Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1935)
- Date
- 1935-03-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Nr. 12 Oer Israelit 21. März 1935 herbestellen," sagte er, „aber wir wollen bis zur nächsten Autohaltesteile gehen." „Wollen wir nicht, lieber Norbert, heute den Weg besser zu Fuß machen?" bat sie unsicher. „Ich fürchte, es könnte zu weit für dich sein." „Ja, ich fürchte, wir wohnen zu weit entfernt," gab sie versonnen zu, und es schien, als dachte sie dabei nicht allein an den weiten Weg bis zum Westende der Stadt. Sie gingen schweigend weiter. Norbert Wilde hatte etwas schweren Kopf. Vielleicht machte es das üppige Essen zur ungewohnten Zeit, vielleicht auch der schwere Wein. Es war auch sehr warm bei den Berches, und all die gelehrten Gespräche und Gesänge. Etwas dumpf rumorte es ihm im Kopfe herum. Er tat trotz der kühlen Herbstluft den Hut ab. Er hate in letzterer Zeit viel mit Kopfweh zu tun. Auch spürte er heute eine sonst nie gekannte Müdigkeit in den Beinen. (Fortsetzung folgt.) Minister und Schtadlon, Eine historische Reminiszenz an Rabbi Mendel Rosenbaum in Zell. Unter dem 1. Oktober 1868 schreibt Minister Zwehl an den Sohn des Reb Mendel Rosenbaum: Inniggeehrter Herr Rosenbauml Gestern habe ich dahier in......, wo ich mich seit mehreren Monaten in Urlaub befinde, Ihren Trauerbrief vom 18. vorigen Monats erhalten, der mir die erschütternde Kunde von dem Hinscheiden Ihres Herrn Vaters, meines besten und treuesten Freundes brachte. Wie mich der Tod dieses Ehrenmannes, der mir in all meinen Lebenswegen so treUi so aufrichtig zur Seite stand, erschüttert hat, das sagen keine Worte. Es ist für uns Hinterbliebene hart, sehr hart, nunmehr diesen Gerechten unserem Anblicke, unserem verzehrenden Danke und unserer innigen Liebe, unserem Wohltun auf immer von fieser Welt entrissen zu wissen. Er gehörte zu den seltenen Männern, die nicht bloß das Herz auf dem rechten Flecke haben, sondern die auch da, wo das Leben sie hinstellt, vermöge jener glücklichen Harmonie zwischen Wille und bewußter Kraft, die sich nicht bloß in ihrem Leben und ihren Handlungen äußert, sondern auch ihrer ganzen Umgebung das Gefühl der Zuversicht, der Sicherheit mitteilt. Es ist hart und schmerzlich und ich habe keine Worte, dieses klar zu sagen. O, wie hat es mich gerührt, daß der edle Mann noch in der letzten Stunde an mich dachte! Aber erhebend war sein Sterben, dieser wahre Tod des Gerechten, den er starb. G'tt hat ihn gewiß gleich zu sich genommen und das ist unser einziger Trost, den wir haben, daß ihm dort im Vaterhause wohler ist als bei uns und daß wir dort beim Vater einen Fürbitter für uns haben, der uns die Kraft und Ausdauer erfleht, den Weg der Schmerzen ergeben zu wandeln, auf dem wir geleitet werden. G'ttes reichster Segen sei mit Ihnen! In der Liebe, in dem sehnsuchtsvollen Angedenken an den teuren Verstorbenen wollen wir miteinander verbunden bleiben. Das hoffe ich von Ihnen, das gelobe ich auf dem frischen Grabe von 'mir. Mit treuer Liebe Ihr ergebener Minister Z w e hl. Zur Adar-Aktion. Die Hachscharäh der Äguda in Siegburg. Gelegentlich einer Reise im Rheinland verbrachte ich einen Schabbos in Köln, wo die Synagoge der Adaß Jeschurun durch die Nachbarschaft des Jahnen gerade zu einer neuen Dampfheizungsanlage gekommen war: Eine feurig begeisternde Anspräche des Raw,' der mit packenden Worten darauf hinwies, daß es heute dringender als je sei, gegen Abfall und unjüdische Assimilation zu kämpfen, denn eine Sache werde nicht deshalb gut, weil sie annähernd ein Jahrhundert bestehe "—, überzeugte mich, daß auch das heilige ni fr« des alten, ehrwürdigen Jabneh aus R. Jochanan b. Sakkai's Zeit hier noch nicht . verloschen sei. Derselbe Geist wehte. mir. entgegen, als ich am; folgenden Tage die nähegelegene Hachscharäh in Siegbürg' ansah. Zür Geschichte ihrer Entstehung sei "erwähnt, daß es ursprünglich.. einige Lehrstellen ..war; ren, die man besonders, dank der Kölner Freunde, in der Gegend für Miskaschrim — Hachscharisten ist wohl weniger klassisch — geschaffen hätte. Der jüdische Optimismus schuf bald durch Benützung eines freigewordenen größeren Fabrikgebäudes die Hachscharäh, wo bald 21 junge Leute Wohnung und Verpflegung fanden, die aber ihre Arbeitsstätte alle in Siegburg, Bonn oder Umgebung haben. So erfreulich und. zukunftversprechend die Sache war, so war das Unternehmen der finanziellen Unterlage bald etwas über den Kopf gewachsen, und fast in seinem Bestand gefährdet, aber dank der rührigen Tätigkeit eines Damen-Komitees in Köln und Düsseldorf wurde die Sache toi für absehbare Zeit saniert, so daß man wohl mit Befriedigung annehmen darf, die Hachscharäh habe auch die Kinderkrankheiten hinter sich und gehe auch einem gesunden Noar Agudati (agudistischen Jugendalter) entgegen. Nun zum Eindruck der Institution selbst. Ein schön gelegenes Haus/von dem zwei Stockwerke zu den Räumen der Hachscharäh eingerichtet: Ein großer Raum zum noian rpa, hier sieht man schon 2vmvin"3«br> in bescheidenem Rahmen, ein Schulchon und Oraun hakaudesch von den neu-umgeschächteten Tischlern selbst hergestellt. Morgens und abends wird mit lohendem Hislahavüs geort, eine ebenfalls von den jungen Leuten errichtete Holzwand trennt dieses von dem Speise- und Lernsaal. Hier spielt sich natürlich das Hauptleben der geistigen Hachscharäh ab. Die Insassen arbeiten zum Teil als Bauern in Siegburg oder Umgebung, aber sie werden keine nms ivix, die dem Boden ganz verfallen, ebenso die Handwerker, Tapezierer, Tischler, Schlosser, sie sind erfüllt von Funken jener naom «nn der heiligen Stadt Jeruscholajim, die nach den Worten unserer ^"in die 'vn^n D'nan bedeuten, nach vollendeter Arbeit setzen sie sich zu gemeinschaftlichen Schiurim und es ist erhebend, wie hier wirklich eine „Sieg-Burg" des Prinzips nsi^a nny wv nun. Taurohstudium mit Arbeit verbunden, durch edelsten Willen und selbstlose Opferfreude entstanden ist. Alles tut mit Liebe und Begeisterung mit, selbst die es in ihrem bisherigen Milieu nicht so gewohnt waren, werden mitgerissen. Als Leiter der Schiurim und Arbeitsgemeinschäften fungieren der allseits bekannte rührigste, Vertreter des Noar Agudati-Gedankens, Fredi Lustig, ein Sohn des Düsseldorfer Raw Horowitz und — Frankfurt darf doch nicht im Triumvirat fehlen — Lewin. In der Küche fungieren fünf junge Damen — gleichfalls als ' Zertifikat-Anwärterinnen — die mit rührigen Händen alle Hausarbeiten vom Keller bis zum Giebel besorgen, aber auch nach der Arbeit Mühe reichliche für sie angepaßte Schiurim haben. Im ersten Stock befinden sich die Schlafsäle. Ueberall herrscht eine von echter Jüdischkeit erfüllte Atmosphäre, zu welcher auch die stattliche Bibliothek von Seforim, die Eigentum der einzelnen Muchschorim sind, bekanntlich beiträgt. Es herrscht vorbildlicher Kameradschaftsgeist, und allen Gesichtern sieht man die Zufriedenheit und das Wohlbefinden an, trotz der erst vor nicht allzulanger Zeit erfolgten Umstellung aus akademischen. und kaufmännischen Berufen, zum Teil auch mit größerem Komfort ausgestatteten Lebensweise. Auch Disziplin scheint tadellos in Takt zu sein. Eine von mir gegebene Anregung, mit Rücksicht auf den abgehenden Zug jetzt Maariw bisemanau zu beten,. und im Moment war das Minjan zur Stelle. Im Frühjahr wird ein Teil der Insassen mit einer Anzahl Chawerim aus Enschede zur Alijah kommen, und man kann wohl hoffen, daß diese jungen Menschen die würdigsten Chaluzim für das Erez Hakaudesch werden, und zum Teil wenigstens ausgleichen die unerfreuliche Ueb er schüttung von *"R.' mit Menschen, die an der Schwelle des heiligen Landes nicht ihre onmn tnin des Golus ablegen. Es wäre zu wünschen, daß der Keren Hajischuw zur Durchführung dieses Werkes, zu der er einen größeren Terrain Boden benötigt, aus allen Kreisen materielle und ideelle Förderung finde und sich jeder einen Anteil an der Alijah dieser Menschen erwerbe, auf die man-mit Rabbi Schimeon b. Jauchoi sagen darf, oniua w- „Mögen von dieser Art immer mehr werden in Jisrael." A. (Aufruf zum Judentum,) Emil Bernhard C o h n hat seinen vor 10 Jahren, an die jüdischen Zeitgenossen gerichteten Weckruf zur Heimkehr jetzt in neuer Auflage erscheinen lassen*) und ihm eine Vorrede vorangeschickt, die das Buch — es ist seiner Zeit in mehreren Aufsätzen von uns gewürdigt worden — aktualisiert und auf die jüngste Vergangenheit und Gegenwart anwendet. Volks t-u m und Sprache, Glaube und Tun, die der Verfasser vor einem Jahrzehnt als die ewigen jüdischen Werte einer ganz und gar unheroischen, dem Skeptizismus verfallenen Jugend ans Herz zu reden suchte, haben sich uir zwischen vielen Zehntausehden als höchst reale Lebensmächte offenbart, .spdaß s sin „Aufruf" Herzen von -ganz anderer Enyjfänglifhkeit wie ehedem: trifft Der Text des Buches selbst ist; unverändert .g^bii.er ben, unverändertalso auch der .Mangel an Gerech- *)~ A üi r u-f "z^tf hi /JJ li.^d e ttfeu\m^ Von.- E^nBern.- hard C o h ri. B e r ll n - S wU 'ö n e bFe r g, t 1.934. Siegfried Scholem. tigkeit und Verständnis für das thoratreue Judentum des Westens, dessen geschichtliche Leistung durch die Brille einer an der Oberfläche haftenden, gemeindepolitisch orientierten Betrachtungsweise gewürdigt- und daher verkannt wird. Den Unschlüssigen und Suchenden kann das Buch gleichwohl heute noch zum starken Antrieb nach oben werden. (Neue Schocken-Bücher.) Als Band 24 Schokk e n - B ü c h e r e i werden 77 „Geschichten von Pflanzen und Tieren" ,aus der jüdischen Ueberlieferung vorgelegt, die von Rahel und Emanuel bdn G o r i o n nach Art des bekannten großen Sammelwerkes „Der Born Judas" neu erzählt sind. Vom Standpunkte eines g 1 a u b e n s 1 o s_e n , in der Bibel eine Legendensammlung erblickenden Nationalismus kann man sich an einer -derar-- tigen Ineinandennischung biblisch-histörischer und legendärer Stoffe — unter -den Quellen sind ganz unbefangen die Weil'schen Legenden der Muselmänner neben Dähnhardts . Natursagen und — der Bibel genannt —- ergötzen und sie Kindern, die zum Unglauben erzogen werden sollen, als Märchenlektüre in die Hand geben. Der thoratreue Jude muß das Büchlein, des ästhetischen Genusses daran ungeachtet, mit aller Entschiedenheit ablehnen. Es raubt der religiösen Ueberlieferung, an der unsre reale geistige Existenz hängt, in aller „Unschuld" ihren Wahrheitswert, ein Verlust, für den auch die farbenreichste „midraschische" Umrankung dieser Ueberlieferung aus höchst ungleichwertigen Quellen keinen Ersatz bietet. Vor der Anschaffung des Büchleins für Bibliotheken von jüdischen Schulen und Religionsschulen müssen wir daher leider warnen. — Dagegen kann Nr. 25 der Sammlung; „Der Sa b b at", von Moritz Zobel, ein starker Band von 200 Seiten und trotzdem nicht teurer als die normalen Bändchen, aufs wärmste empfohlen werden. Es ist eine mit Geschmack und Ehrfurcht durchgeführte Auswahl aus dem ungeheuren Material der Sabbat-Literatur von der Thora an bis zu den Sabbatgebeten und -Gesängen der Gegenwart, die sich gewiß starke Beliebtheit erringen und dem der Quellen Unkundigen reiche Anregung bieten wird. Auch hier bleibt allerdings zu bedauern, daß die m o d e r n e n Quellen, die in ernster Gedankenarbeit die Sabbatidee und Sabbathut mit unsren aktuellen geistigen Interessen zu verknüpfen verstanden haben (wie z. B. S. R. Hirschs hinreißende Sabbataufsätze) fast vollkommen fehlen. , Dieser Mangel könnte in einer hoffentlich bald notwendigen Neuauflage beseitigt werden. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim E. V. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr R.-A. Dr. E. Posen — V2 Stunde vor Mincho im Vereinslokal, „Mikro" Herr Rabbiner H. Meyer. — Sonntag und Mittwoch morgens" nach Schul, m* "n, Herr S. Schachnowitz. — vorm. 9 Uhr, im Vereinslokal : Schülchan Aruch, Herr R.-A. Dr. Schlesinger. — 1 Stunde vor Mincho im Hörsaal j Haftoraschiur, Herr Rabbiner Meyer- Montag (auch Donnerstag) morgen nach Schul: Mischna~ Mitgliederlernen. — abends 7 Uhr (auch Mittwoch) Gemoro, Herr Rabb. Dr. J. Breuer. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna. Hen R.-A. Dr. E. Posen. — abends 7 Uhr Gemoro. auch Donnerstag. Herr R.-A- Dr. E. Posen. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Daf Jaumi Sonntags, 11—12 Uhr, Montag bis Freitag 12—1 Uhr, Samstag 12*/4 Uhr, Herr Sofer, im Vereinslokale, Schwanenstr. 12. Liwjat Chen. Samstag nach Mincho 43/4 Uhr im Hörsaale, Vortrag des Herrn Schachnowitz über: „Wie Maimonides die Gesetze begründet", (zu «Iis) Gesellschaft für jüdische Volksbildung. Montag, den 25. März. 8.30 Uhr, Unterlindau 21. Erinnerungen an Berthold Auerbach, . Jüdischer Turnerbund E. V. .^Am Sonntag, den 24. März, nachm. 4 Uhr findet in der S. R. Hirsch-Schule, Tiergarten 8 . ein Schauturnen unserer Herren-, Mädchen- und Knabenabteilungen statt. Unter dem Motto „Aus unserer Turnstunde" werden Gymnästikübungen, Geräteturnen, Bodenübungen sowie Spiele gezeigt. Eintrittskarten zum Preise von 50 Pfg., für Jugendliche 25 Pfg., Resrv. Platz 75 Pfg. bei unseren Mitgliedern sowie Cafe Grünebäum und Foto Katz erhältlich. Gebetzeiten. -; is naw v Freitag abend 6.10 Samstag höpfcn 6.50 Samstag morg. 8.66 Samstag nachm. 1.00. und 4.30 Samstag abend 7.30 \.: Wochengottesdienst: . Morgens 6.30 y; Nachmittags 6-3.0 .,]'--v - Tefillinlegen,am Morgen 5.25;