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Der Israelit · 1935-04-04 · Heft 14 (4.4.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 14 (4.4.1935)
Date
1935-04-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 14 Oer Ii r a e I i * 4. April 1935 Staaten eine Ausstellung sei t e n e r A u s g a Jb e n v o n Ma im o n i d e s w erken veranstaltet, auf der auch eine Reihe wichtiger Dokumente medizinischen Inhaltes zu sehen sind. Da wir, wie schon gesagt, der Meinung sind, daß es eine Versündigung gegen den Qeschmack und auch gegen den Geist des Maimonides sei seinen Geburtstag an einem arideren als dem eigentlichen j ü d i s c h e n. Datum zu feiern, so werden wir mit einer Är t i k e lserie über Rambam in der Nummer von Donnerstag dem 11. April, beginnen, und sie in der am 14. Nissan, dem eigentlichen Geburtstag, erschei nenden Festnummer fortsetzen. Wichtige Aenderung der Palästina-Einwanderungsbestimmungen. Jerusalem, 28. März. In der soeben erschienenen Nummer der „Official. Gazette" werden einige Aenderungen der Bestimmungen für die Einwanderung nach Palästina bekannt gegeben. Danach werden künftighin Personen, die sich an die Regierung um Einwanderungserlaubnis gewandt haben, Zertifikate direkt zugeteilt werden. Ferner werden Zertifikate, die von Unternehmern für Ang es teilte angefordert würden, dem Unternehmer oder, dem A n g e stellten unmittelbar ausgehändigt werden. Schließlich, soll die Jewish Agency Einzelzertifikate, die von ihr angefordert wurden, neben der Labour Schedule zur Verteilung er halten. Gegen unzeitgemäße Veranstaltungen. Berlin, 2. April. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Die Reichsvertretung hat vor einiger Zeit, wie bereits mitgeteilt, bei den jüdischen Gemeinden und Organisationen, den jüdischen Zeitungen und Gemeindeblättern eine Aktion unternommen, um Zahl und Form der jüdischen Veranstaltungen der Lage des deutschen Judentums anzupassen. Diese Anregungen, haben, wie wir mit Befriedigung feststellen konnten, beinahe bei allen in Frage kommenden Stellen Verständnis und Bereitschaft zur Durchführung gefunden, und wir dürfen erwarten, daß die Zahl der Veranstaltungen aller Art noch weiter vermindert werden wird. Bedauerlicherweise gibt es noch immer einige wenige Kreise, darunter leider auch Un tergruppen jüdischer Organisationen, die es mit dem Ernst der Zeit für vereinbar halten, Fest- und Ballveranstaltuhgen abzuhalten. Wir wissen uns mit der erdrückenden Mehrheit des deutschen Judentums, das mit Würde uncL innerer Haltung seine Sorgen trägt, einig, wenn wir auf das Entschiedenste das Verschwinden solcher Veranstaltungen fordern, die das Bild des deutschen Judentums verfälschen. Wir erwarten, daß die deutschen Juden durch ein Fernbleiben von Veranstaltungen, die der Forderung würdiger Zurückhaltung nicht entsprechen, ihr Verständnis für das Gebot der Stunde bekunden. Die neue Verfassung in Polen und der jüdische Klub. Warschau, 24. März. Rabbiner Dr. Osias Thon hat seine Stelle als Vorsitzender des Jüdischen Parlamentsklubs zum Protest dagegen niedergelegt, daß der Klub mit Stimmenmehrheit beschlossen hat, bei der Abstimmung über die neue Verfassung, die .das Proportionalwahlrecht abschafft, sich bloß der Stimme zu enthalten, nicht aber gegen das Verfassungsgesetz zu stimmen. Die neue Verfassung wurde vom Sejm mit 260 gegen 139 Stimmen bei 43 Stimmenthaltungen angenommen. Die formelle Annahme geschah in einer Festsitzung, der alle Mitglieder des Kabinetts und die Mitglieder des diplomatischen Corps beiwohnten. Der Jüdische Parlamentsklub hat beschlossen, die Demission Dr. Thons nicht zur Kenntnis zu nehmen und ihn zu bitten, sein Amt beizubehalten. Dr. Thon hat jedoch Warschau bereits verlassen und ist in seine Heimatstadt Krakau zurückgekehrt. Antisemitische Stadtvertretung von Lodz soll aufgelöst werden. Warschau, 2. April. Es wird mitgeteilt, daß die Regierung beschlossen hat, die Stadtvertretung von Lodz, die in letzter Zeit infolge der provokatorischen antisemitischen Anträge und Beschlüsse ihrer nationaldemokratischen Mehrheit viel von sich reden machte, aufzulösen. Gleichzeitig soll auch ein neuer. Stadtpräsident anstelle des bisherigen kommissarischen Stadtpräsidenten ernannt werden. Kundgebung des litauischen Innenministeriunis gegen antisemitische Ausschreitungen. Das Innenministerium schildert in einem Kommunique die vor kurzem in Tauroggen geschehenen antisemitischen Ausschreitungen und verurteilt schärfstens die Propaganda, die zu diesen Ausschreitungen geführt hat. In dem Kommunique heißt es u. a.; Dunkle Elemente haben das Gerücht verbreitet, ein jüdischer Einwohner habe ein christliches; Kind zu rituellen Zwecken ermordet. Dieses Ge-' rücht wurde von ausländischen nichtlitauis.chen Elementen unter Ausnutzung des Umstandes ausgesprengt, daß an dem gleichen Tag die Leiche eines Neugeborenen im Krankenhaus seziert wurde. Abends kam es, zu einer Ansammlung, vor dem Krankenhaus, wobei Provokateure versuchten, die Menge zu veranlassen, gewaltsam in.das Krankenhaus einzudringen. Als die Menge von der Polizei auseinandergetrieben wurde, sammelten sich die Demonstranten später wieder vor dem Wohnhaus des Einwohners, der von den Hetzern als der angebliche Mörder des Kindes bezeichnet worden war. Im Hause dieses jüdischen Einwohners wurden die- Fensterscheiben zertrümmert und in einigen Straßen wurden Juden mißhandelt. Die Polizei hat weitere Unruhen verhindert und die Hetzer festgenommen. 30 Personen wurden dem Kommandanten zur Bestrafung im administrativen Weg übergeben. Es besteht kein> Zweifel, daß die Hetze zu provokatorischen -Zwecken inszeniert wurde. Die litauische O Öffentlichkeit verurteilt eine sc-Iche Tätigkeit aufs, schärfste. .. Rituelle Vejrpj|f gupg l$r jüdische Soldaten in Lettland. ' Riga, 2. April. Auf Grund .von Verhandlungen der Agudas; Jisroel mit dem lettlä'ndis'chen- Kriegsminister Balodis soll die rituelle Verpflegung der in der lettländischen Armee dienenden jüdischen Soldaten sichergestellt werden. Die Aguda hat eine: Kampagne zum Ankauf besonderer Feldküchen für diesen Zweck eröffnet. Kriegsminister Balodis hat erklärt, die Regierurig sei; bereit, der Jüdischen Gemeinde einen entsprechenden Teil der- Verpflegungskosten zu ersetzen. Koordinierung der wirtschaftlichen. Aufbauarbeiten in Palästina. New York, 2. April. Die von der großen Palästina-Konferenz der amerikanischen Judenheit im Januar d. J. in. Washington eingesetzte Kommission für die- Wirtschaftsentwicklung Palästinas hat in New York eine Sitzung abgehalten in der detaillierte: Pläne für die Koordinierung der Tätigkeit der für den Palästina-Aufbau wirkenden Wirtschaftsfaktoren ausgearbeitet wurden. Die Kommission beabsichtigt, in Palästina ein aus Vertretern der jüdischen Verbände bestehendes Komitee zwecks Durchführung dieser Pläne ins Leben zu rufen.. Die Washingtoner Palästina-Konferenz war von 1500 führenden jüdischen Persönlichkeiten, aus allen Teilen der Vereinigten Staaten besucht, die Hunderttausende von Freunden des- Palästinaaufbaus in Amerika vertraten. Die zur Herbeiführung planmäßiger Wirtschaftsarbeiten, in Palästina eingesetzte Kommission besteht äusrderi Herren Israel B. Brodie,. Harry L. Glucksman, Mrs. Eduard Jacobs, Morris Rothenberg,. Dr. I. M. Rubinow, Abraham Schnur, Morris D. Waldman, Dawid Wertheim und Louis Lipsky. Auf der Konferenz wurde betont, daß dieser großzügige Versuch einer Regelung des wirtschaftlichen Aufbaüs in Palästina vermutlich der konstruktivste Gedanke sei, der in den letzten Jahren in Bezug auf die Palästinaarbeit gefaßt wurde. In Amerika allein gebe es eine große Zahl von Stellen, von denen aus Geld nach Palästina ohne jeden festen Plan einströmt. In den übrigen Ländern gebe es weitere Hunderte solcher öffentlicher und privater Geldquellen, Eine genaue Untersuchung der Fachleute werde erst zeigen können, wie groß die hierdurch bedingte Doppelarbeit und Geldverschwendung ist und um wieviel mehr bei entsprechender Zusammenfassung der "gleichen Kräfte geleistet werden könnte. "Eine der Folgen des ungeregelten Einströmens privaten Kapitals sei die Bodenpreissteigerung, die ein ernstes Hindernis für die weitere Erschließung des Landes bilde. Auch die Tendenz des Privatkapitals, sich auf gewisse Gebiete zu konzentrieren, sei gefährlich infolge der damit drohenden Ueberproduktion und Aufstapelung von Warenvorräten, für die kein Markt vorhanden ist. Auch die Tendenz zur Zusammendrängung in den, Städten müsse in diesem Zusammenhang genannt werden. Der Kommission für wirtschaftliche Entwicklung wurde die Aufgabe übertragen, Aufklärung über solche Fehlinvestitionen zu schaffen und neue zweckentsprechende Anlagemöglichkeiten ausfindig zu machen. An die Jewish Agency wurde die Aufforderung gerichtet, die Schaffung' einer gleichartigen Wir tsi.c h af t s k ömm i s s i on für alle Länder in die Wege zu leiten, um so planmäßige Wirtschaft in Palästina zu ermöglichen. Die Einsetzung einer solchen Kommission, die unäbHän g i g s ein mü ß t e von den i n - nerp o litis cli e n V e r häl t n i s s en der Organisation, jedoch tmteitfworfen ihren aligemeinen politischen Richtlinien in Bezug auf das Verhältnis, zur Mändatarmächt usw.* würde den' größten Fortschritt; der PälästiüäbeWöguhg seit der Erfichtung der Jewish Agency darstellen.

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