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Der Israelit · 1935-03-28 · Heft 13 (28.3.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 13 (28.3.1935)
Date
1935-03-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 13 Der 1 s r a e i l t 28. März 1935 Gedanken nahm er ruhig und ohne Widerspruch hin, und wo er etwas billigte, hatte er dafür ein Dutzend Belege, die gleich in Karpfenteichs Rede geräuschvoll hineingebaut wurden. Rabbi •lekele Krakauer gehörte nicht zu diesem Lehrhause. Er war von chassidischer Einstellung, und der Kriegssturm hatte ihn einmal von einem galizischcn Rabbinatssitze hergeweht, aber er war auch in diesem Kreise we|en seiner immensen Gelehrsamkeit sehr hoch angesehen. {Fortsetzung folgt.) Personalien. Jonas Marx V"ST- Frankfurt a. M., 27. März. Aus Jerusalem kommt die betrübende Nachricht, daß Jonas Marx, der frühere eifrige und aufopferungsvolle Verwalter des Schaare Zedek- Spitals abberufen wurde. Marx war ein Palästinapionier von bester und delstr Art zu einer Zeit, da Palästina noch nicht im Mittelpunkte des jüdischen Gegenwartsinteresses stand. Zusammen mit Sanitätsrat Dr. Wallach begann er vor Jahrzehnten die Arbeit und baute dieses heute anerkannt bedeutendste aller Krankenhäuser in Palästina mit Energie und Zielbewußtsein vom Fundamente bis zur Dachzinne auf. Wenn Dr. Wallach den inneren Betrieb auf die Höhe brachte, die heute allgemein bewundert Wird; oblag Marx die Sorge um die äußere Ausgestaltung und die Erhaltung des Hauses. Er unternahm weite Reisen durch Europa und Amerika und arbeitete für sein Krankenhaus mit aller Kraft seiner Seele, bis ihn die Kräfte verließen und er dann ein geruhiges Heim in dem Hause fand, dem die ganze Liebe seines Herzens gehörte. Fast erblindet, aber von bewundernswerter Geistesfrische und einem eisernen Gedächtnis für alle Dinge des alt-neuen Jischuw auszeichnet, so fanden wir ihn vor drei Jahren in seinem Heime, interessiert und aufgeschlossen auch für alle jüdischen Fragen des Tages. Er war ein Vertreter einfacher, treuer, schlichter Frömmigkeit. Viele werden dem Menschen, Juden und Wohltäter Jonas Marx ^"Ttt eine stille Träne nachweinen. n*axin Berlin, 20. März. Am 26. März (21. Adar) vollendete Frau Alwine Hirsch, Berlin-Siegmundshof, ihr 8 5. Lebensjahr. In Filehne, als Tochter des unvergeßlichen Lehrers Jablonski geboren, war sie mit Moritz Hirsch verheiratet, der, jahrzehntelang Gabbe des Beth-hamidrasch in der Heidereutergasse, weit über Berlins Grenzen hinaus bekannt war. Sie war ihm treue Gefährtin und Mitarbeiterin. Ihr segensvolles Leben gereicht heute noch ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln zum Segen; sie ist der Friedensengel ihrer Familie und ihrer Umgebung. Niemals an sich denken, ihren Mitmenschen Wohltaten in reichstem Maße erweisen, dieses war stets ihre Lebensdevise. Als Lohn ihrer Tugend ist der Jubilarin ein gesegnetes Alter bei seltener körperlicher und geistiger Frische zuteil. Mehrere ihrer Kinder, Enkel und sämtUche Urenkel wohnen in bxiw< fiK- Auch Frau Alwine Hirsch hofft, die Reise dorthin noch antreten zu können. Möge dieser Wunsch sich erfüllen und 'Tri ihr auch fernerhin ihre Kraft erhalten, nir D'ipn nno -ry- L. Professor Jacob Obermeyer 90 Jahre alt. Hamburg, 26. März. Am 21. März wurde Prof. Jacob Obermeyer in Würzburg 90 Jahre alt. Der Jubilar ist eine interessante Persönlichkeit unter den jüdischen Gelehrten. Im Jahre 1845 in Steinhardt im bayrischen Mittelfranken geboren, hat Jacob Obermeyer im Milieu, das früher Männer wie Chacham R. Jacob Bernajs, R. Jacob Ettlinger und später den „alten Würzburger Raw" R. Seligmann Beer Bamberger hervorgebracht hat, seine geistige Formung erhalten. Er hat sich schon in der Jugend gründliche talmudische Kenntnisse angeeignet. Schon in frühester Jugend hat sich bei ihm ein besonderes Interesse gezeigt, das jüdische Leben im Orient kennen zu lernen. Er bereiste im Jahre 1868 Nordafrika von Marokko bis Aegypten, durchquerte ganz Palästina und einen Teil Syriens bis nach Damaskus. Im Jahre 1869 wurde er als Lehrer an eine Schule der Alliance Israelite Universelle nach Bagdad berufen. Nach drei Jahren übernahm er dann die Stelle eines Lehrers und Erziehers im Hause des in Bagdad im Exil lebenden persischen Kronprätendenten Naib as-Saltana, eines Bruders Nasir-ad-dins, des Schahs von Persien. Im Winter des Jahres 1875/76 wählte der persische Prinz Abbas Mirza, der, wie alle Angehörigen der persischen Fürstengeschlechter, ein leidenschaftlicher Jäger war, auf Veranlassung von Obermeyer als Jagdrevier das Gebiet zwischen dem Euphrat und Tigris, wo es diese Zwillingsströme in ihrem mittleren Lauf am nächsten zueinander bringt, das Gebiet der ehemaligen jüdisch-babylonischen Hauptansiedlung von Beginn des babylonischen Exils, die Heimat des babylonischen Talmuds und der gaonäischen Akademien. Wie Obermeyer selbst berichtet, war ihm die Jagd an sich völlig gleichgültig. Nicht auf Gazellen, Rebhühner und die verschiedenen Wasservögel war sein spähendes Auge gerichtet, er ließ keinen Jagdfalken aufsteigen, .um einer geängstigten Rebhühnerkette oder um flüchtenden Gazellen nachzujagen, sein Hund lief ruhig neben ihm her und seine Flinte hing unbenutzt über seinem Rücken. Ihm war doch die Hauptsache bei dieser Reise, seinen -Blick zu werfen auf die Zeit der Abfassung des babylonischen Talmuds und auf die Stätten, wo die babylonischen Amoräer ihre Lehrtätigkeit entfalteten. Sein Auge spähte in der gegenwärtig größten teils verlassenen Steppe nach jedem Rüinenhügel, nach jedem längst vertrockneten Kanallauf, und er grübelte, ob wohl dieser oder jener Ruinenhügel oder Kanallauf, nach seiner örtlichen Lage zu schließen, mit dem einen oder anderen im Talmud erwähnten Ort oder Kanal identisch sein möge. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er im Sommer 1876 in der hebräischen Wochenschrift „Ha-Maggid" eine Reihe von Artikeln unter dem Titel „Meine Reise nach den Ruinen Babylons". Von jener Zeit bis zu seiner endgültigen Rückkehr nach Europa 1884 hat Obermeyer öfters die Gelegenheit ausgenutzt, noch weiter die Landschaft zwischen dem Euphrat und Tigris zu durchreisen und zu durchforschen und seine Kenntnisse über die Heimat des babylonischen Talmuds erschöpfend zu erweitern. Als der Prinz Abbas-Mirzä-Naib-assaltanah, der sich in der Zwischenzeit mit seinem Bruder versöhnt hatte, im Jahre 1881 nach Persien zurückkehrte, begleitete ihn Obermeyer zuerst nach Kaswin und später nach Teheran, wo er die' Stelle des Lehrers im Hause des persischen Prinzen beibehielt. Im Jähre 1884 erhielt er eine Berufung nach Wien als Lehrer der arabiscehn und persischen Sprache und Literatur an der K. K. Lehranstalt für orientalische Sprachen, wo er bis 1915 tätig war. Im Jahre 1907 erschien das bekannte Werk von Obermeyer „Modernes Judentum im Morgen- und Abendland" (Wien und Leipzig). Dieses interessante Werk behandelt mit großer Sachkenntnis viele aktuelle Probleme des jüdischen Lebens und ist durchdrungen von einer besonderen Liebe des Verfassers zum thoratreuen Judentum, im Geiste dessen Obermeyer sein ganzes Leben geführt hat. Im Jahre 1929 hat Obermeyer sein Lebenswerk' „Die Landschaft Babyloniens im Zeitalter des Talmuds und des Gaonats"{ Geographie und Geschichte nach talmudischen, arabischen , und anderen Quellen) veröffentlicht. Dieses Werk ist eine reiche und unentbehrliche Quelle für jeden Forscher auf dem Gebiete der Geographie des babylonischen Talmuds und unterscheidet sich von den Arbeiten seiner Vorgänger auf diesem Gebiet, da er außer den bisher benutzten Schriftstellern des Altertums sich auch auf die arabischen Geographen und Historiker stützt, und Obermeyer nicht zuletzt seine eigene Anschauung über alle Stätten und Flecken Babyloniens zugute kommt. Es ist interessant zu bemerken, daß der Verfasser bei Erscheinen dieses Buches bereits 84 Jahre alt war und selbst die Korrektur gelesen hat. Das Buch ist aber in so bewundernswerter Lebendigkeit geschrieben, daß man kaum das hohe Alter des Verfassers merken kann. Jetzt lebt Professor Obermeyer im Israelitischen Altersheim in Würzburg, wo er sich noch lange Jahre seiner wohlverdienten Ruhe und geistigen Frische erfreuen möge. Prof. Dr. Isaac Markon, Hamburg. Hamburg, 26. März. Man schreibt uns: Am 27. Adar II begeht Herr Distriktsrabbiner Dr. Josef Wohlgemutfa, Kitzingen a. M., seinen 5 0. Geburtstag. Dr. Wohlgemuth erhielt die Grundlage seines jüdischen Wissens bei seinem Großvater, dem bekannten Rabbiner Jesajah Wohlgemuth V"j'. dessen Gelehrsamkeit, in der litauischen Schule wurzelnd, weltbekannt war. Wissen und Charakter von Josef Wohlgemuth wurden würdig ergänzt vom Vater, dem in jüdischen und profanen Spezialgebieten gleichermaßen gebildeten Levy Wohlgemuth b"n Josef Wohlgemuth, Kitzingen orientierte sich und sein Leben in erster Linie an dem Geiste dieser beiden Großen, und es war von jeher sein Ideal, das umfangreiche Wissen seines Großvaters und den lauteren Charakter seines Vaters in sich harmonisch zu vereinen. Bei aller Herzensgüte ist Dr. Wohlgemuth von unerbittlicher Konsequenz, wenn es sich um die Wahrung des Religionsgesetzes handelt. Die Art aber, in der dies geschieht, zwingt auch den Abseitsstehenden ganz von selber zur Respektierung seines Wortes. Wir wünschen Herrn Dr. Wohlgemuth noch ungezählte Jahre segensreichen Schaffens im Kreise seiner Frau und Kinder. wsnay Vermischtes. Würzburg, 25. März. Die Absolventen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg unternehmen zum Abschluß ihrer Ausbildung, begleitet von Herrn Seminarlehrer E. Stolberg, eine Studienreise nach Erez Israel. Die Reise, die etwa 7—8 Wochen dauern wird, wurde durch die wohlwollende Mithilfe der Reichsvertretung der deutschen Juden ermöglicht. Die Ausgestaltung des Programms für den Aufenthalt in Erez Israel liegt in den Händen der Herren Studienrat Dr. Leschnitzer, Berlin und Dr. Ernst Simon, Jerusalem. Hamburg, 15. März. Unsere Zeit sucht die Nähe des Allgütigen, und mit tieferem Ernst als je zuvor spricht in unseren Tagen der Jude beim Eintritt ins G'tteshaus: „O Herr, ictf' liebe dite Stätte'Deiaefc Hauses!"' So hat auch die Portugiesisch-Jüdische Gemeinde Hamburgs nach Ueberlassung ihres altehrwürdigen Altstadt-Bethauses an ,die deutsche Gemeinde ihre neue Synagoge inmitten einer Gegend v pulsierenden jüdischen Lebens errichtet und am Abend des 14. März feierlichst ihrer Bestimmung übergeben. .Nach einleitendem Chorgesang begrüßte der' ^Vorsitzende, Herr F. B. Lüria, die zahlreichen rabbinischen-iuid sonstigen Vertreter der deutschen Schwektergemeindje und der Nachbargemeinden, wobei jedochauch Gruß und Segenswunsch* für das Land nicht »fehlten; dem wir-angehören und dienen, da wir in ihm leben und unserem G'tte dienen können. — Es war ein herzerhebender Ausdruck der Einigkeit der Stämme Israels, wie der Vorsitzende der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburgs, Herr Rechtsanwalt D a v i d , diesen freundschaftlichen und brüderlichen Gruß durch Erinnerungen an die gemeinsame glorreiche Vergangenheit ebenso herzlich erwiderte, unter vielen geistvollen Thoraworten und unter Erwähnung des größten Sohnes des sefardischen Stammes, des-jetzt so viel - gefeierten Maimonides. ^- In traditioneller sef ardischer Sangesweise sprach, als Kind dieser Gemeinde, Rabb. Dr. B. C o h e n r Friedrichstadt das Schechejonu und entzündete das Ner- Tomid, und auch in ebenso traditionellen Klängen trugen dann die Rabbiher und Honöratoren sämtlicher vertretenen Gemeinden , die Thorarollen mit ihrem reichen, jahrhundertealten Schmuck in den Hechal, der ein genaues Abbild desjenigen der bisherigen portugiesischen Synagoge ist: Diese ganze Synagoge gleicht ihrer Vorgängerin Völlig sowohl im Grundriß als auch im maurischen Stil, der in ihr noch viel deutlicher ausgeprägt ist als in der bisherigen und an die glückliche Vorzeit im maurischen Spanien erinnert. — Nach einem Seelengebet für sämtliche bisherigen Rabbiner der portugiesischen Gemeinde (seit Chacham Bernays war es der jeweilige deutsche Hamburger-Raw) durch Herrn Oberkantpr A. .Sarefa;ti bestieg Herr Oberrabbiner Dr. S. Rodriguez, Pereifa die Kanzel, um in begeisternden und aufrüttelnden Worten die Bedeutung des Bethauses für das jüdische Leben zu feiern und die Grüße der holländischen Schwestergemeinden zu überbringen.,Das heiße Mühen des Königs Salomo um die Oeffnung der. Tore des Heiligtums, so sagte Chacham Tereira, findet auch im Heiligtum des Herzens nur dann seinen Erfolg, wenn man durch das eigene Leben das Cheßed der Altvorderen neu verwirklicht und wenn uns das Haus G'ttes nicht Berg :und Feld, sondern eine traute Heimat wird: Abendgebet und Schlußchöre endigten die Feier, und das jüdische Hamburg ist um eine Stätte reicher, an welcher jüdisches Leben" im wahrsten äinne durch .Gebet -und Lehre gepflegt werden .soll. : iii. Xi. ii ..; iL i ii. ärVv »Tb:' t i . 1 Sj ■ Die Frankfurter Woche. Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft. Die am Montag Abend stattgehabte ordentliche Gemeindeversammlung der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft war verhältnismäßig gut besucht. Den Vorsitz führte Herr Philipp P o s e n. Gemeindesekretär Bergmahn verlas den Geschäftsbericht, der mit Genugtuung feststellte, daß ungeachtet der gewaltigen finanziellen Schwierigkeiten, mit denen die Gemeinde infolge des Wegzugs und der Verarmung zahlreicher Mitglieder zu kämpfen hat, sich doch gerade in dieser schweren Zeit die geistige Substanz der Kehilla aufs äußerste bewährt habe. Der Bericht läßt die Wirksamkeit der einzelnen Gemeindefaktoren: des Rabbinats, der Volksschule und Realschule, der Thoralehranstalt Jeschiwa, der Lernvereine, Revue passieren und dankt allen Beteiligten für die in diesem schweren Jahre betätigte Hingabo und Opferwilligkeit. Die Anwesenden erhoben sich zu Ehren der im Berichtsjahre heimgegangenen Verwaltungsmitglieder von den Sitzen. Eine' Aussprache über den Bericht kam nicht zustande. Die im Anschluß an die Gemeindeversammlung stattgehabten W a h 1 e n ergaben für den Vorstand die Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Herren Philipp Posen und Hugo B o n d i, für den Gemeinderät die der Herren Heinrich Eisem ann und Leopold Schwab. Schlußfeier der Samson Raphael Hirsch-Schule. Die Feier findet am 31. März, vormittags 10.30 Uhr in der Aula der Schule statt. Freunde und Gönner der Anstalt sind herzlichst eingeladen. Nachmittagsveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Amn'öws'pnaw. 30. März, 17.45 Uhr, im Anschluß an den Liwjatb Chen-Vortrag des Herrn S. Schac hnowitz, beginnt der Vortragszyklus über die nun durch Herrn Rabbiner M; Feuerwerker, im Hörsaal, Friedbergeranlage 5. Auch Nichtgemeindemitglieder sind herzlich willkommen. Jugend-Schiurim. 5 o n n t a d und D ie n s t a g von 20.30—22.00 Uhr Gemoro: Herr Gemeinderabbiner Josef J. Horovitz. — Schabbos abend 21.00 Uhr: Dinim und Mussär: Herr Rabbiner ": Feuerwerk er. — Beide Schiurim' finden im Hause des Herrn Gemeinderabbiners,. Fichtestraße 5, statt.

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