Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1935)
- Date
- 1935-04-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 14 Der Israelit 4. April 1935 Wochenrundschati. Die Berufswahl der jüdischen Mädchen in Deutschland. Die Frage der Berufswahl, die an dem bevorstehenden Qstertermin wiederum an die schulentlassene Jugend herantritt, wirft auch für die Mädchen — über die Berufsfragen der männlichen Jugend haben wir jüngst gesprochen — mancherlei Probleme auf. Eine sehr instruktive Zusammenstellung der hierbei in Betracht kommenden Fragen findet man in dem Marz-Heft der „Blätter des Jüdischen Frauenbundes", auf die wir daher hinweisen möchten. Das Heft wird durch einen Vortrag Cora Berliners über die jüdische Frau im Beruf s-? und Gemeinschaftsleben eingeleitet, in dem zunächst auf die besonderen Schwierigkeiten der aktuellen Lage im Berufsleben überhaupt hingewiesen wird. So ist es z. Bewährend bisher noch verhältnismäßig am leichtesten junge Kräfte untergebracht werden konnten, durch die neue Anordnung über den Austausch von Arbeitskräften zu einer Sorge geworden, wie es in Zukunft möglich sein wird, junge Menschen unter 25 Jahren in den Beruf überhaupt hineinzubringen, nachdem ihnen die Möglichkeit, sich die bevorzugte Anwartschaft auf eine Stellung durch Landhilfe oder Arbeits^ dienstjahr zu erwerben, versagt ist, Ein anderes Beispiel für die Unsicherheit der Lage ist folgendes: Das Reichskulturkanunergesetz enthält an sich keinen Arierparagraphen. Jeder, der einen der hierzu gehörigen Berufe ergreifen will, hat die Pflicht, seinem Fachverband anzugehören, aber auch das Recht auf Aufnahme. Nachdem das Reichskulturkammergesetz über ein Jahr in Kraft ist, wird nun neuerdings in zahlreichen Verlautbarungen die Auffassung vertreten, däß Juden grundsätzlich ungeeignet seien, deutsches. Kulturgut zu schaffen oder zu verbreiten, und die Aufnahme in den Fachverband wird abgelehnt, oder es werden Aufgenommene ausgeschlossen unter Berufung auf die Bestimmung, daß eine solche Ablehnung erfolgen kann, wenn „Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, daß die in Frage kommende Person die für die Ausübung ihrer Tätigkeiterforderliche Zuverlässigkeit und Eignung nicht besitzt." Es ist klar, daß durch diese Unsicherheit die Berufswahl im allgemeinen außerordentlich erschwert ist. Man känft nicht "wissen, was morgen geschieht und steht jeden Tag vor neuen Tatsachen. Indessen gibt es immer noch eine Anzahl von Berufsgruppen, für die> man mit einer gewissen Aussicht auf Stetigkeit junge Mädchen vorbilden kann. An oberster Stelle ist hier die Hauswirtschaft zu nennen. Die Hemmungen, die in weiten jüdischen Kreisen, insbesondere des Mittelstandes, gegen eine Ausbildung der Töchter für den Beruf einer Hausangestellten bestehen, sind bekannt, müssen aber überwunden werdn. Mit Recht wird mit Bezug hierauf von Margarete Jacoby darauf hingewiesen, daß es gelte, die jungen Mädchen zu der Erkenntnis zu bringen, den Haushalt als Betrieb zu betrachten. Allerdings müßten awsh die jüdischen Hausfrauen mehr als bisher bestrebt sein, die jüdische Hausangestellte als Hausgenossin anzusehen und entsprechend zu behandeln. Hausfrauen, die sich eine bezahlte Kraft nicht leisten, aber e& ermöglichen können, gegen Kost und Wohnung ein junges Mädchen bei sieh aufzunehmen, sollten, bereit sein, in ihrem Haushalt gewissermaßen als Lehrstelle das junge Mädchen anzulernen. Im übrigen gibt es ja gerade für die hauswirtschaftliche Ausbildung eine ganze Reihe vorzüglicher Schulen und Lehrstätten» von denen einige auch für religiöse Kreise in Betracht kommen. Nächst der Hauswirtschaft kommt in erster Reihe der Beruf der Krank e n pfleg e r i n in Frage, in dem heute starkes Uebergewicht der Nachfrage über das Angebot herrscht, und bei dem in dieser Hinsicht in der nächsten Zeit die Nachfrage noch viel größer werden wird, So ist z. B. festzustellen, daß von Palästina 30 junge Schwestern angefordert worden sind, von denen nur 10 entsandt werden konnten. Auch Wiesbaden, Leipzig, Nürnberg können den Bedarf an Krankenschwestern nicht decken. Allerdings setzt der Beruf einer Krankenpflegerin nicht nur eine absolut einwandfreie Gesundheit, sondern auch ein starkes Maß von Selbstzucht und Ernst der Lebensauffassung voraus. Weitere Berufe, die allerdings mehr oder minder vorher eine gewisse hauswirtschaftliche Ausbildung voraussetzen, sind der der Säuglingsschwester, der Kindergärtnerin und Hortnerin, während für den Lehrerinnenberuf die Prognosen für die Zukunft immerhin mit einem gewissen Fragezeichen zu versehen sind. Gärtnerei, Ge- ■, flügelzucht und die sonstigen landwirtschaftlichen. Nebenberufe können nur im Hinblick auf Auswanderung nach Erez Jisroel in Betracht gezogen werden, was bis zu einem gewissen Grade» auch bei den handwerklichen Berufen der Fall ist. Immerhin dürften eine Anzahl Kräfte in der Schneiderei, dem Wäschenähen, und im Putz für die nächste Zeit auch noch innerhalb Deutschlands unterkommen können. Von der kaufmännischen Ausbildung ist hier nicht gesprochen. Sie ist allgemein bekannt und. bedarf daher keiner besonderen Erörterung. Gerade für die sabbattreuen Kreise wird sie immerhin nach wie vor in einem gewissen Umfange, in Betracht gezogen werden müssen. . Es gibt däneben noch eine ganze Anzahl von. Spezialberufen, die von besonderer Begabung; oder Neigung abhängig sind und von denen hier daher nicht gesprochen werden soll. Die in den verschiedenen größeren Orten befindlichen jüdischen Berufsberatungsstellen stehen den Interessenten jederzeit zur Beratung zur Verfügung. Es ist dabei natürlich Aufgabe jedesgewissenhaften Vaters und jeder jüdischen Mutter, ihrerseits bei der Berufsplanung die religiösen Momente sowohl für die Zeit der Ausbildung, auch für diejenige etwaiger hünftiger selbständiger Ausübung des Berufes von vornherein ins Auge zu fassen, da die Beratungsstellen, soweit sie nicht in gesetzestreuen Händen, liegen, naturgemäß auf diese Momente nur dann achten, wenn man sie ausdrücklich darauf aufmerksam macht und die in Betracht kommenden: Fragen selber mit ihnen durchdenkt. Spekulationen mit jüdischen Gütern. \ Vielgerühmt und vielverschrieen ist die Stadt Tel A w i w , „Frühlingshügel" und ein Hoffnungsstrahl den Einen, ein Sündenbabel den Anderen. Uebertrieben wird auf beiden Seiten, denn Glück und Enttäuschung, — das Glück, eine rein jüdische Siedlung zu einer Groß- und Weltstadt anwachsen zu sehen und die Enttäuschung, die sich für tiefer Denkende über manche Vorgänge wie ein bitterer Tropfen in den Kelch der Freude mischt, — führen keine objektive Sprache. Einig sind aber alle, die am Uebelstande nicht interessiert sind, in der Verurteilung des Agenten - und Spekulantentums, das sich in der wachsenden, Stadt in einer Weise breit macht, die aller Grundsätze der Moral und der Volkswohlfahrt spottet. Man spekuliert mit „Migraschim", B a u - Biblische Zitate an ihrer Quelle und in ihrem Zusammenhang, Es gibt hebräische Zitate, die in aller Munde sind, von denen aber die wenigsten wissen, wo sie' in der Bibel stehen und was sie im Zusammenhange bedeuten. Ihrer viele sind durch den häufigen Gbrauch schon so sehr abgeschliffen, daß sie so gut wie gar nichts mehr besagen, andere, werden falsch angewandt. Einige dieser Worte mögen hier in ihrem Zusammenhange und nach "ihrer ursprünglichen Bedeutung richtiggestellt werden i) n.iaa-i>*xn npns. ,, 1. Das Wort , hat seine Quelle in Mischle, wo es zweimal zu finden ist, und zwar Kap. 10, Satz 2 /man V»sn npnsi j;bh msi« i^yv &b „Nichts nützen die Schätze der Bosheit, Wohltat aber rettet vor dem Tode", und dann auch Kap. 11, S. 4; nx\ npTSi may ova rin J"yv «V , „Nichts nützt 4er Besitz, am Tage des Zornes, Wohl-' tat aber usw." ' In östlichen Gemeinden ist es üblich, daß man bei Leichengeleiten die Zdokohb.üehse klappern läßt und anhaltend dabei man i»xn npnx ruft. Im Westen wirft man seinen Obulus ohne Laut, aber ebenfalls in Gedanken an das vor dem Tode rettende Wohltun in die Almosenbüchse. Bekannt ist das herrliche Wortspiel vom Schelöh, mit dem er zur Unterstützung der Armen besonders zu Pessach anfeuert, ms» hat ein » in der Mitte. Kommt das S heraus, dann heißt es nicht mehr flis»/ sondern flia und bedeutet den Tod. Nur-das x» d. h. die npre verwandelt das ma in msn/ also alles in . allem maa b^ri npns« Man kennt auch die wundervolle Pyramide, die die Gemoro um diesen Zdokohsatz aufbaut: Ragend steht der-B erg da, doch stärker ist das Eisen.,; das den Berg durchwühlt. Das Eisen wird vom Feuer, geschmolzen, das Feuer, aber ,yom Was s e r gelöscht: Die Wolke trägt das Wasserj der Wind ist noch' stärker, er vertreibt die Wolke. Wie stark aber ist da der Mensch, der den Wind beherrscht, ihn in seine Segel und Mühlen zwingt. Stärker als der Mensch ist aber die Angst, die. Sorge, die den Menschen' zerbrechen und niederschlagen. Der Weih ist stärker wie die Sorge, denn er überwindet sie und läßt sie vergessen. Noch stärker als der Wein ist der Schlaf, der den Rausch vergehen läßt, und am stärksten der Tod, der den.Menschen auch im Schlafe überraschen kann. Ist der Tod am stärksten? Nein; denn „Zdokoh überwindet den Tod", wie es geschrieben steht: maa $»xn tipwi. : Daß hiermit nicht das Irdische, sondern das ewige Leben in der Welt des: Lichtes gemeint ist, ist deutlich in einem anderen Satz in Tillim 112 r gesagt: ": •tpi? ivwiy inj«*v was' wyi pn Daran knüpft Midrasch das schöne Gleichnis von den drei Freunden an. Es hatte einer drei Freunde, von denen er den. ersten jäh er alle Maßen liebte, ihm mit ganzem Herzen : und;, seiner .. ganzen f( Kraft diente. Er liebte auch treu und ehrlich den zweiten Freund, den dritten aber beachtete er nur dann und wann. Wie er aber eines Tages vor das höchste Gericht geladen wird, da bleibt der erste Freund ganz kalt und uninteressiert zu Hause, der zweite begleitet ihn bis zum Tore des Gerichtes und kehrt heim, der dritte aber, den er am wenigsten beachtet hatte, bleibt bei ihm und begleitet ihn bis zum Richterthrone und weicht nicht eher, als bis er seine Rechtfertigung geführt hat. Der erste Freund, es ist unser Hab und Gut, das wir airi Tage der letzten Heimkehr zu Hause lassen. Der zweite Freund, Weib und Kind und Familienmitglieder, sie begleiten den Menschen weinend bis zur letzten Ruhestätte und. kehren heim. Nur der dritte Freund, die Z do k o h, geht nir£r uns und" spricht für uns am Tage des Gerichtes. Darum heißt es hier: waa ripyi pn „Hab und Gut bleiben zu Hause" ntf? maiy v>jr«i „die Zdokoh aber steht uns ewig bei." . (Schluß folgt.) Wochen kälender. Vom 6. — 13. April 1935 / -Vom 3. — 10. Nissan 5695 ,ni? *1T Samstag' , ■ 'so Aaa 6 3 T' sritn Sonntag 7 4 ' n»; ' - ■f i ( ■ .( Montag 8 5 .»»:., Dienstag 9 .6 - ,a,-<--. Mittwoch ' Apr. 10 : jca " 7 nbipn. Donnerstag 11 8 " aa; ' .;. :" ,- " : .* - Freitag 12 9 : * ' .< ■ Samstag:. . 13 t'-.ii\\ IQ ■. na ' _ jji» s>H£»;