der; jüdischen. Ko_operativ,eii im Polen herausgegebenen. Zeitschrift. „Vom. .wirtschaitlichen Leben" veröffentlicht J. B»q.-;- r e-n« t e i n eine bemerkenswerte Studie über jfc-, tische Eandwirtscriäft' in der ostgalizischen* Wbjwodschaft Stänislatti Die- Abhandlung? stütztsich.- auf.' dieanläßlich. der; Volkszählung; des.- Jahres 1931 gesamr meiten, und; im. Staatlichen. Hauptamt für Statistik aufbewahrten Ziffern. Der Prozentsatz der landwirtschaftlich tätigen Juden ist danach in dieser Wbjwodschaft ■der' höchste1in>-ganz? Polen und: beteäglr i5;2r Proz: von* der jüdisphenv Bevölkerung des- Kreises* Es.rgiöt7 ins dee Wojjvodschaft 671 Siedlungen, in. denen. Landwirtschaft treibende Juden leben. Davon sind zwei Drittel' Ortschaften, in. dfenen bis-, zu fünf1 jüdische EandwirtewFamilieüleben. Ein Sechstel von den Gesamtzahl mar chen*. jenes Or^ter aus*, in denen es> fünf bis zehn; jüdische; Bmacn.familien, gibt; In 47. Ortschaften (7< Proz.jf lehen. größere, durchschnittlich, zwanzig Familien, umfassende Gruppen jüdischer LandWi'rte. In* neunzefiri An4-" Siedlungen (8^ ProzJ* lehenv jp. 25v bis* SDijüdischei-Bami«" lieny: die; ihrem Unterhalt? in de» Landwirtschaft: finden* Ueber, 50., A^piu der; Landräct^ha& lohende , judische» Fanjilieh gjlit es,in 14 Ortschaften (£Prpz.): Insgesamt: gibt es über 1DÖ Dörfer,, in denenmindestens"" je- 1Ö; jüdische-- &andWrtb«-Fainilien lfcben. :T •'" Der jüdische Bodenbesitz, liegt über das; -ganze „Thora im Derech Erez"-Philqlogie. Man schreibt uns' von'geschätzter Seite: . Es wäre eigentlich zu erwarten gewesen, daß ■ hßfih, der erst vor kurzer Zeit in diesen Blättern erschienenen lichtvollen und in. E. unwiderleglichen Auseinandersetzung über das, was Rabbiner Hirsch unter Derech Erez in seiner bekannten Devise „Thora im Derech Erez" verstanden hat, weitere Deutungs- und UmdeutungsversucÜe auf" diesem Gebiete unterbleiben könnten. In den erwähnten Aufsätzen ist nachgewiesen worden, daß Rabbiner Hirsch selbst unter „Derech Erez", z u m' wenigsten in der bekannt e n Mi s c hn a in Abo t, nichts anderes verstanden hat, als was alle klassischen Erklärer vor ihm darunter verstanden: nämlich „bürgerliche Geschäftstätigkeit" und die Fähigkeit, den Verkehr mit den Menschen zum Zwecke dieser bürgerlichen Geschäftstätigkeit möglich; zu machen. K e i n es falls aber war Rabbiner Hirsch der Ansicht, der der Mischnä habe, wie vor kurzem; in einem ebenfalls im „Israelit" erschienenen Aufsatz behauptet wurde, unter yn die nS' bEMmS'fl''' dv h. die ästhetische Kultur Verstanden'. Um die Richtigkeit des Gesagten zu erweisen, braucht man nur die Tefillö-Uebersetzung und den T ef illo -Kommentar von Rabb in er Hirsch selbst aufzuschlagen und zu lesen, was der Autor dort schreibt. Um der Diskussion wenigtens über diesen einen Punkt, die Auffassung der Mischna in Abot durch Rabbiner Hirsch, ein Ende zu machen, möchte ich Sie bitten, zur Aufklärung Ihrer Leser Uebersetzung und Kommentar zu dieser Stelle zum Abdruck zu bringen. Die Uebersetzung lautet: '„Räb'ban Gamliel, Sohn des: Rabbi. Jehuda Hannassi, sagt: Schön ist Thorastudium: mit b ü r g e r - lieber Geschäftstätigkeit,, denn die Beschäftigung; mit beiden läßt sündige Gedanken nicht aufkommen und jedes; Thoralernen, mit welchem keine Ar h e.i t verbunden ist, hört endlich auf und, führt Sünde herb ei/' Hierzu» der Kommentar: „Derech Erez umfaßt alles, was daraus hervorgeht und' dadurch bedingt ist, daß der Mensch sein Dasein, seine- Bestimmung« und sein Zusammenleben, mit anderen auf. E r d e n und. durch die von der. E r d-e zu. gewährenden Mittel und. Verhältnisse zu vollenden hat. Daher bezeichnet es namentlich die Wege der N a h r u n g und1 der bürgerlichen Ordnung;, auch die: durch das Zusammenleben hervor- Gebiet der. Wojwodschaft verstreut. Die. Zähl der Ortschaften, in denen es keine Juden gibt, die sich mit Landwirtschaft befassen, beträgt 184, di h. kaum 20;7 PtOKi aller Niederlassungen in der ganzen Wojwodr schaffe Zwei Drittel aller jüdischen Wirtschaften liegen: in den Dörfern,, ein. Drittel in. den Städten. Zwergwirtschaften mit einem Bodenbesitz, von einem Hektar, und Kleinwirtschaften von "drei bis fünf'Hektar liegen zum großen Teil' in den größeren Ortschaften.. Die : 4947/ jüdischen Wirtschaftsbetriebe umfassen insgesamt. 45,613; rjektat, so daß. aufc die einzelne Wirtschaft im Durchschnitt 9,2. Hektar entfallen. ZW4 Fünftel der Betriebe (44, 5 Ptoz.) haben Bis zu einem Hektar Böden und umfassen 863^HfektaiY das. ist kaum. 1,9 Proz. des gesamten jüdischen Bodenbesitzes im Kreis Stanislau. Ein Drittel entfällt auf; die Betriebe mit ein- bis drei Hektar Böden und umfaßt 2674'Hektar; in dieser Kategorie entfallen auf' den Einzelbetrieb im Durchschnitt l?/v Hektar. Diese beiden Kategorien von Klein- und; Kleinsiwirtschaften umfassen« nicht Unternehmungen,, die. rein landwirtschaftlicher Natur sind. Insgesamt gibt es 3700 jüdische Wirtschaften, die nicht als- HaupterwerbsqueÜeihrer Besitzer anzusehen sindi Äusgesprochen« landwirtschaftlichen Charakter, tragen-. 1247/ jüdische Betriejje;, von? denem zw.ei< DritteL" Kleinbetriebe, int Ausmaß von; drei bis,; zehn^ .Hektar und ein; Sechstel Mittelbetriebe von. zehn: bis fünfundzwanzig Hektar sindl DieJ Zahl der jüdischen Gröff2betriebe-Iii" der^Eandwirfechaft£ (üÜeif SOiHfiktax Buden? besit^rhetiägt nun W6, di. hi, kaum. 3,5- Froz.. allerjüdischen, Wirtschafteni - Diese 176. Betriebe umfassen jedoch 3^.000, Hektar (auf den einzelnen Großbetrieb entfallen im BVcHschniU Hektär)>d; ». 70 Prozs desganzen^ jüdische^;' Bbdenbesit'zesi in: dbr Wc^wodi- Schate Stanislaus :1 *; gerufenen Sitten und Rücksichten der Höflichkeit und des Anstandes, sowie alles, was die allgemeine menschliche und bürgerliche Bildung betrifft. Der beigefügte Grund: yi9 nrown OiTO» t\wx>v läßt, glauben wir, erkennen, daß hier unter Derech Erez zunächst die der bürgerlichen Existenz zugewandte Geschäftstätigkeit verstanden ist. Es heißt hier nun nicht „hält fern",, „schützt'' vor Sünde, sondern imavts, läßt vergessen, läßt den Gedanken von Sünde nicht aufkommen. Wir glauben, daß hiermit gesagt ist, nur eine dem Studium und der selbständigen Ernährung gewidmete Beschäftigung nehme so sehr die ganze Zeit in Anspruch, daß keine unbeschäftigte Muße bleibt, in welcher vom Guten fern- Uegenden und entfernenden Gedanken nachgehängt werden könne. Aber auch geradezu: rmv ]•>*& min toi naK^n wer neben dem Thora-Lernen nicht auf eine ernährende Arbeit pflegt, läuft Gefahr, aus Manger das Lernen, einstellen zu müssen und sich aus Not und Elend zu Unrechtem verleiten zu lassen." Es ist also klar, daß es Rabbiner Hirsch n i c h t eingefallen ist, entgegen dem schlichten und klaren Wortsinn, in die Mischna in Abot die Bedeutung „allgemeine" oder „ästhetische" Kultur hinein ZU interpretieren und daß er auch in der Hinzufügung "iä4» illin VST keinen Grund zu einer W&p sah. Wie sich Rabbiner Hirsch im übrigen zum Kulturproblem überhaupt gestellt hat, — abgesehen von der Interpretation der Mischna — ist eine andere Frage, und ich glaube, daß auch in dieser Hinsicht in der oben erwähnten Artikelserie die wirkliche Einstellung Rabbiner Hirschs zu dem Problem der Kultur und insbesondere der höheren Wissenschaft in vollkommen eindeutiger Weise klargestellt ist. Die dort zitierte grundlegende Stelle zum QVfflS 211111 beweist, daß es Rabbiner Hirsch, nicht eingefallen ist, die Stellung der Wissenschaft und der Kultur überhaupt zur Thora anders aufzufassen, als es der Rolle der lyinnül JTirij?*V d. h. der untergeordneten Hilfswissenschaft, entspricht. Ueberall dort, wo Wissenschaft Und Kulturbetätigung die Grenzen dieser sich G'tt gegenüber bescheidenden Hilfestellung überschreiten . und; damit die Einheit der T h ö r a p e r s ö n 1 ic h k e i t gefährden — leider ist dies ja beim akademischen Studium häu f iggenug der Fall — besteht kein Recht -sich1 auf Rabbiner Hirsch als Kronzeugen zu berufen und: gar in seinem Namen diejenigen zurechtzuweisen, die letzten Endes Ernst m'ae h e n w ol 1; e n m;i tdem, was: der große Meister im Chaurew und in der Interpretation des D*371D mW alsjüdische Grundforderung verkündet hat, aber doch' naturgemäß nur an einem engeren- Kreise Auserwählter unverkürzt verwirkliehen konnte. „Gute Nacht Kultur" zu rufeir, ist gewiß eine jugendliche Uebertreibung; aber sie scheint Schreiber dieses^ angesichts der ganzen Lage verzeihlicher und' ungefährlicher; als' der Versuche, die- „Thora im Derech- Erez"-Theorie in der durchaus zeitbedingten Form, die ihr die deutsche'-Orthodoxie unter starkiem~Zwäng: von: außen gegeben hat> als problemlos und „abgepaskent" hinzustell en." Wir geben dieser Zuschrift um so lieber Raum, als inzwischen von anderen Seiten an der Schwab'sehen „Heimkehr ins Judentum" in wenig gebührlicher Form-unsachliche Kritik geübt worden ist. Der Lehrplan, den .dieses Büch aufstellt, zeigt, daß der Verfasser letzten Endes lediglich ein grundlegend anderes Mischung s Verhältnis allgemein kultureller und jüdischer Bestandteile der Jügendbildung fordert wie sie die üblichen jüdischen Lehr- und Stundenpläne — vielfach lfttter dem Druck staatlicher Anforderungen — stabilisieren. Ernsthafte Denkarbeit zum Zwecke der Bitter notwendigen Herausarbeitung einer diesen JJamen verdienenden Thorab i 1 dung im.Geiste des von S. R. Hirsch interpretierten D?3närnW .wird aber nur geleistet wer-den, wenn Weckrufe wie das verdienstvolle Schwab-sehe Buch — trotr mancher, tTetfertreibungen darin — e r n s t g, e n o m m e n und; nicht' dürcH. oberflächliche Kritik ihrer WirkungsmoglicHkeiti beraubt werden.