Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1935)
- Date
- 1935-04-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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4r Apritei935" Der 1 s r a e,l it Nr. 14 Seite 3 ■i ^itfl Die hebräische Sprache und , * Ä> - 1 (",|. ■ i» - - ' - K&y*z^-1m" ' - v t ■ , » l das qesetzesfreue Judentum. (Fortsetzung von Seite 1.) - •■ Wendepunkt für ihre ganze Entwicklung. Heute schon sind die Spuren dieser ihrer Aktivität im Lande sichtbar, und ihr Einfluß wird immer stärker, und es ist zu hoffen, daß, so wie die Agudo in Polen die meisten Gemeinden erobert hat, sie; im Laufe der Zeit auch aller Schwierigkeiten, in; Erez Israel- Herr werden; alle Religiösen unter dem Banner der Thora sammeln, und so zum geistigen Mittelpunkt für den Jischuw in Erez Jisroel werden wird. Eine: so wichtige und ,ver-: antwortungsvolle Aufgabe, wie diejenige, die die Agudas Jisroel nun einmal auf sich genommen hat, den .Volksgeist in Erez Jisroel zu beeinflus-: Se'n, ~das religiöse Gefühl zu wecken und die Thora in den Mittelpunkt des ganzem wirtschaftliche», gesellschaftlichen und kulturellen Lebens, zu stellen, verpflichtet zu fruchtbarer und dauernde?; Arbeit, die sich auf alle Kreise erstrecken-; muß.; Ein so hohes Ziel erfordert die Lösung von > Fragen auf allen Gebieten des Lebens in seinem ganzen Umfange und damit insbesondere auch auf dem Gebiete der Sprache. Zu un-, serem Leidwesen haben wir jedoch bis heute dieses Gebiet vernachlässigt und haben dem Problem unsrer Heiligen Sprache, die heute zum bedeutungsvollsten Faktor in der Entwicklung des ge-; .seilschaftlichen und kulturellen Lebens in Erez-, Jisroel geworden ist, nicht die genügende Aufmerksamkeit zugewandt. Zwar haben wir' einen-"kleinen Fortschritt erzielt und wir besitzen schon. eine hebräische orthodoxe Wochenschrift, den „Darkejnu", der sich mehr und mehr entwickelt. Aber manchmal scheint es, als ob auf dem Gebiete der Sprache" man zwei Schritte vorwärts. und einen zurück macht. Das beweist, daß noch keine klare Anschauung in den Kreisen der Orihodoxie. über den Wert des Hebräischen als ge-. .sprochener Sprache vorhanden ist, daß nicht alle. Führer. von der Erkenntnis durchdrungen sind, welche heilige Pflicht .auf uns liegt, uns der zum Leben erwachenden hebräischen Sprache anzunehmen, damit dieses Leben den Stempel des altjüdischen Geistes trage. Es herrscht in allem, was die Sprache betrifft, in vielen orthodoxen Kreisen als Erbschaft der Vergangenheit Tein gewisses Vorurteil -oder Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit. Man ist in diesen Kreisen so kurzsichtig, die ungeheure Gefahr nickt zu erblicken, die in einer« solchen Taktik liegt.. Die hebräische Sprache, die von Anbeginn an eine lebendige und gesprochene Sprache war, ist seit fast «2000 Jahren zur heiligen Sprache geworden, d. h. man bediente sich ihrer nur noch zu ausgesprochen heiligen Zwecken, und. erst jetzt, nach einer. Pause von 1700 Jahren, erwacht, sie wieder zur Sprache des Lebens und des Alltags; In Erez Jisroel spricht man sie wie Deutsch und Polnisch und dort ist sie eine offizielle Sprache und beherrscht alle Gebiete des Lebens. Auch die Kinder und viele Jugendliche kennen keine andere Sprache^ außer unserer heiligen Sprache. Dies ist eine ^Tatsache, mit der wir zu »rechnen haben.' Und wer sind nur die Schöpfer, die Vormünder, die Betreuer und Pfleger dieser unserer heiligen Sprache? Die Freien sind es und zum größten Teil Leugner. Wenn man die Erez Jisroel- Presse liest, nimmt man eine Art Profangeist, eine Art Oberflächlichkeit nach europäischem Muster wahr," die hineingetragen werden in die hebräische Sprache und ihre Ehre als heilige Sprache herabsetzen, sie zueiner AJltagsspraehe. erniedrigen. Es ist; eine neue Anwendung des alten unheilvoll len Satzes: „Wir wollen: werden wie alle Völker". Der Geist der Weltlichkei't und Assimilation unserer Sprachschopfer ist aus jedem Schritt erkennbar, und aus;jedem Blatte der Entwicklung strömt uns dieser'Geist entgegen. Aber wir haben kein Recht, darüber Anklage zu erheben. -.Wir-' müssen ihnen noch dankbar sein, daß sie wenigstens eine Volksspraqhe ge schaffen haben und sie. mit technischen. Worten, die für die Alltagsgebiete auf allen- Gebieten not wendig sind, bereichert haben. . Sie haben getan, was sie konnten.-D i e G r o Bender Th o r a waren nicht' unter ihn e n. >Talmide Ghachomim, die bewandert waren in den heiligen Schriften,,in Bibel, Midrasch, Mischna, Tosefta, Talmud und Dezisoren, in den Kommentaren der Früheren und der Späteren, in der Literatur des Mittelalters und der Neuzeit, in den Büchern der jüdischen Jrhilosophie und Wissenschaft* in den Büchern, der Kabbala und des Chassidus usw., haben sich den bloßen - Kennern der fremden Sprachen, der Grammatik und des Stils bei der Schaffung der neuen he bräischen Sprache und der neuen Worte nie h t zugesellt. So konnten sie auch keinen Einfluß auf diese sprachschöpferische Tätigkeit gewinnen und konnten nicht dafür sorgen,-daß sie im Geiste des echten, alten Judentums erfolgte. Heute nun treten wir an etwas Fertiges heran, bedienen uns der Sprache, die man geschaffen hat, um die jene sich gekümmert, um die sie sich weiter kümmern und auf die sie sich eine . Art Monopol, insbesondere, bei der Schöpfung neuer Worte, Stilformen und Begriffe gesichert zu haben glauben. , . Wenn wir nun uns eines Besseren besonnen haben in Bezug auf den Aufbau des heiligen Landes und ihnen hierauf das Monopol streitig machen/ so m ü ß t ed i e gl eiche Entwicklung auch einsetzen in Bezug auf die h e i 1 i g e S p r a c h e. Es gilt, den Freien das Monopol auf die Gestaltung unserer heiligen Sprache, auf die Sprache unserer Thora zu entreißen, denn diese Sprache-seufzt täglich unter der Schmach, die ihr damit angetan worden ist. Wir müssen gestehen, daß wir sündigten, indem wir die Neuschöpfung unserer heiligen Sprache den Freien und den Leugnern überließen und gleichgültig beiseite standen. Deshalb dürfen wir uns nicht darüber wundern, wenn wir jetzt eine „Sprache hören, die wir nicht verstehen", und wenn eine'geistlose Fremdheit'heute sich in dem Iwrith in unserem Lande breit macht, die nicht der heiligen Sprache entspricht.. Hierüber jedoch und über die Möglichkeiten einer Besserung wird noch gesprochen werden. Noch ist Zeit und Möglichkeit hierfür durchaus vorhanden. Die hebräische Sprache befindet sich npch immer im Stadium der Entwicklung und im Strome der Neuschöpfung. Noch viele sprachliche Fragen,- die -auf der Tagesordnung stehen, harren der Lösung. Es ist noch ein'weites Feld für fruchtbare Arbeit vorhanden, und wir können dabei eine starke Aktivität entfalten, die nicht so sehr der Geldmittel, als der Thorakenntnis, des wissenschaftlichen Verständnisses, der Belesenheit im Talmud und unseren heiligen Büchern bedarf. Gerade dieser unser einziger Nationalschatz befindet sich ja in u n s e r e m Besitz. Deshalb, meine Brüder; rüsten wir uns für unser Volk und unsere Sprache und erfüllen wir unsere Pflicht!; Diese unsere heilige Pflicht; die uns jetzt zunächst' obliegt, ist " - - - a) uns nicht nur um die Entfaltung und den Aufbau unseres, heiligen Landes zu kümmern, sondern auch umj die Entfaltung xm<i 4^ '^^^ der heiligen Sprache, ( < \ b) 'nicht nur die Reinheit und Heiligliceii.^nr seres Landes zu schützen, sondern auch'- die Hei- '' ligkeit und Reinheit unserer heiligen Sprache. Eines ist vom anderen abhängig. ■ . . - * ' - 'v "»vSj&eSSC:^-* '-^ II. Die Ä"u f g a b e d er F ü hr e r£3d*«.r L.e h - -r^ex. .:-u n*d„,d e-r.-M rzieher a u'f _ de m'Ge - b iß t e r'd'e i" Sprache. W e r t_üTn d .No-t- ■t. . w e.n d i g k e \X. d e,r hja b r ä,LsTc.h e.n _. Sprache in unserem Zeitalter. Das Studium der heiligen Sprache hat. im Leben des Volkes, unabhängig von Zeit und Raum, immer einen hohen Rang eingenommen, und alle Stürme der /Zeiten1 konnten »daran nicht rühren. Gerade in der Zeit der Not und in den furchtbarsten Augenblicken unserer Volksgeschichte hat das jüdische Volk mit verdoppelter Energie an seiner Thora und an seiner Sprache festgehalten und in ihnen Schutz und Schirm gefunden. Esra Hasofer hat die häufige Vorlesung aus der Thora eingeführt, um ihr das Herz des Volkes zu nähern und er und Nehemia haben den jüdischen Geist gestärkt durch Verbreitung der Thorakenntnis u n d der Kenntnis der hebr'äischen Sprache unter dem Volke. Sie haben eingesehen, daß die Wiederauferstehung des Volkes; an der Kenntnis der Thora und ihrer Sprache hängt und zwar aus der Urquelle und nicht durch Vermittlung von Uebersetzungen. Auf die Uebersetzung der . Thora in fremde Sprachen hat man als eine Art Awoda Sara hingeblickt (so wie es in dem Traktat Sofrim heißt, daß der Tag, an dem unter Ptolemäus die 70 Weisen der Septuaginta die Thora ins Griechische übertrugen, ein schwarzer Tag für Israel war, wie der Tag des goldenen Kalbes) und von Nehemia finden wir, daß er das Volk u. a. auch wegen der Versündigung gegenüber der Sprache zurechtwies. Bitter ruft er aus: „Und ihre Kinder, die Hälfte davon spricht die Sprache Aschdods und verstehen nicht die jüdische zu sprechen, wie sonst jedes Volk." Wenn wir Unsere Geschichte betrachten, finden wir, daß das Interesse an der Sprache immer einen großen Raum einnahm und als Frage des Lebens und der geistigen Freiheit von unseren Vätern angesehen wurde. Viele Aussprüche unserer Weisen zum Ruhme der Sprache zeugen für ihre Beziehung zur hebräischen Sprache und für die Würdigung, die sie ihr entgegenbrachten. Dafür einige Beispiele: „Im Namen Rabbi Meirs haben wir gelernt: Wer im * heiligen Lande wohnt, morgens und abends das Schema sagt und die heilige Sprache spricht, kann sicher sein, daß er ein Sohn der künftigen Welt ist (Jeruschalmi Sabbat 1, 5). ,J-ehret Eure Söhne von ihnen zu sprechen." Aus diesem Vers haben sie gelehrt: Wenn das Kind zu sprechen anfängt, spricht sein Vater die heilige Sprache mit ihm und lehrt es die Thora; Spricht er aber nicht die heilige Sprache, mit ihm "und lehrt esdie Thorä nicht, so wäre es .;besser, er begrübe es, denn es heißt in unmittelbarer Folge nach dem Satze: „Lehret sie Eure Sehne, von ihnen zu sprechen": „damit die Tage und die Tage Eurer Söhne viel werden." Wenn Ihr sie Euren Söhnen lehrt, werden sich ihre Tage vermehren, wenn nicht, so verkürzt Ihr Euer Leben und das Leben Eurer Kinder. (Sifre Ekew)." Israel wurde aus Aegypten erlöst, weil es seine Namen nicht änderte, Reuben und Schimon zogen hinunter nach Aegypten, und als Reuben und Schimon kamen sie wieder zurück. Sie nannten den Reuben nicht Rufus und den Jehudo nicht Julianus und Josef nicht Lustus und Benjamin nicht Alexandri. Und sie änderten ihre Sprache nicht, sie sprachen die heilige Sprache,' -wie es heißt: „das Haus Jakows aus einem fremdzüngi-*. gen Volke heraus." Und, so heißt es von Josef: i, M e in Mun'd spricht zu Euch": in der heilig e n S p r a c h e (Midrasch Rabba, Wajikro 32). Im Namen von Rabbi Simon haben sie gelehrt: „So wie die Thora gegeben wurde in der heiligen Sprache, so ist auch die Welt geschaffen worden vermittelst der heiligen Sprache" (Beresehis rabba 19)." (Fortsetzung folgt.)