Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1935)
- Date
- 1935-03-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 13 Der Israelit 28. März 1935 eine Abänderung oder Aufhebung also zulässig. Eine solche Aufhebung sei auch erfolgt; die Beitragszahlung habe mit der Auflösung des GDA ihr Ende erreicht. Der Beschluß des GDA, sich aufzulösen, sei rechtswirksam. Die Anordnung der Deutschen Arbeitsfront, die im Rahmen der umwälzenden Maßnahmen der deutschen Reichsregiernug gelegen habe, brauche sich nicht an die Satzungen einzelner Vereine zu halten, wenn sie nur dem Willen der Reichsregierung entsprochen habe. Das sei der Fall. Der GDA habe sich also der Anweisung zu fügen gehabt, er habe jede Tätigkeit einstellen müssen und dürfe daher auch Leistungen dieser Art nicht mehr gewähren. Das Urteil des Amtsgerichts Berlin liegt, wie die ..Frankf. Ztg." dazu bemerkt, zeillich früher als der erwähnte Beschluß des Kammergerichts. Inzwischen ist vor allem das neue „Gesetz über den Ausgleich bürgerlich-rechtlicher Ansprüche" ergangen, welches gerade in solchen Fragen eine Entscheidung des Reichsministers des Innern nach Maßgabe billigen Ermessens vorsieht. Darauf hat auch der Beschluß des Kammergerichts Bezug genommen, so daß diz weiteren Entscheidungen in dieser Sache abzuwarten bleiben. Neuaufnahmen in die Sexten der höheren jüdischen Schulen. Berlin, 21. März. Ein soeben erschienener Erlaß bestimmt, daß an den höheren jüdischen Lehranstalten Deutschlands, denen im vorigen Schuljahr die Neuaufnahme im Hinblick auf das Gesetz gegen die Ueberfüllung der höheren Schulen untersagt waren, zum bevorstehenden neuen Schuljahr wiederum Sexten gebildet werden können. Die Aufnahmezahlen für jüdische Schüler werden auf die Prozentzahlen der öffentlichen Lehranstalten in der Weise angerechnet, daß bis zu 1 Proz. aller jüdischen Neuaufnahmen am Schulort den jüdischen Schulen verbleiben können, während der Rest von '2 Proz. sich auf die allgemeinen Schulen verteilt. Die Kinder von Frontkämpfern und Ausländern können außerhalb dieser Zahlen in beliebiger Anzahl aufgenommen werden. Damit ist die Befürchtung, daß die höheren jüdischen Schulen überhaupt allmählich abgebaut werden sollten, glücklicherweise gegenstandslos geworden. Mit der notwendigen Beschränkung der Schülerzahl dieser höheren Schulen wird sich das Publikum :m Sinne der allgemeinen Beschränkung des Besuches höherer Schulen abfinden müssen. Ein Urteil über das Schächten. Berlin, 20. März. In der „Deutschen Fleischer-Zeitung" wird ein Urteil des Oberlandesgerichts in Darmstadt wiedergegeben, das sich mit einem Verstoß gegen das Schächtgesetz befaßt. Danach ist das rituelle Schächten, das nach der Bekanntmachung vom 2. Juni 1917 gestattet gewesen sei, nicht mehr erlaubt. Tierquälereien ohne berechtigten Zweck seien verboten. Das Gesetz über das Schlachten von Tieryi vom 21. April 1933 sei nicht durch das Tierschutzgesetz vom 24. November 1933 außer Kraft gesetzt worden. Der Gesetzgeber habe nicht daran gedacht, jüdische Schächter vor anderen Tierquälern zu bevorzugen; unerheblich sei es, wenn früher den jüdischen Schächtern gesetzlich gestattet worden sei, Tiere zu Schächten und zu quälen. Das Schächten sei als arger Mißbrauch anzusehen, dem scharf entgegengetreten werden müsse. Jüdische Handwerker erhalten nicht das Handwerksabzeichen. Berlin, 20. März. Der Reichsstand des deutschen Handwerks hat in einem Rundschreiben Erläuterungen zur Durchführung der Handwerkerverordnung gegeben. Danach bittet der Reichsstand, das Handwerksabzeichen, das von den Handwerkskammern ausgegeben wird, nicht an nichtarische Handwerker zu verleihen. Das Berliner Rabbinerseminar zu den Maimonides-Feiern nach Cordova eingeladen. Berlin, 22. März. Wie die ITA. erfährt, hat das Rabbiner-Seminar in Berlin vom Festkomitee zur Feier des 800. Geburtstages von Maimonides die Einladung erhalten, an den Feiern in Corgova teilzunehmen. Das Rabbiner-Seminar hat in einem Antwortschreiben seinen Dank für diese Einladung ausgesprochen und seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß .es aus technischen Gründen nicht möglich sei, einen Vertreter nach Cordova zu entsenden. In dem Schreiben wird weiterhin betont, es erfülle das Rabbiner-Seminar mit großer Genugtuung, daß die spanische Regierung den Mann ehre, der sich stets mit Stolz als spanischen Bürger bezeichnet habe. Die Woche. Berlin. Die neue Nummer des „Schild", des Organs des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, ist dem jüdischen Arzt im Weltkrieg gewidmet. Die Sondernummer enthält eine Zusammenstellung von Erlebnissen, Erinnerungen und Tagebuchblättern jüdischer Aerzte, Auszüge aus Regimentsgeschichten über die jüdischen Aerzte und Aeuüerungen nichtjüdischer Vorgesetzter und Kameraden jüdischer Aerzte. in einem Aufsatz wird die Zahl der Kriegsverluste jüdischer Acrzle auf rund 1-93 angegeben. — Wie die ,,C. V.-Zeitung" meldet, ist die Mitteilung, daß das Flaggen durch Juden in den Reichsfahnen unerwünscht sei, im Zu- :.3rnirenhang mit dem Heldengedenktag auch der Jüdischen Gemeinde Berlin zugegangen. Köln. Aus Rheinbrohl am Rhein wird gemeldet, daß das am Ortseingang befindliche Schild „Juden sind hier unerwünscht" entfernt worden ist. Dessau. Nach einem Berichte der „Frankfurter Zeitung" wurde in Desau, der Geburtsstadt von Moses Mendelssohn, die Mendelssohnstraße in Sebastian Bach- Straße umbenannt. Prag. Nach einer Mitteilung der ITA. habe das Oberste Gericht in Brünn als Berufungsinstanz das Urteil gegen den Munkaczer Oberrabbiner Spiro, das wegen seines scharfen Vorgehens gegen den Zionismus und das Munkaczer Hebräische Gymnasium auf 1500 Kronen oder einen Monat Gefängnis lautete, bestätigt. Oberrabbiner Spiro war in erster Instanz freigesprochen worden. Saloniki. In Saloniki werden zur Feier des 800. Geburtstages Maimonides' öffentliche Vorträge abgehallen. Eine Einladung der Gemeinde Cordova zur Teilnahme an den dortigen Feierlichkeiten mußte aus bestimmten Gründen abgelehnt werden. Jerusalem. Im Monat März wird in der Palästinaeinwanderung eine Rekordziffer von über 6000 erwartet. Schon im Februar kamen 5200 Juden ins Land. — Zeitungen meldeten über Ausgrabungen in Lachisch aus der Zeit der jüdischen Könige. Nach einem Bericht der ITA. lassen aber die Funde noch keine sicheren Schlüsse über ihre Bedeutung zu. — Die arabische Stadt Dschennin hat mit der Palestine Electric Corporation (Ruthenberg-Werke) einen Stromlieferungsvertrag abgeschlossen. Mit der Stadtverwaltung von Nablus wurden Verhandlungen über Stromlieferung aufgenommen. — In einem Regierungsbericht wird der Stand der landwirtschaftlichen Kulturen äußerst günstig beurteilt. Es wird ein besonders gesegnetes Erntejahr vorausgesagt. — Unbekannte Täter haben in einer jüdischen Pflanzung auf dem Berg Kanaan 100 junge Bäume ausgerissen. Die jüdische Presse fordert die Regierung auf, strenge Maßnahmen zur Verhütung solcher boshaften Beschädigungen zu treffen. Tel Awiw. Die Zahl der Zuschauer bei dem Purimfestzug in Tel Awiw wird auf mindestens 250.000 geschätzt. Unter den Zuschauern befanden sich zahlreiche Araber und nichtjüdische Europäer. An der Spitze des Zuges fuhr Bürgermeister Dizengoff in einem offenen Wagen in Begleitung seines Arztes. Trotz ausgelassenster Karnevalsstimmung ist es nirgends zu Ruhestörungen gekommen. Nichtarier an deutschen Hochschulen. Berlin, 22. März. Nach der vom Reichserziehungsministerium herausgegebenen „Deutschen Hochschulstatistik" waren im Sommer 1932 insgesamt 3950 Nichtarier in der deutschen Studentenschaft, im Sommer 1933 nur noch 1900; im Wintersemester 1933/34 waren bei zahlreichen Fächern keine Juden mehr neu eingeschrieben. Unter den 87 000 männlichen Studierenden des Wintersemesters 1933/34 waren nur noch 590 jüdisch, in den ersten beiden Semestern studierten davon nur 13. Von den im Wintersemester 1933/34 studierenden 15 000 Frauen waren 223 Jüdinnen. Eer jüdische Nachwuchs im Buchhandel und Verlagswesen. . B e r 1 i n , 22. März. Die auf Anordnung des Präsidenten der Reichsschrifttumskammer vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler zusammen mit dem Lande Sachsen und dem Rat der Stadt Leipzig ins Leben gerufene Reichsschule des deutschen Buchhandels soll der abschließenden Schulung jedes jungen deutschen Buchhändlers auf staatspolitischem, kulturpolitischem und fachlichem Gebiet dienen. Die Lehrzeit für den Buchhändlerberuf gilt nur dsmn als ordnungsgemäß abgeschlossen, wenn sie durch eine Gehilfenprüfung beendet wird, der wiederum ein vierwöchiger Besuch der Reichsschule vorausgehen muß. Reichsschule und Gehilfenprüfung zusammen bilden grundsätzlich die Voraussetzung zur endgültigen Aufnahme in die Fachschaft der Angestellten im Buchhandel und Verlag, wovon die Berechtigung zur Bekleidung von Stellungen im Buchhandel abhängig ist. Für die Reichsschule, die Gehilfenprüfung und die Aufnahme in die Fachschaft der Angestellten im Bund reichsdeutscher Buchhändler ist nach den Durchführungsbestimmungen vom 10. März 1935 arische Abstammung Bedingung. Nichtarische Lehrlinge, die während der Uebergangszeit im Buchhandel noch vorhanden sind, können mit der Aufnahme in die Fachschaft und mit der Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer nicht mehr rechnen, auch wenn sie zum Beleg ihrer richtig abgeschlossenen Lehrzeit die Gehilfenprüfung durchgemacht haben. Aeußerungen über Juden. Köln, 24. März. Auf einer großen Kundgebung in Köln sprach Gauleiter Julius Streicher. In der vorangegangenen Begrüßung sagte Gauleiter Grohe, diejenigen, die zeitweise geglaubt hätten, daß die Maßnahmen gegen die Juden gemildert würden, hätten sich verrechnet. Die Judenfrage, so erklärte Gauleiter Grohe, werde einmal restlos und für immer gelöst werden, und zwar in der Form, wie man sie aus dem „Stürmer" kenne. Gauleiter Streicher entwickelte hierauf in dreistündiger Rede seine Gedankengänge über das Weltjudentum. Nürnberg, 21. März. Der fränkische Gauleiter Streicher hat folgende öffentliche Bekanntmachung erlassen: „Verantwortungslose Elemente haben die Nachricht verbreitet, daß die Juden gegen den Führer ein Attentat angezettelt hätten, und daß infolgedessen die Juden totgeschlagen werden müßten. Man ist sogar soweit gegangen, daß man Plakate anklebte, auf welchen zu dem Pogrom aufgefordert wurde. Im Gau Franken befehle ich und sonst niemand. Ich habe den Geschäftsführer einer Kreisleitung wegen Disziplinlosigkeit entlassen. Ich werde jeden unnachsichtlich aus der Partei ausschließen und verhaften lassen, der sich zu Unbesonnenheiten verführen läßt." Oesterreich. Aussicht auf Zulassung einer orthodoxen Sondergemeinde in Wien. Wien, 22. März. Ueber die Aussichten der Bemühungen um die Schaffung einer orthodoxen Sondergemeinde in Wien teilt das Vorstandsmitglied der Adaß Jisroel, Kommerzialrat Moritz Leitner, folgendes mit: Die zuständigen Behörden haben von uns verlangte Ergänzungen und statistische Unterlagen zu unserer Eingabe vor kurzem dem Bundesministerium für Kultus und Unterricht vorgelegt. Wir erwarten eine wohlwollende Prüfung und Behandlung der Angelegenheit. Ich glaube, daß wir auf eine günstige Erledigung unserer Eingabe rechnen dürfen, da der Herr