Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1935)
- Date
- 1935-03-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 13 Der Israelit 28. März 1935 dischen Landeskongreß zu maskleren, während er doch nichts weiter als eine Parteizusammenkunft der neologen Organisation war. - - Im übrigen ist die Zeit nicht danach angetan, Innerjüdische Kämpfe zu führen. Man befürchtet allgemein, daß die erregte Stimmung der Wahlen das Suchen nach einer regierungsfähigen Majorität sehr leicht die antisemitischen Instinkte aufpeitschen und der kulturellen und wirtschaftlichen Position der ungarischen Juden schweren Schaden zufügen kann,' Manche Wahlplakate und Wahlaufrufe lassen solche Befürchtungen begründet erscheinen. Die Pester neologe Kultusgemeinde wendet sich scharf gegen den von einer kleinen Gruppe unternommenen Versuch, eine „nationale" Partei ungarischer Jaden mit antizionistischer Spitze zu gründen, obgleich der Sohn des Ober- : irabbiners Hevesi, Dr. Franz Hevesi, bei der Parteigründung führend mitwirkt. Hevesi jun., der ebenfalls Rabbiner ist, würde von seiner Gemeinde zum Rücktritt veranlaßt. TschechoslovakeL Aus dem agudistischen Leben der Slovakei. Bratislava, 15. März. Auf Beschluß der Leitung der Landesorganisation ist für das Gebiet der Slovakei und Podkarpatska- Ruß eine Erez Jisroel-Zentrale derAgudo ins Leben gerufen worden. In die Leitung wurden seitens der Landesorganisation die Herren Bela Kastner und Max L ö w y , seitens der Jugendorganisation Emil K 0 t h delegiert und die Herren D, Josef Fisch und Bernard Schreiber zugewählt. Die slovakische Agudas Jisroel hat sich auch bisher schon praktisch mit größtem Erfolge für die Erez Jisroel-Arbeit eingesetzt. Die Grundlage der hierfür betriebenen Sammlungen bildet die schon von der I. Kenessio Gedaulo für die Slovakei ins Leben gerufenen „Kaufer Nefesch" -Institution, aus deren Mitteln im Herzen Jerusalems ein geräumiges Grundstück zur Errichtung einer Beth Jacob- Schule erworben worden ist. Für die H a c h - s c h a r a h - Arbeit sind mehrere Machane Olim errichtet worden und die aus diesen Lagern hervorgegangenen slovakischen Jungagudisten arbeiten zum Teil in Machane Jisroel, zum Teil in Petach Tikwah und in anderen Kolonien. Für den nächsten Aufnahmetermin werden 60 neue Hachscharisten in vier Lager aufgenommen. Als starker Mangel wird das Fehlen eines Beth Olim für die nach Erez Jisroel einwandernden jungen Agudisten empfunden. Es wurde daher in Anwesenheit von Rabbi Mosche Blau hier eine Aktion zur Errichtung eines Beth Olim in einem der palästinensischen Häfen .erogeleUet, die sich gut : zu entwickeln scheint. Im Rahmen der n"n D"'nanp-Aktion unserer Jugend wurden tausend Sammeltaschen verbreitet, die ein gutes Resultat versprechen. Wie aus Erez Jisroel gemeldet wird, hat der Nitraer Raw, Oberrabbiner Ungar, seine zu Purim geplante Rückreise Um ZWei Wochen aufgeschoben, da die Arbeit der jetzt erst komplett gewordenen Delegation seine Mitarbeit erfordert. England« -1 , r- Der „Appeal" für die, deutschen Juden, r Y' London, 20. März, Der dritte Aufruf zur Hilfe für die deutschen Juden, von Lord R e a d i n g , Lord Roth s c h i 1 d , Weizmann, Sokolow und Chiefrabbi Dr. Hertz unterzeichnet, ist nun an die englische Bevölkerung erlassen worden. Die feierliche Inaugurierung der Sammelkampagne fand mit einer von Viscountess E r 1 e i g h und Leonard Montefiore veranstalteten Versammlung im Woburn-House statt. Einleitend berichtete Mr. Montefiore über die Verwendung der durch den letzten Aufruf eignegangenen etwa Lst. 176.000. Der überwiegende Teil hiervon ist nach dem heiligen Lande gegangen, Chiefrabbi Hertz setzte sich in seiner eindrucksvollen Rede für die Vergrößerung der vorhandenen und die Errichtung neuer jüdischer Schulen in Deutschland und für die Stützung und Aufrechterhaltung der jüdisch-r eligiösen Institutionen der deutschen Gemeinden ein. Sonst werde das geistige und religiöse Gebäude der deutschen Judenheit ins Wanken geraten, Neville Laski schilderte das traurige Los der deutsch-jüdischen Emigranten, Mit Reden sei heute nicht zu helfen. Was man brauche, seien amerika-; nische Dollars und englische Pfunde, Der bevorstehende Aufruf für die polnischen Juden sei in. keiner Weise als Konkurrenz des dritten deutschen Appeals aufzufassen. Es sprachen dann noch Reverend M« L. Perlzweig, der die Solidarität der Juden der. ganzen Welt gegenüber den gegen sie gerichteten Angriffen betonte. Er rühmte die Opfer,, die die deutschen Juden in, früheren Zeiten für die Gesamtheit gebracht hätten. :, Die Liste der in den ersten Tagen eingegangenen Spenden weist Lst. 54.000 aus. An erster Stelle stehen die .Besitzerfamilien des bekannten englischen Einheitspreiskonzernes, Marks u. Spencer, mit einer Zeichnung von Lst, 10,000, Am Sonntag, den 15. März haben dann fünf große Versammlungen stattgefunden, bei denen außer den bereits genannten führenden Persönlichkeiten der bekannte nicht jüdische Judenfreund Brig.-Geh, Sir W.y ndham Deedes eine bemerkenswerte ' Rede mit weitschauenden historischen Perspektiven hielt. Wir wollen hoffen, daß diesmal ein großer Teil der eingehenden Gelder für die Erhaltung und den Ausbau der jüdisch-religiösen Kulturinstitutionen der deutschen Judenheit Verwendung finden wird. 'Es sollte nicht vergessen werden, daß auch die aus Deutschland auswandernden Juden, insbesondere die Jugend, zunächst einmal in wahrhaft jüdischem Sinne er zog e n werden und mit tiefer Bildung ausgestattet werden muß, wenn aus ihrer späteren Emigration alsdann den Einwanderungsländern, insbesondere dem heiligen Lande, ein Segen erwachsen soll. Die deutsche .Orthodoxie insbesondere hat im jetzigen Augenblick eine heilige historische Mission von unerhörter Tragweite zu erfüllen und es muß gehofft werden, daß dieser Tatsache von Seiten des British Central Fund nicht vergessen wird. In Chiefrabbi Dr. Hertz werden diese religiösen Forderungen des deutschen Judntums sicherlich einen beredten Anwalt finden. E. S. Palästina. Aus dem Leben Erez Jisroels. Besuche der Delegation. — Bildung einer Agentur der Welt-Agudo. — Aus der arabischen Presse. — Die Darlehenskasse der Zeire Agudas Jisroel. Jerusalem, 21. März. Die Agudo-Delegation hat in der abgelaufenen Woche ihre Arbeit eifrig fortgesetzt. Neben wiederholten Rücksprachen mit den Behörden, insbesondere über Fragen der Alijah und der Zertifikate, fanden mehrere Sitzungen zur Regelung der schwebenden Organisationsfragen statt. Entsprechend den vom Zentralrat und von der Baseler Tagung beschlossenen Richtlinien wird neben der auf breiterer Basis neu zu konstituierenden palästinensischen Landesorganisa-' tion der Agudas Jisroel eine Agentur der Welt- Agudo errichtet, die unmittelbar der Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation verantwortlich ist und von ihr ernannt und instruiert wird. : ' Eine) wie zu hoffen, ergebnisreiche Aussprache fand mit den Vertretern der J e wils-h A g e n c y in Zertifikat-Angelegenheiten statt. Es wurde zugesichert, ' daß den von den Palästina-Zentralen der Agudas Jisroel aus verschiedenen Ländern eingegangenen lebhaften Beschwerden abgeholfen und die rückständigen' Zertifikate unverzüglich ausgefolgt werden sollen. In der letzten Zeit hatten sich jene Beschwerden in beängstigender Weise gehäuft. Das Aufblühen der Wirtschaft hat, obgleich es ja nicht zum wenigsten den Arabern zugute kommt, in der arabischen Presse zu erneuten Angriffen gegen die jüdische Aufbauarbeit geführt. Dabei werden der Regierung manchmal Vorschläge empfohlen, die für die arabischen Interessen mindestens so schädlich, wenn nicht noch schädlicher wären, wie für die Jüdischen. Es vergeht kaum ein Tag, an, dem in den arabischen Blättern inicht mehr oder minder heftige Hetz--, artikel gegen die Juden erscheinen. Dazu gibt insbesondere das jetzt bevorstehende Kurbanfest- Anlaß. „Doar Hajom" veröffentlichte gestern einen interessanten Auszug aus einem Artikel des arabischen Blattes' „ I s 1 a m i a ". Der Artikelschreiber bemerkt, daß.man schon vor Generationen, den" Aufstieg Haifas prophezeit habe. In arabischen Kreiseri habe" man damals gesagt, es werde in Haifa noch einmal ein Stückchen Erde, auf dem sich ein Kamel niederlassen könne, so viel wert sein, wie das ganze Kamel. Heute Verkaufe man 2 qm Boden für den Kaufpreis von 4 Kamelen. Dann führt der Aufsatz weiter aus, daß die geographische Lage von Haifa die Möglichkeit einer außerordentlich raschen Entwicklung verheißt und wenn man Jerusalem als die Stadt der Geschichte, Jaffa als die Stadt der Gegenwart ..bezeichnen könne, so sei Haifa der Hafen und die Metropole der Zukunft. Auf Grund dieser Tatsache nun fordert der Artikelschreiber alle Araber Erez Jisroels auf, aus der Lage logische Schlußfolgerungen zu ziehen und sich nicht von finanziellen Interessen leiten zu lassen. Sie sollten den Boden, den-sie besitzen, behalten, weil er in der nächsten Zukunft ihnen Segen bringen werde. Es ist schon ein Fortschritt, daß man in dem arabischen Aufsatz einen Appell an die Logik findet. Nur eines hat der Verfasser vergessen:, wenn die Araber seinem Rate in der Vergangenheit gefolgt und ihren Boden für sich behalten hätten, so daß eine jüdische Siedlung unmöglich gewesen wäre, so hätte sich die Aufwärtsentwicklung Haifas natürlich auch nicht vollzogen. Dann würden Tausende von Arabern auch innerhalb Palästinas, denen es heute glänzend geht, ebenso hungern und darben wie ihre Brüder im Hauran und Transjordanien. Die Jerusalemer Zeire Agudas Jisroel- Gruppe beschloß eine neue Propaganda für die auf den Namen von Rabbi Chajim, Sohnenfeld V'xt vor 7 Jahren . gegründete Gemilus Chese.d - Kasse „Ozar Hachafim", Viele orthodoxe Juden in Erez Jisroel und im Auslande und viele Abteilungen der Zeire Agudas Jisroel habn an der Entwicklung dieser Darlehenskasse mitgeholfen und schicken von Zeit zu Zeit ihre Beiträge. Angesichts der gedrückten Lage der Jeschiwo-Leute, denen eine solche Gemilus Che- "sed-Kasse eine außerordentliche Wohltat bedeutet, wäre die Förderung der Kasse ein besonders gutes Werk. Die Leitung der Kasse liegt in den Händen von Rabbi Elias Slotnik, eines der Führer der Zeire Agudas Jisroel-Bewegung in Erez Jisroel. Amerika. Die Entwicklung des jüdisch-theologischen Seminars. New York, 1. März. Die Januar-Nummer des „Jewish Forum" veröffentlicht ein,e längere Zuschrift von Ahron Rosmarin, in der im Anschluß an frühere Ausführungen des gleichen Autors erneut auf 'die verhängnisvolle geistige" Entwicklung des „Jüdisch-theologischen Seminars" hingewiesen wird. Das Seminar, das nach dem Willen seines Gründers, Sabato Mprais, und; bis zu einem gewissen Grade auch seines ersten Rektors, Prof.. Schächter, eine Pflanzstätte des orthodoxen Judentums sein sollte und das auch heute noch von seinem Präsidenten, Dr. Cyrus Adler,.offiziell als eine solche Pflanzstätte proklamiert wird, 'dient heute in: Wirklichkeit den, beiden führenden Dozenten, den t Rabbis Kaplan und Finkelste'in, als Katheder für ihre gänzlich unjüdischen Theorien. Von Kaplan ist dies , seit, langem bekannt und auch/ '^Rosmarin weist darauf hin, daß Kaplan grundlegende Bestimmungen des Thoragesetzes auf dem Wege seiner sonderbaren Theologie als aufgehoben erklärt. Sein Schüler ist Rabbiner Finkelstein, der in unzweideutiger Weise das grundlegende Dogma des' Judentums, Thora minhaschomajim,-leugnet, wofür Rosmarin in seinem Artikel einleuchtende Belege beibringt. Bei der weitgehenden Unklarheit und der Gewohnheit des Vertu-; schens aller geistigen Gegensätze, wie sie in Amerika von jeher vorwaltet, : bedarf es natürlich einer starken Aufklärungsarbeit, um selbst in den orthodoxen Kreisen eine richtige Vorstellung von: dem Geiste zu schaffen, der das Schächter'sche-Seminar-heute unter der Führung .von Männern wie Kaplan und Finkelstein beseelt.